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Klang der Stille - Copying Beethoven

Klang der Stille - Copying Beethoven
historien-drama , usa/brd 2006
original
copying beethoven
regie
agnieszka holland
drehbuch
stephen j. rivele, christopher wilkinson
cast
ed harris,
diane kruger,
matthew goode,
joe anderson,
ralph riach, u.a.
spielzeit
104 Minuten
kinostart
5. April 2007
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

15 Minuten lang versteht "Klang der Stille" zu fesseln. 15 Minuten lang erreicht er das, woran die restlichen 89 Minuten so kläglich scheitern. Ja, wäre da nicht dieses Herzstück des Films, in dem wir eine knappe Viertelstunde lang Beethovens neunte Symphonie ohne Unterbrechung serviert bekommen, der Film würde einem Debakel gleichkommen. Doch rechtfertigen 14.42 Prozent gute Unterhaltung den Kinobesuch? Mitnichten, muss man die restliche Zeit doch mit unglaubwürdigen Figuren und einem am Reißbrett entworfenen Drehbuch zubringen. Mozart lehnte es einst aus Zeitgründen ab, als Beethovens Lehrer zu agieren, nun zieht das Wiener Ausnahmetalent schon wieder den kürzeren gegenüber seinem Salzburger Kollegen. Während dieser mit "Amadeus" bereits ein würdiges filmisches Denkmal bekommen hat, muss Louie (wie er "respektvoll" in der Originalversion genannt wird) mit diesem halbgaren Historiendrama vorlieb nehmen. Wahrlich kein Grund, die Ode an die Freude anzustimmen.

Bereits in "Ludwig van B. - Meine unsterbliche Geliebte" durfte Beethoven sich 1994 ja einer fiktiven Verehrerin erfreuen, "Klang der Stille" möchte da natürlich nicht hinterherhinken. Diesmal darf sich die junge Studentin Anna Holtz (Diane Kruger) an dem alten Kauz (Ed Harris) die Zähne ausbeißen, auch wenn das Ganze sich auf eine rein platonische Ebene reduziert. Angestellt um die unleserlichen Noten des Meisters für seine Konzerte in eine verwendbare Form zu bringen, kommt die junge Studentin nicht umhin, Beethoven ihre Kritik und Anregungen zu den Stücken zu präsentieren. Dieser reagiert erst gereizt, doch mit der Zeit beginnt sich eine ungleiche Freundschaft und Abhängigkeit zwischen den Beiden zu entwickeln, sehr zum Leidwesen von Annas gleichaltrigem Verehrer Martin (Matthew Goode).

"Freude, schöner Götterfunken" - ja wenn sich das die polnisch-stämmige Regisseurin Agnieszka Holland und ihre beiden Drehbuchautoren doch zu Herzen genommen hätten. Doch Funken versprüht dieses fiktive Historiendrama kaum und kann fast nie den hohen Erwartungen standhalten, die man der Verfilmung einer derartig faszinierenden Figur automatisch entgegenbringt. Einer der größten Komponisten aller Zeiten, der seine großartigsten Werke mit fast kompletter Taubheit vollendete, solch beißende Ironie liefert doch nun wirklich eine faszinierende Steilvorlage für jeden Filmemacher.
Ironischerweise erledigt bei "Klang der Stille" aber nur einer seine Aufgabe mit Bravour, und der ist schon seit knapp 180 Jahren tot. Die einzig herausragende Szene des Films ist die öffentliche Präsentation von Beethovens neunter Symphonie, bei der man sich zurücklehnt, die Augen schließt und einfach nur genießt. Ja, richtig gehört, Augen schließen, denn nur so kann man vermeiden die emotionslose Anna dabei beobachten zu müssen, wie sie Beethoven mit ihren Anweisungen sicher durch die Aufführung leitet und dessen wohl größten Triumph ermöglicht.

Authentizität, genau hier liegt das große Problem des Films. Nichts gegen fiktive Eingriffe, doch das ausgerechnet eine junge Musikstudentin Beethovens größten Erfolg ermöglicht, fordert schon stark die Akzeptanzfreudigkeit des Publikums. Mit einer überzeugenden Schauspielerin mag man vielleicht damit noch davonkommen, nicht aber mit Diane Kruger. Es mag hart klingen, aber Kruger ist bisher noch in jedem ihrer Filme den Beweis schuldig geblieben, dass sie mehr zu bieten hat als ihre Schönheit (siehe "Troja", "Das Vermächtnis der Tempelritter", "Sehnsüchtig"). Diesen Beweis bleibt sie auch in "Klang der Stille" schuldig und ist mit ihrer leblosen Darstellung einer sowieso schon flachen Figur einer der größten Bremsklötze des Films. Ob am Klavier oder als Dirigentin, Kruger ist 104 Minuten lang unglaubwürdig in und überfordert mit ihrer Rolle.
Wer sein Geld aber nun auf Ed Harris gesetzt hatte wird ebenso enttäuscht werden, denn auch wenn dieser deutlich mehr Energie an den Tag legt, dürften wir es hier wohl mit der Fehlbesetzung des Jahres zu tun haben. Mit seinem muskelbepackten Körper und seinem amerikanischen Akzent wirkt er eher wie eine Karikatur des großen Komponisten, die man nur selten wirklich ernst nehmen kann. Und Szenen, in denen "Louie" in Kneipen mit Kumpels Armdrücken spielt, helfen da auch nicht gerade weiter.

Eines der größten Ärgernisse bleibt uns in den deutschen Kinos aber Gottseidank erspart. Es kommt selten vor, dass man dem Leser die synchronisierte Version ans Herz legt, aber das Akzentmischmasch des Originals ist stellenweise wirklich unerträglich. Während alle amerikanischen Darsteller ihre österreichischen Rollen mit einem amerikanisch geprägten Englisch ausstatten, gibt es von den deutschsprachigen Darstellern die passende heimatliche Färbung. Das verwirrt an sich schon, doch es kommt noch schlimmer. Zu allem Übel verfällt Harris phasenweise immer wieder in ein modernes amerikanisches Englisch, während Kruger den deutschen Akzent nicht konsequent halten kann und so oft ebenso ihr, in den letzten Jahren antrainiertes, amerikanisches Englisch durchschimmern lässt. Das mag nun kleinlich klingen, aber insbesondere bei einer historischen Figur wie Beethoven geht dann die sowieso schon angeschlagene Glaubwürdigkeit vollkommen flöten. Und das die uninteressante und lethargisch-naive Anna Holtz den extravaganten Komponisten derartig beeindruckt, demontiert die Figur Beethovens nur noch weiter.
Genau diese fehlende Glaubhaftigkeit macht es dann umso schwieriger, das mit bedeutungsschwangeren Dialogen nur so vollgestopfte Drehbuch ernst zu nehmen. Wenn der muskelbepackte Beethoven mit US-Akzent über Musik als die Sprache Gottes philosophiert und Anna ausdruckslos sekundenlang in die Kamera starrt, dann springt der Funke einfach nicht über und die Macht der Worte versinkt im Nichts. Das die Grenze zur Lächerlichkeit dabei nicht überschritten wird liegt alleine an Ed Harris, der selbst fehlbesetzt immer noch genügend Leidenschaft und Feuer verbreitet um einen zumindest wach zu halten.

Die Unfähigkeit, eine historische europäische Figur glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen, kann man dabei nicht einmal Hollywood ankreiden. Die bisherige Arbeit der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland, Vorreiterin des polnischen Autorenkinos in den 80ern, sollte sie doch eigentlich für den Job qualifizieren. Den macht sie aber mehr schlecht als recht. Da ist zum einen die mit vielen Schnitten und Handkamera aufwartende deplazierte Anfangssequenz, die so gar nicht zu der traditionellen Inszenierung des restlichen Geschehens passen mag. Zum Anderen hätten wir da Hollands Entscheidung fast komplett auf Außenaufnahmen zu verzichten, und wenn dann sind die Straßen Wiens menschenleer, was "Klang der Stille" in die Richtung eines abgefilmten Theaterstücks manövriert.
Der Fokus auf das Kammerspiel zwischen Beethoven und seiner Verehrerin hätte wohl auch besser funktioniert, wenn deren Beziehung nicht dermaßen unglaubwürdig wäre und nicht immer wieder auf Beethovens Popularität in Wien eingegangen werden würde. Wenn wir erzählt bekommen, dass ganz Wien sein neuestes Stück feiert, dann wäre es eben doch schön, wenn uns die Regisseurin auch einmal einen Blick aus den vier Wänden gestatten würde. Selbst bei Beethovens großem Konzert, bei dem laut Aussage einer Figur ganz Wien versammelt ist, hätten ein paar extra Statisten und mehr Publikumsreaktionen dem Film gut getan.
Auch Nebenrollen werden zu Lasten der beiden Hauptdarsteller mit wenigen Szenen abgespeist, mit ebenso negativen Konsequenzen. Wenn Beethovens Neffe Karl vom Ignorant zum bewegten Verehrer seines Onkels avanciert, dann geht dies relativ emotionslos an einem vorüber, da man vorher kaum Zeit hatte diese Person wirklich kennen zu lernen oder gar zu verstehen.

Doch es ist nicht das Hauptproblem des Films, so "klein" zu wirken, es ist die mangelnde Glaubwürdigkeit, die das Filmvergnügen so entscheidend schmälert. Da ist auch die neunte Symphony nur ein schwaches Trostpflaster, "Klang der Stille" erweist sich seines historischen Vorbildes in fast allen Bereichen als unwürdig.

Matthias Kastl

3

Ich habe den Film gesehen und kann mich der Kritik nur anschliessen. Die 15 Minuten, in denen Teile der Neuten zu hören waren, sind der Höhepunkt des Filmes. Der Rest wirkt blass, wenig überzeugend und fade. Das Warten auf einen guten Beethoven-Film geht weiter.

3

Auch von mir Zustimmung. Der Film erzählt kaum eine Geschichte, nur aneinandergereihte Wutausbrüche eines alten Sacks, durchsetzt mit Lobpreisungen verschiedenster Personen an sein Genie (dass die Hunde und Katzen auf der Gasse nicht befragt werden, wundert). Verschiedene Nebenstränge werden eingeführt und einfach fallen gelassen (der Neffe und der Freund). Die Kamera ist zwar gut, aber nicht wirklich herausragend (dürfte ich bitte, bitte, bitte, auch mal das Orchester etwas länger sehen? Und nicht nur die beiden fuchtelnden Dirigenten? Und nehmen sie bitte die Linse aus dem Ausschnitt der netten Dame).
Der am Anfang präsente Humor geht über die Zeit vollständig verloren. Die Aufführung der Neunten war wirklich hörenswert, sehenswert aber auch nicht unbedingt.
Diane Kruger wiederum fand ich nicht vorzüglich, aber erträglich.

Ich bin nicht gerade aktiver Klassikhörer, genieße die Musik aber durchaus, wenn sie mir mal vorgesetzt wird. Leider entfacht dieser Film nicht das Verlangen, sich mal wieder was von Beethoven anzuhören. Schade, denn eigentlich hat der Mann es verdient.

3

Als großen Beethoven-Fan hat mich dieser Film besonders enttäuscht. Dagegen hat mir der Beethoven Film „Die unsterbliche Geliebte“ in den Neunzigern mit Gary Oldman in der Hauptrolle sehr gut gefallen. Ich glaube, Copying Beethoven schreckt mehr Leute von Klassischer Musik ab als dass er dazu gewinnt. Nein, kein Film der diesem großen Genie der Musikgeschichte im geringsten gerecht wird.

Ich denke nicht, dass ich von einem "anderen Stern" stamme, als der
keifende Rezensent, siehe oben. Was ihn so keifen lässt - darüber möchte ich schweigen. Er selber wird es wissen.
Der Film "Copying Beethoven" ist das Beste, was ich jemals über Beethoven sah. Zum Glück liest ein internationales Publikum keine dümmlichen Filmrezensionen, sondern sieht mit dem Herzen.

Ich selbst bin Anglistin/Germanistin - mit praktischer Theater- und Filmerfahrung - ich denke, ich weiß, wovon ich spreche. Ich verehre Beethoven seit meinem zehnten Lebensjahr (spiele seine Musik auf dem Klavier) und kenne - fast - alle Musik und Schriften von ihm.

Möchtegernintellektuelle lehnen den Film ab - Menschen mögen ihn dagegen.

Und was das Keifen des Rezensenten gegen Amerikaner betrifft - was soll das? Ich wünsche mir noch mehr Filme mit noch mehr Darstellern, die englisch in allen möglichen Akzenten dieser Welt sprechen. Beethoven gehört der ganzen Welt - nicht nur den Deutschen.

Wie können Sie sich anmaßen zu sagen, der Film wäre "gescheitert"?
Sie sind gescheitert, das steht fest, beim Vesuch eine Rezension zu schreiben.

Dr. Anna Naumann

10

habe meine Bewertung vergessen. Können Sie sie bitte noch einfügen?
Danke

Dr Naumann

Ich habe den Film noch nicht gesehen aber ich möchte ihn mir sehr gern noch anschauen. Jedoch gehe ich davon aus das ich auch entäuscht sein werde. Denn es gab bisher kaum einen Film der wirklich sehr gut war von Beethoven. Ich finde das immer nur der künstlerische Teil, sprich seine Werke in dem Vordergrund stehen. Ich habe mir die Biografie von Felix Huch durchgelesen. (mehrmals) Und wenn man dieses Buch so wie es geschrieben steht verfilmen würde dann würde es ein Meisterwerk werden. Denn Beethoven war ein Genius im Bereich der Musik aber er war vorallem ein Mensch wo man heute noch seines gleichen sucht. Sein Herz war größer als jede Sinfonie die er schrieb. Und gerade die Zeit von seiner Geburt bis zu seinem ersten großen Werk haben diesen Menschen geprägt und deswegen sind seine Werke etwas ganz besonderes. Denn er schrieb nicht wie Mozart oder Haydn für die Gesellschaft, sondern das was er fühlte und wonach ihm war. "Für Elise", bis heute ist es nicht bekannt wann warum und wofür er es schrieb, aber ich habe meine eigene theorie entwickelt. Beethoven war ein Mann der verzweifelt seine Liebe suchte und egal wie beliebt er war in der Gesellschaft, die Leere in ihm ist nie von ihm gewichen.

Liebe Grüße Uwe

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