Seit Crash als Einziger den Autounfall überlebte, bei dem
seine Eltern ums Leben kamen, existiert er nur noch, um
anderen
zu helfen. Als Rettungsassistent opfert er sich für fremde
Menschen auf, ohne zu merken, dass er selbst dabei langsam
vor die
Hunde
geht.
Er sieht dies quasi als seine Bestimmung. Einziger Trost
sind seine
Träume, in denen er stets derselben Frau begegnet. Dann
steht
sie eines Tages plötzlich vor ihm, November, die Frau aus
seinen
Träumen, und braucht seine Hilfe. Zum ersten Mal scheint
das
Leben des verzweifelten Helfers einen Sinn zu haben - wenn
es ihm
nur gelingt, sie zu retten und weiter zu atmen....
Nach dem sein erstes Drehbuch in der Verfilmung von
Regisseur Benjamin
Quabeck zu dem preisgekrönten Film "Nichts
bereuen" wurde, führte Autor Hendrik Hölzemann
diesmal selbst Regie. Tatsächlich ist das Skript zu
"Nichts
bereuen" seine Abschlussarbeit im Diplomstudiengang
Drehbuch
an der Filmakademie Baden-Württemberg gewesen. Zu dieser
Leistung
müsste dem 26-jährigen schon mal gratuliert werden, da
vielen noch so talentierten Autoren dieser schnelle Erfolg
sicherlich
verwährt bleibt (und die haben's auf keinen Fall leicht,
wenn
man sich mal Charlie Kaufmanns Leiden in Spike Jonzes Film
"Adaptation"
ansieht).
Aber
zurück zu "Kammerflimmern", dessen Geschichte und
Figuren von Hölzemanns Zivildienstzeit als
Rettungssanitäter
inspiriert sind - was zu einer nur schwer zu verdauenden
Ansammlung
von Tod, Not und Elend auf der Leinwand führt, die
teilweise
erheblich an die Nieren gehen kann. Laut eigenen Angaben
gibt es
in seinem Film keine einzige erfundene Figur, eine etwas
beunruhigende
Aussage. Neben dem hilflosen Retter Crash (Matthias
Schweighöfer,
"Soloalbum")
und seiner
"Traumfrau" November (Jessica Schwarz, "Nichts bereuen",
"Verschwende
deine Jugend")
gibt es noch weitere ähnlich skurrile Figuren, zum
Beispiel
Fido (fantastisch gespielt von Jan Gregor Kremp, "23 -
Nichts
ist so wie es scheint"), der zusammen mit Crash im
Rettungswagen
sitzt und der Mitleid und Fürsorge nur noch mit Zynismus
begegnen
kann. So abgestumpft ist er, dass er zur Entspannung
öfters
mit Dr. Tod (Bibliana Beglau, "Der
Neunte Tag") Sex im Rettungswagen hat, nachdem diese
mal
wieder nur noch den Tod des zu rettenden Menschen
feststellen konnte.
Anhand der Figur Fidos wird der entmenschlichende Alltag
des Rettungspersonals
vielleicht am Besten dargestellt, da seine Figur viel mehr
in der
Realität angelegt ist als die von Crash. Eine der
eindruckvollsten
Szenen ist auch seine Auseinandersetzung mit seiner Frau,
deren
Einstellung und Unverständnis für die Realität dieses
Berufs wohl für die der Allgemeinheit steht.
Weniger
facettenreich ist die Figur des Richie (vergeudetes
Talent: Florian
Lukas, "Goodbye, Lenin!"), der sich mit geklauten
Substanzen
aus der Notarzttasche den Feierabend versüßt. Einem guten
Schauspieler wie Lukas hätte man allerdings mit einer
herausfordernden
Rolle gerecht werden müssen. Herausragend spielen
allerdings
sowohl Schweighöfer als auch Schwarz, die beide im Januar
für
ihre Rollen mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet
worden sind
(Nachwuchsdarstellerpreis, männlich und Darstellerpreis,
weiblich).
Vor allem Schweighöfer spielt viel besser als in
"Soloalbum",
was sehr erfreulich ist. Er überzeugt besonders in der
Darstellung
des "Hamster-im-Laufrad"-Syndroms: obwohl Crash genau
weiß, dass die gerade von ihm gerettete Frau vermutlich in
wenigen Tagen wieder in der Notaufnahme landen wird, gibt
er die
Hoffnung trotzdem nicht auf. Seine beste Szene ist
zweifellos die
Begegnung mit einer Selbstmordkandidatin auf dem Dach
eines Hochhauses.
Wie
verwundbar und gestört Crash wirklich ist, wird vor allem
in
seinen Szenen mit November deutlich, die von Schwarz mit
viel Einfühlsamkeit
gespielt wird. Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin
und ehemalige
VIVA-Moderatorin überzeugt vor allem mit ihrer Mischung
aus
manchmal kindlicher, manchmal erfahrener Frau, wie Crash
Opfer und
Retterin zugleich. Das eigentlich faszinierende am Film
ist das
Tauziehen der beiden vom Schicksal zusammengeführten
Hauptfiguren,
die einander verzweifelt brauchen aber auch gleichzeitig
versuchen,
den anderen zu beschützen. Obwohl Crash die eigentliche
Hauptfigur
ist, stiehlt November ihm oft die Show. Den Kommentar
eines anderen
Rezensenten, Daniel Brühls Talent hätte wohl auf seine
Lebensgefährtin "abgefärbt", obwohl vermutlich
als Kompliment gemeint, erscheint übrigens ein wenig
herablassend
bis sexistisch. Wer so souverän spielt, muss sich so einen
Kommentar nicht gefallen lassen. Aber das nur am Rande...
Minuspunkte gibt's für die nicht wirklich überzeugenden Traumsequenzen, in denen "Realitäts- und Traumebenen" angeblich "virtuos" verbunden werden. So virtuos wirkt das aber nicht, sondern eher holprig und gewollt innovativ. Auch die persönliche Skateboardleidenschaft des Autors und Regisseurs überträgt sich nicht besonders gut auf die Hauptfigur und wäre vielleicht in einem anderen Projekt besser aufgehoben gewesen. Die Schwächen in einem sonst gelungenen Film sind vermutlich dadurch entstanden, dass sowohl Buch und Regie von derselben Person übernommen wurden, und so niemand Hölzemanns persönlichen Eigenheiten einen gut gemeinten Riegel vorschob. Trotzdem ist "Kammerflimmern" zu empfehlen und der Name Hölzemann im Auge zu behalten.



der Film ist einfach nur geil! ich bin bei der feuerwehr tätig und will auch noch sani ausbildung machen weil ich irgendwie menschen helfen muss und ihr leben retten will! der flim ist so realitäts nahe mit den rettern auf der straße das der film nur zum weiterempfehlen ist!!! und vorallem das crash seine traumfrau findet find ich super
Der Alltag im RD ist gut dargestellt.
Die Reanimationsszene ist auch nach Lehrbuch und realistisch.
Allerdings hat der Regisseur wenig drauf und ist das Problem des Filmes.
Die Traumsequenzen sind unfreiwillig komisch.
hab den film grade, wohl reichlich verspätet, im free tv gesehen. ähnlich gut gefallen hat mir als letztes "kahlschlag" mit stipe erceg, was auch einer der "kleineren" deutschen filme ist ( den ich immer noch ehnlichst auf dvd erwarte).
kann beide aufgeführten kritikpunke nicht nachvollziehen, bzw. sie sind mir nicht negativ aufgefallen. gerade die letzte szene die sowohl zum skateboardthema als auch zum traumszenenthema gehört, fand ich mit am besten, weil alles so gut ineinander griff.
denoch, obwohl ich fan dieser art deutscher filme bin und über schwächen dann gerne mal wegsehe, die hier aber sowieso für mich nicht vorhanden sind, fehlt mir irgendwie was greifbares. etwas das denn film zum absoluten ereignis machen würde. aber vieleicht ist gerade das, dass interessante an diesem film. und bei dem milieu und der thematik des films kann man mit dem großen wurf garnicht rechnen. aber 8 augen gibt es dafür alle mal.
über die rezension der konkurenz, die hier auch schon angesprochen wurde, ist nur mnit dem kopf zu schütteln.
Hab viel von dem Film erzählt bekommen und konnte ihn jetzt endlich mal selber kucken und muss sagen: Top!!
Hab bis jetzt noch keinen Film gesehen, der so nah an der Realität des RD spielt. Ich selbst arbeitet auch seit einigen Jahren im Rettungsdienst und musste an manchen Stellen echt schmunzeln, weil ich sehr viele Vergleiche ziehen konnte. Super Film, deshalb 10 Augen.
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