Als Robert Wise im
Jahre 1954 sein Unterwasserabenteuer "U-23" auf Zelluloid
bannte, ahnte er nicht, den Grundstein für ein neues Genre
der
filmischen Unterhaltung gelegt zu haben. Doch seit
Veröffentlichung
dieses
Werks
erfreuen sich die sogenannten "U-Boot-Filme" einer
ungebrochenen
Popularität, auch wenn sie gemeinhin von einer immergleichen
Logik diktiert werden. Die Variablen und inhaltlichen
Kernprobleme
sind meistens Sauerstoffmangel, Wasserdruck und die
Verfolgung durch
den Feind. Können die Männer atmen, wird das Schiff
zerdrückt
oder werden Wasserbomben es zerstören?
In "K-19" befindet sich das gleichnamige U-Boot in
technischem
Sinne nicht in einer Kriegssituation, aber die Geschichte
beinhaltet
eine viel erschreckendere Gefahr: Wird der Atomreaktor des
Bootes
schmelzen, eine nukleare Explosion und mit ihr den
eventuellen Dritten
Weltkrieg auslösen?
Der Film spielt im Jahre 1961, dem Höhepunkt des Kalten
Krieges,
und basiert in seinen Grundzügen auf einem authentischen
Zwischenfall.
Um im Rüstungswettlauf mit dem Westen nicht zu unterliegen,
schickt
die russische Admiralität den Stolz der Marine, die mit
Nuklearraketen
bestückte K-19, in den Atlantik. Das Ziel der Mission liegt
in
dem Abschuss einer ballistischen Testrakete, die den
Amerikanern zudem
die militärische Macht des Ostens demonstrieren soll.
An Bord befinden sich der neue Kapitän Vostrikov (Harrison
Ford)
und sein entmachteter Vorgänger Polenin (Liam Neeson), der
nach
Hinweis auf die technischen Mängel des Schiffes sowie einer
missglückten
Trockenübung zum
Ersten
Offizier degradiert wurde. Vostrikov, eine Art russischer
Kapitän
Bligh, verfolgt von Beginn an einen autoritären Kurs und
treibt
Crew und Boot mehrfach an die Grenzen der Belastbarkeit. Ein
Verhalten,
welches stark mit dem eher kameradschaftlichen Führungsstil
des
ehemaligen Kommandeurs kontrastiert und während des gesamten
Films zu Konflikten führt.
Nach der erfolgreichen Durchführung ihres Auftrages im Eis
der
Arkti, wird die Mannschaft vom russischen Politbüro zu einer
Patrouillenfahrt entlang der amerikanischen Ostküste
abkommandiert.
Dort angekommen, offenbart sich alsbald die Konsequenz der
hohen Anforderungen
an das Boot: Ein Leck im Kühlsystem des Reaktors macht die
K-19
zu einer tickenden Zeitbombe. Wenn nicht innerhalb weniger
Stunden
eine Reparatur gelingt, droht eine nukleare Katastrophe.
Diese würde
aufgrund der unmittelbaren Nähe zu einer Nato-Basis als Akt
der
Provokation ausgelegt werden, und die Welt an den Rand des
Dritten
Weltkrieges führen. Die Kernschmelze kann jedoch nur
innerhalb
des Reaktorraumes verhindert werden, was die Männer in
direkten
Kontakt mit der radioaktiven Strahlung versetzen würde ....
Regisseurin
Kathryn Bigelow hat sich mit Filmen wie "Gefährliche
Brandung"
und "Strange Days" den zweifelhaften Ruf erarbeitet, eine
der "männlichsten" Regisseurinnen Hollywoods zu sein.
Ihre Erfahrung mit derartigen Stoffen spiegelt sich auch
in dem
handwerklich anspruchsvollen "K-19" wieder. Gemessen an
den physischen Limitierungen innerhalb eines
Unterseebootes, in
dessen schmalen Gängen die Kamera im Wesentlichen nur vor
und
zurück bewegt werden kann, gelingt es der Regie, die an
Bord
vorherrschende klaustrophobische Atmosphäre überzeugend
einzufangen.
Ebenso positiv fällt das für ein Hollywood-Projekt
ungewöhnliche
Unterfangen auf, die Geschichte komplett aus russischer
Sichtweise
zu erzählen. Die Russen werden nicht, wie in so vielen
Filmen
über den Kalten Krieg, als Feinde behandelt, sondern
stellen
die Charaktere dar, mit denen der Zuschauer sich
identifizieren
soll.
Auch die Besetzung der beiden Hauptdarsteller
repräsentiert
einen klugen Schachzug, da sich mit Ford und Neeson zwei
einander
ebenbürtige Ikonen des Schauspiels gegenüberstehen. Keiner
der beiden widerstreitenden Seeleute scheint dem anderen
unterlegen
oder auch nur willens, von seinem vertretenen Standpunkt
abzuweichen.
Dieser
Kompetenzgleichstand zweier Führungspersönlichkeiten weckt
zwar Erinnerungen an Tony Scotts "Crimson Tide", gestattet
es seinem Publikum jedoch nicht, die weitere Entwicklung
der Ereignisse
vorauszuahnen.
Der Schwachpunkt des Films liegt jedoch eindeutig in dem
Drehbuch
von Christopher Kyle, das es nicht versteht, die
Handlungen seiner
Protagonisten transparent zu gestalten. So erfahren wir
zum Beispiel
zu wenig über die persönlichen Motive eines Kapitän
Vostrikov, der dem russischen System in falscher
Nibelungentreue
ergeben ist und auch dann nicht um amerikanische Hilfe
bittet, als
seiner Crew die radioaktive Verstrahlung droht. Die Chance
auf ein
wirklich fesselndes psychologisches Drama wird hier
mangels ausreichender
Charakterisierung verschenkt.
Des Weiteren muss sich der Film gegen Ende den
obligatorischen Heldenklischees
und dem Abfeiern der eigenen Moral beugen, was das
ambitionierte
Projekt über die im Angesicht größter Gefahr entstehende
Brüderschaft an Bord eines U-Bootes dann in einem eher
konventionellen
Licht erscheinen lässt.
Dennoch ist Kathryn Bigelow hier spannende Unterhaltung
gelungen,
auch wenn es ihr nicht glückt, dem Genre wirklich neue
Impulse
einzuhauchen. Der überlange Film, der zudem drei- oder
viermal
zu enden scheint, folgt gerade in der ersten Stunde dem
Standard
aller U-Boot-Abenteuer und verschenkt hier zu viel Zeit.
Als es
dann zum Reaktorunglück kommt, sieht man einen deutlich
besseren
und interessanter gestalteten Film, der nicht zuletzt
aufgrund des
intensiven Schauspiels seiner Stars zu überzeugen weiß.


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