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Just a Kiss

Just a Kiss
romantik-drama , großbritannien 2004
original
ae fond kiss
regie
ken loach
drehbuch
paul laverty
cast
atta yaqub,
eva birthistle,
ghizala avan, u.a.
spielzeit
104 Minuten
kinostart
11. November 2004
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

"Just a Kiss" erzählt die eigentlich altbekannte Geschichte zweier gegensätzlicher Menschen, die sich verlieben und ihre Liebe dann verteidigen müssen: Casim (Atta Yaqub) ist DJ und Sohn eines pakistanischen Einwanderers. Roisin (Eva Birthistle) ist Musiklehrerin in einer streng katholischen Schule und unterrichtet Kasims Schwester. Als sich die beiden annähern und schließlich zusammen kommen, droht von allen Seiten Unheil. Besonders Kasim muss seine Freundin verleugnen, um mit seinen Eltern nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Diese haben schließlich schon eine Braut für den Sohnemann gewählt, die demnächst aus Pakistan anreisen soll. Und auch Roisins berufliche Zukunft wird durch die ‚unschickliche' Romanze gefährdet. Werden die beiden Liebenden stark genug sein, ihrem Umfeld zu trotzen?

Das ist die große Frage, und da wir uns abseits von ausgelatschten Hollywoodpfaden bewegen ist sie auch nicht so rhetorisch, wie man annehmen könnte. Die Geschichte selbst ist eigentlich noch das Uninteressanteste am ganzen Film, denn es ist im Grunde genommen nicht viel mehr als klassisches "Wir gegen Die" und "Liebe überwindet alle Hindernisse"-Material.
Das aber immer noch wesentlich interessanter umgesetzt wird als in ca. 90 % der Hollywood-Streifen, denn das Ganze ist einfach nicht so glattpoliert und, Entschuldigung, abgewichst wie dort. Und Regisseur Ken Loach, der große alte Mann des britischen Sozialdramas versieht den Kampf der Liebenden gegen ein verständnisloses Umfeld mit einer besonderen Würde und Zärtlichkeit. Allerdings wird das Ganze dabei ernst und ohne großes Augenzwinkern erzählt, der Vergleich mit dem ähnlich gelagerten "East is East" (der allerdings ganz dreist als Komödie beworben wurde, obwohl vieles darin eher deprimierend war) fällt also aus. Denn für Kasim und Roisin geht es, wie für alle unglücklich Liebenden in Loach-Filmen, um alles: Das Leben. Die Liebe. Und wie das eine nicht ohne das andere geht.

Zu einfach macht es sich auch Drehbuchautor Paul Laverty nicht. Neben dem Islamismus, dessen archaische Regeln ebenso archaische Konzepte wie Zwangsheirat und Bewahren der Familienehre hervorbringen, kriegt auch der gute alte Katholizismus, orthodox betrieben nicht minder fanatisch als der Islam, so richtig eins mit. Jede Form einer derart extrem betriebenen Religion mit einhergehenden Doktrinen lehnt Loach kategorisch ab. Gleichzeitig darf die Ablehnung, auf die die gemischt-rassige Beziehung mit einem Muslimen trifft, auch noch als intelligenter Kommentar zu den weitverbreiteten Vorurteilen an sich und besonders den Ängsten der Nach-dem-11. September-Ära gelten.
Die große Leistung der Darstellung des Konflikts in "Just a Kiss" ist aber das Verständnis, das sogar den vermeintlichen Bösewichten entgegengebracht wird. Der geifernde katholische "Hölle und Schwefel"-Prediger ist da mal rausgenommen, aber gerade Kasims Familie wird so detailliert und fast traurig logisch durchleuchtet als eine Ansammlung intelligenter, sympathischer Menschen, die fühlen, dass sie sich trotzdem den Zwängen eines überbordenden Sozial- und Religionssystems beugen müssen. So werden auch diejenigen, die dem Glück Casims und Roisin im Wege stehen - etwa Kasims ältere Schwester - differenziert gezeichnet. Dadurch kann man ihre Haltung zwar nicht teilen, aber doch nachvollziehen.
Ein wichtiger Pluspunkt ist auch die natürliche und vollständig überzeugende Art der beiden Hauptdarsteller. Ohne die hätte man bei dieser doch etwas steifen Thematik sowieso verloren. Aber die unbekannten Atta Yaqub und Eva Birthistle verleihen dem Film Herz und Hirn - zwei Dinge, die "Just a Kiss" unbedingt auszeichnen.

"Just a Kiss" ist dankenswerterweise Drama und nicht Melodram, ein Liebesfilm ohne Kitsch und ein durchgehend schöner kleiner Film zu einem großen Thema.

Simon Staake

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