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Jussi Adler-Olsen Erbarmen

Jussi Adler-Olsen Erbarmen
thriller , dänemark/deutschland 2013
original
kvinden i buret
regie
mikkel nørgard
drehbuch
nikolaj arcel
cast
nikolaj lie kaas,
sonja richter,
fares fares,
mikkel boe følsgaard, u.a.
spielzeit
97 Minuten
kinostart
23. Januar 2014
homepage
http://www.erbarmen-derfilm.de/
bewertung

5 von 10 Augen

erbarmen 1Nach einem komplett misslungenen Polizeieinsatz, der einen Kollegen das Leben kostet und einen anderen schwer verletzt, wird der dafür verantwortlich gemachte Kopenhagener Kommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) in eine zwar neu gegründete, aber im Kern völlig unbedeutende Sonderabteilung abgeschoben. Im Dezernat Q soll er sich fortan um ungelöste Fälle kümmern, sprich: Diese möglichst schnell und geräuschlos schließen. Eigene Ermittlungen vor Ort sind ihm nicht mehr gestattet, doch schon die erste Akte in die er sich verbeißt lässt Mørck diese Vorgabe schnell vergessen. Denn er hat den Verdacht, dass die vor fünf Jahren verschwundene Politikerin Merete Lnyggard (Sonja Richter) womöglich noch am Leben ist. Zusammen mit seinem einzigen Mitarbeiter Assad (Fares Fares) beginnt der sture Polizist nachzuforschen. Was damals jedoch wirklich geschehen ist und welch grausames Schicksal ein brutal vorgehender Unbekannter Merete zugedacht hat, geht weit über die Ahnungen der Ermittler hinaus.
 

erbarmen 2Der Fall der seit Jahren gefangen gehaltenen Frau (was der Zuschauer schon recht früh erfährt, heißt der Film im Original doch „Die Frau im Käfig“), ist dabei nur der Auftakt zu einer Reihe um den dänischen Kommissar Mørck, der als Romanheld bereits einige weitere verzwickte Verbrechen gelöst hat. Und zwar in den auch hierzulande enorm verkaufsstarken Büchern des Vielschreibers Jussi Adler Olsen, über dessen Erfolg jedoch nicht nur Kritiker wie der ARD-Bücherpapst Dennis Scheck gerne die Nase rümpfen, der die Schwarten des Dänen in seiner Sendung „Druckfrisch“ regelmäßig die Rampe zum Mülleimer hinunterschleudert. Ein Teil des Erfolgskonzepts ist es dabei, die Bücher Olsens schon bei der deutschen Namensgebung an die Bestseller des skandinavischen Kollegen Stieg Larsson anzulehnen, denn Titel wie „Schändung“ und „Erlösung“ erinnern nicht von ungefähr an „Verblendung“ oder „Vergebung“ (wobei ja auch diese Titel schon reine Erfindungen des deutschen Verlages waren).  Kommerziell mag das Kalkül aufgehen und auch die Zuschauerzahlen von „Erbarmen“ waren in seinem Entstehungsland recht beeindruckend, qualitativ sind sowohl die Romanvorlagen als auch die nun vorliegende erste Filmadaption jedoch ein gutes Stück vom Vorbild Larsson entfernt.

erbarmen 3Zwar ist der Fall an sich nicht uninteressant und bietet die Perversität, mit welcher der Entführer hier seine Tat ausführt, zumindest ein paar Schockmomente. Doch insgesamt haben wir es hier eher mit einem der typischen skandinavischen Krimis zu tun, wie sie mittlerweile in bemerkenswerter Anzahl praktisch wöchentlich vor allem auf den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern zu finden sind. Da ist die Landschaft karg und dunkel, die Menschen an sich eher schweigsam und die Hauptperson natürlich ein Ermittler mit psychologischem Knacks kurz vor der großen Depression. Insofern ist die Figurenzeichnung auf der „guten“ Seite schon recht klischeehaft geraten, was nicht nur für die Hauptfigur des eigenwilligen Kommissars gilt sondern eben genauso für seinen braven Handlanger, den zurückhaltenden, aber in entscheidenden Situationen dann selbstverständlich sehr nützlichen und zuverlässigen Assistenten. Der Bösewicht des Films bekommt zwar zumindest ein Motiv für seine Tat verpasst, doch wirklich nachvollziehbar macht dies sein Vorgehen dennoch nicht.

Schauspielerisch ist das alles höchst solide umgesetzt, doch die Regie erreicht kaum Kinoformat, bietet weder packende Actionszenen noch gelingt es ihr, die spezielle Umgebung atmosphärisch einzufangen. Da der Film dank deutscher Fördergelder zu einem guten Teil in Hamburg statt an den Originalschauplätzen des Buches gedreht wurde, kann das auch nicht wirklich überraschen. Das Ergebnis bietet dann halt typisch skandinavische Charaktere die sich visuell jedoch eher in „Tatort“-Gefilden bewegen. Ganz nett und nicht völlig reizlos, aber auch nicht so attraktiv, dass man sich dafür nun unbedingt ins Kino bewegen müsste. Der zweite Film mit dem knurrigen Carl ist aber bereits in Produktion, was  zwar sicher kein Grund ist nun „Erbarmen“ zu rufen, doch die Vorfreude hält sich schon in überschaubaren Grenzen.   

Volker Robrahn

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