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Jungfrau (40), männlich, sucht ...

Jungfrau (40), männlich, sucht ...
komödie , usa 2005
original
the 40-year old virgin
regie
judd apatow
drehbuch
judd apatow
cast
steve carell,
catherine keener,
seth rogen,
romany malco, u.a.
spielzeit
116 Minuten
kinostart
29. September 2005
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

 

Andy Stitzer (Steve Carell) ist 40 Jahre alt und arbeitet als kleiner Angestellter in einem Elektrofachmarkt. Bei seinen Kollegen gilt er als etwas merkwürdig, aber nett, und wird schließlich sogar mal zu einem gemeinsamen Spiel- und Saufabend eingeladen. Bei den üblichen Männergesprächen kommt aber bald Andys dunkles Geheimnis ans Licht: Er hatte noch nie etwas mit einer Frau und ist in dieser Hinsicht eine klassische Jungfrau. Selbstverständlich fühlen sich seine neuen Freunde nun berufen, diesen Zustand zu ändern, und drängen den Armen umgehend in die entsprechenden Etablissements. Das kann eigentlich nur schief gehen, und außerdem hat Andy sein Auge schon längst auf jemand ganz bestimmten geworfen: Auf Trish (Catherine Keener), die bezaubernde Inhaberin des kleinen Ladens gegenüber.

Wer hier schon beim Titel eine ziemlich üble Proll-Komödie vermutet und sich durch die auf derbe Gags fokussierten Trailer darin bestätigt sieht, könnte positiv überrascht werden, so er sich die "40-jährige Jungfrau" denn trotzdem anschaut. Denn man mag es kaum glauben, aber der bisherige TV-Regisseur Apatow bewegt sich mit seinem Kinodebüt wirklich nicht auf dem unterirdischen Niveau eines "European Gigolo". Stattdessen liefert er zusammen mit Co-Drehbuchautor und Hauptdarsteller Steve Carell einen meist ziemlich witzigen und vor allem sehr sympathischen Film ab.
Das liegt in aller erster Linie am fein gezeichneten Charakter von Protagonist Andy, der zwar irgendwo ein Nerd, aber beleibe keine blöde Witzfigur ist. Okay, im Umgang mit Frauen ist er etwas ungeschickt und auch sonst strotzt er nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Doch Andy hat sehr wohl seine Fähigkeiten, die nur im Umfeld von lauter "Hoppla-jetzt-komm-ich"-Typen nicht sofort auffallen. Vor allem ist er ein gutmütiger und sympathischer Kerl, der die Sache mit den Frauen halt ein paar Mal versucht hat, und weil es nicht so recht klappen wollte, eben irgendwann einfach aufhörte es weiter zu probieren, wie er es fast emotionslos erläutert. Stattdessen lebt er nun allein in seiner Wohnung, die nach allen Regeln der Geek-Kunst mit wertvollen Actionfiguren und Comics eingerichtet ist - und bei deren Ausstattung man eine bemerkenswerte Liebe zum Detail erkennt.
Menschen wie Andy dürfte fast jeder kennen, und diese erstaunlich realitätsnahe und für ihn maßgeschneiderte Figur bedeutet zweifellos den Durchbuch für Steve Carell, der sich bisher nur in kurzen Szenen neben Stars wie Will Farell oder Jim Carey profilieren konnte (wobei sein Auftritt als willenloser Nachrichtensprecher in "Bruce Allmächtig" bereits aufhorchen ließ). An die Seite stellt man ihm erfreulicherweise auch kein junges Babe, sondern mit Catherine Keener eine solide Schauspielerin, die sich bekanntermaßen auch an etwas schrägere Rollen herantraut (denn was gab es schon Schrägeres als "Being John Malkovich"?).

Bevor die "Jungfrau" aber hier nun in die Arthouse-Ecke argumentiert wird, muss natürlich festgestellt werden, dass die leisen Töne und die nette Liebesgeschichte nur die eine Seite der Medaille ausmachen. Denn ganz verzichten mag man auf die etwas lauteren und ordinäreren Beiträge zum schlüpfrigen Thema natürlich doch nicht. Da wird dann von peinlichen Aktionen mit leichten Mädchen bis zu den unvermeidlichen Morgen-Erektionen doch noch so manches Klischee verbraten, um die auf etwas derbere Komik abfahrende Klientel ebenfalls ausreichend zu befriedigen. Letztendlich wird's immer dann, wenn Andys Kumpel die Initiative ergreifen, ein bisschen sehr doof. Und während der Film die längste Zeit eine gelungene Balance zwischen lauten Brüllern und leisen Zwischentönen findet, geht diese Harmonie dann in der letzten halben Stunde ein wenig verloren und schlägt doch zu stark in Richtung Drama aus - vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass diese kleine Komödie mit einer Laufzeit von fast zwei Stunden etwas unnötig lang geraten ist.
Den recht positiven Gesamteindruck kann das jedoch nicht wirklich trüben. Und auch wenn dieser vielleicht aus einer sehr geringen Erwartungshaltung resultiert: "Jungfrau (40), männlich, sucht…" ist einfach eine größtenteils witzige und warmherzige Komödie.

Volker Robrahn

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