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Jakob, der Lügner

Jakob, der Lügner
tragikomödie , frankreich/usa 1998
original
jakob le menteur
regie
peter kassovitz
drehbuch
peter kassovitz, didier decoin
cast
robin williams,
alan arkin,
bob balaban,
armin müller-stahl,
liev schreiber, u.a.
spielzeit
120 Minuten
kinostart
28. Oktober 1999
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

1944 in einem jüdischen Ghetto irgendwo in Polen. Den Menschen dort ist außer ihren Erinnerungen nichts mehr geblieben. Jakob Heym (Robin Williams), ehemals leidenschaftlicher Kartoffelpufferbäcker, ist einer von ihnen. Der Monotonie des Alltags entflieht er nur, wenn er in Gedanken bei seiner Frau Chana ist. Doch alles soll sich ändern, als er eines Tages in die deutsche Kommandatur geschickt wird, um um eine gerechte Strafe zu bitten. Sein Vergehen: er soll sich nach acht Uhr auf der Straße aufgehalten haben – ein Verstoß gegen die Ghettoregeln. Auf der Suche nach dem Wachhabenden in der Kommandatur erhascht Jakob eine Radiomeldung, welche er niemals hätte hören dürfen. Und was er dort zu hören bekommt, übertrifft sein Fassungsvermögen: die Russen haben sich bis auf 400 Kilometer dem Ghetto genähert. Die Freude über diese Nachricht kippt jedoch schlagartig in Selbstironie um. Denn die Chancen, diese Kommandatur wieder lebend zu verlassen, sind gleich null. Aber durch glückliche Umstände doch möglich (mehr sei an dieser Stelle nicht verraten). 
Welche Ironie des Schicksals: hat Jakob doch seine Haut gerettet und dazu diese kostbare Information über die Russen erhalten, kann er sie nicht verbreiten, ohne für einen Spitzel gehalten zu werden. Denn wer sonst könnte einen ’Besuch’ in der Kommandatur überleben?! Eigentlich entschlossen, diese Nachricht für sich zu behalten, kommt Jakob nicht umhin, zwei verzweifelten Freunden ohne Lebenswillen von den Russen zu erzählen. Natürlich sollen sie das für sich behalten und natürlich weiß am nächsten Tag das ganze Ghetto bescheid. Und weil ihm keiner die Geschichte mit der Kommandatur abnimmt, entsteht das Gerücht, Jakob besitze ein Radio. Und ohne sein Zutun verselbständigt sich die ganze Situation. Ein Welle der Euphorie schiebt sich durch die Menschen. 
So gerät Jakob in die unglückliche Lage, seine Leidensgenossen jeden Tag aufs Neue mit möglichst positiven Nachrichten zu versorgen. Geradezu ein Eiertanz für ihn, der sich – wie man sich denken kann – ein immer wackliger werdendes Lügengebäude zusammenschustert .....

Wer jetzt glaubt, bei diesem Film handle es sich um eine Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit hat selbstverständlich nicht ganz unrecht. Schließlich hat Jurek Becker, dessen Roman ’Jakob der Lügner’ als Vorlage diente, einen Großteil seiner Kindheit im Ghetto und in Konzentrationslagern verbracht. Außerdem war es den Produzenten ein Anliegen, „ein sehr intimes Portrait des Lebens angesichts des Todes (...), dass von jenen Menschen erzählt, die durch diese Zeit hindurch mussten (...)“ darzustellen (so R. Williams). Da es dem Regisseur Kassovitz jedoch nach eigener Angabe nicht um Schuldgefühle ging, wäre es eigentlich überflüssig gewesen, gleich zu Beginn des Films ganz obligatorisch klarzustellen, wer hier die ’Bösen’ und wer die ’Guten’ sind. Als würde noch jemand daran zweifeln, wer es wohl angenehmer hatte: der hinter oder der vor dem Stacheldraht. Aber na gut. 

Im Endeffekt geht es dann doch um die Geschichte, die sich innerhalb des Ghettos und um das Radio herum abspielt. Nur so viel: es geht um Hoffnung. Hoffnung, die zwar auf einer Lüge basiert, aber das weiß ja nur Jakob. Doch die Menschen im Ghetto haben wieder einen Überlebenswillen. Das Leben gewinnt wieder an Bedeutung. Ausgemergelt und völlig entkräftet schöpfen sie aus der Hoffnung sogar Energie, um eine Widerstandsfront zu organisieren. (Zentralaussage des Films: “Als alle Hoffnung verloren war, hat er neue erfunden.“).

Robin Williams verkörpert den Jakob mit seiner ganz persönlichen Art, wie man sie von ihm kennt (vgl. „König der Fischer“, „Patch Adams“, „Zeit des Erwachens“ u.a.). Äußerst gefühlvoll, mit leidvollem Blick und mit einer fetten Portion Humor ist er der Held des Films. Humor??? - wird man sich jetzt vielleicht angesichts dieses doch sehr heiklen und ernsten Themas fragen. Aber genau das ist das Element, welches diesem Film seine besondere Note verleiht. Auf der einen Seite tragisch, ist „Jakob der Lügner“ durchaus als Komödie zu bezeichnen. Und das nicht aus irgendeiner Not heraus, sondern aus Authentizität (**). Von Überlebenden des Holocausts ist bekannt, dass sie sich durch Humor am Leben hielten. Janos Gosztonyí (in der Rolle des Samuel) – selbst ein Überlebender – erzählt davon, dass Menschen dazu gezwungen wurden, tage- und nächtelang in Reih und Glied zu stehen: „Um sich wach und am Leben zu erhalten, erzählten sie einander Witze“. Und das beschreibt ziemlich genau den Eindruck, den dieser Film hervorruft. Es darf und soll gelacht werden - auch wenn man die bittere Realität ständig im Nacken sitzen hat. Denn eines wird der Film nie, und zwar lächerlich! Das liegt daran, dass der ’jüdische Witz’ sowieso eher subtil ist und darüber hinaus immer eine dunkle Wolke am Himmel hängt: alles ist ’fahlaschgrau’, nur der Davidstern leuchtet gelb auf Brust und Rücken.

Ein besonderer Augenmerk gilt der Genauigkeit im Umgang mit Details wie Kostüm, Szenerie und Sprachgebrauch. Von Zeit zu Zeit gewinnt man eine unglaubliche Nähe, da einem alles so lebendig erscheint. Vielleicht auch beeinflusst dadurch, dass sich die Schauspieler mit ihren Rollen sehr identifizierten.

Insgesamt geht der Film sehr glatt über die Bühne bzw. Leinwand. Und zusammengefasst ist es mehr die Geschichte um diese Menschen aus dem Ghetto, die den tiefen Eindruck hinterlässt, als daß man von einem Meisterwerk der Kinogeschichte sprechen könnte. Und wie es bei Romanverfilmungen häufig der Fall ist, übertrifft der Film den Roman dann doch nicht – er ist aber auch auf keinen Fall eine Enttäuschung.

Sarah Bräuer

2

klasse buch... aber der neue film ist eindeutig über-hollywoodisiert!! einfach nur schlecht!!!!
da lob ich mir den DDR film, der die stimmung und die gesamtthematik getreu rüberbringt!

10

Ich finde, dass dieser Film vieleicht zu einem großen Teil ganz im Sinne Jureck Becker`s gewesen sein könnte. Warum muss sich denn der Drehbuchautor so an die Romanvorlage halten? Jureck Becker ging es vorallem darum zu zeigen, dass die Schrecken des Holocaust nicht nur von einer bestimmten Gruppe an bestimmten Menschen verübt wurden, sondern, dass alle Personen Menschen waren, der eine mehr der andere Weniger! Deshalb hat der Drehbuchautorauch einfach mal die Charaktereigenschaften der Figuren vertauscht, um ebenfalls zu zeigen, "das hätte auch so oder so ablaufen können". Deswegen finde ich diese Kritik hier unangebracht, denn ein Film auf Grund der Vorlage einese Buches, solte letzteres nicht nur nacherzählen sondern auch persönliche Gedanken und die des Autors weiterstricken. Aber es ist natürlich typisch Deutsch, dass sich alle aufregen, dass hier nicht geheult wurde und gezeigt wurde wie schrecklich der Schrecken doch war. Aber genau das wurde eben nicht getan und somit aus dem Roman übernommen.

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