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Der letzte Film von Ken Loach hieß "The
wind that shakes the barley" und führte den Zuschauer
in die Untiefen der Geschichte des irischen
Befreiungskampfes. Leider
hat das Ergebnis damals nicht in allen Punkten überzeugt
und
sicherlich zählte dieser Film dann doch nicht zu den
überzeugendsten
Arbeiten des britischen Regisseurs. Mit "It's a free
world"
kehrt Loach zurück in die Gegenwart und beweist
eindrücklich
wo seine wahren Stärken liegen, nämlich in der exakten
Beobachtung des Lebens im englischen Arbeitermilieu.
Im
Zentrum seiner Geschichte steht Angie (Kierston Wareing),
die gerade
frisch entlassen worden ist. Aus Frust über den Bruch mit
ihrem
ehemaligen Arbeitgeber und über die nun bevorstehende
Arbeitslosigkeit,
überredet Angie ihre Studienfreundin Rose (Juliet Ellis)
dazu,
eine Leiharbeitsfirma auf die Beine zu stellen und billige
Arbeitskräfte
aus Osteuropa an diverse Fabriken und Betriebe im Londoner
Umland
zu vermitteln. Die beiden Frauen mühen sich nach Kräften
das Unternehmen zum Laufen zu bringen, doch schon bald
geraten sie
mit den Zahlungen an die Arbeiter in Rückstand und sehen
sich
mit völlig neuen Gefahren konfrontiert.
Machen wir es kurz: "It's a free world" ist einer der
besten Loach-Filme seit vielen Jahren. Solide und souverän
präsentiert er uns das Schicksal von Angie, die sich
langsam
selber in eine Spirale voller moralischer Widersprüche
katapultiert.
Angie ist eine Frau, die ziemlich kalt und immer sehr
rational Entscheidungen
fällt und dabei keine Skrupel zeigt. So versammeln sich
jeden
Morgen die Arbeiter in einem kleinen Hinterhof, da die
beiden Frauen
noch keine Büroräume mieten können. Von hier aus
sortieren Angie und Rose die Männer in zwei kleine
Lastwagen
und fahren sie zu den jeweiligen Arbeitsstätten. Dabei
bekommt
man das Gefühl nicht los, dass bei dieser täglichen
Prozedur
die Arbeiter als billige Ware angesehen und behandelt
werden. Das
zeigt sich besonders gut am äußerst harschen Umgang,
den Angie gegenüber den Arbeitern an den Tag legt.
Doch
wer jetzt denkt, dass Loach die einseitige Geschichte
einer Frau
erzählt, die mit der Zeit zur eiskalten und zynischen
Menschenhändlerin
aufsteigt, liegt völlig falsch. Dank des grandiosen
Drehbuchs
von Paul Laverty (welches 2007 auf dem Filmfestival von
Venedig
ausgezeichnet wurde) bleibt Angie als Filmfigur immer
vielschichtig
und wirkt nie eindimensional. Ihre Stärke und die mitunter
sehr ruppige Durchsetzungsfähigkeit sind nur gespielt. Es
ist
eine Maske, damit Angie wenigstens den Schein der
Kontrolle über
die Männer bewahren kann. Doch wenn sie mit der Zahlung in
Rückstand gerät, da ist auch dieser Schutzschild
wirkungslos.
Dabei ist Angie eine Frau, die es vielleicht nicht nötig
hätte
solch ein Projekt in Angriff zu nehmen, aber sie hat auch
einen
Sohn (Joe Siffleet), der derzeit bei den Großeltern wohnt
und seine Mutter eigentlich so gut wie gar nicht mehr zu
sehen bekommt.
Doch für seine Zukunft und aus dem unbegründeten Glauben
heraus, alles allein schaffen zu müssen, begibt sich Angie
mit der Zeit sogar in Lebensgefahr. Es ist der Vater, der
seiner
Tochter immer wieder zu sagen versucht, dass ihr Sohn
nicht das
Geld der Mutter braucht, sondern die Mutter selbst.
Die wenigen Gespräche zwischen Vater und Tochter gehören
zu den stärksten Momenten des Films. Wie überhaupt die
Dialoge in "It's a free world" eine großartige Tiefe
besitzen und dabei nie fremd oder unpassend wirken. Ganz
im Gegenteil:
Vielmehr spiegeln sie die Ausweglosigkeit und die
Komplexität
eines der größten Probleme der aktuellen europäischen
Gesellschaft wider, ohne moralinsauer oder
belehrend
daher zu kommen. "Was erwartet deinen Sohn, wenn er die
Schule
verlässt und in die Welt raus muss? Er wird im Wettbewerb
stehen
mit Kosovaren und Rumänen", sagt Angies Vater. "Ich
geb ihnen wenigstens eine Chance", antwortet Angie etwas
naiv
und wenig überzeugend, worauf der Vater wiederum sagt:
"Schullehrer,
Ärzte, Krankenschwestern kommen zu uns und arbeiten als
Kellner,
für einen Hungerlohn. Was ist daran denn eine Chance?"
Es ist schlicht und einfach bewundernswert, wie klug und reflektiert Ken Loach das Thema der billigen Arbeitskräfte in einem Film verarbeitet, ohne dabei unbedingt immer eine bedrohliche und depressive Atmosphäre erzeugen zu müssen. "It's a free world" - den Titel werden wir wohl ziemlich zynisch verstehen müssen - hat durchaus seine hellen und witzigen Momente. Dennoch lässt er seinen eigentlichen Gegenstand nie aus den Augen. Loach findet aber keine Antworten, wie man all die skandalösen Entwicklungen aufhalten oder verhindern könnte. Das muss er auch nicht. Warum sollte er auch? "It's a free world" beweist einzig und allein wie wundervoll es aussehen kann, wenn sich ein brillanter Filmemacher seiner eigenen Umwelt bewusst ist und mit den einfachsten Mitteln die aktuelle geistige Verfassung einer Gesellschaft einfängt und direkt auf die Leinwand bringt.


naja hätte gedacht der wär besser
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