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Inland Empire

Inland Empire
reiner wahnsinn , usa 2006
original
inland empire
regie
david lynch
drehbuch
david lynch
cast
laura dern,
justin theroux,
jeremy irons,
peter j. lucas, u.a.
spielzeit
170 Minuten
kinostart
26. April 2007
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

 

Es wäre ja einfach, zur Besprechung dieses Films sofort die Kalauer rauszuholen. Etwa, indem man meint, Lynch sei immer noch wild at art und übertreibe es sowohl mit der Wildheit als auch der Kunst. Oder er fahre noch immer auf dem lost highway umher und habe jetzt nicht nur die Straße, sondern auch den roten Faden und womöglich den Verstand verloren. Oder dass Lynch nun überhaupt nicht mehr an irgendeiner Art von straight story interessiert sei, sondern sich nur noch in Ellipsen und Fragmenten verkünstelt. Könnte man alles machen. Man kann aber auch gleich den Hammer rausholen, Butter bei die Fische, heilige Kühe auf den Tisch, und die unbequeme Wahrheit gleich dazu: "Inland Empire" ist schrecklich. Nicht schrecklich gut, nicht nur schrecklich anstrengend: Einfach schrecklich. Anstrengend aber auch. Und ein Film, für den man eigentlich in den Kinosessel gefesselt werden muss, um ihn durchzustehen.
Eines muss man Lynch dabei lassen: Man fragt sich, wann man so einen Film zuletzt auf der Leinwand gesehen hat - und ob überhaupt. Ein dreistündiges, in seine Einzelteile zersprengtes Werk, das direkt dem Bewusstseinsstrom seines Regisseurs entsprungen zu sein scheint. Lynch macht keine Zugeständnisse mehr, sondern genau den Film, den er im Kopf hat. Und deswegen macht der Rezensent auch keine Zugeständnisse und zieht sich nicht mit einer 5-Augen-geht-so-Rezension aus dem Dilemma. Lynch konfrontiert mit seinem sich nirgendwo zurückhaltenden Film - da gebietet es die Fairness, sich auch hier nicht der Höflichkeit halber zurückzuhalten. Denn die Frage muss schon gestellt werden: Lynch macht genau den Film, den er im Kopf hat, aber muss man sich das auch anschauen sollen oder wollen? Denn die ansonsten übliche Frage "Was bedeutet dies alles?" muss ja längst geändert werden in "Möchte ich mich damit beschäftigen, was dies alles bedeutet?" Und hier lautet die Antwort diesmal ganz klar "Nein".

"An access, I'm searching for an access."

Das wünscht sich ein polnischer Mann während eines offensichtlich von Samuel Beckett inspirierten Dialoges am Anfang des Films, aber es drückt auch den Wunsch des Zuschauers aus: Einen Zugang möchte man doch bitte haben, einen Zugang zu den Geschehnissen in "Inland Empire". Unwissend denkt man, man habe nach der Anfangsviertelstunde das Schlimmste schon hinter sich, nachdem erst eine hysterische Grace Zabriskie als prophezeiendes Orakel an den Nerven zerrte und dann einer von Lynchs "Rabbits"-Kurzfilmen seinen Auftritt hat.
Denn dann gibt es tatsächlich so etwas wie eine Geschichte: Die alternde Schauspielerin Nikki Grace (Laura Dern) bekommt eine ersehnte Rolle. An der Seite des Frauenhelden Devon Berk (Justin Theroux) soll sie unter Regie des renommierten Kingsley Stewart (Jeremy Irons) eine Ehebrecherin spielen, was Graces Gatten (Peter J. Lucas) wenig gefällt. Zudem wird die Filmproduktion "On High In Blue Tomorrows" noch von einem anderen Ereignis überschattet: Wie sich herausstellt, ist es das Remake eines polnischen Films, der aufgrund zweier Morde nie fertig gestellt wurde. Und just ab diesem Moment beginnen auch wieder im typischen Lynch-Stil die Identitäten zu verschwimmen, die Geschichte fängt an, wilde Sprünge zu machen und allgemein das Chaos seinen Lauf zu nehmen. Nur soviel: die Kaninchen kommen noch mal wieder; ein baltischer Hypnotiseur, genannt "Das Phantom" taucht auf; polnische Prostituierte singen und tanzen zu "The Loco-Motion"; Morde geschehen; Identitäten wechseln und wandern; das mittlerweile übliche Lynch-Chaos eben.

"Hey, why are you tellin' us that shit, baby?"

Wenn man "Inland Empire" etwas anmerkt, dann, dass der Film kein vorher existierendes Drehbuch hatte. Lynch schrieb die Szenen jeweils am selben Tag oder gar fünf Minuten vor Drehbeginn. Diese Vorgehensweise möglich machte unter anderem die Tatsache, dass der Großteil des Films nur mit Hauptdarstellerin Laura Dern, die in etwa 90 % der Szenen ist, verbracht wird. Aber was das für Szenen sind. Da wird ein Fragment ans Nächste gehängt, einige haben etwas miteinander zu tun, andere sind Resteverwertung (wie die "Rabbits"-Episoden). Dialoge sind absurd, auch redundant, die Sinnfrage scheint komplett überflüssig. Natürlich kann man das alles versuchen zu ergründen, und wie üblich versucht Lynch durch wiederkehrende Dialogzeilen ("a bill that hasn't been paid") und Bildsymboliken den Eindruck zu erwecken, die immer diffuser werdenden Einzelteile würden ja auch tatsächlich zusammengehören und einen Sinn ergeben, wenn man nur entsprechend Zeit mit der Tiefenanalyse verbringt.
Aber hier wird man durch nichts, aber auch gar nichts für seine Geduld belohnt. Und Sinn macht es, anders als der meisterliche "Mulholland Drive", auch nicht. Man konnte es ja einen billigen Trick nennen, wie Lynch in der Schlussviertelstunde seines letzten Films den seltsamen Vorgängen nachträglich einen Sinn gab. Aber erstens war es erfolgreich und zweitens egal. Denn jenen herrlichen Film voller toller Szenen konnte man auch so genießen, ganz ohne die nachgelieferte Sinnstruktur. "Inland Empire" weist - zumindest im oben beschriebenen Film-im-Film-Teil - ein paar Parallelen auf, ist ansonsten aber der Anti-"Mulholland Drive". Verwirrend ist hier auch einiges, wenn nicht alles, aber fast nichts macht Spaß (das Segment der "On High"-Dreharbeiten muss hier als bei weitem unterhaltsamster Teil hervorgehoben werden, besonders Harry Dean Stantons Auftritte als schnorrender Produzent). Nichts fesselt, nichts unterhält. Spätestens wenn dann irgendwann in der dritten Stunde - jedes Zeitgefühl ist längst verloren - eine junge asiatische Pennerin anfängt, über scheißende Affen und Löcher in Vaginas zu schwadronieren, reicht es dann wirklich. Da will man dann auch einfach nicht mehr. Lynch-Wahnsinn schön und gut - aber zuviel ist zuviel.

"Inland Empire" ist auch deswegen ein so quälendes Erlebnis, weil der Film ausnehmend hässlich ist. Genauso wie er eine Thrillerstruktur nutzte, um darauf aufbauend in abgründigere Gefilde vorzudringen, war Lynch vormals ja auch stilistisch ein Verführer. Egal, was man inhaltlich von Filmen wie "Blue Velvet", "Lost Highway" oder "Mulholland Drive" hielt, ein Augenschmaus waren sie alle. Lynch selbst pries die satten Farben und Ausdrucksmöglichkeiten des klassischen Films. Alles Schnee von gestern. Und dementsprechend verwehrt er uns nun selbst dieses Zuckerstückchen, mit dem die bittere Medizin nicht ganz so furchtbar schmeckt. Und gibt damit auch den allerletzten Trumpf aus der Hand.
Digital Video ist das Zauberwort. Diese neue Technik gewähre ihm vollständige Freiheit und Spontaneität, ließ Lynch zu Protokoll geben. Noch größere Freiheit sichert sich Lynch, indem er seinen norwegischen Kameramann offenbar anwies, sich nicht mit technischen Kinkerlitzchen aufzuhalten. Unterbelichtet, überbelichtet, verwackelt, unscharf - herrlich, wie jeder Fehler, den ein Amateur bei den ersten Versuchen mit seiner neuen Digicam machen würde, auch hier in den Händen eines Experten zu sehen sind. Lynch erfreut sich an leicht aus der Froschperspektive erstellten Großaufnahmen, der Zuschauer an vielen wenig schmeichelhaften Einstellungen der Darsteller, bei denen vor allem deren nun übergroß wirkende Nasen in Erinnerung bleiben. Und wer sich schon immer dafür interessiert hat, ob Laura Dern unreine Haut hat, kann sich nun auch dank entsprechender Großaufnahmen selbst davon überzeugen.
Die Frage nach dem Warum stellt man ja schon lange nicht mehr, aber irgendwann wird das dann noch zur Frage "Wer?". Denn wenn sich eine unterbelichtete Einstellung an die nächste hängt, in der irgendeine Figur - Im Ernstfall ist's Laura Dern, aber sicher sein kann man da nicht - irgendwelche dunklen Korridore entlang schleicht, und irgendwann nicht nur das Gehirn wegklappt, sondern auch der Sehnerv - dann ist wirklich die Schmerzgrenze erreicht. Dieses hässliche Geschwurbel kann man natürlich auch als neue Stil- und Ausdrucksform loben, wie anderswo durchaus getan - oder man kann es eben für hässliches Geschwurbel halten, dass auch durch den Enthusiasmus des Regisseurs eben nicht schöner wird.

Der neben dem Dreharbeiten-Segment einzig wirklich positive Aspekt ist dann tatsächlich Laura Dern als "Frau in Schwierigkeiten", wie Lynch typisch aussagefreudig und -kräftig sein Drei-Stunden-Monster auf drei Wörter reduziert. Dern muss mehrere (mindestens drei) Charaktere spielen, und gibt den einzelnen Figuren distinktive Eigenschaften: Von der kichernden, an Jennifer Aniston gemahnenden Schauspielerin Nikki Grave ("Oh! You Guys!") bis hin zur mit Südstaatenakzent versehenen knallharten Schlampe ("I kicked his balls so hard they crawled into his brain"). Gerade letztere bekommt Dern gut hin, und die Sequenz, in der sie einem mysteriösen Mann im Büro eines Nachtclubs (eine) ihre(r) Lebensgeschichte(n) erzählt, gehört zu den wenigen wirklich interessanten Momenten im Morast der letzten zwei Filmstunden.

"It was kinda layin' a mindfuck on me"

Der fleißig transzendentale Meditation betreibende Lynch mag ja an eine kosmische Bewusstseinsebene glauben, die alle Menschen verbindet. Und dort macht "Inland Empire" wahrscheinlich Sinn, ist Bildungsprogramm für Nachwuchstranszendentale und kein bisschen anstrengend, sondern ein mental erfrischendes Betthupferl. Hier, in unserer Welt, wir schreiben das Frühjahr 2007, ist die Menschheit - und vor allem der hier berichtende Vertreter davon - dafür aber noch nicht bereit. Daher: Das hier ist ganz große Grütze. Künstlerisch wertvolle meinetwegen, sich mutig den Sehkonventionen entgegenstellende von mir aus, aber trotzdem Grütze.

Lynch war ja nie wirklich Mainstream, aber selbst der ausgefranste Rand des Mainstreams, den er sonst für sich besetzte, wird diesem Werk nicht gerecht. Dies ist pure Avantgarde, und auch nur als solche zu goutieren, wenn überhaupt. So unkommerziell, surreal und hermetisch in seinen Gedankengängen eingeschlossen war Lynch zum letzten Mal bei seinem Debütfilm "Eraserhead", und wer diesen Film abgöttisch liebt, wird wohl auch mit "Inland Empire" glücklich werden. Nur die Härtesten der Harten kommen in Lynchs Traum-Garten. Wenn dies jetzt den Beginn von Karrierephase Drei in Lynchs Filmographie darstellt und "Inland Empire" damit eine Vorschau auf das ist, was noch folgt, dann müssen wir alle in Zukunft ganz tapfer sein. "Do the Loco-Motion With Me?" Nein, Herr Lynch, der Zug ist erstmal abgefahren.

Simon Staake

Har har, Staake at his best. Großartig!

Ich gehöre zwar zu denen, die sich den Film tatsächlich freiwillig ein zweites mal anschauen wollen und an eine entschlüsselbare Handlung glauben, aber trotzdem: Geile Rezi, Respekt!

(Die Punkte-Bewertung des Films spar ich mir erstmal, da müsste ich jetzt sehr, sehr lange überlegen.)

Kritik? Ich kann hier keine Kritik von "Inland Empire" finden. Das einzige was ich gefunden habe, ist eine Analyse von jemanden, der sich auf dem "Lost Highway" verirrt hat. Schreckliche Rezension!

das mit der bewußtseinsebene klappt schon, was lynch aber irgendwie nicht versteht ist dass man zumindest in hollywood wohnen und der amerikanischen alltags- und sprachkultur ausgesetzt gewesen sein muß, um dem film die nötige tiefe abzugewinnen.
auf deutsch synchronisiert und von leuten betrachtet die noch nie länger in l.a. waren wird der film sicherlich zu einer der nervigsten schnarcherfahrungen der kinogeschichte.
für die meisten menschen dieses planeten also wohl eher der falsche film - die ganzen subtilitäten, die den betrachter mit auf den 'trip' nehmen können sind sonst verloren und man sieht 3h nur leute die blödsinn quatschen.
Wenn man merkt, daß man nicht 'mitschwimmen' kann sollte man wohl besser rausgehen und sich die Realität ankucken, ist viel interessanter!

Wie konnt man nur Herrn Staake an die Rezension für diesen Film lassen? Einen Rezensenten der uns im ersten Absatz schon mal beweist, dass er wohl nun schon seit 1994mit einer kompletten Fehlinterpretation von "Lost Highway" im Kopf ins Kino rennt, und dann zu allem Überfluss mit dem letzten Wörtchen des Abschnitts ("Nein") auch noch preisgibt, dass ihm die einzig sinnvolle Interpretation doch tatsächlich bekannt ist.

It was kinda layin' a mindfuck on me!

Genau darum gehts!

P.S.:Ich liebe "Eraserhead" abgöttisch, ja das tue ich!

@Mystery Man:

Jaja, andere belehren, aber selbst nur Halbwissen zeigen. Eine Fehlinterpretation von "Lost Highway" kann ich zumindest im Text nirgendwo entdecken, geschweige denn überhaupt einen besonderen Kommentar zu jenem Film. Aber dem Autoren Vorwürfe machen und selbst nicht wissen, wann "Lost Highway" eigentlich rauskam (das war 1997), das passt nicht.

Danke für diese ausführlich Kritik, Herr Staake!
Genau dieselben Gedanken hatte ich zum Teil, als ich mir die
Story durchgelesen und den Trailer angesehen habe.
Es wirkt so, als ob Lynch nach "Mullholland Drive" noch einen draufsetzen will, und er selber hat mal gesagt, dass nicht jede
Szene Sinn macht.
Ich schätze ihn zwar und seine Filme, aber auf "Inland Empire" habe ich keine Lust!

Mein Tipp:
Nicht versuchen, Lynch-Filme analysieren oder gar irgendeinen tieferen Sinn darin erkennen zu wollen. - Stattdessen:
Sich an den Atmosphären und dem subtilen Grusel berauschen, den roten Faden im eigenen Kopf ganz schnell loslassen, ordentlich verwirrt werden und sich auf an psychotisches Erleben grenzende Wahrnehmungsmuster einlassen.
Das macht mit Sicherheit nicht jedem Spass - mir schon!

Ich sage nur, keine Ahnung der Bewerter, und der Film läuft 180 Minuten!

ach ja der gute lynch, begreifen muss mans ja nich, aber wnigstens macht er was ausergewöhnliches! ich freu mich jedenfalls wieder auf verwirrung auf höchstem niveau...

Den Film muss ich unbedingt sehen. Ne schlechte Bewertung vom Staake ist schließlich fast schon ne Garantie dafür, dass der Film gut ist. Gilt umgekehrt übrigens auch, siehe Rezi+10Pkt.-Wertung für "Mystic River" (so ziemlich der langweiligste Film, den ich kenne).

Seine Filme werden immer unausgegorener und ich habe nicht den Eindruck, dass Lynch überhaupt noch für seine Zuschauer produziert, sondern nur noch für sich und seine eigene wirre Welt. Gut, dass sich wenigstens einige Kritiker auch mal ein wenig differenzierter mit den Werken auseinandersetzen und nicht beim Namen "Lynch" gleich die Top-Wertung auspacken.

Habe den Film noch nicht gesehen und freue mich zwar einerseits seit zwei Jahren extrem darauf, aber andererseits fand staake's Argumentation ziemlich überzeugend. Hoffe dass er mich trotzdem mitreisst! Aber Hut ab, tolle Kritik!

Die Kritik stellt auf jedenfall einen Standpunkt dar, den man akzeptieren kann. Ich gehe morgen definitiv mit gemischten Gefühlen in's Kino. Allerdings: Der einzige Lynch, der mich bisher enttäuschte, das war "Lost Highway". Bilder und Geschichte liessen mich da regelrecht kalt. Eraserhead fand ich dagegen klasse. Nur, im Gegensatz zum Reszensenten empfand ich den gar nicht soo weit weg vom Mainstream. Ganz allgemein finde ich, dass der Humor in Lynch-Filmen etwas unterbewertet wird. Und auch bei dieser Kritik könnte man meinen, INLAND EMPIRE wäre ein todernstes Unterfangen. Ich hoffe trotzdem auf ein paar Lacher, so wie ich sie in fast allen Lynchfilmen bisher hatte.

10

Was für eine miese Bewertung für diesen großartigen Film? Es reicht wohl nicht Hollywood-Filme, die zur allgemeinen Verdummung und Abstumpfung beitragen viel zu gut zu bewerten...Nein, jetzt werden sogar Filme die anregen, die innovativ sind viel zu schlecht bewertet.Dann bleibt doch bei eurem Einheitsbrei und lasst euch dann aber auch konsequenterweise für unmündig erklären!!!

Durch seine früheren Werke kann sich Lynch mittlerweile alles erlauben. In alles wird irgendein Sinn hineininterpretiert, so seltsam oder verworren es auch ist.
Alle glauben: "Der Lynch ist ein Genie, der hat da irgendeinen Sinn drin versteckt!"

Vielleicht hat er das einfach satt, und dieser Film ist seine Rache.
Er hat ein zusammenhangloses, hässliches, sinnfreies Stück Film abgeliefert, und guckt jetzt einfach was passiert - und lacht sich halb tot über alle, die den Film "toll" und "intelligent" finden.

@Bad Rabbit: Du glaubst doch nicht ernsthaft , dass David Lynch einen Film dreht um sich über sein Publikum lustig zu machen, oder? Wobei ich dir beim sinnfrei zustimmen muss...Das heißt aber nicht , dass gute Filme einen Sinn haben müssen. Versucht doch mal nicht alles zu hinterfragen (Das sollte im wahren Leben viel öfter stattfinden)

@ Bad Rabbit

Ich wette, das hat er auch schon bei Mullholland Drive getan (sich einen abgelacht, meine ich). Komisch das dieser Film hier in Filmszene so hochgelobt wurde. Die Atmosphäre ist zwar super gemacht. Aber auch in Mullholland Drive treibt sich so einiges an sinnlosen Gesocks rum! Keiner kann mir Erzählen, dass Mullholland einen Sinn ergibt! Er ergibt genau so viel Sinn wie ein mitternächtlicher Traum, und so wird es auch bei Island Empire sein. Wahrscheinlich holt sich Lynch während der Premiere einen runter, wenn er all die Leute sieht die verzweifelt nach dem Sinn und der künstlerischen Botschaft suchen. Lynch kann jedem vor die Füsse kacken und die meisten würden sich fragen: "Was meint er wohl damit? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Scheiße und mir? Oder passiert da noch was mit der Scheiße? Oder bin ich vielleicht die Scheiße und die Scheiße ich?"

Die meisten seiner Filme kann man sich bestimmt im Drogenrausch am besten anschauen. Und wahrscheinlich ergeben sie auf diese Bewusstseinsebene einen Sinn oder in Schlaftrunkenheit. Dummerweise kann man keine 3 Stunden schlaftrunken sein!

Na ja, das ist nun unterstes Niveau, was Du @ak hier ablässt. Nur weil man etwas nicht versteht oder nicht mag, muss man es nicht gleich als "Scheisse" abtun. Und ja, ne kleine Haschpfeife werde ich mir morgen, vor der Vorstellung, sicherlich geben, um mich ein bisschen warm zu machen. Im aktuellen Konkret-Magazin, das gerade erschienen ist, wurde der Film sogar zum Film des Monats gekürt.

Der Film ist leider rund eine Stunde zu lang. Allerdings gibt es große Szenen und großartige Gesellschaftskritik. Lynch zerreißt hier gekonnt die Themen Prostitution und Pornographie und stellt sie als Ausverkauf dar, aber nicht als konservativer Moralapostel, der den Werteverfall beklagt, weil Menschen Spaß am Sex haben könnten, sondern weil Sex hier wiederholt nur eine Ware ist und Frauen zur dieser werden. Spaß haben die Frauen (die Prostituierten) nur, wenn keine Männer (Freier) in der Nähe sind, die sie bedrängen. Man könnte fast von einem feministischen Film sprechen. Ebenfalls großartig ist die Sterbeszene der Hauptdarstellerin. Die beiden Beobachterinnen, die ihr nicht helfen, spiegeln vielleicht die heutige Medienlandschaft wider. Die eine sagt angewidert, fast vorwurfsvoll, "Sie sterben, Lady", die andere spricht von einem toll aussehenden, blonden B-Movie-Sternchen, das sich vermutlich beim Pornodreh - wie es der Rezensent hier nennt - "Löcher in Vaginas" zugezogen hat. So wie die Beobachterinnen reagiert die breite Allgemeinheit heute auf Kriege: Gleichgültig, ignorant, nach Ablenkung suchend, angewidert neugierig - die Kriege sind weit weg von unserer Glitzer-Konsumwelt und stören. Jeder kümmert sich lieber um den den sozialen Aufstieg. Die Angst, dass dieser nicht klappen wird, zieht sich ebenfalls durch den gesamten Film. Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Erfolg im Hollywood-Filmgeschäft - bei dem es wie es eine der Prostituierten sagt auf "Titten und Ärsche" ankommt - und dem freien Fall. Und die Steigerung: Die in der Gosse sitzende asiatische "Pennerin" beklagt sich nicht über die gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern schwärmt von schönen Filmvorbildern. Wenn es eine Herrschaftsform schafft - hier die kapitalistische - die Menschen so weit von ihrem eigenen Elend abzulenken, dann haben sie tatsächlich ein "Empire" geschaffen.

@ urgs

Hab die Filme nicht als "Scheiße" bezeichnet. Das bezog sich einfach nur auf ein übertriebenes Beispiel. Damit wollte ich nur sagen, das Mullholland Drive und wahrscheinlich auch Island Empire einfach Kunstwerke sind. Und wie ist es immer mit solchen Kunstwerken? Man kann 1000 Dinge hinein interpretieren und eigentlich ergeben sie doch keinen Sinn. Den einzigen Sinn sieht der Macher. Und Lynch macht diese Filme eigentlich nur für sich. Er projiziert seine Gedankenwelt. Und entweder kommen die Menschen mit oder sie haben eben Pech. So kommt mir die Philosophie vor. Ich selbst habe mir Mullholland Drive auf DVD gekauft (um ihn mir mehrmals anzuschauen), weil ich ihn unbedingt verstehen wollte! Es ist einfach ein Mix aus sämtlichen Filmgenres und ergibt eine bunt belegte Pizza, die nicht nach Pizza schmeckt und sich allmählich zu einer Torte transformiert.

"Was soll das?" denke ich mir. Bei Eraser Head hatte das eine tolle Wirkung. Aber das lag auch an der Thematik des Films.

Hat Lynch irgendwann mal sich die Mühe gemacht um dieses ganze Chaos zu erklären?

1. Es tauchen Figuren einmalig im Film auf, die sogar noch eine besondere Szene haben (in MD war es dieser Arzt und der Patient, die im Diner saßen um über den Traum zu reden) und plötzlich tauchen die Figuren nicht mehr auf!

2. Identitäten werden plötzlich vertauscht. Warum? Eine Bemerkenswerte Wirkung hätte dies, wenn man ein und den selben Film von Anfang an mit vertauschten Rollen sehen würde. Aber das wäre auch Unsinn.

3. Die Handlung(en) werden mitten im Film durch eine andere Unterbrochen, die keine Verbindung oder Bedeutung mit der Haupthandlung ergeben.

Eine merkwürdige Wirkung hat all dies auf mich, aber letztendlich bin ich einfach zu nüchtern dafür.
Lynch denkt sich geile Szenen oder Geschichten aus und verbindet sie miteinander, unabhängig davon ob sie zu einer passenden Handlung verschmelzen oder nicht. Und wenn Island Empire genauso funktioniert, dann frag ich mich warum Filmszene ihn dann so schlecht bewertet. MD wurde hier gekrönt!

Da kann ich mich nur anschließen:
zwei Stunden Laufzeit hätten dem Film besser zu Gesicht gestanden. Und so sehr verworren das Meiste auch aussehen mag, das Thema Angst zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film und verzerrt die Sicht der Menschen auf die Dinge, die ihnen begegnen. Auf metaphysischer Ebene macht das Ganze sicher einen "Sinn".
Eine richtige Bewertung kann ich nach einmaligem Sichten aber nicht geben. Ich denke auch, dass das bei diesem Film gar nicht wirklich möglich/nötig ist. Die Frage ist eher, ob man sich auf Inland Empire einlassen will und kann. Verdient hat er es.

9

So, ich hab nun INLAND EMPIRE gesehen. Auf einer grossen Leinwand und der Ton lief über eine bemerkenswert gute Anlage. Ich glaube, diesen Film wird man sehr lange nicht mehr in so einem Raum sehen können. Es hatte mich eh schon gewundert, dass man sich in dieser Woche für INLAND EMPIRE anstatt für das bildgewaltige "Der Fluch der goldenen Blume".

Tja, was soll ich zum Film sagen?
Auf jedenfall habe ich mir den Film gerne angeschaut. Die Blider, obwohl dank der billigen Digi-Cam schlecht aufgelöst, fand ich nicht hässlich und den Film insgesamt empfand ich auch nicht als anstrengend. Das sind schon mal zwei Punkte, die mir durch etliche Kritiken angekündigt wurden und die sich nicht bestätigt hatten. Was dort über die Leinwand flimmerte, empfand ich wie einen düsteren Traum, in dessen ureigene Symbolik ich mich fallen lassen konnte, ohne das ganze zu verstehen. Irgendwie geht es um Hollywood, irgendwie um Schauspieler/Stars, die sich prostituieren und die sich in ihren Rollen, aber auch der dadurch verursachten Angst und Paranoia verlieren. Irgendwie geht es auch um die andere Seite, um uns elendig erstarrte Zuschauer, die wir diese und andere Menschen ständig dazu benutzen, um der Realität zu entfliehen. Zumindest könnte es darum gehen, aber festnageln lässt sich der extrem assoziativ gehaltene Film nicht wirklich auf dieses Muster. Was für ein Problem die Hauptdarstellerin wirklich hat, dahinter bin ich nicht gekommen, genauso wenig, wie ich sagen könnte, was die Hasen-Soap wirklich ist oder wo konkret das Film-im-Film-Spiel anfängt und wo es aufhört. Das alles sind auch keine Fragen, die ich mir wirklich stelle, da ich nicht dein Eindruck hatte, dass dort, irgendwo zwischen den Bildern, eindeutige Antworten zu finden sind. INLAND EMPIRE gesehen zu haben ist für mich wie von etwas Unterschwelligem, Düsteren zu träumen, das uns tagtäglich umgibt, das sich aber so gut wie nie an der Oberfläche zeigt. Wie jeder Traum wird auch meine Erinnerung an den Film verblassen, ohne dass ich mir über dessen Bedeutung je vollkommen im klaren war.

Gott sei dank habe ich den Film erst gesehen und dann die Rezension zu mir genommen. Somit unbeeinflusst von äußeren Störfaktoren als gut empfunden.
Natürlich gibt es in allen LynchFilmen diverse Szenen, die entweder wirklich nur als Accessoire hinzugefügt worden sind oder wirklich allein von Machers Unterbewusstsein gelöst werden können. Nicht alle vom Menschen geschaffene Rätsel können wieder rückgängig gemacht werden. Und selbstverständlich interpretieren die "Fans" zu viel. Aber es gibt eben ausschließlich zwei Wege einen LynchFilm zu absorbieren. Entweder man lässt die Gesamtstimmung mit ausgeschaltenem Köpfchen auf sich niederstürzen oder man zerbricht sich solange das letztere, bis man eine für sich schlüssige Aufrollung kreiert/gefunden/geträumt/bewiesen hat. Diejenigen, die für den zweiten Weg zu faul oder [...] sind, dürften einen solchen Film nicht schlecht bewerten.
AM hat völlig recht. Bewertung ist überflüssig; man kann keine Punkte DAFÜR verteilen und einen Durschnitt konservieren. Falsches Publikum.

10

Als der Film aus war und der Abspann kam dachte ich so, hä, schon zuende? Er hätte ruhig noch ein-zwei Stunden weiter gehen können. Wenn ich nich aufs Klo gemusst hätte, dann hätte ich kein Problem damit gehabt. Der Film ist einfach genial und ein echter beinharter Lynch. Das soll ihm mal einer nachmachen, mit ner einfachen 480i 60Hz NTSC DigitalVideo Kamera solch einen Film drehen, mit solch einem fetten Sound und einer Musikauswahl, die Hollywood Mainstream Filme bei weitem übertrifft. Lynch ist damit definitiv raus aus dem Geschäft und macht seine ganz eigene Art von Arthouse Kino. Da können sich viele Regisseure mal ne gehörige Portion von abschneiden, mit einem Lowest Budget so was von nem geilen Film abzuliefern. Ohne Drehbuch und mit spontanen Ideen solch einen Film auf die Beine zu stellen gelingt nur einem David Lynch. Man müsste ihm 10 Millionen in die Hand drücken und ein paar ordentliche Panavison 35 mm Kameras, damit er dieses absolute Meisterwerk noch einmal mit professionellen Mitteln drehen kann, denn das hätte der Film und Lynch wirklich verdient. Das Problem ist nur, dass er mit herkömmlichen Mitteln nie solch einen brutal geilen Film hätte machen können, denn der Film lebt von der Spontaneität seiner Darsteller und der Low Budget Atmosphäre.

Als Film ist das ganze natürlich eine Zumutung. Aber D.Lynch dreht auch keine Filme mehr. Er bebildert lediglich Gedanken, Gefühle, Ängste, Träume und Erlebnisse, nur aus der Innenwelt einer Person.
Und das ist, sofern man sich darauf einlässt, GENIALER WAHNSINN !

So etwas habe ich noch nie erlebt, weilter so David (ich schenk dir auch ne HD - Kamera)

urgs und dirk lynch:

sorry, aber was ihr hier schreibt kommt für mich schon nahe an selbstbetrug

ihr habt einen lynch-film gesehen, und darum muss er natürlich genial sein und etwas bedeuten, geht ja garnicht anders, ist ja von lynch

aber mal ehrlich: stellt euch vor, ihr geht in den SELBEN film, aber ihr wisst nicht das er von lynch ist, vielleicht weil der mann ein pseudonym verwendet hat, und müsst ihn hinterher beurteilen

wie würde euer urteil ausfallen? wenn es ein vermeintlicher "nicht-lynch" wäre? ganz ehrlich?

ich persönlich fand blue velvet und mulholland drive echt toll, aber trotzdem muss man auch mal kritisch sein; nicht jeder schrott ist bedeutungsschwanger und total genial, weil lynch draufsteht

@bad rabbit:

Wenn du mein erstes Posting hier liest, kannst du nachlesen, dass ich mit gemischten Gefühlen in's Kino gegangen bin. Ich habe auch keinen Grund mich selbst zu belügen. Wie ich ebenfalls schon geschrieben habe: Obwohl die Presse "Lost Highway" in den Himmel lobte, bin ich damals enttäuscht aus dem Kino gekommen. Der hat mir nicht gefallen, liess mich kalt. Da habe ich mir den Film auch nicht schöngeredet.

Ich kann Dir nur sagen, dass mich INLAND EMPIRE die letzten Tage gedanklich noch sehr beschäftigt hat. Das ist für mich immer ein Indiz dafür, dass ich einen Film mich wirklich beeindruckte. Ich habe auch nicht geschrieben, dass der Film "irgendetwas bedeuten muss". Im Gegenteil! Ich habe geschrieben, dass ich den Film wohl nie vollständig begreifen werde. In meinen Augen gibt es keinen Film, der sich so perfekt der Sprache der Träume bedient, wie es INLAND EMPIRE macht. Und genau das ist es, was für mich den Film so einzigartig und radikal macht. Er ist 100prozentig assoziativ. Klar, das ist keine leichte Kost und macht sicherlich auch nicht jeden Spass (meine beiden Begleiter z.B. fanden den Film viel zu langatmig), aber ich hatte an dem Film nun mal meine Freude und die kann man mir auch nicht ausreden, so wie ich mir selbst auch nix einreden muss.

10

@Bad Rabbit:
Du musst es ja am besten wissen, was ich gut finde. Also ich find den Film geil, weil ich ihn geil finde und nich, weil ich nur so tue als ob ich ihn geil finde, obwohl ich ihn nicht geil finde. Ich hab seit ab Eraserhead alle Lynch Filme auf DVD und würde nen Film von ihm auch erkennen, wenn ich nicht wüsste, dass es ein Lynch Film ist. Sein unverwechselbarer Stil beim Sound und der Musik ist halt seit Eraserhead typisch für ihn und durchschaubar. Seine Assoziationen, die sich durch alle seine Filme ziehen, erkennt man eben als echter Lynch Fan. Wenn Inland Empire nicht von Lynch wäre, würde ich sagen, gut kopiert und genauso gut wie Lynch es gemacht hätte aber ich glaube, solch eine Art Film wie Inland Empire kann außer Lynch niemand drehen, das ist einfach so. Lynch lebt in diesem Film und mit jeder Sekunde merkt man das. Hab ihn nun schon zwei mal im Kino gesehen und würde ihn sogar noch ein drittes Mal sehen wollen, wenn nich die Kinokarten immer so verdammt teuer wären. ;-) Wer ihn schlecht findet hat Pech gehabt, ich find ihn gut.

Ok. Da sieht man mal, wie man über einen Film disskutieren kann.
Das ist doch auch was, nicht?
So wie du ihn siehst, so ist er vielleicht gedacht, wer weiss? Ich persönlich stehe Lynchs Gehirnergüssen etwas skeptisch gegenüber, aber wenn es dir gefällt: Warum nicht?

P.S.: Ich zahle keinen Eintritt fürs Kino (arbeite da). *Ätsch*

10

@ Mr. "Mystic River" Staake:
Wenn man Mulholland Drive verstanden hat, hat man auch den Zugang zu Inland Empire und kann ihn verstehen. So kompliziert ist das ganze auch nicht, Inland Empire ist kein "Andalusischer Hund". Erst mal Mulholland Drive verstehen lernen, dann sieht man, dass die zunächst wilkürlich gewählten Szenen und Dialoge - plötzlich einen Sinn ergeben!

Piers wird uns jetzt das Ende von Mulholland Drive erklären.

Bin gespannt!

Diane wacht auf von ihrem Traum (die ersten ca. 90 Filmminuten), sieht den blauen Schlüssel auf dem Tisch, das Zeichen, dass der Auftrag (die Ermordung Camillas) ausgeführt wurde. In Halluzinationen erscheinen ihr die zwei alten Leute von dem Jitterbug Contest, den sie gewonnen hatte, und die ihr so Mut gemacht haben, nach Hollywood zu gehen und Karriere zu machen. (Der Film sagt nicht, ob es Juroren oder vielleicht ihre Onkel und Tante waren.) Die beiden
verhöhnen sie, weil sie nichts von den Zielen erreicht hat, als sie als strahlende Gewinnerin im Glamour-Licht stand und voller Hoffnung und Zuversicht war, und verkörpern nicht zuletzt ihre schrecklichen Schuldgefühle, dass sie ihre große Liebe hat töten lassen. Diane hat nun alles verloren, was ihr wichtig war, und zieht die traurigen Konsequenzen.
Für weitere Erklärungen verweise ich auf google/Internet, es gibt genug Seiten für solche Fragen.

Die wichtigste Voraussetzung für Lynch-Filme ist zu akzeptieren, dass es Traumszenen und -figuren gibt, die nicht explizit als solche gekennzeichnet sind (wie in den meisten Hollywood-Filmen, wo alles mundgerecht zugeschnitten ist). Akzeptiert man das nicht, machen solche Filme auch keinen Sinn.

jetzt muss ich mir den gleich nochmal anguggn...

6

Die filmischen Effekte, die Lynch hier einbaut, erschienen mir nach einer Weile zu billig, um eine dichte Atmosphäre aufbauen zu können, wodurch man sich voll auf den Film einlassen und ihn genießen hätte können. Vielleicht liegt es auch daran, dass er zu ausgiebig davon Gebrauch macht. In jeder zweiten Szene Taschenlampenrumgeflacker,verzerrte Bilder und Überblendungen - mit der Zeit gewöhnt man sich daran, so dass es schließlich wirkungslos bleibt. Auch auf der Musik- und Handlungsebene werden die immer gleichen Effekte überstrapaziert.

Dabei hatte ich mir nach dem genialen Trailer so viel von dem Film erwartet. Vor allem die Musik "Strange what love does" fand ich so geil, kam dann aber in dem Film leider nur kurz vor und wirkte irgendwie nicht so intensiv, wie in dem Trailer.
Einige Perlen gab es aber dennoch. Zum Beispiel die letzten 20 Minuten, die Sterbeszene mit dem Feuerzeug,die Sterbeszene des Phantoms und "strange what love does" waren wunderbar.

Danke Herr Staake,

hat mir ne Menge Arbeit erspart mir den Frust über drei vollkommen sinnlos vergeudete Filmstunden von der Seele zu schreiben! Großartige Rezi, die sich deutlich von dem üblichen verblendeten Gewäsch abhebt!

6

Patchwork-Film mit alternativen Realitätsverläufen

Selten aber wahr: Lynch liefert zwar einen gehörig fragmentierten Patchwork-Film, aber dieser ist inhaltlich selten so klar gewesen, wie in diesem Fall. Hie und da verliert er sich zwar kräftig in Details, das auch die Länge des Films rechtfertigt, doch der Plot ist durchschaubar:

Eine neu hinzugezogene Nachbarin (Grace Zabriskie) kommt bei Nikki (Laura Dern) zu Besuch, um sich vorzustellen. Doch das Gespräch läuft schnell aus dem Ruder und sie zeigt Nikki die Ereignisse des kommenden Tages. Nikki steigert sich in die Bilder der Zukunft hinein und erlebt sie unmittelbar. Dort erhält sie nämlich als Schauspielerin eine Rolle in einem Film. Als die Dreharbeiten beginnen, wird ihr mitgeteilt, dass das Drehbuch auf einer verfluchten Geschichte basiere und bereits die beiden vorherigen Schauspieler daran gestorben seien. Sie wagt es trotzdem.

Bei weiteren Dreharbeiten beginnt sie ihr Schauspieler-Selbst mit der Rolle zu verwechseln. Doch dem nicht genug, sie beginnt plötzlich auch die Kulisse und die Kameras zu vergessen und verliert sich immer mehr in der Rolle. Parallel tauchen dann Sequenzen von dem erwähnten, verstorbenen Schauspieler-Paar auf, aber auch Sprünge in die Vergangenheit werden dargestellt. Durch die Präsentation der fragmentierten Sequenzen, verliert man hin und wieder den Faden, aber der Plot bleibt aufrecht, selbst wenn plötzlich Menschen mit Hasenköpfen über den Bildschirm schleichen und ein groteskes Alltagsleben mit lachendem Publikum einspielen; eine Art Metaebene aus der Perspektive des überdimensionalen Beobachters.

Die Symbolik und teilweise gruseligen, mit bedrohlicher Musik untermalten Szenen, bauen einen beinahe unerträglichen Spannungsbogen auf, der sich dann wieder abrupt verliert. Während die Hauptdarstellerin zwischen den Ebenen hin- und herspringt, verliert sie sich immer mehr darin und entdeckt dabei ihr inneres Königreich, das aus vielen Selbsten besteht.

Fazit: langatmig aber sehenswert

Muss sagen, ich gehöre zu den Hardcore-Lynch-Fans ;-)
habe den film gestern im kino gesehen und während der vorstellung sind ca. 30% der leute aufgestanden und gegangen. ehrlich gesagt, ich kanns ihnen nicht verdenken, genausowenig wie herrn staake seine rezension.

ich fands toll, da kein mainstream und da jeder lynch-filn einem einfach nen kick gibt, immer rätsel und unerklärliches und abgrund...und als lynch-fan entdeckt man immer irgendwo nen kleinen stammkunden-bonus ;-) so wie laura elena harrings auftritt am ende, überall die farbei rot, seine typische musikauswahl, und natürlich seine getreue darstellerriege (laura dern, justin theroux...)

inland empire gehört definitiv nicht zu den zugänglichsten (oder unterhaltsamsten) lynch-filmen, und sicherlich nciht als einstieg zu seinem werk zu empfehlen. dennoch fand ich den besuch lohnenswert, allerdings kann ich auch keine klare bewertung für den film abgeben. muss mir den wohl noch ein paar mal ansehen... :D

10

vorweg,
ich glaube der film kriegt entweder 1 oder 10 punkte. meine freunde waren nach dem film in ihren urteilen genau so gespalten, wie die meinungen hier auseinander gehen.
was herr staake über die arbeitsweise lynchs bezüglich des drehbuchs gesagt hat, trifft zu. was aber seine gegenüberstellung mit mulholland drive betrifft, darf man nicht vergessen, das dieser film ursprünglich eine fernsehserie werden sollte, er jedoch niemand davon überzeugen konnte, und daraus schließlich einen film machte und diesen selbst produzierte. ich denke, das mulholland drive nachträglich zu einem film abgeändert wurde, kann man ihm ansehen, als hätte lynch mehrere eigenständige plots mit gewalt in einen film gezwängt. was man inland empire ansieht, ist in der tat die unbedingte bereitschaft von lynch, auf konventionen des hollywood kinos gänzlich zu verzichten. ich hab lange keinen film mehr gesehen, der mich so gut unterhalten hat, alle längst gekannten schema f plots und happy ends aus unzähligen anderen filmen wurden hier gott sei dank nicht verhandelt. ich kann die meinung von herrn staake nicht teilen, nur in einem punkt stimme ich seiner kritik zu: das lynch auf digital umgestiegen ist, mag ihm in zukunft bei seiner arbeit helfen, ein gewinn für den betrachter ist es leider wirklich nicht.
wenn sie den film ansehen, dann wird er sie unter umständen glücklich machen, wenn sie ihn einfach nur betrachten, und auf eine analyse des ihnen dargebotenen komplett verzichten.
versuchen sie, den film intuitiv zu erfassen, dann wird er sich ihnen am ehesten offenbaren.

Im Grunde genommen muss man sich nur folgende Frage stellen: "Lasse ich mir ab und an gern das Gehirn durchf***en?" Wer diese Frage mit "Ja" beantwortet, wird an INLAND EMPIRE seine Freude haben, für alle Anderen empfiehlt sich: Finger weg!

P.S. Ich gehöre übrigens zur ersten Gruppe ;-)

10

Hallo Filmfreunde!

Nachdem ich hier ständig zensiert werde, sofern ich Kritik an der Kritik oder am Kritiker übe, werde ich versuchen, nur was kurz zum Film zu sagen. Äußerst bedenklich finde ich Zensur allerdings allemal. Gerade als Kritiker, sollte (und muss) man sich Kritik gefallen lassen - und sei es nur um daraus zu lernen.

Kurz zum Film: Lynch unverwässert, Dern brilliant, Story tiefgründig, Meisterwerk.

Liebe Grüße

5

Lynch ist cool - einer der wenigen die machen können was sie wollen!
Aber da ist auch schon das Problem - was David Lynch will interessiert wohl nicht soo viele Menschen.
Trotzdem fand ich die handlung des Films an sich hervorragend, tolle Schauspieler (OF - glaube kaum dass man das gut synchronisieren kann) - tolle verschachtelte Geschichte, die garnicht so chaotisch ist wie befürchtet.

Das Problem des Films ist aber letztlich eben nicht der Inhalt sondern mich hat etwas anderes viel mehr gestört - ich fand es handwerklich einfach total schlecht gemacht.
Oft sind die Schauspieler offensichtlich schlecht mikrophoniert, das Kameragewackel lenkt ab und die Beleuchtung ist teilweise garnicht erst vorhanden.
Wie kann das eigentlich sein bei einem Filmemacher der mit 'Eraserhead' und 'Blue Velvet' das Kino und gerade den Soundtrack ja quasi neu erfunden hat?
Insofern bin ich echt enttäuscht - es wirkt ein wenig als ob Lynch bei der Mammutproduktion von 'Twin Peaks' ernsthaften Schaden erlitten hat - anders kann ich mir diese Nachlässigkeit bei den technischen Details nicht erklähren.
Jedenfalls in keiner Weise mit Mulholland Drive oder Lost Highway vergleichbar, aufgrund einer äußerst amateurhaft wirkenden Oberläche und der in alle Richtunge ausufernden internen Mytologie des Films.
Nur der Abspann, da sieht man mal was man noch alles hätte machen können mit dieser Kameratechnik und kreativerem Licht.

5

Mir haben die Filme von David Lynch immer gefallen. Ganz besonders "Mulholland drive" und "lost highway". Diese Filme sind für mich Meisterwerke. Mir gefällt, dass hier weniger Geschichten, als Charaktere erzählt werden - natürlich auf eine surrealistische Art und Weise. Viele vergessen, dass auch die Realität immer subjektiv ist und immer eine Sache von verschiedenen Blickwinkel betrachtet werden kann. Das verdeutlicht Lynch in "mulholland drive" und "lost highway" zumal er auch hier hinweise auf bekannte literatur gibt (faust, kafka).

Doch hier hat Lynch übertrieben! Wenn er selbst nicht mal weiß, was für ein Sinn das ganze machen soll, dann ist irgendwas schief gelaufen, oder?!
In seiner zweiten schaffungsphase (blue velvet bis mulholland drive) konnte man dem ganzen noch einen Sinn und vor allem den bezug zur literatur zuordnen.
Aber bei "inland empire" greift er derartige thematiken, wie Identitätskrise und Persönlichkeitsprobleme nur erneut auf.

Was ich damit sagen will: Von der Thematik her, gibt´s nix neues!
Wenn nicht der name "lynch" dahinter ständ, fänden auch fans des surrealistischen kinos diesen streifen etwas ZU überzogen.
dennoch unterhaltsam und halt...kunst.

4

flackernde lichter, stundenlange kamerafahrten durch flure, schockierende nahaufnahmen - hässliche bilder vom hässlichen leben.

zuviel ist zuviel. und ich erwarte mehr als die pure filmästhetische avantgarde, die mir die beschränktheit meiner wahrnehmungskonventionen aufzeigt. lynch soll lieber mal wieder eine geschichte erzählen, charaktere ernstnehmen und situationen ausspielen lassen. das wäre mutig. dieser film ist leider nicht ernst zu nehmen, weil er sich selber nicht ernst nimmt.

10

großartig. lynch gibt den roten faden an die hand: angst. nun liegt es an dem betrachter sich dieser/eigenen angst anzunehmen und erleben.

7

Stimme der Rezension im Grunde genommen 100% zu - und trotzdem liebe ich den Film. Zweimal habe ich ihn bisher gesehen. Ich finde es sehr gut, dass in der Renzension eben doch deutlich wird, wie abhängig die Einstellung zum Film vom eigenen Geschmack abhängt, meiner sieht anders aus und begrüßt solche Neuartigkeiten und das Extreme in Inland Empire :)

hmmm, bin auch gespaltener meinung...als relativer lynch-neuling habe ich mir nach mulholland drive immerhin schon halb abgewöhnt am ende den film verstehen zu wollen...lynch an sich stehe ich also durchaus positiv gegenüber^^
die optik ist bei inland empire definitiv gewöhnungsbedürftig, tendentiell würde ich einen surrealen bilderrausch aber schon lieber in "guter" qualität erleben...aber so schlimm fand ichs jetzt auch nicht.
wirklich anstrengend hingegen waren für mcih die dialoge...und zwar nicht das was gesagt wurde, sondern wie es gesagt wurde – diese elendigen sekundenlangen pausen zwischen den gesprächsteilen, irgendwie wirkte das auf mich absolut aufgesetzt
aber sobald herr lynch mal wieder mehrere handlungsebenen durch symbolik miteinander verbunden oder sich in einen wahren fiebertraum aus bildern stürzt weiß ich, warum ich diesen film sehen wollte=)

was ich an der kritik nicht nachvollziehen kann...wie kann man so naiv sein, dem kameramann unvermögen vorzuwerfen? speziell bei der schärfe, es ist doch offensichtlich dass der fokus während mancher dialoge exakt auf den hintergrund gerichtet ist...WARUM AUCH IMMER, aber zumindest das, da bin ich mir sicher, ist gewollt

10

Ich habe den Film sehr gut gefunden. Nicht verrückt, wie es den meisten erscheint. Es geht ja um Unbewusstes, wenn alles erklärbar und offensichtlich wäre, wäre es ja nicht mehr Unwebusst.
Klar lässt das Freiraum für Verarschung - dann kann sinnloses gemacht werden, und sagen, der Sinn ist versteckt - für mich war aber schon einen Sinn da - ich meine, dass ich der Meinung bin, dass der Film einen Sinn hat, nicht das er nur für mich Sinn macht -. Und das schöne dabei, ist das der nicht ganz erklärbar ist, aber doch spürbar.
Meiner Meinung nach ist dieser Sinn etwas, was viele Menschen nicht erkennen wollen, das erklärt einerseits, dass er (sehr) indirekt angesprochen werden muss, da es sonst einfach nicht ankommt, und andererseits dass es dann auch, schlicht nicht verstanden wird. Dann erscheint alles natürlich sinnfrei.

10

... echt geiler trip, oder? Bin daraus gekommen, wie aus eine
austellung von hieronymus bosch..

der bescheuertsten film den ich jemals gesehen habe...ich weiß nicht wie ich diese 3 stunden aushalten konnte...jedenfalls war ich hinterher ziemlich aggressiv!
einfach nur die reinste zeitverschwedung!!!

10

losslassen und wahrnehmen. die welt dort draussen und unserer inland empire sind eins. vergessen sind die märchen der kindheit nicht nur versteckt. klopft an und der hase macht die tür auf..

1

Twin Peaks war meine erste Erfahrung mit Lynch. Ich fand es klasse wie dieser es schaffte mich eine irre lange Zeit mit Verwirrung auf allen Ebenen wach zu halten.
Anyway, verwirren ist einfach, die wirkliche Frage ist allerdings. "Steckt hinter der Verwirrung auch ein wirklicher Sinn?
Bei Lynch muss ich zusammengefasst sagen - nicht wirklich!
Meines Erachtens erzaehlt er grundsätzlich eine 5 - minütige Story über einen Zeitraum von mehreren Stunden. Er nutzt Zeitebenen, sinnlose Einspielungen und andere verwirrende Techniken um die Zuschauer bei Laune zu halten und einen noch tieferen Sinn als die grundsätzliche Story entdecken zu wollen. Das nervt!
In der Bildenden Kunst muss ein Künstler auch auf Anfrage den Mut haben seine Gemälde zu erläutern und den Betrachter den wahren Sinn seiner Kunst zu erklären!Ein Pinselstrich kann durchaus als Kunst akzeptiert werden, alsbald der Maler es schafft, den Sinn des Ganzen zu erläutern! Lynch kann das nicht und wir dies auch nie tun, das Ergebnis wäre erschreckend! Zweifelsfrei versteht der Typ Leute zu Beginn in seinen Bann zu ziehen, erkennt man aber den die Unsinnigkeit wird einem übel! D L wird sich nie zu seiner Kunst äussern um den Mythos aufrecht zu erhalten und somit weiterhin Scheisse zu Geld machen! Der Typ macht sich über jedermann lustig der versucht einen tieferen Sinn in seinen Werken zu sehen und zieht diesen Leuten mit "Brainfuck" das Geld aus der Tasche. Obwohl ich keine Drogen nehme und dies auch verpöhne, stecke ich lieber 10 Euro in einen Trip als in die Eintrittskarte für einen Lynch Film.
Wahrscheinlich möchten mich alle Lynch Liebhaber jetzt töten, sollte es jemand allerdings schaffen das komplette Werk zu erläutern, ich bin bereit meine Meinung zu ändern!

10

Ich wollte mich nur bei einigen hier für Denkanstöße bedanken, da ich die sich wiederholende Szene mit der Orakel Omi nicht gerafft habe und dass die Story im Groben nur ein "Traum" bzw. eine Vorhersehung war ohne dass Nicky in irgendeine Glaskugel geschaut haben musste, was natürlich ansich keinen Sinn macht da niemand in die Zukunft sehen kann.
Auch der Sinn der gesamten Handlung erschließt sich mir nicht wirklich, da nicht erklärt wird warum das Orakel die Frau überhaupt davor warnen will. Ich geb mich aber damit zufrieden zumindest verstanden zu haben, dass die Haupthandlung eine Vorhersehung ist.
Was ich aber nur deuten kann ist das "Film"ende. Ich habe mir alle möglichen Fragen gestellt, was die Waffe zu bedeuten hatte, ob sich der Fluch gelöst hat und ob die Darsteller des Original"Films" jetzt in ihrem "Film" weiterleben, da Filme ja real zu sein scheinen und man als Zuseher immer denkt die leben ja jetzt glücklich etc. weiter.
Auf jeden Fall liebe ich Filme die einen dazu bringen über das alles nachzudenken ^^

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