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In stürmischen Zeiten

In stürmischen Zeiten
drama , großbritannien 2000
original
the man who cried
regie
sally potter
drehbuch
sally potter
cast
christina ricci,
johnny depp,
cate blanchett,
john turturro, u.a.
spielzeit
97 Minuten
kinostart
22. Februar 2001
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Die Welt der kleinen Fegele ist schön und reich. Da ist ihr Vater der Kantor, ihre Großmutter und ein russisches Dorf. Stolz sieht sie zu ihnen auf, besonders zu ihrem Vater, wenn er für sie jiddische Gute-Nacht-Lieder singt. Noch begreift sie nicht, was es bedeutet im Jahre1927 Jude zu sein. Die Verfolgungen, Drangsalierungen und die wachsende Not werden von den Kindern fern gehalten so gut es geht. Bis Fegeles Vater in der Hoffnung auf Arbeit und Geld für seine Familie nach Amerika auswandert und seine Tochter allein zurückläßt - alleine mit der allgegenwärtigen Gewalt und der Angst. Als das Dorf wieder und wieder überfallen wird, begibt sich das kleine Mädchen mit anderen Bewohnern auf die Flucht, in der Hoffnung, einen Weg nach Amerika zu finden. Die Reise endet vorerst in England, wo man Fegele noch am Hafen in Suzie umbenennt. Im Zuge der weiteren Anpassung wird sie einer christlichen Pflegefamilie zugeteilt und zu einer Schule geschickt, auf der man ihr verbietet Jiddisch zu sprechen.
Zehn Jahre später verlässt Suzie (Christina Ricci) England in Richtung Paris, wo sie als Revuegirl jeden Pfennig für die Überfahrt nach Amerika spart und sich Lola (Cate Blanchett) anfreundet, einer äußerst ambitionierten russischen Tänzerin, die mit ihren Reizen spendable Gönner bezirzt, um endlich den Luxus zu bekommen, den sie sich schon immer gewünscht hat. Das funktioniert anscheinend auch bei dem Startenor Dante Dominio (John Turturro), durch den die beiden Frauen eine lukrativere Arbeit in der Oper bekommen. Dort lernt Suzie auch den pferdehandelnden Zigeuner Cesar (Johnny Depp) kennen und verliebt sich ihn. Gleichzeitig fällt Lola immer mehr auf das arrogante Gehabe von Dante herein und glaubt ihr Glück gefunden zu haben. Als Ende 1939 die deutsche Armee in Paris einfällt, kollaboriert Dante, Lola an seiner Seite, sofort mit den Nazis. Suzie hingegen stellt sich auf die Seite Cesars und seiner Freunde, den Musikern mit den Liedern ihrer Kindheit. Doch die Pläne der Deutschen, Juden und Zigeuner einzukreisen und zu verhaften, werden immer realer. Zum ersten Mal erkennt Suzie die ganzen Politischen und moralischen Verstrickungen ihres Lebens, und zum ersten Mal muss sie selbstständig einen Ausweg finden. Sie muss sich entscheiden - entweder die Liebe zu einem Mann oder die Suche nach ihrem Vater. Sally Potter ("Orlando", "The Tango Lesson") bezeichnet ihren sechsten Film als Geschichte über das Überleben. Und tatsächlich tut man sich extrem schwer "In stürmischen Zeiten" zu überstehen. Die Regisseurin hat es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, in die 97 Minuten Spielzeit vier Stories zu quetschen, eine dramatischer als die andere. Erst die menschliche Tragödie im fernen ‚Shtetl', dann der Identitätsverlust im kühlen England, und als wäre das noch nicht stürmisch genug, quält sie uns noch mit einer aussichtslosen Liebe zu dem schimmelreitenden, langmähnigen Zigeuner mit den dunklen Augen des Don Juan de Marco (Verzeihung, ich vergaß mich...). Nicht zu vergessen die Nazis, stürmische Zeiten, wo man hinsieht. Als sich Christina Ricci dann auch noch auf die große Ozeanüberquerung nach Amerika begibt, ist der Überlebenswille des Zuschauers endgültig aufgebraucht. Viele der Geduldigen werden an dieser Stelle zurecht auf den ‚to be continued' -Schriftzug warten - vergeblich. Es ist, als wolle Sally Potter solange auf uns einfiedeln bis wir verstehen; bis wir mitsingen, vereint weinen. Doch nur die Hälfte an Story hätte es auch getan und eine etwas subtilere Darstellung von Freundschaft, Liebe, Verrat und Verlust wäre leichter verdaulich gewesen. Das Publikum im Sturm erobern wird hingegen Cate Blanchett in ihrer Rolle als Russin Lola, zügellos ehrgeizig mit großen und kleinen Träumen. Wir können ihre Schönheit in "The Lord of the Rings", wo sie die Elfenkönigin Galadriel spielen wird, bald wieder bewundern. Der zweite Glücksgriff ist ohne Zweifel John Turturro. Seine Darstellung des exzentrisch dominanten Opernstars Dante Dominio, dessen einzige Waffe seine Stimme ist, um aus Armut Würde und Herrschaft zu machen, ist schlicht brillant. Während Christina Ricci und Johny Depp mit sehr viel Schweigen, ein wenig Musik und ein bisschen Sex den Hintergrund schmücken, spielen sich die wahrhaft stürmischen Zeiten in Lola und Dante ab. Die Schönheiten und Schwächen ihrer Zeit sind in ihnen vereint, während die eigentlichen Protagonisten als hoffnungslos überzeichnete Märchengestalten einfach zu fiktional sind, um wirklich zu berühren: Wenn Suzie nicht gestorben ist, dann singt sie noch immer jiddische Gute-Nacht-Lieder. Und wenn Cesar nicht tot ist, dann reitet er noch immer auf seinem Schimmel durchs neblige Paris. Cesar alias Don Juan de Marco alias ...

Nadja Raweh

10

Ein bewegender Film, voller Stoff zum nachdenken..., vor allem das Schweigen, und die damit verbunden Bilder, die so viel aussagen, haben mich sehr berührt.
Ein einmaliges Drama, dessen Darsteller voll und ganz überzeugen!

Warum der Film vom Kritiker nur 4 augen bekommen hat, kann ich mir nur dadurch erklären, dass er keine Ahnung von Gänsehaut Momenten und guten Filmen hat...

Ich fand den Film bewegend und wenn man dann auch noch hören kann, wird man(n) festellen, dass das fabelhafte Musik ist die benutzt wird.
Und wie gerne hören Kinder Gute-Nacht-Lieder und verbinden damit schöne Erinnerungen, also kein Grund darüber herzuziehen ! Im übrigen war das Lied und das Foto das einzig wirklich persönliche von dem Vater. Die Tatsache, dass er Cate Blanchett so hoch lobt ist geschmacklos, denn sie stellt eine etwas dümmlich naive Schlampe, während Christina Ricci eher Überlegener auftritt, genauso wie Jonny Depp im vergleich zu John Turturro:

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