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Im Netz der Spinne

Im Netz der Spinne
krimi , usa 2001
original
along came a spider
regie
lee tamahori
drehbuch
marc moss
cast
morgan freeman,
monica potter,
michael wincott,
penelope ann miller, u.a.
spielzeit
104 Minuten
kinostart
12. Juli 2001
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Dr. Alex Cross (Morgan Freeman) ist ein Universalgenie bei der Polizei. Er brachte u.a. einen Frauenmörder zur Strecke, dessen Casanova-Imitation auf einem gründlichen Mißverständnis beruhte (in seinem ersten Filmauftritt "Denn zum Küssen sind sie da"), und verdient seine Brötchen nicht nur als Detective und Polizeipsychologe, sondern auch als Bestseller-Autor. Als jedoch ein Einsatz unter seiner Leitung aus dem Ruder läuft und eine junge Kollegin den Tod findet, läßt Cross sich frühzeitig pensionieren. Während er Zuhause Modellschiffe bastelt, geht es in der Ganovenwelt aber alles andere als friedlich zu.
Die Cathedral School gleicht einem stilvollen Hochsicherheitsgefängnis. In jeder Ecke sind Überwachungskameras installiert und neben dem Lehrkörper observiert eine Security-Einheit jede verdächtige Regung. Was anmutet wie eine Besserungsanstalt für schwererziehbare Jugendliche ist eine Schule für die Zöglinge der Crème de la Crème der Washingtoner Gesellschaft, die aufgrund des Reichtums oder der politischen Tätigkeit ihrer Eltern vor Verbrechen geschützt werden müssen.
Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen wird Megan (Mika Boorem), Tochter eines Kongreßabgeordneten, von einem ihrer Lehrer entführt. Es stellt sich jedoch schnell heraus, daß Gary Soneji (Michael Wincott) weniger die ganz große Kohle im Kopf hat, sondern vielmehr in die Annalen der Schwerverbrecher eingehen will.
Wie schon im Vorgängerfilm läßt James Patterson, Autor und Schöpfer der Cross-Reihe, den Bösewicht sich an einer historischen Figur orientieren: Soneji spielt auf die Entführung des Sohnes des legendären Fliegers Charles Lindbergh an. Da er als Chronologen seines Kidnappings Frühpensionär Cross im Sinn hat, wird dieser aus seinem häuslichen Frieden an den Tatort beordert.
Dort trifft Cross auf Jezzie Flannigan (Monica Potter), die für Megans Sicherheit zuständig war und bei ihren Arbeitgebern nun in Ungnade gefallen ist. Aufgrund ihrer detaillierten Kenntnisse des Schulbetriebs heftet sie sich an Cross' Seite auf Sonejis Fersen, der ein raffiniertes Netz aus Hinweisen spinnt. Cross und Jezzie müssen jedoch bald feststellen, daß diese Spinne ihr Netz aus Fäden spinnt, die ein ganz anderer in der Hand hält...

Vier Jahre nach Gary Fleders "Denn zum Küssen sind sie da" geht Morgan Freeman als Alex Cross diesmal unter der Regie von Lee Tamahori ("Once were Warriors") erneut auf Verbrecherjagd. War "Denn zum Küssen sind sie da" ein konventioneller, aber solider Thriller, bemüht sich Tamahori so sehr um überraschende Wendungen, daß er diesen die Logik opfert. Daß Cross in seiner Genialität Lösungen für Probleme findet, die der Zuschauer noch nicht einmal als solche erkannt hat, ist noch verzeihlich. Auch daß Amerikas Ganoven scheinbar kein Verbrechen zur eigenen Bereicherung im Sinn haben, sondern allein komplizierte Puzzles für Cross arrangieren wollen, sei hingenommen. Die großen Lücken in der Logik tun sich erst im weiteren Handlungsverlauf auf, der hier natürlich nicht verraten wird. Erwähnt sei nur eine Falle, die Cross einer verdächtigen Person stellt. Er spricht eine Lösegeldsumme von 12 Millionen Dollar an und rühmt sich später der Überführung, da es sich eigentlich um 10 Millionen handelte. Schleierhaft bleibt, wie dieser Verdächtige überhaupt irgend etwas von Lösegeldforderungen gewußt haben soll.
In Sachen Cleverness amerikanischer Filmkinder setzen Megan und ihr kleiner Freund einen neuen Markstein. Sie müssen abends unter der Bettdecke heimlich einen von Dr. Cross' Bestsellern gelesen haben - Megan tritt ihrem Kidnapper mit einem Selbstbewußtsein und Einfallsreichtum gegenüber, das nicht einmal die altklugen "drei ???" an den Tag legen.

"Im Netz der Spinne" ist ein Film, der nach dem Kinobesuch bei einem Bier jede Menge Gesprächsstoff bietet. Der wird nur leider weniger um die Fähigkeiten der Hauptdarsteller kreisen, deren Charaktere mit Ausnahme des gewohnt großartigen Morgan Freeman ziemlich eindimensional bleiben - Hauptdarstellerin Monica Potter verleiht ihrer Figur leider keine Konturen und bildet so keinen starken Gegenpart zu Freeman, wie es Ashley Judd in der ersten Cross-Verfilmung gelang. Die Diskussion wird sich vielmehr darauf konzentrieren, das Netz der reichlich undurchsichtigen Motivationen der Protagonisten zu entwirren.

Miriam Flüß

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