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Im Feuer

Im Feuer
action-drama , usa 2004
original
ladder 49
regie
jay russell
drehbuch
lewis collick
cast
joaquin phoenix,
john travolta,
jacinda barrett,
robert patrick, u.a.
spielzeit
107 Minuten
kinostart
3. Februar 2005
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Fast fünfzehn Jahre ist es bereits her, als Starregisseur Ron Howard mit "Backdraft" ein aufwändiges Spektakel ablieferte, welches die tapferen Feuerwehrleute zum ersten Mal in den absoluten Mittelpunkt eines großen Hollywoodfilms stellte. Und damit wäre zu dem Thema dann eigentlich auch schon alles gesagt gewesen, wenn nicht seit einem gewissen 11. September der Blick auf diese Menschen, zumindest in den USA, ein ganz anderer geworden wäre. Dass der nun fast kultischen Verehrung der Einsatz- und Rettungskräfte noch ein neues Denkmal aus der Traumfabrik gesetzt werden würde, war also zu erwarten. Zu befürchten war dabei aber auch ein vor Kitsch und Pathos nur so triefendes Melodram, und deswegen die Beruhigungspille gleich vorweg: In diesen Punkten hält sich "Im Feuer" erfreulich zurück und überzeugt doch auf eher andere Weise.

Aus der typischen Hollywood-Trickkiste stammt allerdings die Idee, den Zuschauer gleich zu Beginn mitten ins Geschehen zu werfen und dann mittels eingeschobener Rückblicke zu verdeutlichen, wie wir denn dahin gekommen sind. Im Brennpunkt (sorry) steht dabei der erfahrene Feuerwehrmann Jack Morrison (Joaquin Phoenix), der bei einem Einsatz in einer brennenden Fabrik verschüttet wird und nur noch per Funk den Kontakt nach draußen halten kann. Während seine Kollegen also verzweifelt versuchen ihn noch rechtzeitig zu erreichen, gehen wir mit Jack zurück zu den Anfängen bei seiner Einheit. Als Neuling zuerst den derben Späßen der erfahrenen Hasen ausgesetzt und vom unkonventionellen Auftreten seines Captains (John Travolta) befremdet, entwickelt sich Jack recht schnell zu einer Stütze des Teams. Über die Jahre erleben seine Partner mit wie er heiratet, Vater wird und auch Rückschläge verkraftet. Dazu gehören der Verlust eines Freundes im Einsatz, und die Bitten seiner Frau, sich zu einem ungefährlicheren Job versetzen zu lassen. Aber Jack bleibt im Team des Rettungswagens "Ladder 49" obwohl er weiß, dass es auch ihn jederzeit erwischen kann. Und dieser Tag ist nun vielleicht gekommen.

"Ich habe heute einen Menschen gerettet" ruft Jack fast verzweifelt seiner Frau zu, als diese ihm Vorwürfe wegen eines riskanten Einsatzes macht, den sie im Fernsehen verfolgen musste. In Szenen wie diesen gelingt es dem engagierten Joaquin Phoenix überzeugend zu vermitteln, warum es Menschen wie Jack Morrison gibt, die tatsächlich fast ungeschützt in ein Feuer hineinlaufen, während alle anderen zusehen, dass sie möglichst weit davon wegkommen. "Im Feuer" verfolgt auch recht ernsthaft einen realistischen Ansatz bei der Abbildung der Arbeit dieser im Englischen treffender als "Firefighter" bezeichneten Männer. Während "Backdraft" möglichst beeindruckende Effekte lieferte, sehen wir hier einen manchmal fast dokumentarisch anmutenden Stil bei der Inszenierung der Rettungsaktionen, wir erleben die überwiegend von Langeweile und dem Warten auf den nächsten Einsatz bestimmten Tage im Bereitschaftsdienst und wir verstehen, warum es da ein paar grober Scherze zur Auflockerung bedarf.
Die Entscheidung hier einen Lebensabschnitt von immerhin rund zehn Jahren in knapp zwei Stunden abzuhandeln lässt dabei den Zugang zu den Nebenfiguren zwangsläufig etwas sperrig werden, Phoenix meistert aber auch die rasante Entwicklung/Veränderung seines Charakters ausgezeichnet. Travolta scheint mit der Rolle des lakonischen, aber herzensguten Vorgesetzten auch viel Spaß gehabt zu haben, letztendlich bleibt seine Figur aber doch zu unausgeprägt, um bei ihren gelegentlichen Auftritten bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auch die Aufgabe von Jacinda Barrett als in ständiger Angst und Sorge lebende Ehefrau ist eher undankbar.
In erster Linie eine Joaquin Phoenix-Show also, an dessen Schicksal der Zuschauer auch wirklich Anteil nehmen kann und das bis zum Ende auch wirklich äußerst ungewiss bleibt. Ganz zum Schluss wird es dann zwar doch noch tränenreich und etwas rührselig, wie der Film aber seinen Weg dahin findet ist durchaus bemerkenswert. Und war nicht sowieso der Weg eigentlich das Ziel?

Volker Robrahn

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