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Hui Buh - Das Schlossgespenst

Hui Buh - Das Schlossgespenst
komödie , deutschland 2006
original
regie
sebastian niemann
drehbuch
sebastian niemann, dirk ahner
cast
christoph maria herbst,
heike makatsch,
michael bully herbig,
rick kavanian,
hans clarin, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
20. Juli 2006
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

 

Der Name dürfte allgemein bekannt sein. Denn selbst wer sich noch nie eine Hörspielplatte vom Schlossgespenst angehört oder eines seiner Bücher gelesen hat, wird wohl zumindest den Namen "HUI BUH" schon mal gehört haben, dafür sorgt eine beeindruckende Historie von fast fünfzig Jahren Medienpräsenz. Wer dabei allerdings zuallererst an das dürre weiße Skelett der Plattencover denkt, wird sich erstaunt fragen, was für eine Figur uns da nun vom Filmplakat entgegen grinst. Dies aber auch nur dann, wenn ihm die gewaltigen Werbekampagne der letzten Wochen komplett entgangen sein sollte. Denn alle anderen wissen schon Bescheid: Es ist natürlich unser teutonischer Box Office-Titan Michael "Bully" Herbig, der dem Schlossgespenst seine echte Stimme und seinen computeranimierten Körper leiht.

Das gilt allerdings nicht für die erste Szene des Films, denn da ist es noch ein Bully aus Fleisch und Blut, welcher in der Rolle des Ritters Balduin beim Pokern betrügt, prompt vom Blitz getroffen und verflucht wird. Mehrere hundert Jahre treibt er nun als einzig behördlich zugelassenes Gespenst auf Schloss Burgeck sein Unwesen, damit im runter gekommenen Gemäuer aber seit langem nur noch den treuen Kastellan (Hans Clarin) in den Wahnsinn. Das ändert sich gewaltig, als eines Tages König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst) mitsamt seinem Hofstaat Einzug hält, das Schloss wieder auf Vordermann bringt und alles daran setzt, seine zukünftige Gemahlin Leonara Gräfin zu Etepetete (Heike Makatsch) zu beeindrucken. Dies erweist sich allerdings als gar nicht so einfach, denn erstens treibt Hui Buh nun neu motiviert seine nervigen Späße und zweitens sind die wahren Absichten der Gräfin ebenso dunkel wie ihr Geheimnis. Beruhigend, dass sich der König dabei auf die Hilfe der bezaubernden Zofe Konstanzia (Ellenie Salvo Gonzales) samt ihres kleinen Bruders verlassen kann. Und auch mit dem spukenden Quälgeist muss sich Julius schließlich doch zusammen raufen.

Klingt als würde es sich hier eher um die aufregenden Abenteuer von König Julius dem 111. handeln, als um die des Schlossgespensts? Dieser Eindruck ist nicht ganz falsch und zumindest für die etwas älteren Zuschauer auch ein Segen. Denn Herz und Seele des Films ist tatsächlich in erster Linie Christoph Maria Herbst als grundsympathischer, aber leider etwas unbeholfen agierender Möchtegernkönig mit akuten Finanzproblemen. Mit dieser Figur liefert Herbst einen echten Gegenentwurf zu seiner TV- Paraderolle als Büromonster Stromberg und präsentiert uns einen absolut liebenswerten Charakter. Und einen extrem witzigen dazu, denn seine Vorstellung sorgt dafür, dass man als Zuschauer eigentlich schon grinsen muss, bevor er den Mund aufmacht, um sich anschließend entweder verbal völlig zu verheddern oder sich in dankbaren Slapsticknummern die Seele aus dem Leib zu spielen.
Dagegen wirken die harmlos biederen und tolpatschigen Streiche der Titelfigur extrem einfallslos und auch sehr schnell ermüdend. Es mag ja ein cleverer und sicherlich lohnender Marketing-Coup sein, den Goldesel Herbig in dieser Form einzubinden, sie beraubt ihn allerdings nahezu all seiner sonstigen Stärken. Denn vom schrägen und oft auch hintersinnigen Humor seiner Bullyparade und auch dem "Schuh des Manitu" bleibt hier natürlich nicht viel. Wenn Herbig also bei der Präsentation des Films ständig betont, dies sei eben keine neue Bully-Produktion und er hier nur eine Art einfacher Angestellter, spricht daraus offensichtlich auch die Sorge, seine Anhänger könnten das anders sehen und vom "Neuen Bully" doch etwas enttäuscht sein.
Klar, das stolpernde und ungeschickte Gespenst sorgt natürlich bei den Kleinsten für die gewünschten Lacher, aber diesen Effekt mit solchen Mitteln zu erzielen ist ja nun keine allzu große Kunst und wäre problemlos auch mit einem etwas originalgetreuer animierten Hui Buh möglich gewesen. Dem würde aber natürlich der Promi-Faktor fehlen, der unzweifelhaft dafür sorgen wird, dass die 10-Millionen-Euro-Produktion in diesem Sommer ihr Geld locker wieder einspielen und sicherlich ein paar Millionen Interessierte ins Kino locken wird. Sicherlich auch dank Herbigs obligatorischem Sidekick Rick Kavanian als völlig überkandideltem Adjutanten Charles und der Allzweckwaffe Heike Makatsch, die ihre Rolle als eine Art böse Stiefmutter in jung jederzeit routiniert und auf Autopilot spielt.
Zwei weitere Besetzungsentscheidungen sind aber noch diskutabel, nämlich die zwar bezaubernd hübsche aber doch sehr gestelzt agierende Dame namens Ellenie Salvo Gonzales in der Rolle des "wahren" Love Interests Konstanzia und natürlich die original Hui Buh-Hörspielstimme Hans Clarin als dienender Kastellan. Es soll, laut Aussage der Filmemacher, Clarins eigener großer Wunsch gewesen sein, in diesem Film dabei zu sein, und sein Mitwirken ist daher auch eine schöne Geste. Es tut allerdings schon etwas weh, ihn hier mit brüchiger Stimme und vom nahen Tode gezeichnet zu sehen. Clarin verstarb kurz nach dem Ende seiner Dreharbeiten.

Neben der Besetzung bietet "Hui Buh" auch ansonsten einen ziemlichen Gemischtwarenladen von mehr oder weniger gelungenen Elementen. Die Ausstattung ist top und zeigt, wofür man neben der Animation auch ein bisschen Geld ausgegeben hat. Der Versuch, die nicht unbedingt abendfüllende Geschichte durch einige neue Einfälle und eine ausführlichere Rahmenhandlung aufzuwerten, ist vor allem mit der wirklich hübschen Geisterstadt gelungen, in der sich diverse aus Literatur, Funk und Fernsehen bekannte Monster ein Stelldichein geben und dazu diverse, vornehmlich nur aus dem Fernsehen bekannte, Showgesichter einen Gastauftritt absolvieren.
Direkt nach diesem Ausflug in die Geisterstadt und einer insgesamt sehr unterhaltsamen ersten Hälfte fällt der ganze Film aber plötzlich handlungsmäßig in ein Loch, aus dem er auch bis zum überraschungsarmen und recht müden Finale nicht mehr herausfindet. Auf einmal schleppt sich die Geschichte anscheinend nur noch mit dem halben Tempo dahin und es wirkt, als hätten alle Beteiligten selbst erkannt, dass nach einer Stunde die Luft halt bereits raus ist aus diesem Spektakel.
Bis zum Ende sitzen zu bleiben wird für jung und alt trotzdem kein Problem sein, und letztendlich werden die meisten wohl auch gar nicht so unzufrieden wieder aufstehen. Mit seiner Vorlage hat der Film zwar nicht all zu viel gemein, aber man hat sich schon Mühe gegeben etwas Nettes zustande zu kriegen. Es hätte durchaus schlimmer kommen können und zumindest für den angestrebten kommerziellen Hit dürfte es reichen.

Volker Robrahn

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