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Herr Bello

Herr Bello
kinderfilm , deutschland 2007
original
regie
ben verbong
drehbuch
ulrich limmer, paul maar
cast
armin rohde,
manuel steitz,
august zirner,
sophie von kessel, u.a.
spielzeit
96 Minuten
kinostart
17. Mai 2007
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Beim Schlendern durch die Buchhandlung könnte manch einer an den Werken "Herr Bello und das blaue Wunder" oder "Neues von Herrn Bello" hängen bleiben, die fälschlicherweise den Verdacht nahe legen, dass es sich bei "Herr Bello" mal wieder um eine Roman-Verfilmung handelt. Tatsächlich jedoch geht Kinderbuch-Autor Paul Maar, gemeinsam mit Produzent Ulrich Limmer am Drehbuch beteiligt, den etwas anderen Weg, um für einen Film die Werbetrommel zu rühren. Aus einer ersten Drehbuch-Fassung adaptiert er einen Roman und legt ein Jahr darauf gleich noch eine Fortsetzung nach. Regisseur Ben Verbong komplettiert schließlich das eingespielte Trio, das sich bereits für die beiden sehr erfolgreichen "Sams"-Verfilmungen verantwortlich zeigte.

Der 12-jährige Max (Manuel Steitz) lebt in einem kleinen idyllischen Städtchen in einem riesigen Haus, in dem sein verwitweter Vater (August Zirner) zugleich eine Apotheke betreibt. Der einsame Junge hat keine Freunde und wünscht sich nichts lieber als einen Hund. Ein Wunsch, dem sein Vater (nur "Herr Sternheim" genannt) trotz hygienischer Bedenken eines Tages nachkommt. Max tauft den Vierbeiner auf den Namen "Bello". Etwa zur gleichen Zeit taucht im Geschäft von Herrn Sternheim eine mysteriöse ältere Dame (Hilgegard Schmahl) auf, die dem Apotheker eine ebenso mysteriöse rote Flüssigkeit hinterlässt. Das vermeintliche Düngemittel entpuppt sich sehr bald als Zaubertrank, mit dem der Hund in Kontakt kommt. Aus dem Vierbeiner Bello wird der Zweibeiner Herr Bello (Armin Rohde). Für Max beginnt ein Kampf an zwei Fronten. Denn während er dem neuen männlichen Gast schnellstens menschliche Manieren beibringen muss, um ihn behalten zu dürfen, würde er den neuen weiblichen Gast, Frau Lichtblau (Sophie von Kessel), lieber heute als morgen loswerden. Max hält nicht viel von einer neuen Frau in seinem Leben und dem seines Vaters. Zu seinem Glück scheint sich auch Herr Bello in Frau Lichtblau verliebt zu haben und so unternimmt er alles, um die Beiden miteinander zu verkuppeln.

"Shaggy Dog", nur andersherum. Während Tim Allen im letztjährigen Kinofilm dazu neigte, sich in einen tibetanischen Hirtenhund zu verwandeln, erleben wir hier den umgekehrten Vorgang, verbunden mit der Frage: Wie stellt man das dar? Herr Bello läuft aufrecht, verfügt über ein ordentliches Vokabular, verhält sich aber ähnlich gesittet wie Russell Crowe zu seinen besten Zeiten. Zwar geht er nicht auf Fotografen los, doch sind ihm sonstige menschliche Benimmregeln ziemlich fremd. Nachts setzt sich Herr Bello aufs Dach und jault den Mond an, im Park schnüffelt er anderen Hunde-Damen hinterher und besonders die Manieren am Tisch lassen arg zu wünschen übrig. Auf allzu alberne Ideen kommen die Autoren in der Hund-Mensch-Story glücklicherweise nicht, auf sonderlich originelle aber leider ebenfalls nicht, was sich auf den gesamten Film übertragen lässt.
Schon mit dem zentralen Punkt, der Tier-Mensch-Verwandlung (deren Visualisierung höchst peinlich ausfällt, was die jüngeren Zuschauer aber kaum stören wird), ist der Gipfel der Kreativität alles andere als erreicht. Noch gravierender verhält es sich mit dem zweiten Handlungsstrang: ein Kind, das einem Elternteil die Suche nach der neuen Liebe erschwert. Das ist alles andere als neu und wird hier auch nur altbacken vorgetragen. Dieser Teil des Plots kommt - zumindest für die Erwachsenen - komplett überraschungsarm und vorhersehbar daher, so dass es tatsächlich einzig Herr Bello ist, der diesem Film einen gewissen Unterhaltungswert verschafft.

Dass hier trotz gegenteiliger Behauptungen der Filmemacher vor allem auf das junge Publikum geschielt wird, lässt sich einwandfrei an den Darbietungen der Schauspieler ablesen. August Zirner und Sophie von Kessel neigen - wohl auf Anweisung - dazu, ihre Emotionen überdeutlich zum Ausdruck zu bringen. Offenbar traut man es den ganz Kleinen nicht zu, zwischen bestimmten Gefühlslagen differenzieren zu können. Schade eigentlich, "Hände weg von Mississippi" zum Beispiel ist in diesem Punkt - zumindest aus künstlerischer Sicht - sehr erfolgreich einen anderen Weg gegangen.
Der unbestrittene Star des Films hingegen darf es gerne übertreiben. Armin Rohde liefert eine herrliche Vorstellung und somit die meisten Lacher ab. Erstaunlich, wie es ihm dabei gelingt, seine Rolle nicht ins Lächerliche zu ziehen. Manuel Steitz ist das genaue Gegenteil davon und wirkt häufig ein wenig emotionslos. Allerdings macht ihm auch sein Charakter zu schaffen, der Kindern sicherlich genügend Identifikationspotential bietet, für alle anderen hingegen zu sehr in die Klischee-Rolle des Dreikäsehochs rutscht.

Sicher, einen gewissen Charme versprüht auch "Herr Bello" und setzt somit den jüngsten Trend recht brauchbarer Kinderfilme fort. Doch lässt man den groß aufspielenden Armin Rohde und den gelungenen Gast-Auftritt des "Badesalz"-Duos außen vor, bleibt nicht mehr allzu viel übrig. Keine besonders originellen Ideen, keine erwähnenswerten inszenatorischen Akzente und keine gleichsame Eignung für Kinder und Erwachsene. Aber vielleicht ändert sich das ja in einem möglichen zweiten Teil. Dann wohl als gewöhnliche Buch-Adaption.

René Loch

aha, es gibt also doch noch deutsche komödien ohne christoph-maria herbst... ;-))

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