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Gods and Monsters

Gods and Monsters
drama , usa 1998
original
gods and monsters
regie
bill condon
drehbuch
bill condon
cast
ian mckellen,
brendan fraser,
lynn redgrave,
lolita davidovich, u.a.
spielzeit
105 Minuten
kinostart
25. Mai 2000
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

 

So kann’s gehen im Filmbusiness: 1995 dreht der Regisseur Bill Condon das äußerst überflüssige und mit Recht unbeachtet gebliebene Sequel „Candyman 2“; 1999 erhält er den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch. Dieses trägt den Titel „Gods and Monsters“ und erzählt von einem Mann, dessen Karriere ihren Höhepunkt schon lange überschritten hat: In den dreißiger Jahren hatte der Regisseur James Whale Klassiker des phantastischen Films wie „Frankenstein“, „Der Unsichtbare“ und „Frankensteins Braut“ gedreht; 1957 lebt er fast nur noch von seinen Erinnerungen. Nach einem Schlaganfall ist er auf starke Medikamente angewiesen und hat abgesehen von seiner Haushälterin Hanna nur noch selten Kontakt zu anderen Menschen. Erst als ein junger Mann namens Clayton Boone den Gärtnerposten übernimmt, kommt wieder etwas Bewegung in den Tagesablauf des alten Mannes. Nachdem Clayton seinen ersten Schreck über Whales unverhohlene Homosexualität überwunden hat, entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft zwischen den Beiden, die jedoch stets von Whales Problemen, sich mit seinem Zustand abzufinden, überschattet bleibt.

Bei einem Film, der von tatsächlichen Personen der Hollywoodgeschichte handelt, bleibt es kaum aus, daß der filminteressierte Zuschauer gelegentlich an andere Zelluloidwerke erinnert wird. In diesem Fall sind allerdings keineswegs nur James Whales Klassiker gemeint, sondern vielmehr zwei andere Filme, die thematisch nicht allzuweit von Condons Drama entfernt liegen und im direkten Vergleich leider eindeutig die Nase vorn haben: Zum einen wäre da „Bewegliche Ziele“ von Peter Bogdanovich zu nennen, in dem sich Whales berühmtester Darsteller Boris Karloff quasi selbst spielt und ebenfalls einsehen muß, daß seine Glanzzeiten vorbei sind. Noch einfacher hergestellt ist der Bezug zu Tim Burtons „Ed Wood“, schließlich geht es auch dort um einen real existierenden bzw. existierthabenden Regisseur, dessen erotische Interessen nicht unbedingt ‚middle of the road‘ liegen (Stichwort: rosafarbene Angorawäsche) und auf die eine oder andere Weise Eingang in seine Filme gefunden haben. Weiterhin nehmen sich alle drei genannten Werke recht großzügige erzählerische Freiheiten und bemühen sich erst gar nicht um den Anspruch auf das ohnehin zweifelhafte Prädikat „Dieser Film basiert auf wahren Begebenheiten“. 

Ein derartiger Vergleich macht dann auch deutlich, warum „Gods and Monsters“ einem trotz hervorragender Darsteller nicht sonderlich zu Herzen geht. Der Film will dem Zuschauer Whales manchmal exzentrisches Verhalten verständlich machen und reißt zu diesem Zweck zahlreiche Bereiche seines Lebens kurz an: Sein vergangener Ruhm, sein Schwulsein, sein Kriegstrauma, sein tyrannischer Vater, seine Kunstleidenschaft - alles wird zumeist mit knappen, eher unspektakulär inszenierten Rückblenden in den Film hineingeworfen, fügt sich jedoch nicht unbedingt zu einem wirklich schlüssigen Gesamtbild der Person James Whale. „Bewegliche Ziele“ und „Ed Wood“ funktionieren in dieser Hinsicht wesentlich besser, da sie sich klugerweise auf wenige zentrale Aspekte beschränken und diese dann vernünftig ausarbeiten. 

Daß „Gods and Monsters“ den Kampf um das Zuschauerinteresse trotz dieser Mängel nicht völlig verliert, liegt in erster Linie an den fabelhaften Darstellern. Auch wenn die Nebenfiguren eher flach bleiben, macht Brendan Fraser seine Sache als einfacher, aber aufgeschlossener Vertreter des Arbeitermilieus schon ziemlich gut und erinnert daran, daß er nicht nur als Komödiant oder Stichwortgeber für CGI-Mumien fungiert hat, sondern in solchen Perlen wie „The Passion of Darkly Noon“ auch bereits schauspielerische Akzente setzen konnte. Noch viel mehr Freude macht es jedoch, den älteren Semestern bei der Arbeit zuzuschauen: Ian McKellen steigert mit seinem zwischen Süffisanz und Sehnsucht pendelnden Spiel die Vorfreude auf Peter Jacksons „Herr der Ringe“, in dem er den Gandalf geben wird, um ein paar weitere Nuancen. Und Lynn Redgrave ist schlichtweg wunderbar als seine nervös umherhuschende Haushälterin, die zwar überzeugt ist, daß ihr Arbeitgeber wegen seiner fleischlichen Verfehlungen in der Hölle schmoren wird, den alten Mann aber offensichtlich über alles liebt. Die Beiden hätten ihre Oscars jedenfalls eher verdient als Condon für sein Skript (zumal in dessen Kategorie noch so ein Schmuckstück wie „Out of Sight“ angetreten war), mußten sich aber mit ihren Nominierungen zufrieden geben.

Letztendlich darf man „Gods and Monsters“ das Attribut ‚gefällig‘ verleihen. Der Film nervt zu keinem Zeitpunkt, hat auch zusätzlich zu den schon gepriesenen Darstellerleistungen ein paar nette Momente aufzuweisen, bleibt hinter seinen Möglichkeiten und Ambitionen jedoch deutlich zurück. Um ein letztes Mal einen - zugegebenermaßen nicht ganz fairen - Vergleich zu bemühen: Es erscheint gar nicht mal so abwegig, daß in ferner Zukunft jemand mal einen Film über Tim Burtons Leben und Werk drehen möchte. Bill Condon müßte sich noch gewaltig steigern, um ein derartiges Interesse zu rechtfertigen.
Andreas Berger

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