Diana Guzman (Michelle Rodriguez) ist das, was
der Amerikaner gemeinhin „one tough costumer“ nennt: Sie schlägt
schnell zu und das ziemlich hart. Leider macht sie das regelmässig
auf den Fluren ihrer Highschool
und
hat sich gerade ihren nächsten Eintrag in die Schulakte
gesichert. Diana ist so ganz das Gegenteil ihres Bruders Tiny
(Ray Santiago): Dieser ist sensibler Künstler, wird aber
trotzdem vom Machovater (Paul Calderon) zum Boxunterricht geschickt,
damit aus ihm „ein richtiger Mann wird“. Als Diana in den vor
sich hin siechenden Boxclub, indem Tiny trainiert, geschickt
wird, ist sie sofort fasziniert vom Boxen und überredet
den knorrigen Trainer Hector (Jaime Tirelli), sie zu betreuen.
Langsam wird aus der undisziplinierten Straßenkämpferin
eine gute Amateurboxerin. Als sie dann auch noch mit Boxerkollege
Adrian (Santiago Douglas) – der den Profisport als Sprungbrett
aus der Armut nutzen will – anbändelt, eröffnen sich
Diana vorher kaum gekannte Glücksmomente. Aber sie muß
und wird lernen, daß im Leben die härtesten Kämpfe
nicht zwangsläufig im Ring oder mit den Fäusten ausgetragen
werden...
So
geht das also: Man nehme eine angehende Regisseurin samt eigenem
Drehbuch, eine in einem offenen Casting gefundene junge Frau
ohne Schauspielerfahrung, bringe aus beiden sowie allen anderen
die bestmöglichste Leistung hervor und warte, bis die Preise
anrollen (U.a. Bester Film + Beste Regie beim Sundance-Festival,
Nachwuchspreis in Cannes). Sehr smart. Und vor allem wunderbar
abseits des Mainstreams. Diese Independent Produktion besticht
mit einer realitätsnahen Milieu-
und
Charakterstudie ohne die gelackte Oberflächlichkeit üblicher
„coming of age“-Geschichten. Der große Pluspunkt von „Girlfight“
ist, daß Regisseurin Karyn Kusama mit großem Feingefühl
ihre Figuren zeichnet, das beschriebene Milieu ohne falsche
Banalisierung vermittelt. Den Klischees, die gerade bei der
beschriebenen Geschichte zu Dutzenden auftreten könnten,
werden größtenteils umgangen. Selbst bei absehbaren
Wendungen wie dem Finalkampf gegen den Liebsten, wird durch
starke Dialoge und nuanciertes Spiel jeder Anflug von peinlichen
Stereotypen umgangen. Wichtig ist nicht, ob einen der Film hier
tatsächlich überrascht, sondern die Tatsache, daß
man es ihm zutrauen würde. Schockierende Szenen, wie Dianas
brutaler Wutausbruch gegen ihren Vater, sorgen zudem dafür,
daß die Geschichte nicht arg zu süßlich daherkommt.
Ganz
stark: Michelle Rodriguez als Diana. Nur am Anfang übertreibt
sie es etwas mit dem grimmigen Augenrollen, steigert sich dann
in eine sensible und ausgesprochen überzeugende Vorstellung.
Und trotz ihres eher herben Aussehens versprüht sie im
Ring dezenten Sexappeal. Ob sie dem von ihrer Regisseurin versehenen
Prädikat „Teenager-Brando“ vollends gerecht werden kann,
bleibt abzuwarten. Dennoch: Beeindruckend. Ebenso überzeugend:
Die musikalische Untermalung, wie etwa die stimmungsvollen Flamencoklänge
während der Kampfszenen, sowie die ausdrucksstarke Photographie.
„Girlfight“ ist das, was filmisch dem technischen K.O. beim
Boxen gleichkommt: Kein Film, der einen vor Begeisterung ausknockt,
der aber dank ansprechender Geschichte und stimmungsvoller Umsetzung
seine Treffer landet und als wohlverdienter Sieger aus dem Ring
steigt.
kleine Werbepause
Girlfight
Bilder: Copyright



Kommentar hinzufügen