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Girlfight

Girlfight
sport-drama , usa 2000
original
girlfight
regie
karyn kusama
drehbuch
karyn kusama
cast
michelle rodriguez,
jaimettirelli,
santiago douglas,
paul calderon, u.a.
spielzeit
110 Minuten
kinostart
8. Februar 2001
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Diana Guzman (Michelle Rodriguez) ist das, was der Amerikaner gemeinhin „one tough costumer“ nennt: Sie schlägt schnell zu und das ziemlich hart. Leider macht sie das regelmässig auf den Fluren ihrer Highschool und hat sich gerade ihren nächsten Eintrag in die Schulakte gesichert. Diana ist so ganz das Gegenteil ihres Bruders Tiny (Ray Santiago): Dieser ist sensibler Künstler, wird aber trotzdem vom Machovater (Paul Calderon) zum Boxunterricht geschickt, damit aus ihm „ein richtiger Mann wird“. Als Diana in den vor sich hin siechenden Boxclub, indem Tiny trainiert, geschickt wird, ist sie sofort fasziniert vom Boxen und überredet den knorrigen Trainer Hector (Jaime Tirelli), sie zu betreuen. Langsam wird aus der undisziplinierten Straßenkämpferin eine gute Amateurboxerin. Als sie dann auch noch mit Boxerkollege Adrian (Santiago Douglas) – der den Profisport als Sprungbrett aus der Armut nutzen will – anbändelt, eröffnen sich Diana vorher kaum gekannte Glücksmomente. Aber sie muß und wird lernen, daß im Leben die härtesten Kämpfe nicht zwangsläufig im Ring oder mit den Fäusten ausgetragen werden...

So geht das also: Man nehme eine angehende Regisseurin samt eigenem Drehbuch, eine in einem offenen Casting gefundene junge Frau ohne Schauspielerfahrung, bringe aus beiden sowie allen anderen die bestmöglichste Leistung hervor und warte, bis die Preise anrollen (U.a. Bester Film + Beste Regie beim Sundance-Festival, Nachwuchspreis in Cannes). Sehr smart. Und vor allem wunderbar abseits des Mainstreams. Diese Independent Produktion besticht mit einer realitätsnahen Milieu- und Charakterstudie ohne die gelackte Oberflächlichkeit üblicher „coming of age“-Geschichten. Der große Pluspunkt von „Girlfight“ ist, daß Regisseurin Karyn Kusama mit großem Feingefühl ihre Figuren zeichnet, das beschriebene Milieu ohne falsche Banalisierung vermittelt. Den Klischees, die gerade bei der beschriebenen Geschichte zu Dutzenden auftreten könnten, werden größtenteils umgangen. Selbst bei absehbaren Wendungen wie dem Finalkampf gegen den Liebsten, wird durch starke Dialoge und nuanciertes Spiel jeder Anflug von peinlichen Stereotypen umgangen. Wichtig ist nicht, ob einen der Film hier tatsächlich überrascht, sondern die Tatsache, daß man es ihm zutrauen würde. Schockierende Szenen, wie Dianas brutaler Wutausbruch gegen ihren Vater, sorgen zudem dafür, daß die Geschichte nicht arg zu süßlich daherkommt.

Ganz stark: Michelle Rodriguez als Diana. Nur am Anfang übertreibt sie es etwas mit dem grimmigen Augenrollen, steigert sich dann in eine sensible und ausgesprochen überzeugende Vorstellung. Und trotz ihres eher herben Aussehens versprüht sie im Ring dezenten Sexappeal. Ob sie dem von ihrer Regisseurin versehenen Prädikat „Teenager-Brando“ vollends gerecht werden kann, bleibt abzuwarten. Dennoch: Beeindruckend. Ebenso überzeugend: Die musikalische Untermalung, wie etwa die stimmungsvollen Flamencoklänge während der Kampfszenen, sowie die ausdrucksstarke Photographie. 

„Girlfight“ ist das, was filmisch dem technischen K.O. beim Boxen gleichkommt: Kein Film, der einen vor Begeisterung ausknockt, der aber dank ansprechender Geschichte und stimmungsvoller Umsetzung seine Treffer landet und als wohlverdienter Sieger aus dem Ring steigt.

Simon Staake

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