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Get on Up

Get on Up
biographie-drama , usa 2014
original
get on up
regie
tate taylor
drehbuch
jez butterworth, john-henry butterworth
cast
nelsan ellis,
dan aykroyd,
viola davis,
octavia spencer,
chadwick boseman, u.a.
spielzeit
140 Minuten
kinostart
9. Oktober 2014
homepage
http://www.get-on-up-film.de
bewertung

7 von 10 Augen

get on 1In Hinsicht auf verfilmte Lebensgeschichten von mittlerweile verstorbenen amerikanischen Musiklegenden war zu erwarten, dass nach Ray Charles und Johnny Cash auch der Godfather of Soul irgendwann an die Reihe kommen würde. Und natürlich bietet auch die Geschichte von James Brown mehr als ausreichend Stoff für ein gut zweistündiges Biopic. Auch hier lautet die Aufgabe sogar wieder stark zu straffen und sich auf einzelne Stationen zu konzentrieren. Noch viel mehr als in den erwähnten beiden Fällen bricht Regisseur Tate Taylor („The Help“) in „Get on Up“ dabei die Chronologie der Handlung auf und springt geradezu wild zwischen den einzelnen Jahrzehnten hin und her. Dies erfordert Einiges an Aufmerksamkeit und Konzentration vom Zuschauer, wird so aber zweifelsohne auch am Ehesten dem aufregenden und äußerst wechselhaften Leben der Hauptfigur gerecht.

get on 2Aufgewachsen in einer Zeit in der häusliche Gewalt für viele alltäglich war und in der es kaum Möglichkeiten für einen schwarzen Jungen gab aus seinem schwierigen sozialen Umfeld auszubrechen, landet der junge James Brown (Chadwick Boseman) – nachdem ihn sowohl Mutter als auch Vater recht leichten Herzens abgeschoben haben und er nach ersten Straftaten bereits im Gefängnis saß - schließlich mit viel Glück im Hause einer gutherzigen Familie. Zu der gehört auch Bobby Byrd (Nelsan Ellis) der mit seiner Band bereits diverse öffentliche Auftritte absolviert hat und der sofort James großes Talent als Sänger registriert.  Nach dessen Einstieg und der Umbenennung der Gruppe in „The Famous Flames“ stellt sich erster Erfolg ein, der auch die Aufmerksamkeit der Plattenfirmen auf sich zieht. Doch als der große Durchbruch winkt, sind die Produzenten um Promoter Ben Bart (Dan Aykroyd)  letztlich nur an James Brown interessiert und der muss sich entscheiden, ob er seine Freunde für die eigene Karriere zurücklässt. James wählt den Weg als Frontmann im Rampenlicht und nur Bobby wird ihm über die folgenden Jahre stets treu bleiben – bis auch diese Freundschaft schließlich auf die Probe gestellt wird.   

get on 3Die Figur des Bobby Byrd ist so ziemlich die einzige Klammer in der über mehrere Jahrzehnte laufende Geschichte, denn ansonsten ist dieser James Brown ein Einzelgänger, der praktisch keine familiären Bindungen mehr hat und auch kaum mal so etwas wie echte Freundschaften pflegt. Als seine Mutter ihren mittlerweile berühmt gewordenen Sohn schließlich aufsucht ist das Zusammentreffen dementsprechend geprägt von Bitterkeit und auch die Frauen des Egomanen spielen in dessen Leben stets nur die Nebenrolle. Dass Brown dabei auch gelegentlich mal „die Hand ausrutschte“ wird im Film zwar eher dezent aber doch eindeutig genug gezeigt und auch sonst scheut man sich keinesfalls die diversen dunkleren Seiten der Hauptfigur zu belichten. Sehr mutig ist in dieser Hinsicht bereits die Auftaktszene, in welcher der Vorfall geschildert wird, in der ein wegen einer Nichtigkeit ausrastender Brown mehrere Menschen in einer Shopping Mall mit seinem Gewehr bedroht. Eine Episode für die er dann auch längere Zeit in Haft kommt und in der uns dieser Charakter alles andere als verehrungswürdig präsentiert sondern vielmehr erst mal das Publikum verstört.  Und wenn man an diesem Punkt noch davon ausgeht, dass der Film in der Folge darauf hinarbeiten wird, dass wir schließlich besser verstehen und  nachvollziehen können was bei James Brown zu so einem Verhalten führen musste, dann wird diese Konvention letztlich nicht erfüllt. Denn das Verhalten dieses Menschen bleibt stets unberechenbar und sowohl im Guten wie im Negativen wenig vorhersehbar.

get on 4Über weite Strecken ist „Get on Up“ eine Sammlung vieler kleiner Episoden und Anekdoten, denen zwar die durchgehende klare Linie fehlt, die aber für sich fast sämtlichst sehr interessant und unterhaltsam daher kommen. Immer wieder wird dabei natürlich auch amerikanische Geschichte gestreift, wenn Brown etwa für die Soldaten im Vietnamkrieg spielt oder sich seiner Verantwortung stellt, in den Nachwehen des Attentats auf Martin Luther King die Situation zwischen seinem aufgewühlten Publikum und den durchweg weißen Polizeigewalten nicht eskalieren zu lassen. Der entscheidende Punkt im Genre „Biopic“ ist aber natürlich stets die Besetzung der Hauptfigur und da spielt der Film mit Chadwick Boseman seinen großen Trumpf aus. Der verkörperte vor kurzem bereits eine weitere amerikanische Legende in dem hierzulande (naturgemäß) nur wenig beachteten Baseball-Film „42“ und ist nun kaum wiederzuerkennen. Sowohl was das Aussehen (die Frisuren!), das Gehabe und vor allem die Stimme angeht glaubt man hier vom ersten Moment an tatsächlich den wahrhaftigen James Brown und keinen Schauspieler vor sich zu haben. Eine Feststellung, mit der dann zwangsläufig die Erkenntnis einhergeht, dass dieser Film vorzugsweise in der Originalfassung angeschaut werden sollte, denn in der deutsch synchronisierten Version wird diese Wirkung so kaum zu erzielen sein.  Es folgt allerdings auch gleich die „Warnung“, dass beim extremen Slang der hier gesprochen wird selbst der darin geübte Betrachter kaum jedes Wort wird verstehen können. Die Entscheidung bei den eingespielten Songs aus Originalmaterial von James Brown zurückzugreifen und diese nicht selbst neu einzusingen verstärkt dann noch das Gefühl der Authentizität. Es ist die beeindruckende Performance von Boseman, die den Film letztlich trägt und dafür sorgt, dass für „Get on Up“ die Anschau-Empfehlung ausgesprochen wird.

Volker Robrahn

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