Fatih Akin hat mit seinem neuen Film "Gegen die Wand" den Goldenen Bären der diesjährigen Filmfestspiele von Berlin gewonnen. Das ist für einen enthusiastischen deutschen Kinofan eigentlich Grund zur Freude, denn ein deutscher Film als Hauptgewinner bei der Berlinale kommt ungefähr so häufig vor wie beim Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Noch dazu ist Akin unbestreitbar einer der talentiertesten und vielversprechendsten Regisseure (siehe z.B. "Im Juli" und "Solino"), die die junge Generation hierzulande zu bieten hat. Wahrlich ein Grund zur Freude also. Eigentlich. Denn bei Betrachtung von "Gegen die Wand" kann man (oder zumindest dieser Rezensent) sich nicht des Eindrucks erwähren, dass die Entscheidung der Berlinale-Jury bestenfalls gut gemeint und schlimmstenfalls äußerst fragwürdig war.
"Gegen
die Wand" fährt zu Beginn des Films der abgebrannte, 40-jährige
Deutsch-Türke Cahit, Paradebeispiel eines daueralkoholisierten
Thekenwracks der schlimmsten Sorte, der diesen stümperhaften
Selbstmordversuch allerdings überlebt. Auch überlebt hat
ihren versuchten Suizid die 20-jährige Sibel, die Cahit im
Krankenhaus kennenlernt und die ihn fast postwendend bittet, sie
zu heiraten. Der Grund: Sibel versucht verzweifelt, aus ihrem konservativ-traditionellen
türkischen Elternhaus zu entkommen, und wenn nicht per Selbstmord,
dann geht das nur durch die Hochzeit mit einem türkisch-stämmigen
Mann. Cahit stimmt schließlich missmutig zu, und so formen
die beiden eine Lebens- und Wohnungszweckgemeinschaft, ohne weitere
Verpflichtungen. Doch während Sibel ausgeht, sich fröhlich
durch die Gegend vögelt (die Bild-Zeitung hat erwartungsgemäß
flink die Parallelen zum wahren Leben von Darstellerin Sibel Kekilli
aufgezeigt, deren bisherige Filmographie vornehmlich aus Pornostreifen
besteht) und ihre neue Freiheit genießt, erwachen in Cahit
unvermeidlicherweise zarte Gefühle für die junge Schönheit,
die wieder Ordnung, Freude und vor allem ein bisschen Hoffnung in
sein Leben gebracht hat.
Der
erneute Absturz ist leider vorprogrammiert, denn das hier ist keine
verträumte RomCom (auch wenn die Prämisse dort besser
funktionieren würde), sondern ein beinhartes Stück Kino,
mit dem Akin zu den Wurzeln seines famosen Erstlings "kurz
und schmerzlos" zurück kehrt - und das nicht nur beim
Setting in den etwas wilderen Straßen von Hamburg-Altona,
sondern auch thematisch, denn "Gegen die Wand" dreht sich
vor allem um die speziellen Probleme von Immigranten der zweiten
oder dritten Generation. Gefangen irgendwo zwischen dem traditionsbewussten
Elternhaus und den verführerischen Versprechungen einer modernen
Konsumgesellschaft steht Sibel stellvertretend für eine ganze
Generation junger Türkinnen, die hier in Deutschland gerne
frei leben würden, aber es häufig nicht können. Cahit
wiederum hat seine ethnischen Wurzeln schon fast verloren: Er spricht
nur noch gebrochen türkisch und begegnet den Bräuchen
seiner Kultur vor allem mit Unverständnis. Durch diesen thematischen
Schwerpunkt etabliert sich Akin nachdrücklich als Regisseur
zwischen den Kulturen, der seine türkischen Einflüsse
mindestens so stark berücksichtigt wie seine deutschen und
so in der Tat einer der prägenden Filmemacher unserer multikulturellen
Gesellschaft ist.
Entsprechend würdigt Akin auch die Trends zweier Filmlandschaften,
denn im türkischen Kino tut sich zur Zeit eine neorealistische
Bewegung auf, und diesen knallharten Realismus hat sich auch Akin
für "Gegen die Wand" auf die Fahnen geschrieben:
Mit geradezu
erbarmungsloser
Direktheit präsentiert er das selbstzerstörerische Dasein
Cahits (im übrigen beeindruckend portraitiert von Birol Ünel,
der in der Realität laut Akin ebenfalls viel mit seinem Charakter
gemeinsam hat), in dessen Leben selbst Sex zur verschwitzt-verzweifelten,
geradezu animalischen Triebbefriedigung verkommt. Zumindest für
die erste Hälfte entsteht so ein hochgradig intensiver und
stark inszenierter Kinofilm.
Dass das unbestreitbare Talent des Regisseurs allerdings nicht immer
für einen durchgehend gelungenen Streifen garantiert, zeigt
leider das zerfahrene Schlussdrittel. Eingeleitet durch einen bereits
bemüht konstruiert wirkenden Höhe- bzw. Tiefpunkt, erweist
sich dieser letzte Teil von "Gegen die Wand" als leidlich
konfus und eindeutig unentschlossen. Jenseits der offensichtlichen
ersten Wendung seiner Grundprämisse - die auch in jeder RomCom
so zu erwartende Entstehung zarter Gefühle zwischen den Zweckehepartnern
- scheint Akin nämlich leider nicht mehr viel eingefallen zu
sein, wie es mit seinen Charakteren weitergeht. Brutal-realistisch
wie der Film nun mal ist, gefällt ihm die Idee von einem konventionellen
(obwohl nahe liegenden) Happyend überhaupt nicht, stattdessen
verliert er sich im Schlussakt in zusehends zum Selbstzweck verkommenden
Gewaltdarstellungen, die in ihrer Heftigkeit (gerade bei einer hässlichen
Vergewaltigung) ebenso gewollt wie unnötig erscheinen. Währenddessen
wandelt sich die Handlung zusehends zum dürftig zusammen gestrickten
Flickenteppich, der mit zu vielen Ort- und
Zeitsprüngen
nicht nur den Drive des ganzen Films verkommen lässt, sondern
auch deutlich das Gefühl vermittelt, dass Akin einfach nicht
mehr richtig wusste, wo er mit seiner Geschichte hin will. So schaukelt
sich der Film unentschlossen und entsprechend antiklimaktisch dahin
bis zu einem durch und durch unbefriedigenden Schluss, der viel
zu viele offene Enden zurücklässt. Das mag zwar auch realistisch
sein, der Dramaturgie eines Kinofilms ist das aber trotzdem nicht
zuträglich.
Angesichts eines solch enttäuschenden Schlussakts können auch Akins erfrischend-multikulturelle, inszenatorische Eigenwilligkeiten (wie die Umrahmung der Geschichte mit türkischem Folkloregut, vorgetragen von einer Band direkt am Bosporus) nur noch bedingt Freude bereiten. Sicher ist "Gegen die Wand" ein wichtiger Schritt in der Karriere Akins hinsichtlich seiner eigenen "Stimme" als Filmemacher, nichtsdestotrotz kann man aber nicht verschweigen, dass der Film nach starkem Anfang auch stark nachlässt und sich einfach zu billig aus der eigenen Handlung davonstiehlt. Fatih Akin ist ein unglaublich sympathischer und begabter Filmemacher, dem man für seine Laufbahn wirklich nur das Beste wünscht. Dennoch ist der Gewinn des Goldenen Bären für "Gegen die Wand" überraschend, wobei dies als negativer Euphemismus zu verstehen ist: Wie auch immer die Entscheidung der Jury motiviert war, verdient ist diese Auszeichnung - leider - nicht.



sehr guuuuuut...
dieser film ist der besten deutschen film, den ich irgendwann gesehen habe. ;)
Elle und nur Elle aus polen
Dieser Film hat Erinnerungen an die Vergangenheit geweckt und ist sehr realitätsnah.Ich habe schon sehr viele Filme von Fatih Akin gesehen und muss sagen er macht einfach nur Klasse Filme!
Als ich den Film sah, kam mir sehr viel bekannt vor...damit meine ich die Handlung. Sie ist/war sehr realistisch..da es meist wirklich so läuft..
Film ist einfach nur Authentisch!
Ich habe eine gute Naricht!
ARD/NDR 21:00 Uhr Samstag 1.11.2008!
Ich freu mich schon:D
Ein genialer Film!! ebenso genial war der zweite Teil seiner Trilogie "auf der anderen Seite".Ich warte sehnsüchtig auf den nächsten Akin Film. Ist mir auch fragwürdig, was die dummen klugscheißenden Kommentare über Akin uns seine Filme sollen? Warum macht man sich dann überhaupt die Mühe, eine DINA4 Seite lang zu schreiben?! Also wenns zum Nachdenken und kritisieren ganze Seiten braucht, dann hat es irgendwo doch getroffen, oder wie schamlos geht man mit seiner kostbaren Zeit um? naja...Fatih hat es mit Anfang 30 geschafft, international Filmtrophäen zu sammeln. Ich denke das sagt alles über seine Art der Filmkunst. Oder sind alle Akademien in Europa und Asien völlig übergeschnappt und überhäufen ihn deshalb mit den ganzen Auszeichnungen? Nun ja...Cannes hat ihn zwei jahre hintereinander in mehreren Kategorien ausgezeichnet und lud ihn auch in Begleitung von Salma Hayek als jurymitglied ein, unter anderem!! Hoscakalin
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