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Gefahr und Begierde

Gefahr und Begierde
drama , china 2007
original
si, jie
regie
ang lee
drehbuch
wang hui-ling
cast
tony leung,
joan chen,
wei tang,
wang lee-horn, u.a.
spielzeit
156 Minuten
kinostart
18. Oktober 2007
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

Der Prototyp einer glücksseligen Szene: Vier chinesische Damen sitzen an einem runden Tisch und spielen Mahjong. Ihre Finger flitzen über den Tisch und greifen nach den Steinen so schnell, dass sich die Spielobjekte fast von alleine aufbauen. Der Schnelligkeit dieses Vorganges setzt die Kamera die Gesprächsfetzen der Konversation zwischen den Frauen gegenüber. Scheinbar ist es nur belangloses Geplauder wie: "Heute ist Reis wichtiger als Gold geworden" und "Diese dummen Japaner wissen nicht, dass es über ihrem Kaiser noch einen anderen Himmel gibt". Doch dann gibt es immer wieder diese spürbaren aber keinesfalls auffälligen Momente der Verwirrung und der Irritation. Ein kurzes Innehalten, ein nervöser Seitenblick. Hat sie das gerade wirklich gesagt? Meint sie das ernst? Eine unsagbar subtile und geheimnisvolle Atmosphäre der Spannung legt sich über diese ausgezeichnet gefilmte und geschnittene Szenerie, die jede falsche Regung zu enttarnen droht. Und enttarnen kann lebensgefährlich sein, im von faschistischen Japan besetzten China während des Zweiten Weltkrieges.
Genau zu dieser Zeit spielt Ang Lees neuster Film "Gefahr und Begierde". Shanghai 1942: An der Universität beschließt eine kleine Truppe von patriotischen Studenten - alle samt Mitglieder einer Theatergruppe - nicht mehr nur passiv durch ihre Kunst Widerstand zu leisten, sondern aktiv. In den Semesterferien wollen sie den Kollaborateur Herr Yee (Tony Leung) umbringen und somit ihren Dienst für das okkupierte Vaterland leisten. Doch es ist nicht einfach an den hochrangigen Yee zu kommen. Die schöne Wang Jiazhi (Wei Tang) soll als Lockvogel herhalten und Herrn Yee verführen, um ihn dann der Gruppe auszuliefern. Der Plan geht schief, die Gruppe zerfällt. Vier Jahre später, in Hongkong, bietet sich Wang Jiazhi wieder die Möglichkeit, Yee zu erledigen, doch dieses mal kämpft sie nicht mit äußeren Barrieren sondern mit inneren. Denn Herr Yee ist ihr längs nicht mehr so egal wie vor vier Jahren.

Mit seinem letzten Film "Brokeback Mountain" sorgte der in den USA lebende Taiwanese Ang Lee für eine Kontroverse - und bewies erneut, dass er zu den besten und akribischsten Filmemachern unserer Zeit gehört, was endlich auch mit dem Regie-Oscar belohnt wurde. Zwar stammt er aus Taiwan, doch unterscheiden sich seine Filme grundsätzlich von denen seiner Landsmänner, wie Hou Hsiao Hsien, Edward Yang oder Tsai Ming-Liang. Wo diese die prekäre politische Situation ihres Landes in ihren Werken anprangern, verfolgte Ang Lee von Anfang an eine ganz andere thematische Linie. Ob "Eat, Drink, Man, Woman", "Sinn und Sinnlichkeit", "Der Eissturm", "Tiger & Dragon" oder "Hulk" - in all seinen Filmen betrachtet Ang Lee die Schwierigkeiten beziehungsweise die Unmöglichkeit der Liebe. Dabei beobachtet der 53-jährige nicht nur die Extreme der Liebe, wie ihren völligen Verlust ("Der Eissturm") oder ihren freudigen Überschwang vor der unweigerlichen Katastrophe ("Brokeback Mountain"). Selbst die feinen zwischenmenschlichen Nuancen einer Beziehung werden unter seiner Führung sichtbar. So wurde aus der Comicverfilmung "Hulk" kein Unterhaltungsfilmchen, sondern viel mehr ein Porträt zweier erwachsener Kinder, die von Egomanen großgezogen worden sind und nach der verlorenen Liebe ihrer Eltern verlangen.

Auch in "Gefahr und Begierde" geht es um die amourösen Gefühle von Wang Jiazhi, die zuerst unbedarft und aus jugendlichem Leichtsinn der Theatergruppe beitritt, um dann in ihrer Rolle der Verführerin völlig aufzugehen. Sie spielt zunächst die Leidenschaft und merkt nicht, dass der Moment des Spiels, des Scheins und der Illusion schon längst nicht mehr existiert.
Das geniale an Ang Lees neuster Regieleistung ist dabei die differenzierte und ausgeklügelte Bildersprache. Er spielt mit expliziten Bezügen zum Film Noir, lässt ominöse Schatten auf die Gesichter der Protagonisten fallen und erschafft somit eine wahre Poesie der Blicke. Gesten und Körper werden durchleuchtet. Auch die Sexszenen, die im Vorfeld für einen kleinen Eklat gesorgt hatten und dazu führten, dass der Film nur in einer gekürzten Fassung in den USA auf den Markt kam, sind wirklich harmlos und weniger schockierend als unglaublich berührend. Die Körperlichkeit wird zum zentralen visuellen Thema in "Gefahr und Begierde". Sie wird zum Ventil der ständigen Bedrohung und Anspannung der Figuren. Besonders deutlich wird dies, wenn Wang Jianzhi einem Offizier erzählt, was mit ihr passiert, wenn sie mit Yee schläft. "Wie eine Schlange kriecht er in mein Herz", sagt sie und der Offizier kann nicht länger zuhören. Er weist sie zurecht und verlässt sofort den Raum.
Wieder beweist Lee, dass er ein Meister ist, wenn es darum geht, Geschichten und von Menschen nur durch die Bilder zu erzählen. Überhaupt besticht dieser Film durch seine ausstatterische Kargheit und erinnert dadurch an Carol Reeds Noir-Klassiker "Der dritte Mann". Die Straßen Shanghais sind fast immer leer. Das ist gespenstisch und doch kann man seinen Blick nicht von der Leinwand nehmen. Erlesene Szenen, wie die beim Mahjong spielen, sind so virtuos inszeniert, dass man diesen Frauen am liebsten tagelang dabei zu sehen würde.
Der einzige kleine Kritikpunkt an diesem Epos ist seine Dauer. Aus den zweieinhalb Stunden hätte man getrost eine halbe Stunde herausstreichen können. Doch auch das stört den Eindruck nur wenig. Neben der klaren Schauspielführung und dem tollen Drehbuch ist auch der Blick in das China während des Zweiten Weltkrieges sehr interessant und in dieser Breite einmalig. Nicht umsonst wurde Ang Lee jedenfalls nach "Brokeback Mountain" auch für "Gefahr und Begierde" mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet, beweist er hier doch erneut und eindrücklich sein unglaubliches Können.

Patrick Wellinski

10

Kleiner hinsweis zur grossartigen kritik: Der film ist in den USA nicht gekuerzt hat aber ein NC17 rating bekommen

7

Der Film ist echt gut! Schauspielerisch sehr überzeugend und die Kamerea ist auch klasse!

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