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Am
9. August 1974 gab Richard Nixon als Folge des Watergate-Skandals
seinen Rücktritt bekannt. Es war das erste und bisher einzige
Mal, dass ein US-Präsident freiwillig und vorzeitig aus seinem
Amt schied. Lauschangriffe, Korruption und illegale Spionage gegen
politische Gegner hatten Nixon als Staatsoberhaupt nicht mehr tragbar
gemacht. Nachdem sein Nachfolger Gerald Ford ihn für alle seine
Taten begnadigte, bedeutete dies schlicht und einfach, dass sich
Richard Nixon öffentlich nicht für seine Taten verantworten
musste. Darunter litten nicht nur viele Amerikaner, die nicht den
Eindruck hatten, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde,
sondern vor allem auch der Ruf des Ex-Präsidenten, der in der
öffentlichen Wahrnehmung von nun an als Verbrecher dastand.
Einige veröffentlichte Biographien, die seinen Ruf wieder reinwaschen
sollten, halfen leider nicht, und so kam es vier Jahre nach seinem
Rücktritt zu einer Reihe von Fernsehinterviews, die von dem
bekannten aber wenig respektierten britischen Talkshow-Moderator
David Frost geführt wurden.
Diese Interviews sind bis heute einzigartige Dokumente der amerikanischen
Geschichte, und ein faszinierender Stoff, den der Drehbuchschreiber
Peter Morgan ("The Queen",
"Der letzte König von Schottland"),
zunächst fürs Theater verwertete. Das Stück mit dem
Titel "Frost/Nixon" wurde in London zu einem großen
Erfolg und versetzte auch das Publikum am Broadway in Begeisterung.
Fast schon logische
Folge: Nun kommt "Frost/Nixon" unter der straffen Regie
von Ron Howard ("A Beautiful
Mind") und mit dem fantastischen Darstellerduo Frank Langella
und Michael Sheen, die beide ihre Figuren bereits im Theaterstück
verkörpern durften, auf die große Leinwand.
In "Frost/Nixon" rekonstruiert
Howard präzise diesen Schlagabtausch, der Fernsehgeschichte
schreiben sollte. Am Anfang der Geschichte verdingt sich David Frost
(Michael Sheen) mit seiner enorm erfolgreichen, allerdings ziemlich
seichten Talkshow im australischen und englischen Fernsehen. Doch
für ihn, der schon einmal im amerikanischen TV moderieren durfte,
ist klar: "Success in America is unlike success anywhrere else."
Und so bekommt der britische Moderator mit Playboy-Attitüde
die Idee, den ehemaligen US-Präsidenten zu interviewen. Doch
niemand will einem im Polittalk unerfahrenen Schönling dieses
Vorhaben finanzieren, und so muss Frost selber tief in die Tasche
greifen.
"Frost/Nixon" wäre sicherlich ein Flop geworden,
wenn Autor Peter Morgan bloß schwarz und weiß gemalt
hätte, bloß Gut gegen Böse gestellt, denn wer sollte
sich heutzutage noch für eine plakative Demontage Richard Nixons
interessieren. Natürlich gibt es Momente, in denen die Dramaturgie
den Mythos von David gegen Goliath herbeizitiert, aber Ron Howard
spielt in seiner Inszenierung mit dieser Vorstellung und variiert
dieses festgefahrene Prinzip gekonnt. Das wunderbar differenzierte
Drehbuch von Morgan hätte auch kaum einen anderen Schritt erlaubt.
Das
wird besonders in der feinen Charakterzeichnung von David Frost
deutlich, dessen coole Art nichts weiter als bloße Fassade
ist. Er riskiert den Bankrott, um seinen Traum vom Erfolg zu verwirklichen.
Und Michael Sheen fängt diese innere Zerrissenheit wunderbar
ein. Was Frank Langella als Richard Nixon hingegen macht, kann man
nur noch sehr schwer als normale Schauspielerei beschreiben - es
ist mehr. Es ist eine Vorstellung, die sich nicht in der bloßen
Ähnlichkeit mit dem historischen Vorbild erschöpft. Hier
geht es nicht darum, ob Langella so spricht, so zwinkert oder geht
wie der echte Richard Nixon. Langella fängt den Geist von Nixon
ein. Er verkörpert das, wofür Nixon bis heute steht, viel
mehr als "nur" wer er war. Damit gelingt es Langella,
etwas Zeitloses und Universelles in seine Darstellung zu legen,
das sich ohne Weiteres auf viele gescheiterte Politiker übertragen
ließe. Wenn das keine große Schauspielkunst ist, was
dann?
Flankiert werden die beiden Hauptdarsteller von tollen Nebendarstellern,
wie Kevin Bacon, Tobey Jones und Matthew Macfayden. Hierzu gesellt
sich ein wirklich schönes Setdesign, das die Atmosphäre
der 70er Jahre authentisch wiedergibt.
Im
Verlauf des Films fängt der Schrägstrich, der im Titel
"Frost/Nixon" die beiden Protagonisten sachte voneinander
trennt, plötzlich an zu verschwinden. Ron Howards Werk ist
nämlich genau dann am stärksten, wenn es Frost und Nixon
nicht als Gegner, sondern als Männer von ähnlichem Gemüt
inszeniert. So unterschiedlich, wie sie uns von Anfang an erscheinen,
sind die beiden nämlich nicht. Als mediale und öffentliche
Persönlichkeiten sind sie beide Meister der Verstellung. Sie
erschaffen sich bei jedem Auftritt vor den Kameras neu. Egal ob
Nixon auf dem Weg zu den Interviews sein penetrantes Victory-Zeichen
in die Luft hält, oder wenn Frost bei einer Filmpremiere auf
dem roten Teppich stolziert. In diesen Momenten tragen beide dieselbe
Maske. Das ständige Verstellen, das tägliche Neuerschaffen
der eignen Persona zerstört sie innerlich. Der Film-Nixon hat
das, wahrscheinlich aufgrund seines Alters, bereits erkannt und
in einem furiosen Telefoninterview, das er in einer Nacht mit Frost
führt, scheint das direkt durch.
Man bekommt hier das Gefühl vermittelt, dass Frost und Nixon
früher oder später sowieso aneinander geraten wären.
Sie treffen sich beide in der Mitte ihrer Karriereleiter. Der eine,
gerade auf dem Weg nach unten und der andere, auf seinem dem Weg
nach oben. Das Interview wird für beide zum Schicksalsmoment.
Wer hier gewinnt, der steigt die Leiter weiter (oder wieder) hinauf.
Deshalb wird Nixon recht behalten als er zu Frost sagt: "Nur
einer von uns beiden kann im Scheinwerferlicht stehen. Für
den anderen bleibt die Wildnis. Einsamkeit mit nichts als den Stimmen,
die in unseren Köpfen klingen."
So wird es letztendlich kommen und das Ende vom Lied ist ja kein Geheimnis, als fester Bestandteil der amerikanischen Fernsehgeschichte. Ron Howards Film bringt das legendäre Ereignis nicht nur auf die Leinwand, sondern schafft in der ersten Phase der Post-Bush-Ära auch eine zeitlose Parabel auf die Macht und Ohnmacht einer medialen Öffentlichkeit. Und er zeichnet zudem präzise und genau den Aufstieg als auch den Fall, der damit verbunden sein kann.


Einfach toll, wie man mit ein paar Nahaufnahmen und dem reinen Mienenspiel zweier grandioser Schauspieler eine so intensive Spannung erzeugen kann!
Ich war von Anfang bis Ende des Films gefesselt, obwohl der Ausgang ja eigentlich keinerlei Überraschung darstellt.
Ein Oscar für Frank Langella wäre in jedem Fall hochverdient für diese einzigartige Darstellung!
Der Film ist wirklich sehenswert, selbst wenn - was bei mir der Fall war - man gar nicht weiß, dass es diese Interviews gab oder worum es bei der Watergate-Affäre bis ins kleinste Detail ging. Das Schauspiel der beiden Protagonisten überzeugt, wobei besonders Frank Langella eine klasse Leistung liefert.
Selten hat man solch ein starkes Charakterspiel in einem Film gesehen. Eine bemerkenswerte Leistung derer wir leider viel zu selten erfreut werden. Bitte mehr davon.
ich könnte mir schon vorstellen warum der film nicht mehr augen bekommen hat aber nichts negatives, eine große, wohl zu recht, lobhudelei, und dann nur acht augen??
oder sind das die bekannten 8 oscar-gladiator-million dollar baby- u.s.w. filmszenerevoluzzeraugen??
toller, ruhig inszenierter film mit super besetzung. hätte gerne länger zugesehen :)
deshalb auch keine 10 - mir hätte es gefallen zumindest von allen tagen die themen zu erwähnen bzw. längere sequenzen der interviews wären schon toll gewesen
oscar für langella!
Ich hätte es nie für möglich gehalten, das Ron Howard so was hinbekommt. Eine packende und gleichzeitich locker leicht erzählte Rekonstruktion eines historischen Ereignisses, ohne jegliches Pathos. So muss Polit-Kino aussehen.
Gelungenes Polit-Drama. Nixon ist wirklich brillant dargestellt.
brillant gespielt,der beste Beweiß dafür das ein Film auch ohne Computertricks und millionenfachem Budget gut funktionieren kann,man nehme einpaar gute Darsteller ein gutes Drehbuch und schon hat man ein spannenden Film.Gute,alte Filmschule.
Brilliant. Unterhaltung scheint auch heute noch auf höchstem Niveau möglich zu sein. Fast hätte man es nicht mehr für realistisch erachtet.
Long live Nixon!
Guter Stoff, langweilig verfilmt, 4 Punkte für Nixon!
Ein ordentlicher Film, ja. Aber die Machart ist enttäuschend. Die Pseudo-Interview-Einspielungen der Schauspieler zwischendrin, die dem Film eine Art Doku-Charakter verleihen wollen, stören - selbst wenn sie die eine oder andere Hintergrundinfo bringen, die man ansonsten im Film vielleicht nicht ordentlich unterbringen konnte. Der bereits informierte Zuschauer wird sich gegängelt fühlen. Die "überraschende Wende", die sich der Film leistet, als Frost nach dem nächstlichen Interview den entscheidenden Clou findet ist unwürdig, da schon endlos ausgelutscht: da arbeitet dann der erleuchtete Protagonist eine Nacht durch, vernachlässigt seine - verständnisvolle - Freundin kurz dafür und rettet den Tag! Das hätte man galanter umsetzen können (Filme wie "Good Night and Good Luck" haben es vorgemacht).
Frank Langella - ja, gut, ok ... hat er gut gemacht. Doch wenn man dann im Bonus der DVD die leider wenigen Originalausschnitte des echten Interviews sieht, findet man eine ganze Reihe von übertriebenen Dramatisierungen. Nixon in Realität ist da nicht zu schlagen.
Unterm Strich hatte ich mehr erwartet - aber Danke für den Versuch!
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