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Free Rainer - Dein Fernseher lügt

Free Rainer - Dein Fernseher lügt
satire-drama , deutschland 2007
original
regie
hans weingartner
drehbuch
hans weingartner, katharina held
cast
moritz bleibtreu,
milan peschel,
elsa sophie gambard,
simone hanselmann, u.a.
spielzeit
129 Minuten
kinostart
15. November 2007
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Mit "Die fetten Jahre sind vorbei" gelang dem Regisseur und Autor Hans Weingartner vor drei Jahren gleich ein doppelter Coup: Zum einen lief sein Werk als erster deutscher Film seit zwölf Jahren im Wettbewerb von Cannes, zum zweiten zeigte der beachtliche Publikumserfolg des debattierfreudigen Dramas, dass man auch mit politischen Filmen noch Erfolg haben und (zumindest ein wenig) Gehör finden kann. Nachdem die "fetten Jahre" sich noch als Kapitalismus- und Systemkritik mit Rundumschlag-Charakter gebärdeten, schießt sich Weingartner mit seinem neuen Film jetzt auf ein konkretes Feindbild ein: Das Fernsehen. Schade nur, dass "Free Rainer" dabei denselben Schwächen wie schon die "fetten Jahre" anheim fällt, und mit seinen einseitigen moralapostolischen Predigten letztendlich mehr langweilt als aufrüttelt.

Das mag auch daran liegen, dass "Free Rainer - Dein Fernseher lügt" nie so richtig den eigenen Tonfall findet. Denn los legt der Film schon ziemlich furios mit einer ätzend-zynischen Überzeichnung seines Protagonisten: Moritz Bleibtreu als TV-Produzent Rainer fackelt in den ersten Minuten ein wahres Feuerwerk an Widerlichkeit und Degeneriertheit ab. Soviel Überheblichkeit, Arroganz, charakterliche Verkommenheit und Koks-Konsum auf einmal sieht man selten. Rainer produziert das, was Harald Schmidt so treffend als "Unterschichtenfernsehen" bezeichnete - Shows und Magazine untersten Niveaus, aber Hauptsache, der Pöbel schaltet ein und die Quote stimmt.
Dass Weingartner indes jegliches Verständnis dafür abgeht, wie man so einen Job überhaupt machen und gleichzeitig eine Seele haben kann, wird mit der Geschwindigkeit offensichtlich, mit der Rainer im Folgenden seine Erweckung erlebt: Nachdem die junge Frau Pegah (Newcomerin Elsa Sophie Gambard) versucht hat, Rainer umzubringen (ein spekulativer Beitrag seines Reportage-Magazins führte zum Selbstmord ihres Großvaters), erkennt der TV-Teufel seine Sünden und beschließt, das Land vom Terror der verblödenden Bildröhre zu befreien.
Sein erster Versuch - eine neue, engagierte Fernsehsendung mit dem Titel "Das sollten Sie wissen" - geht dabei gründlichst schief: Die Quote ist miserabel und Rainer verliert seinen Job. Die Erkenntnis ist klar: Schuld am volksverdummenden Fernsehen ist die alles dominierende Quote. Und so beschließen Rainer und Pegah, auf einen Feldzug gegen die Quote aufzubrechen, um das Land geistig zu befreien.

Was folgt, krankt nicht nur an mangelnder Glaubwürdigkeit und einer dürftigen Dramaturgie, die Tempo vermissen lässt und sich an entscheidenden Stellen mit günstigen Zufällen aushilft (so fällt Rainer und Pegah der perfekte Mitstreiter für ihr eigentlich unmögliches Unterfangen quasi direkt vor die Füße), sondern auch an der Naivität und offensichtlichen Voreingenommenheit, mit der sich Weingartner seinem Subjekt nähert. Denn als erstes muss Rainer die bittere Erkenntnis schlucken, dass die Quote tatsächlich stimmt, und nicht etwa verschwörerisch manipuliert wird. Also muss der Fehler ja irgendwo im System liegen, und so stürzt sich Weingartner auf die offensichtlichen Mängel der Quotenermittlung: Dass nur knapp 6.000 Haushalte ein ganzes Land repräsentieren oder dass dabei nur GEZ-Zahler und deutsche Staatsbürger berücksichtigt werden und somit eine breite Front der TV-Nutzer überhaupt nicht berücksichtigt wird. Das Ding ist nur: Jeder Marktforscher und Quotenanalyst im Fernseh-Geschäft weiß das, und es gibt gute Gründe dafür, dass das System so ist, wie es ist. Es ist sicher nicht perfekt, aber es ist ganz bestimmt auch nicht skandalös.

Die Lösung für Rainer und seine Mitstreiter heißt darum auch nicht, das System zu ändern, sondern seine Schwächen für ihre Zwecke zu missbrauchen: Indem sie die Quoten manipulieren. Dass Rainer & Co. für die Umsetzung ihrer Pläne einige Repräsentanten eben jener Unterschicht rekrutieren, für die Rainer bisher Fernsehsendungen produziert hat, will Weingartner verstanden wissen als Klassen-Akt der Selbstbefreiung. Damit kann er jedoch nicht kaschieren, dass er sich hier die intellektuelle Arroganz eines typischen Möchtegern-Weltverbesserers vorhalten lassen muss, der der standfesten Überzeugung ist, die Wurzel des Problems erkannt und die Lösung parat zu haben, wenn, ach wenn die Leute doch nur zuhören und machen würden, was man ihnen sagt.
Doch gerade weil Weingartners Bedürfnis, seine Überzeugungen in die Welt zu posaunen, so groß ist, krankt der Film wie schon "Die fetten Jahre sind vorbei" unter viel zu viel Debattier-Ballast und einem überdeutlichen erzieherischen Anspruch, der in diesem Falle das satirische Potential größtenteils zunichte macht. Was mit der fulminant überzogenen Vorstellung des dauerkoksenden Oberarschlochs Rainer so gut los geht, verliert im Folgenden Witz und Tempo beinahe komplett, weil die Geschichte zu keinem Zeitpunkt richtig aus den Puschen kommt, und weil Weingartner sein Thema viel zu wichtig nimmt, um gelungen darüber scherzen zu können.
Entsprechend erscheint die Utopie einer mit "klugem" Fernsehen gesegneten Gesellschaft, die Weingartner schließlich zu entwerfen versucht, als geradezu niedliche Träumerei eines weltfremden Idealisten, für den Karl Marx noch immer Recht hatte. "Das Geld war schon immer das Ende jeder Revolution" meint Pegah an einer Stelle bedeutungsschwanger, und die Entsagung vom persönlichen Besitz ist denn auch hier der entscheidende Schritt zur gesellschaftlichen Umwälzung. Da das alles aber weder realistisch noch glaubwürdig noch überzeugend dargestellt ist, fällt es hier doch sehr schwer, mitzugehen und sich auf die An- und Einsichten des Regisseurs einzulassen.

"Free Rainer - Dein Fernseher lügt" bietet im Gegensatz zu "Die fetten Jahre sind vorbei" keinen politischen Diskurs, der interessant und komplex genug ist, um sein Publikum trotz schleppender Dramaturgie über zwei Stunden zu fesseln. Und wer so redefreudige und eindeutig politische Filme wie Hans Weingartner macht, muss sich - trotz aller unbestreitbarer Talente als Regisseur - dann auch daran messen lassen, wie klug argumentiert, ausgewogen und mitreißend sein Pamphlet tatsächlich ist. "Free Rainer" ist leider nichts davon.

Frank-Michael Helmke

10

Glaubt dieser kopflastigen Kritik nicht. Der Film ist superspannend, hab mich keine Sekunde gelanweilt. Eine irrwitzige Mischung aus boser Satire, Drama und Komoedie. Wir haben danach stundenlang diskutiert und das passiert nur noch selten ...

1

Ich bin fast eingeschlafen, obwohl ich etwa 3 R*d B*ll im Blut hatte. Der Anfang des Films war ganz nett, aber der viele Applaus, der von den Medien nach außen getragen wird, den kann ich nicht bestätigen. Der einzige Applaus, den der Film bekam, war VOR der Vorstellung, als sich die Darsteller kurz blicken ließen, um uns selbst, ziemlich genervt, viel Spaß zu wünschen. Tut mir leid, wenn ich jetzt zu ehrlich war, aber schließlich verdiene ich auch nichts daran, wenn ich etwas schön rede...
Das Thema des Films ist dennoch zu loben, weil sich mal wirklich jemand Gedanken gemacht hat - auch die Kameraführung und die Darstellungen der einzelnen Schauspieler haben Achtung verdient.
Aber eine Negativkritik an die Organisation bei der Gästelistenakkreditierung muss ich leider auch noch loswerden.
Ich habe mich wirklich auf den Abend der Premiere gefreut. Aber viel Positives, außer meinem Mann, habe ich nicht mit nach Hause nehmen können.

2

Tja, ich kann mich Mia anschliessen.
Ausser dem Thema gibt es nichts positives zu verkünden.
Dummer Film, unsensibel.
Hat Hans Weingartner nach den Fetten Jahren sind vorbei verlernt etwas über Figuren zu erzählen? Was ist mit ihm passiert? D

1

Ich schliesse mich meinen Vorrednern ebenfalls an.

Sieht man Herrn Weingartner im Interview, so kann man dort genau die gleiche selbstverliebte Arroganz sehen, die auch seine "Gesellschaftserziehunsphantasien" so unverdaulich macht.

3

Die Kritik triffts ziemlich genau. War in der Hamburger premiere und Hans Weingartner hat nach dem Film (sichtlich gelangweilt und/oder angetrunken... man weiss es nicht) noch ein bischen erzählt. Mehr als hohles elitäres geschwafel kam da aber irgendwie nicht bei rum (sowohl vom Regisseur als auch zum Teil vom Publikum).

Herr Weingartner scheint offenbar die Weisheit gepachtet zu haben. Wenn ihm die dumme Masse doch bloß mal zuhören würde...
Auf die einzig intelligente Frage des Publikums, ob denn die mediale "Umerziehung" der dummen Fernsehzuschauer zu intellektuellen Schöngeistern tatsächlich die Lösung sei, konnte er jedenfalls nicht gerade schlüssig antworten.

3 Augen gibts von mir für Moritz Bleibtreu, der zumindest im ersten viertel des Films zum Teil grandios spielt.

2

Ja, auch ich muss leider auch bestätigen, die Kritik triffts ziemlich genau.

Irgendwie ist man auch von Hans Weingartner enttäuscht. "Das weisse Rauschen" war ein guter Film. In den "Fetten Jahren" hat er bewiesen, dass er als Regisseur inszenieren und eine Geschichte erzählen kann. Aber nun ist ein peinlicher Film entstanden. Farblose und dadurch sehr platte Figuren versuchen revolutionär zu sein. Aber man muss über dummen Menschen nur lachen, weil sie unglaubwürdig sind.

Leider ein schlechter, langweiliger Film.
Eine Satire ist bissiger und verkauft seine Zuschauer nicht für so blöd wie dieser Film.

10

Wenn ich all diese schlechten Bewertungen lese, frage ich mich wirklich, ob wir über den selben Film reden.

Tolle Schauspieler, kluge Geschichte, packende und witzige Umsetzung.
Sollte man auf jeden Fall gesehen haben.

2

Lilly, ich frage mich was du gesehen hast. Der Film mag so allerlei sein, aber klug ist er nicht. Das ist eine ganze biedere lineare Story, mit ein paar wirkungsvollen Witzen. Eine dramaturgischer TV-Durchschnittsfilm plus eine vor diesem Hintergrund etwas unangebrachte dogmatische Haltung. Liest man doch noch ein Interviews mit Hans Weingartner und erfährt, wie ernst er es meint, wie er die Kritier, das Art-Kino beschimpft und meint, er spräche für 'die Zuschauer', da kommt einem schon das Gruslen. Ein paar gute Gags machen noch keine Satire. Das ist Agitprop für Teenager. Ein Auge für Moritz Bleibtreu!

1

Grottig. Ich hatte das Gefühl ich sehe die Verfilmung eines Deutsch-Aufsatzes einer 13jährigen Antifa-Aktivistin.
"Die fetten Jahre" waren mit ihren polit. Idealen zwar auch relativ niedlich, aber man konnte sich reinfühlen. Man hat immer wieder gedacht: "Irgend wie hamse trotz ihrer niedlichen Radikalität recht mit dem was sie manchmal da so sagen." Zudem war der Film, besonders im ersten Teil extrem spannend, die Figuren hatten Tiefe...etc. etc.

Bei "Free Rainer" habe ich schon in der ersten Szene gedacht: "Au Backe, ist das jetzt ein Sketch von Sat. 1, oder meint er die Szene jetzt ernst?": Bleibtreu alias Rainer fährt zu irgend einer "Unzufriedener-Teenager-Slipknot-Agro-Musike" mit seinem Wagen Kamikaze, macht das berühmte Teufelszeichen mit den Fingern, trinkt Whisky und..rockt so glaubwürdig ab, wie...der restliche Plot des Films. Ich habe mich fremdgeschämt.

Weiter gehts mit einer schlechten (!!) "Requiem for a dream"-Verschnitt Situation: Rainer liegt auf im Krankenwagen und wird reanimiert: während dessen fantasiert er sich in eine Alptraumhafte TV-Show hinein, in der er auf einer Liege festgeschnallt der Gunst der Zuschauer ausgesetzt ist: Soll er weiterleben, oder umgebracht werden?
Die "special effects" in diesen Szenen grenzen an 80iger B-Movies, es wirkt alles irgend wie billig, lieblos..und von der Idee her uralt. Wahrscheinlich sollte diese Szene schocken, das hat sie auch, aber nur in Hinsicht auf ihre Peinlichkeit.
(Wer eine gute Umsetzung von Wahnvorstellungen meets TV Shows sehen will, sei hier noch mal Requiem for A Dream ans Herz gelegt)

Hinzukommt, dass viele schauspielerischen Leistungen einfach mies waren, sogar Soap ähnlich. Was besonders witzig ist, weil ja genau diese Gattung Fernsehkunst im Film kritisiert wird.

Auch die Geschichte rund um Pegah ist der totale Murks: Ihr OPA (!!) hat sich umgebracht weil ihm auf Grund einer falschen Berichterstattung von Rainers Sendung die TRAINERLIZENZ entzogen haben. In einer Rückblende in der Pegah geschätzte 10-13 ist, ist ihr Opa allerdings schon weit jenseits der 60.
Vielleicht irre ich jetzt hier auch, aber muss ja auch nen harter Schlag für einen über 70jährigen sein wenn er seine Trainerlizenz verliert. Ist seine Zukunft ja dann wohl im Eimer. Und überhaupt: Wen oder was hat er eigentlich trainiert? Mit über 70????

Schön ist auch, das Weingarter in seiner ja ach so links gerichteten Haltung, dann alle Klischees bedient die ein Erz-Konservativer von einem Arbeitslosen nur so haben kann:
Denn die Revoluzzer-Gruppe die Pegah und Rainer sich zusammencasten sind alles Arbeitslose, direkt vom Arbeitsamt weggefischt: Und die sind ungewaschen, trinken Alk in Massen, fälschen ihre Qualifikationen und letztendlich verkacken sie auch alle ihren Revoluzzer-Job..
Toll. (War da nicht erst vor ein paar Tagen so ein Skandälchen wo sich ein Grünen-Politiker ähnlich über die Arbeitslosen geäußert hat, und droht dem nicht jetzt der Rausschmiss..mmmmh.)

Daraufhin folgt wieder der totale Kontrast:
Ein Ex-Arbeitsloser aus Rainers Team betrinkt sich während seiner Arbeit und fährt dann noch Auto und nimmt ne Bushaltestelle mit.
50 000 soll Rainer blechen um ihn den Knastaufenthalt zu ersparen. Er weigert sich, und Pegah geht.
Klar, ist ja auch sooo gemein von ihm, dass er keine 50 000 Öcken für jemanden bezahlt der selbst verschuldet hoch gradig besoffen Auto gefahren ist.
Wie gemein von Rainer. Und klar erkennt Rainer später dann noch, dass das ja Arschloch-Verhalten war. Zahlt das Geld, und kann "endlich" mit Pegah rumknutschen: Super!

Auch das alternativ Fernsehprogramm ist süß: Effi Briest, Leseshows in denen vorgelesen wird, ....
Wahnsinn. Auf die Idee das das Paar "Unterhaltung&Fernsehen" super gut zusammen passt, dass nur die Umsetzung auf den privaten Sendern oftmals hinkt ist Weingartner nicht gekommen. Statt wirklich intelligente Fernsehsendungen als gelungene Gegendarstellungen zu präsentieren, gibts Sendungen in denen v o r g e l e s e n wird.Sinnvoll.
Auch witzig ist dass, die öffentlich-rechtlichen Programme null Erwähnung finden. Wahrscheinlich würden die ja aber auch nicht so gut in das Mulder&Scully- Verschwörungsprinzig: das Fernsehen ist eine Waffe der Politik die Bildungselite klein zu halten-hineinpassen. Also: weg damit!

Ich könnte 100 weite Beispiele von pseudo-intelligenten, grottigen Szenen des Filmes aufzählen, weil ich mich, wie man wahrscheinlich merkt, während des Films und auch danach noch dermaßen aufgeregt habe, für diesen langweiligen, schwachsinnigen Mist 7Euro investiert zu haben.

Als Sahnehäubchen tritt übrigens Sarah Kuttner als Straßenreporterin auf, die frohen Mutes vom neuen Intelligenz-Fernsehen berichtet:
Ich möchte dazu nur auf einen Kalkofe Ausschnitt verweisen der mit den Worten einer braunhaarigen Viva Moderatorin beginnt: "Wissen ist Macht. Wissen an der Sieg. Macht -Wissen-jetzt machts Sinn: Wissen, Macht, Sieg: Drittes Reich..!!!"

5

Der Film hat einige netten Pointen und ein interessantes Thema, dass allerdings zu schwach umgesetzt wurde. Auch dank keiner überdramatisierten Liebesgescihcte wird der Film nicht langweilig. Ein mittelmäßiger Streifen, der gut unterhält, aber nichts bietet um eine Erweiterung des eigenen Filmarchivs zu rechtfertigen.

@ Christina:

Bravo! Genau diese Gedanken hatte auch, aber so treffend hätte ich es niemals formulieren können. Die bisher beste Kritik zu diesem "Film"

8

Tja also ich wollte mir den Film nach den schlechten Kritiken doch anschauen...und siehe da, er war nicht langweilig!
Und er ist seinem Thema adäquat!
Und für die Kritiker weiter oben, die das zugrundeliegende Prinzip erkannt, aber nicht verstanden haben, hat er ja seiner Hauptfigur dieses nochmal mit den Worten Hitlers erklären lassen! Es ist ein Propagandafilm, mit eben den daraus entstehenden Schwächen.
Form und Inhalt gehen Hand in Hand.
Is nix wirklich Neues, aber warum nicht die Botschaft an die Zielgruppe anpassen und diese sind keine Fernsehhasser/Intellektuelle...
Ich hab mich gut unterhalten und alle meine Vorurteile über Fernsehen und Unterschicht bestätigt bekommen...war also ein befriedigender ABend

Wenn man anfängt über logische Mängel in Film/Fernsehhandlungen nachzudenken, sollte man viel Zeit haben und die dann eventuell doch sinnvoller nutzen!
Und Weingartners Meinung über Gebührenfernsehen kann man in seinem Interview im schweizer Tagblatt nachlesen.
Ist härter als die Anfangsszene im Film...

10

Sehr guter Film.
Relevant.
Fantasievoll.
Intelligent.
Ungerade.

Die Kritik kommt natürlich nicht von ungefähr - verblödende Medien, exlinke Ausverkäufer, rechte Dumpfhirne, verstrahlte Blockbusterkonsumenten und pseudointellektuelle Mitläufer finden Aufklärung generell abwegig und stellen die Abkehr von Trash-Talkshows hin zu Büchern und Realität als "Erziehungsmaßnahme" dar, völlig verkennend, was der Film eigentlich kritisiert (nämlich Erziehungsmaßnahmen in Form von Verblödungsmaßnahmen und schamlosen Lügen).

Das zeigt, wie notwendig so ein Film leider ist.

10

Herrlich, entlich mal ein Kinofilm, der sich traut alle Wahrheiten über das Privatfernsehen und seine menschen-verdummenden Programme auszusprechen.

Dass die darauffolgenden Schlüsse und Aktionen hier von sehr vielen Leute als "pseudo-revolutionär" angesehen werden, zeigt nur wie notwendig ein gesamt-gesellschaftliches Umdenken in punkto Selbstengagememt und sozialem Handeln ist. Begündet wird dann meistens mit hohlen Ausdrücken wie "niedliche(r) Radikalität". Vielleicht sollten gerade diese ach-so-Erwachsenen mal von kindlicher Naivität lernen (!) und nicht alles schlucken, was ihnen vorgesetzt wird.

An einen dieser vermeintlichen Realos:
Wenn man schon intellektuell nicht gerade die Hoheit besitzt, sollte man sich nicht noch durch Fehler in der Erinnerung selbst bloß stellen. Zitat:
"Auch das alternativ Fernsehprogramm ist süß: Effi Briest, Leseshows in denen vorgelesen wird, ...."
Tja, da hast du, "Chritina" wohl leider auch hier mal wieder nichts verstanden. Denn diese "Vorleseshow", die du hier ansprichst wird eben von einer TTS-Moderatorin vorgeschlagen und soll nur
zeigen, was dabei herauskommt, wenn dabei herauskommt wenn RTl und Co einmal versuchen sich etwas "gehaltvolles" zu überlegen. Eine gelungene Satire, wie deine Reaktion zeigt! :-)

Free Rainer - anschauen!!

@ Rainer:

Leider fällst auch du, auf das Gift der Pauschalisierung rein. Über die einfache Formel : Privatfernsehen = dumm, Öffentlich rechtlich = gut, kann man sich nämlich z.B. an einem Samstagabend, wenn die ARD Musikantenstadl, und das ZDF einen verfilmten Groschenroman (beides von Gebühren finanziert) zeigen, durchaus streiten. Fernsehen ist nicht nur dumm, und vieles ist einfach nur harmlose Unterhaltung. Noch dazu kommt Free Rainer gute 10 Jahre zu spät, es sei denn Herr Weingartner hat das Internet noch nicht bermerkt. Filme, die so einfache "Wahrheiten" verkünden ist stets mit Vorsicht zu begenen. Über eine Gesellschaftsutopie in der die Menschen nur noch Recalmheftchen lesen erinnert mich an Gehirnwäsche.

Free Rainer - nicht anschauen!!

1

Mit Abstand der schlechteste Film in dem Bleibtreu bisher mitgewirkt hat. Was will uns dieser Film sagen? Dass TV doof ist? Aha. Dass wir ferngesteuert werden? Noch ein aha. Dass der kleine Mann von der Straße aufstehen muss um gegen die bösen Konzerne zu kämpfen? Wo ist in diesem Film irgendwas "mutig", oder neu? Aber bestimmt bin ich selbst schon zu verdummt für diesen "genialen" Film, wie alle Kritiker, die damit nix anfangen konnten.

Blasse Charaktere, ausgelutschte, unglaubwürdige Story, einfach schludrig.

3

"Die fetten Jahre sind vorbei" - scheinbar auch was die Kreativität von Weingartner angeht. Denn waren "Das weiße Rauschen" und "Die fetten Jahre" noch gekonnt, doppelbödig, ambitioniert, politisch... ohne dabei formelhaft und oberlehrerhaft zu sein, klappt das bei "Free Rainer" leider gar nicht.
Eigentlich braucht es dazu nur ein, zwei Szenen des Films. Nämlich die, wo die Gruppe zum ersten Mal am PC sitzt und entscheidet, für welche Sendungen die Quoten hochgetrieben werden sollen. Darunter eine "Dokumentation über das alte Ägypten" und Fassbinder-Filme. Ach ja, irgendwann wird auch noch (wie witzig...) ein kurzer Ausschnitt aus "Die fetten Jahre" eingeblendet. Und hier zeigt sich ein zentrales Problem des ganzen Anliegens: denn ganz ablehnen kann Weingartner das Fernsehen nicht - schließlich macht er ja selbst Filme und ob Kino oder Glotze ist da erst mal zweitrangig. Also muss er definieren, was denn 'gutes TV' sein soll. Und nimmt damit dem Fernsehkonsumenten jegliche Entscheidungsfreiheit, indem er (Weingartner) definiert, was 'gut' ist. Eine furchtbare Vorstellung! Jeden Abend Fassbinder?!
Nein, so kann man nicht argumentieren/filmen, wenn man sich nicht lächerlich machen will. Das ganze - durchaus interessante - Anliegen des Films wird hier in seiner Übersteigerung als ein einziger großer Zeigefinger Weingartners entblößt: Sehr her, ich weiß was gut für Euch ist - und ihr TV-Konsumenten seid zu blöd, es selbst zu wissen.
Dann bleibe ich lieber beim oftmals furchtbar schlechten, aber doch irgendwie demokratischerm Fernseprogramm in der Jetzt-Zeit.

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