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Free Fire

Free Fire
action-thriller , usa 2016
original
free fire
regie
ben wheatley
drehbuch
ben wheatley, amy jump
cast
brie larson,
cilian murphy,
sharlto copley,
armie hammer,
sam riley,
jack reynor, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
6. April 2017
homepage
http://splendid-film.de/free-fire
bewertung

6 von 10 Augen

free f 1Fun Fact: Wenn Menschen angeschossen werden, dann sterben sie nicht sofort und nach nur einem Schuss, es sei denn es wurde wirklich ein lebenswichtiges Organ voll getroffen. Und noch was: Die allermeisten Menschen schießen nicht täglich um sich und können daher auch nicht besonders gut mit Waffen umgehen. Wenn also eine Gruppe von Möchtegern-Gangstern, deren Stärke eher im klug daherschwätzen besteht, anfängt in einem geschlossenen Raum wild und planlos um sich zu ballern, dann könnte dabei so etwas herauskommen wie „Free Fire“.
 

free f 2Bosten in den späten 70er Jahren: In einer ausgedienten Lagerhalle kommt etwas mehr als ein halbes Dutzend Menschen zusammen, von denen sich jeder ein gutes Geschäft verspricht. Neben ein paar Handlangern konzentriert sich das Geschehen auf Justine (Brie Larson), die ihren irischen Bekannten Chris (Cilian Murphy) mit dem schwer durchschaubaren Geschäftsmann Ord (Armie Hammer) und dem extrovertiert auftretenden Vernon (Sharlto Copley) zusammen bringt. Zweck der Zusammenkunft: Der Austausch von Waffen gegen Geld. Es sind jedoch ausgerechnet zwei Helfershelfer, die ihre Aggressionen nicht im Griff haben. Stevo (Sam Riley) und Harry (Jack Reynor) hatten schon am Vorabend eine gewalttätige Auseinandersetzung, und als sich die beiden Streithähne erneut aufeinanderstürzen, bricht schnell das Chaos unter den Beteiligten aus. Die Lage gerät schließlich völlig außer Kontrolle und irgendwelche Loyalitäten spielen dabei dann keine Rolle mehr.

free f 3
„Free Fire“ ist nicht der erste Film, der vornehmlich daraus besteht eine cool inszenierte Gewaltorgie auf begrenztem Raum zu inszenieren. Als allererstes kommt einem da natürlich Quentin Tarantinos Kino-Erstling „Reservoir Dogs“ in den Sinn oder auch Genrebeiträge wie „Shoot ‘em Up" aus dem Jahr 2007. Regisseur Ben Wheatley ("High-Rise") nennt für seinen Film allerdings viel mehr die Klassiker eines Sam Peckinpah und dabei speziell „The Wild Bunch“ als Vorbild. Das passt dann aber doch nicht so recht, denn einen derartig auf die Action reduzierten Film hat Meister Peckinpah nie abgeliefert und von dessen tiefgehenden Charakterzeichnungen gebrochener Männer-Archetypen ist hier auch nichts zu sehen. Die Protagonisten bewegen sich da schon näher an überzeichneten Cartoon-Figuren, vor allem die beiden windigen „Geschäftsmänner“ Ord & Vernon erweisen sich als Comic Relief und sind in „Free Fire“ in erster Linie für den Humor zuständig, wobei der eine (Armie Hammer) als blasierte Verkörperung der Coolness und der andere als wandelnde Geschmacksverirrung in Sachen Benehmen und Kleidung umherwandelt – letzteres eine typisch exzentrische Rolle für den Südafrikaner Sharlto Copley ("District 9", "Das A-Team", „Oldboy“, „Hardcore“). Gegen den Macho-Trend (speziell für eine Geschichte, die in den 70er Jahren spielt) agiert dafür die toughe Justine, eine Rolle mit der sich die letztjährige Oscar-Preisträgerin Brie Larson nach „Skull Island“ erneut in etwas weniger anspruchsvolle Genre-Gefilde bewegt.

freef 4Das 70er-Setting ist hier aber nicht nur Anlass für gewagte Frisuren und eine Dominanz der Lederklamotten, es ist sogar essentiell, um diese Geschichte überhaupt so erzählen zu können wie beabsichtigt. Denn die Tatsache, dass eben keiner der Involvierten mal eben schnell sein Handy zücken kann, um „Bescheid“ zu geben und Hilfe zu holen, sorgt halt dafür, dass sich die Auseinandersetzung so lange hinzieht, ohne das sich wirklich klare Vorteile für die eine oder andere Seite ergeben wollen. Wobei die Parteien sich eh durchmischen, eindeutige Zugehörigkeiten bald nicht mehr zu erkennen sind und alle Beteiligten mehr oder weniger eigene Wege gehen (Zitat: "Ich hab vergessen, auf wessen Seite ich bin"). Oder viel mehr kriechen als gehen, denn da sich halt jeder von irgendwo her mal eine Kugel fängt, schleppen sich die Angeschossenen oft auf allen Vieren von einer Deckung gebenden Ecke zur anderen. Und irgendwann kratzt dann schließlich doch der eine oder andere elendig ab, was aber ja schließlich nur die Chancen der Übrigen auf einen größeren Anteil an den wertvollen Waffen oder dem Inhalt des Geldkoffers erhöht.

„Free Fire“ erfindet also den selbstironischen, lässig-coolen Gangsterfilm nicht vollkommen neu und verzichtet auch von vornherein auf die selbstreferentielle Metaebene eines Quentin Tarantino. Ein äußerst amüsanter, trotz aller Gewalt natürlich nicht ernstzunehmender Spaß, der zu keiner Minute langweilt ist dabei aber allemal entstanden. Das sah offenbar auch Martin Scorsese so, der seinen guten Namen dieser Produktion immerhin als ausführender Produzent zur Verfügung stellte. Dabei ist „Free Fire“ so ziemlich das Gegenteil eines der groß ausholenden Gangster-Epen wie man sie mit dem Namen Scorsese für gewöhnlich verbindet. Sondern eher der leckere kleine Action-Snack für zwischendurch.

Volker Robrahn

Selbstreferentielle Metaebene

Selbstreferentielle Metaebene bei Quentin Tarantino?

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