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Familie Johnson geht auf Reisen

Familie Johnson geht auf Reisen
familien-komödie , usa 2004
original
johnson family vacation
regie
christopher erskin
drehbuch
todd jones, earl richey jones
cast
cedric the entertainer,
vanessa williams,
bow wow,
solange knowles,
steve harvey, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
12. August 2004
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

Cedric the Entertainer spielte 2002 in dem Überraschungshit "Barbershop" eine Nebenrolle, mit der er aufgrund einiger kontroverser Bemerkungen über Martin Luther King ein mittelschweres Poltical Correctness-Erdbeben in der afroamerikanischen Gemeinde auslöste. Dieser öffentliche Hajopei scheint genug gewesen zu sein, um Cedric marketingtauglich genug zu machen für sein eigenes kleines Starvehikel.
Soviel zur Ursachensuche, wie es überhaupt zu diesem Film kommen konnte. Denn während den unendlichen langen 95 Minuten, über die sich "Familie Johnson geht auf Reisen" ausdehnt, hat man dank chronischer Ereignislosigkeit auf der Leinwand viel Zeit darüber nachzudenken, warum überhaupt irgendwer einen Gedanken an dieses Projekt verschwendet hat. Da fährt Nate Johnson, leicht zerstritten mit seiner Gattin Dorothy (Vanessa Williams) und leicht genervt von seinen drei Kindern, zum alljährlichen Familientreffen von Kalifornien nach Missouri, wo man sich dann mit der Sippschaft von Nates arrogantem Bruder Mack um den Wanderpokal der besten Familie des Jahres streiten wird. Auf der langen Autofahrt durch diverse US-Staaten passieren den Johnsons ein paar Dinge, die vielleicht mal komisch sein sollten, aber so uninteressant und zusammengeschraubt daher kommen, dass es sich nicht einmal lohnt, sich detailliert über sie auszulassen. Als symptomatisch sei lediglich der Gastauftritt von "American Pie"-Schönheit Shannon Elizabeth genannt, die als durchgeknallte Anhalterin genauso schnell auftaucht wie sie wieder verschwindet, und dazwischen für drei, vier Gags herhalten soll, die auch nicht zünden.
Die komplette Arbeitsverweigerung seitens der Kreativköpfe schlägt auch auf die Charaktere durch: Alle Personen sind nicht mehr als wandelnde Klischees, über die sie sich keinen Zentimeter hinaus entwickeln. Vanessa Williams die aufstrebende, nach beruflicher Unabhängigkeit strebende Ehefrau, Nachwuchs-Rapstar Bow Wow (der nicht mehr Lil' ist und auch nicht mehr so genannt werden will) als frecher Sohnemann, der natürlich Rapstar werden will, und Beyoncés kleine Schwester Solange Knowles als dauertelefonierende Teenagertochter schließen sich der zweifelhaften Arbeitsmoral von Regisseur und Drehbuchautoren an und leiern so lustlos ihre dümmlichen Texte runter, dass man sich in einem schlechten Sonntagnachmittags-TV-Film auf RTL wähnt. Da kann auch Cedric the Entertainer nichts mehr retten, der wirklich komisch sein kann, aber hier schlichtweg keine Gelegenheit dazu bekommt.

Während über die gesamte Laufzeit die Suche nach einem zündenden Witz so erfolglos ausfällt, dass man sich bei den lahmen Gags fast wundert, ob sie überhaupt komisch sein sollen, erinnert man sich wehmütig an Chevy Chase und seine Familie Griswold zurück. Die reisten seit den frühen 80ern in vier Familienurlaubskomödien (falls man das als Subgenre ansehen will) durchs Land und brachten dabei selbst in den schlechteren Filmen mehr Chaos und vor allem wesentlich mehr Gags zustande als die öden Johnsons. Dass sich das afroamerikanische Kino inzwischen so weit etabliert hat, dass nun auch gänzlich konventionelle Mainstream-Produktionen ausreichende Erfolge feiern (der Johnson-Familienurlaub spielte trotz vernichtender Kritiken spielend das Dreifache seines sparsamen Budgets ein), ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, entschuldigt aber noch lange nicht, dass man dabei genauso miesen Quark produziert wie das weiße Hollywood. Oder, wie in diesem Falle, noch mieseren Quark.

Frank-Michael Helmke

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