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Fame

Fame
musik-drama , usa 2009
original
fame
regie
kevin tancharoen
drehbuch
allison burnett
cast
kay panabaker,
naturi naughton,
walter perez,
anna maria perez de tagle,
asher book, u.a.
spielzeit
107 Minuten
kinostart
24. Dezember 2009
homepage
http://www.fame-derfilm.de
bewertung

3 von 10 Augen

Die "New York High School for the Performing Arts", die seit ihrer Gründung in den 1930er Jahren talentierten Teenagern, die sich teuren Privatunterricht nicht leisten können, die Chance auf eine ordentliche Ausbildung in den schönen Künsten Tanz, Musik und Schauspiel ermöglichen soll, gelangte 1980 zu weltweiter Berühmtheit durch Alan Parkers Film "Fame", der an dieser Schule angesiedelt war und eine Handvoll Schüler episodenartig durch ihre vier High School-Jahre begleitete. Sein Erzählkonzept war zugleich auch Hauptproblem des Films, denn mit seinen zahlreichen Figuren und der erzählten Zeitspanne von vier Jahren blieb er notwendigerweise fragmentarisch, konnte nur wenige Ausschnitte aus den Schullaufbahnen und ersten Karriere-Gehversuchen seiner jugendlichen Helden zeigen - alles, was dazwischen lag, musste sich der Zuschauer selbst dazu reimen. Außergewöhnlich und unvergesslich war "Fame" dennoch. Nicht nur wegen seines von großartigen Songs gespickten Soundtracks, sondern auch, weil es ihm trotz der erzählerischen Beschränkungen gelang, wahrhaftige und glaubwürdige Figuren zu erschaffen, mit denkwürdigen Einzelgeschichten, die auf oft raue und unbeschönigende Weise darüber reflektierten, dass alle ihre jugendlichen Helden vom titelgebenden Ruhm träumen, dieser Traum trotz ihres Talents aber wohl unerreichbar bleiben wird.
Fast drei Jahrzehnte später kam nun jemand auf die Idee, dass man von "Fame" doch mal ein Remake machen könnte. Der Gedankengang ist verständlich, denn jugendliche Träume von Weltkarriere, Ruhm und Reichtum als Sänger, Tänzer oder Schauspieler haben immer Konjunktur und sind schließlich auch der Garant für den fortlaufenden Erfolg von TV-Castingshows, die mit ähnlichen Traumwelten arbeiten wie die von Disney produzierte "High School Musical"-Reihe mit ihren harmlos-netten Sing- und Tanzspielen. Ein aus diesem Kalkül geborenes "Fame"-Remake verabschiedet sich dann entsprechend schon in der Konzeptionsphase von genau dem, was das Original besonders und erinnerungswürdig machte: Sein rauer Realismus. Für so etwas ist in auf bedenkenlose Jugendfreigabe ausgerichtetem Kaugummi-Kino kein Platz.

"Fame" 2009 hat dabei rein oberflächlich mit seinem Vorbild sehr viel gemeinsam. Sein Erzählansatz und die Struktur (beginnend mit dem Bewerbungsverfahren, gefolgt von Episoden aus allen vier Schuljahren bis zur Abschlussfeier) sind identisch, in den Figuren und ihren Konflikten finden sich zahlreiche Typen und Motive wieder, die auch schon das Original bevölkerten (lediglich variiert in Geschlecht oder Hautfarbe), manche Sequenzen werden sogar direkt zitiert (wie eine spontane Jam Session der gesamten Schülerschaft in der Mittagspause), bis hin zu einer fast eins zu eins übernommenen Szene, in der das große Gesangstalent des Films (in diesem Falle Naturi Naughton als Denise, seinerzeit Irene Cara als Coco) einsam in einem Konzertsaal am Piano sitzt und das herzzerreißende "Out here on my own" singt.
Hier hören die Gemeinsamkeiten aber leider auch schon auf, denn in jeder anderen Hinsicht ist der neue "Fame" die keimfreie, schöngefärbte und weitgehend konfliktlose Variante des so viel mutigeren Originals. Klar kann man sowohl von Original als auch Remake sagen, dass es letztlich eine Teenager-Soap Opera in Spielfilm-Form gerollt ist. Den entscheidenden Unterschied macht jedoch die Stärke der Einzelgeschichten, die erzählt werden. Zum Vergleich: Im Original-"Fame" kamen die Schüler fast alle aus ärmlichen bis ganz armen Verhältnissen, es gab offenen Konsum von Alkohol und Marihuana (ohne erhobenen Zeigefinger), Drogenabhängigkeit, Homosexualität, eine Abtreibung, einen Analphabeten, eine angedeutete Vergewaltigung eines Kindes, und eine erschütternde Szene, in der das große Talent Coco glaubt, an einen Filmemacher geraten zu sein, der ihr zum Durchbruch verhilft - und feststellen muss, dass es nur ein schmieriger Pornoproduzent ist, der sie dazu bringt, sich vor der Kamera auszuziehen.
Im Remake scheinen die meisten Kids dem gehobenen Mittelstand zu entspringen (für den diese Schule eigentlich nicht gedacht ist), ein bildhübsches Pärchen gerät in Streit, weil ein anderer hübscher Junge dem Mädchen schöne Augen macht; ein High Society-Mädel lässt sich mit einem Proll ein (wird aber diesmal nicht von ihm schwanger); ein Vater droht seiner Tochter, sie sofort von der Schule zu nehmen, sobald sie irgendeine andere Musik als klassisches Klavier spielt (einsamer Preisträger für den unglaubwürdigsten Konflikt im ganzen Film); ein wütender junger Mann scheint kein weiteres Problem zu haben, als in vier Schuljahren irgendwann endlich mal zuzugeben, dass er geweint hat, als seine kleine Schwester starb; ein Möchtegern-Regisseur fällt auf einen Trickbetrüger rein (wobei "Fame" geflissentlich die Tatsache ignoriert, dass Filmregie nicht zu den auf dieser Schule unterrichteten Künsten gehört, der Junge da also eigentlich nichts verloren hat); und als eines der Mädchen besoffen von einem seiner Mitschüler gefilmt wird, schwört es danach ganz ehrlich und ungelogen vor seinem Lehrer, dass es noch nie vorher Alkohol getrunken hat, und das auch nie wieder tun wird. Es läuft hier auch eine Figur rum, die ganz offensichtlich homosexuell ist, das wird aber im gesamten Film weder ausgesprochen, noch irgendwie thematisiert.

Konsequenz dieser uninspirierten Ansammlung von belanglosen Banalitäten: Die Filmfiguren sind einem allesamt vollkommen egal. Keine von ihnen bekommt genug Raum oder eine ausreichend starke Geschichte, um echte Konturen zu entwickeln. Ohnehin sehen alle aus wie direkt einer Tommy Hilfiger-Werbung entsprungen und keiner der Darsteller kann kaschieren, dass sie deutlich zu alt für die High School sind. Niemandem passiert etwas, was man jenseits des 18. Lebensjahres noch als erwähnenswertes Desaster empfinden würde. Es fehlt das echte, große Drama, welches das Publikum wirklich Anteil nehmen lässt und das man auch unbedingt braucht, wenn man angesichts der mannigfaltigen Handlungsstränge nur so wenig Zeit hat, um sich jeder einzelnen Figur zu widmen. Im Gegensatz zum Original umgeht das Remake auch systematisch jegliche realistisch-brutalen Lektionen darüber, dass der von allen naiv angestrebte Ruhm, der Wunschtraum von der großen Künstlerkarriere, eine Seifenblase ist, die für alle zerplatzen wird. Hier bekommen selbst diejenigen, für die es nicht zum Schulabschluss oder eine Bühnenkarriere reicht, am Ende noch eine Perspektive aufgezeigt, mit der sie zufrieden sein können. Wirklich knallhart auf dem Boden der Tatsachen landet niemand.

So verkommt "Fame" 2009 - wie zu befürchten war - zu einem kaputt konzipierten, kontroverse- und keimfreien Vermarktungsprodukt, das sich in seiner konsequenten Harmlosigkeit fast mehr an Eltern zu richten scheint, die sicher sein wollen, ihre Teenagerkinder ruhigen Gewissens in diesen Film schicken zu können, während die Teenagerkinder vermutlich nur noch komplett unbeeindruckt mit den Augen rollen werden ob dieses hanebüchenen Zeugs, das ihnen da auf der Leinwand als Drama verkauft werden soll. Dies ist jedenfalls ein Remake, das seinem Vorbild nicht mal im Ansatz gerecht wird, und wenn die Macher dieses Films dem Original tatsächlich eine würdige Referenz erweisen wollten, dann sollen sie sich für 107 Minuten in die Ecke stellen und schämen.

Frank-Michael Helmke

1

Nach diesem fast schon blasphemischen Machwerk fällt einem der Abschied vom zum Verkauf stehenden Studio Metro-Goldwyn-Mayer um ein einiges leichter.

1

Der Titel "High Scool Musical 4" wäre nicht so verwirrend gewesen.

Das hier ist nichts anderes und passt eher in den Disney-Channel.

Da denkt man schon mit Grausen, was sie wohl aus dem Remake von
Footlose machen werden...

Für Teenies im TV bestimmt unterhaltsam. Für andere - Finger weg

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