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Falling into Paradise

Falling into Paradise
komödie , deutschland/serbien/niederlande/frankreich 2004
original
pad u raj
regie
milos radovic
drehbuch
milos radovic
cast
branka katic,
lazar ristovski,
simon lyndon, u.a.
spielzeit
93 Minuten
kinostart
10. November 2005
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Wenn wir an Belgrad denken, fallen uns Bilder von zerbombten Häusern ein, doch wie mag es für die Anwohner der Stadt selbst gewesen sein, als 1999 während der NATO-Intervention die Bomben fielen? Wahrscheinlich nicht so, wie in Milos Radovics Komödie "Falling into Paradise". Trotzdem ist dieser Film eine Möglichkeit, sich mit dem Thema des Krieges auseinanderzusetzen, da dieser Film auch für zartbesaitete Zuschauer geeignet ist, die sich nicht in Kriegstäter/-Opfer-Dokumentationen wie "Weiße Raben" oder "Lost Children" trauen und Antikriegsfilme wie "Full Metal Jacket" zu blutrünstig finden. Der Film ist jedoch keine europäische Version von "Three Kings" geworden, sondern bewegt sich eher in den filmischen Gefilden des serbischen (früher bosnischen) Regisseurs Emir Kusturica ("Underground", "Das Leben ist ein Wunder"), auch wenn er dessen Niveau skurriler Kunst nicht erreicht.

Im Frühjahr des Jahres 1999 versucht die Familie Kundacina in Belgrad, das Beste aus ihrer derzeitigen Situation zu machen. Der Schwarzmarktkönig Ljubisa (Lazar Ristovski) bezahlt in Mercedes und braust in seiner roten Corvette durch die Stadt, seine Schwester Dusica (Branka Katic) träumt davon, dass ein amerikanischer Pilot sie ins Land ihrer Träume bringt, und die Großmutter will vor ihrem Tod noch Englisch lernen. Dusica räkelt sich auf der Dachterrasse auf einem großen Laken, auf das sie ein Herz gemalt hat, da die amerikanischen Aufklärungscrews angeblich Fotos aus der Luft schießen. Ihr Bruder Ljubisa setzt sich nun in den Kopf, diese Amis abzuschießen, die da auf die Brüste seiner Schwester herab blicken. Ljubisa hat sowieso ein gewisses Aggressionsproblem und schießt Fernseher und Radios immer aus, statt sie abzuschalten. So schießt er nun eine russische Rakete vom Schwarzmarkt auf ein Aufklärungsflugzeug, woraufhin tatsächlich ein Ami (Simon Lyndon) mit dem Fallschirm auf der hübschen Dusica landet. Diese glaubt, er sei Robert Redford und will nun ihren "Bobby", der eigentlich Johnatan (wirklich so geschrieben) heißt, behalten und mit ihm nach Amerika gehen. Doch so einfach liegen die Dinge leider nicht: Denn Johnatan kann man auf dem Schwarzmarkt verkaufen, weil sich die Offiziellen gern mit ihm schmücken würden, und auch die BMW-Prolls aus dem Nachbarviertel wollen ihn sich gerne unter den Nagel reißen. Doch noch mehr Geld als mit der Auslieferung kann die Familie verdienen, wenn man Slobodan Milosevic umbringt. So entsteht ein wilder Plan zur Beendigung des Krieges…

Die skurrilen Charaktere und der schwarze Humor zählen zu den Stärken dieser Komödie. Es ergeben sich bizarre Verfolgungsjagden mit teuren Schlitten und irre Situationen, die den Zuschauer auflachen lachen. Die Musik heizt dem Ganzen noch ein, so dass der Film an Fahrt gewinnt. Doch der Humor wird immer dann schal, wenn er mit Plattitüden über den Krieg und naiven Nettigkeiten zwischen den verschiedenen Kulturen versetzt wird. Da wünscht man sich schleunigst die nächste Katastrophe, damit das politisch korrekte Geschwafel aufhört. Denn der Film zieht gerade aus dem Gegensatz, nicht aus den Gemeinsamkeiten der Parteien seine Dynamik.
Lazar Ristovski spielt den durchgeknallten Bruder hervorragend, aber Branka Katic und Simon Lyndon bleiben erstaunlich blass. Wer Branka in Fatih Akins "Im Juli" sah, der weiß, zu welchen Leistungen sie in der Lage ist, doch hier überzeichnet sie ihre Rolle als dummes Blondchen stellenweise unnötig. Das Ende des Films ist nett, aber wohl nicht die sinnigste Lösung, so wie auch an anderen Stellen der Komödie schon mal die Logik auf der Strecke blieb.

Auch die Synchronisation muss hier als Kritikpunkt genannt werden: Der Film ist wirklich grottenschlecht synchronisiert. Das dafür zuständige Studio hätte ihn schon aus Imagegründen noch einmal überarbeiten sollen. Die Lippenbewegungen passen nicht und die Serben sprechen hervorragendes Englisch (was zwar bei der Amerika-vernarrten Dusica angehen mag, aber bei ihrem Bruder sehr aufgesetzt wirkt), während sie in der Originalversion radebrechen. In der synchronisierten Fassung sprechen die Serben nun also Deutsch, der Amerikaner Englisch und alles ist deutsch untertitelt. Da hätte man es doch gleich im Original belassen und nur untertiteln können.

Schön an diesem Projekt ist, dass hier europäische Zusammenarbeit statt fand, denn Europa ist für die Menschen in Serbien mehr als nur ein Wort. Darum halfen auch alle Beteiligten in Belgrad (auch die Behörden und die Armee) mit, der Filmcrew alles Benötigte zur Verfügung zu stellen. So wurden zum Beispiel an einer großen Kreuzung alle Glühbirnen einzeln herausgedreht, damit der Platz den filmischen Vorgaben entsprach und nachts dunkel war.
So ist "Falling into Paradise" zwar kein großer Film geworden, beweist aber zum Beispiel durch die Beteiligung von Serben und Deutschen an einem Film, in dem beide als historische Dauerfeinde dargestellt werden, dass es ein Verzeihen geben kann. Und das ist hoffentlich nicht nur politisches Geschwafel.

Margarete Prowe

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