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Exorzist: Der Anfang

Exorzist: Der Anfang
horror , usa 2004
original
exorcist: the beginning
regie
renny harlin
drehbuch
alexi hawley
cast
stellan skarsgard,
izabella scorupco,
james d'arcy,
remy sweeney, u.a.
spielzeit
114 Minuten
kinostart
18. November 2004
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

"Der Exorzist" sorgte im Jahr 1973 für schweißnasse Hände beim Publikum und auch für einige kontroverse Diskussionen. Die Thematik eines vom Teufel besessenen jungen Mädchens, dessen entsprechend deftige Sprache und die sehr reißerisch eingesetzten Effekte hatte man so noch nicht gesehen, und wohl auch deshalb wurde der Film ein wesentlich größerer kommerzieller Erfolg als einige Jahre zuvor "Rosemarys Baby", Roman Polanskis deutlich subtilere Variante des Themas. Allerdings sollte man dem später viel geschmähten "Exorzisten" zugute halten, dass er seine beklemmende Atmosphäre durch ein sehr klug gewähltes und oft auch sehr ruhiges Erzähltempo erzielte und zudem eine ganze Reihe außergewöhnlicher Schauspielleistungen bot. Wie dem auch sei, die Kassen klingelten so laut und nachhaltig, dass man seit nunmehr dreißig Jahren versucht, aus dem Thema eine Franchise zu machen. Dies führte erst einmal zu zwei Fortsetzungen, dem kruden und mystisch abgehobenen "Exorzist II - Der Ketzer" und dem recht soliden, aber eher unoriginellen dritten Teil. Nachdem aber auch der leicht aufgemotzte "Director's Cut" des Originals vor ein paar Jahren geradezu unverschämt viel Kohle einspielte, gebaren die Kreativen schließlich die clevere Idee eines "Prequels". Und in der Theorie klang die Entscheidung, uns die erste Begegnung des Pater Merrin mit seinem Erzfeind Luzifer zu präsentieren, ja auch durchaus plausibel. Keiner der Verantwortlichen konnte schließlich ahnen, dass sich die Produktion dieses Films zu einem gewaltigen Desaster entwickeln würde.

Denn die Produktionsgeschichte dieses Films ist hier in der Tat interessanter als die neue Episode des Spiels "Gut gegen Böse" selbst. Was Regisseur Paul Schrader dem Studio nämlich ablieferte, ließ den Bossen die Gesichtszüge gefrieren. Und zwar aus Furcht, dieser blut- und actionarme Film würde heutzutage keinen Einzigen aus der durch Freddy und Jason gestählten Zielgruppe mehr ins Kino locken. Vom "psychologischen Horror, der sich im Kopf abspielt" und den Schrader stolz präsentierte, wollte keiner der Geldgeber etwas wissen und dies führte dann zu einer ziemlich einmaligen Reaktion: Die Schauspieler wurden zurück ans Set geholt (oder auch gleich ganz ausgetauscht, wenn sie keine Zeit hatten) und nahezu der komplette Film noch einmal neu gedreht. Mit dem alten Finnen Renny Harlin holte man sich dafür folgerichtig einen Mann, der eigentlich nur für Eines bekannt ist, nämlich Action-Ware. Dessen Entscheidung, diesen Ausbesserungsjob anzunehmen, bestätigt allerdings die weit verbreitete Ansicht, dass Harlin seine beste Zeit bereits hinter sich hat.
Puristen und Filmliebhaber schreien jedenfalls ob solcher Vorgehensweisen reflexartig auf und verurteilen das gleich mal kräftig. An den amerikanischen Kinokassen blieb das befürchtete Desaster jedoch aus und der Film kam mit einem blauen Auge davon: Zumindest für eine der zwei Produktionen sind die Kosten wieder drin. Ob Schraders Version besser gelaufen wäre darf durchaus bezweifelt werden, und ob sie tatsächlich der bessere Film ist, können wir zurzeit nicht beurteilen. Betrachten wir also das vorliegende Produkt und konstatieren nach dieser überlangen Einführung: Viel Lärm um relativ wenig.

Einen direkten Exorzismus gibt es hier erst einmal nicht, denn ob und wer da genau vom Dämon besessen ist bleibt zunächst unklar. Klar ist nur, dass irgendwas nicht stimmt an der Ausgrabungsstätte in Kenia, zu der es den ehemaligen Priester Lankester Merrin im Jahre 1949 verschlagen hat. Der hat seinen Glauben vor einigen Jahren in einem deutschen Konzentrationslager verloren, interessiert sich aber trotzdem für die Freilegung einer christlichen Kirche an einem Ort, wo diese eigentlich gar nicht sein dürfte. Ein Ort, an dem es zudem vor fünfzig Jahren angeblich eine Plage gab, der die gesamte einheimische Bevölkerung zum Opfer fiel. Und deren Nachfahren reagieren empfindlich und beunruhigt, als sich plötzlich wieder die merkwürdigen Vorkommnisse häufen und es zu ersten Todesfällen kommt. Zusammen mit dem jungen Pater Francis und der Ärztin Sarah versucht Merrin, zwischen den Eingeborenen und den Militärs der britischen Kolonialmacht zu vermitteln. Doch bald tränkt das Blut vieler Unschuldiger die afrikanische Erde und Merrin erkennt, welcher Feind hier wirklich lauert.

"Blut" ist ein gutes Stichwort, denn davon fließt nun wirklich reichlich in der "neuen Version". Schlachtplätze voller Leichen sowie allerlei ekliges Getier und Gewürm halten den Gore-Faktor zusätzlich hoch und machen den Film zu einem Horror-Streifen der härteren Sorte. Zusammen mit der flirrenden Hitze Afrikas entwickelt sich so eine unangenehme und bedrückende Atmosphäre, die insgesamt als stimmig angesehen werden kann und auch durchaus etwas Apokalyptisches hat.
Die Spannungskurve verläuft dabei sehr wechselhaft, mit Ausschlägen nach oben am Anfang und zum Schluss. Schwer zu akzeptieren ist dabei der Versuch, den Zuschauer hinsichtlich des "Besessenen" bewusst in die Irre zu führen und die Einführung des "Zehn kleine Negerlein"-Prinzips, welches im Slasher-Film zwar Standard ist, beim "Exorzisten" aber doch eher unpassend wirkt. Und was hier dann gar nicht mehr geht, sind die wirklich grottenschlechten Spezialeffekte. So sorgt der Angriff mehrerer Hyänen auf einen kleinen Jungen für Gelächter beim Publikum, ganz gleich ob man von den Viechern nun gerade die gepixelte oder die mechanische Version zu sehen bekommt. Und ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass es nur in einer künstlichen Welt a la "Matrix" cool ist, wenn bei einem Zweikampf die Personen fünfzig Meter weit durch die Luft fliegen und dann am Fels entlang krabbeln? Es ist nun müßig darüber zu spekulieren, ob hier das Budget einfach so ausgereizt war, dass für bessere Qualität einfach kein Geld mehr vorhanden war. Das Ergebnis ist jedenfalls äußerst unbefriedigend und diese Art von Spezialeffekten schadet dem Film mehr als das sie ihn attraktiv macht.
Recht gelungen ist dagegen wiederum die Charakterisierung vom ehemaligen und dann doch wieder Pater Merrin, der eine überzeugende und sogar emotional berührende Hintergrundgeschichte verpasst bekommt, die schließlich sogar in der ein- oder anderen Szene Verbindungen zum Originalfilm aufweist.

So sieht es letztendlich aus, eine ziemlich ausgeglichene Mischung aus gelungenen und weniger geglückten Elementen. Dementsprechend passt hier allerdings auch Vieles nicht zusammen und das führt dann halt zu einer mittelmäßigen Wertung. Ob man allerdings so weit gehen sollte zu konstatieren, diesem Film sei - passend zum Thema - seine "Seele" gestohlen worden und dahinter verberge sich eigentlich ein ganz Anderer? Ach nö, das wäre dann wohl doch etwas zu dramatisch und wie bereits gesagt, auch viel zu viel Lärm um relativ wenig.

P.S.: Die weiter oben geschilderten Produktionsumstände sind ja nun allgemein bekannt und werden auch in jeder Fachzeitschrift und sogar in den Tageszeitungen geschildert. Um die durch den doppelten Dreh entstandenen Kosten aufzufangen überlegt das Studio sogar, später beide Versionen auf der DVD zu veröffentlichen. Warum glaubt dann der Verleih, dass die schreibenden Journalisten nicht wissen, was sogar einem Großteil des Publikums bereits bewusst ist? Muss das alles im ausgehändigten Presseheft beim ausführlichen Produktionsbericht tatsächlich komplett totgeschwiegen werden? Muss man dann den - kurzfristig in der Not eingesprungenen - Renny Harlin dort wirklich von seinem "Lieblingsfilm" erzählen lassen und davon wie "lange und intensiv" er nach der "richtigen Schauspielerin" gesucht hat und dass er "etwa 200 junge Schauspieler" getestet habe? Niemand erwartet, dass ein Studio sich in der Öffentlichkeitsarbeit selbst zerfleischt, aber ein wenig mehr Ehrlichkeit und Mut, zu den eigenen Entscheidungen auch zu stehen, wäre doch wünschenswert.

Volker Robrahn

2

Sowas hab ich noch nie erlebt. Ich sitz da und seh das auf Premiere (Dominion) Exorzist der Anfang läuft. Ich hab Exorzist der Anfang auf DVD aber hab mir gedacht...nunja kuck ihn halt.
Nach 5 Min bemerkte ich das das ein ganz anderer Film ist und mir keine Szene bekannt vorkommt. Als ich nach 30 min noch immer kein bissl an den Film den ich auf DVD hab erinnert wurde hab ich den DVD-PLayer angeworfen und die DVD rein. Und schwupps, das is ja wirklich ein anderer Film!!!
Erst jetzt im Internet hab ich erfahren das der komplette Film nach Testvorführungen und vor dem Release zu über 90% neu gedreht wurde weil alle ihn dumm fanden.
Also das ist die krasseste Sache die ich zum Thema Film je gehört hab!!!

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