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Es begab sich aber zu der Zeit

Es begab sich aber zu der Zeit
drama , usa 2006
original
the nativity story
regie
catherine hardwicke
drehbuch
mike rich
cast
oscar isaac,
keisha castle-hughes,
ciarán hinds,
shohreh aghdashloo, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
7. Dezember 2006
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Der gigantische Erfolg von Mel Gibsons "Die Passion Christi" verursachte 2004 eine Menge dummer Gesichter bei Leuten, die zuvor noch prophezeit hatten, dass es mit Religion an der Kinokasse nichts zu holen gibt (erst recht nicht auf Aramäisch mit Untertiteln), und bescherte Hollywood die Erkenntnis, dass man mit Religion sehr wohl Geld machen kann - wenn es gelingt, die erzkonservative Rechte zu mobilisieren, die ansonsten nur selten ins Kino geht. Das klappte bereits erfolgreich mit der Verfilmung der mit christlicher Symbolik durchsetzten "Chroniken von Narnia", und soll jetzt auch mit "Es begab sich aber zu der Zeit …" funktionieren, der quasi als Gegenstück zu Gibsons Darstellung von Jesu Tod nun dessen Geburt als Film dramatisiert. Das Ergebnis kann man in allen Belangen mit einem Wort beschreiben: Brav.

Brav ist schon das Drehbuch von Mike Rich ("Finding Forrester", "Sie nannten ihn Radio"), das vor Produktionsbeginn von religiösen Vertretern jeglicher Couleur abgesegnet wurde und sich bemüht, aus der spärlichen Quellenlage eine ausreichende Filmhandlung zu generieren (die Beschreibungen zu den Geschehnissen bis zur Geburt Jesu im Lukas- und Matthäus-Evangelium sind zusammen keine fünf Seiten lang), ohne sich dabei kreative Freiheiten zu nehmen, die für Aufregung sorgen könnten.
Die Handlung ist dementsprechend knapp und hält sich streng an die biblische Vorgabe: Am Anfang steht die göttliche Prophezeiung an Zacharias, dass seine unfruchtbare (und eigentlich schon zu alte) Frau Elisabeth einen Sohn gebären wird (der spätere Täufer Johannes). Dieses Wunder wird auch der mit Elisabeth verwandten Maria (Keisha Castle-Hughes) angekündigt, als ihr kurz nach ihrer Verlobung mit dem Zimmermann Josef (Oscar Isaac) ein Erzengel erscheint und verkündet, dass sie jungfräulich den Sohn Gottes gebären wird. In Persien beobachten derweil drei Sterndeuter ein astronomisches Phänomen, dass sie als Erfüllung der Prophezeiung über die Ankunft des Messias sehen, und folgen diesem "Stern" nach Judäa. Dort wiederum fürchtet sich der machtgierige König Herodes (Ciarán Hinds, "München") vor besagter Prophezeiung über einen "König der Könige" und will die anstehende Volkszählung nutzen, um allen "Verdächtigen" auf die Spur zu kommen.

Mit diesen drei Handlungsfäden versuchen Autor Rich und Regisseurin Catherine Hardwicke ("Dreizehn", "Dogtown Boys") nun einen fesselnden Film zu weben, dessen Ausgang und komplette Geschichte eigentlich sattsam bekannt sind. Immerhin, sie mühen sich redlich: Die drei heiligen "Könige"/Sterndeuter in ihren eingestreuten Reiseszenen juxen zu lassen wie in einem buddy movie und sie so für ein wenig komische Auflockerung zu nutzen ist vom Ansatz her eine gute Idee, ebenso wie die Konstruktion von Herodes als tragenden Bösewicht. Warum beides allerdings nicht so recht funktioniert, liegt zum einen an dem leicht überkandidelten, manchmal amateurhaften Spiel der drei Sterndeuter-Darsteller, zum anderen daran, dass es trotz der grimmigen Maskerade von Ciarán Hinds als Herodes nicht gelingt, ihn für das Publikum (wider besseren Wissens) als ernstliche Bedrohung wirken zu lassen.
Hierfür mangelt es einfach an starken Bildern, denn auch in dieser Beziehung ist der Film äußerst brav. Während in Gibsons "Die Passion Christi" noch gepeitscht, geschlagen und geblutet wurde wie nichts Gutes, belässt es "Es begab sich aber zu der Zeit…" bei ein paar bildlichen Andeutungen über die Ausbeutung des Volkes durch den König und das von ihm befohlene Massaker an neugeborenen Kindern, schneidet aber immer schnell weg, bevor es wirklich blutig wird. Nicht anders verhält es sich in den zwei Geburtsszenen, da hier sowohl Johannes als auch Jesus anscheinend ohne Nabelschnur, hübsch sauber und groß als wären sie schon sechs Monate alt auf die Welt kommen.
Die Absicht, hier eine möglichst "saubere", gänzlich unkontroverse Filmversion zu schaffen, die sich ergo gut eignet für die besinnliche Weihnachtszeit, ist offensichtlich und (vom Marketing-Gesichtspunkt her) verständlich. Sie beißt sich allerdings mit dem angeblichen Vorhaben der Filmemacher, hier eine quasi-realistische Nachzeichnung zu versuchen, die vor allem die Charaktere von Maria und Josef tiefer ergründen will. Auch dies gelingt im Ansatz durchaus, indem man die soziokulturellen Lebensumstände der beiden wiedergibt und darin Konflikte sucht, die in den dünnen biblischen Angaben nicht zu finden sind. So deutet der Film an, dass Maria Josef zunächst nicht heiraten will, die Ehe aber von ihren Eltern aufgrund der misslichen Lage ihrer armen Familie arrangiert wird. Dieser "Konflikt" löst sich aber ebenso schnell auf wie alle weiteren Zweifel des jungen Paares, sei es Marias verständliche Überforderung mit der Rolle als plötzliche Gottesmutter oder Josefs anfänglicher Wunsch, sich von Maria wieder zu trennen, als sie schwanger von ihrer Reise zu Elisabeth zurückkehrt (und sie dafür auf seinen Willen hin gesteinigt werden könnte).
Man hätte mit ein wenig dramaturgischer Freiheit noch mehr aus diesen Konflikten schöpfen können, doch getreu der Bibel beseitigt hier jeweils eine göttliche Erscheinung beider Zweifel. Das soll nicht gehässig klingen, aber jeder Drehbuchratgeber der Welt predigt, die Finger von einem "Deus ex Machina" zu lassen, einem quasi-göttlichen Eingriff um die Handlung aufzulösen. "Es begab sich aber zu der Zeit …" liefert ein sehr gutes Beispiel, warum so etwas schlecht für die Dramatik ist.

Es ist zum Teil wohl auch diesem Mangel an echtem Drama zu schulden, dass Keisha Castle-Hughes ziemlich blass bleibt, obwohl man gerade wegen ihr auf diesen Film gespannt sein durfte. Seit sie für ihre Debütrolle in "Whale Rider" (2003) als 13-jährige zur jüngsten Nominierten für den Hauptdarstellerin-Oscar aller Zeiten wurde, wartete man neugierig auf ihren nächsten großen Auftritt, der nun allerdings ziemlich enttäuschend ausfällt. Während sie in "Whale Rider" mit ihrer Intensität und Ausstrahlung noch die Leinwand erleuchtete, überrascht sie hier mit einem verwunderlich eingeschränkten Repertoire an Gesichtsausdrücken. Zwischen einem kindlich-ängstlichen Stirnrunzeln und einem milde-erhabenen Lächeln passiert sonst nicht viel. Dass die Entwicklung ihrer Figur auf halber Filmstrecke zum Erliegen kommt und sie einen Großteil der Resthandlung auf einem Esel sitzend verbringt, hilft da auch nicht gerade weiter.
Einzig als Verkörperung einer reinen Unschuld (und das ist in dieser Rolle ja nun ziemlich wichtig) ist Castle-Hughes nahezu perfekt - das Identifikationspotential der gleichaltrigen Hauptdarstellerin für junge Mädchen aus der christlichen Zielgruppe ist nicht zu verachten. Diese offensichtliche Kindlichkeit dürfte die Filmemacher aber wohl auch dazu bewogen haben, den etwas sensiblen Aspekt einer Teenager-Schwangerschaft lieber nicht allzu deutlich zu betonen, weshalb Castle-Hughes zwar ständig ihren unter weiten Gewändern versteckten Bauch hält, aber niemals wirklich schwanger aussieht. [Übrigens: Man sollte sich nicht davon irritieren lassen, dass Maria und Elisabeth im Film als Cousinen bezeichnet werden - das ist ein gängiger Bibel-Übersetzungsfehler und angesichts des Generationenunterschieds offensichtlich falsch]

Es ist alles schön und brav aufbereitet und handwerklich sauber umgesetzt, aber es ist auch die ganze Zeit zu spüren, dass man hier eigentlich nichts zu sagen hat. Man mag von Gibsons "Die Passion Christi" halten, was man will, aber seine Interpretation des Kreuzwegs verlangte wenigstens nach Auseinandersetzung (die ja auch reichlich kam). "Es begab sich aber zu der Zeit …" bleibt mit seinen Ansätzen zur Charakterzeichnungen von Maria und Josef zu sehr an der Oberfläche, ist in all seinen Aspekten einfach zu brav, als dass sich eine tiefere Auseinandersetzung lohnen würde - oder sich überhaupt anbietet.
Als Lehrmaterial für den Religionsunterricht erhält "Es begab sich aber zu der Zeit …" das Prädikat "besonders wertvoll" für eine akkurate Nachzeichnung der biblischen Ereignisse unter Berücksichtigung der damaligen Lebenswelt. Wen aber weder die eigene christliche Gesinnung ins Kino treibt noch der Wunsch, an Weihnachten lieber den Film zu sehen als das Buch zu lesen (oder in die Kirche zu gehen), für den gibt es eigentlich keinen Grund, sich "Es begab sich aber zu der Zeit …" anzusehen.

Frank-Michael Helmke

5

Fürt uns katholische ein schöner Film zum träumen. Es gab schon schlechtere Inszinierungen.

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