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Enigma

Enigma
thriller , großbritannien 2001
original
enigma
regie
michael apted
drehbuch
tom stoppard
cast
dougray scott,
kate winslet,
saffron burrows,
jeremy northan, u.a.
spielzeit
118 Minuten
kinostart
17. Januar 2002
homepage
bewertung

3 von 10 Augen

Im Bletchley Park nördlich von London arbeiten während des zweiten Weltkrieges Mathematiker und Sprachwissenschaftler an der Entschlüsselung feindlicher Funksprüche. An den Codes der neuen deutschen Chiffriermaschine ENIGMA beißen sich jedoch selbst diese Wunderkinder zunächst vergeblich die Zähne aus.
Als ein gigantischer Nachschubkonvoi der Alliierten im Atlantik ins Visier der deutschen U-Boot Flotte gerät, drängt jedoch die Zeit und die Verantwortlichen in Bletchley sehen sich gezwungen, Tom Jericho zurück ins Team zu holen. Der gilt zwar als brillantes Genie, wird jedoch seit einem Nervenzusammenbruch eigentlich als Sicherheitsrisiko betrachtet. Schuld an Jerichos Verfall war in erster Linie Claire - eine Femme Fatale die allen Männern im Stützpunkt den Kopf verdreht. Auch Jericho hatte eine leidenschaftliche Affäre mit diesem Teufelsweib, bis dieses ihn verließ und kurz darauf spurlos verschwand. Nun versucht er also zwei Rätsel gleichzeitig zu lösen: Den feindlichen Code und den Verbleib der Frau seiner Träume. Bei beidem unterstützt ihn Hester, die unscheinbare Zimmergenossin von Claire, und den beiden wird schnell klar, dass Claire vor ihrem Verschwinden einige brisante Entdeckungen gemacht hat. Bald geraten auch Tom und Hester ins Visier der Mächte im Hintergrund, die offensichtlich einiges zu verbergen haben.

Klingt spannend? Durchaus, und als Roman mag dieser klassische Thrillerstoff auch ganz gut funktioniert haben. Bei der Leinwandumsetzung hapert's jedoch ganz gewaltig daran, das Interesse des Publikums lange wach zu halten. "Enigma" ist, sagen wir es einmal recht freundlich, etwas behäbig inszeniert. Im Widerspruch zur Eile anmahnenden Hintergrundgeschichte lässt man sich sehr viel Zeit, den Zuschauer mit dem Leben in den Baracken von Bletchley Park vertraut zu machen. Und man plaudert. Entspannt und unaufgeregt, als befände man sich in eben so einem Sanatorium wie jenes aus dem Jericho just entlassen wurde. Dass Hauptdarsteller Dougray Scott hier keinen verkappten James Bond geben soll ist schon klar, dass er aber versucht noch farbloser zu wirken als seine Klamotten wäre nicht nötig gewesen.
Der Ärger der Briten über das Hollywood-Spaktakel "U-571" muss mächtig groß gewesen sein, wurde dort doch schamlose Geschichtsfälschung betrieben, indem man einfach die Amerikaner die legendäre Chiffriermaschine erbeuten ließ. Es wirkt, als hätte man mit "Enigma" ganz bewusst ein britisches Gegenstück zum überkandidelten Agenten- und Kriegsfilm amerikanischer Prägung abliefern wollen. Nun, das ist durchaus gelungen, aber gut ist es leider nicht. Denn erstens ist die Hauptstory um das inszenierte Verschwinden Claires auch keinen Deut realistischer als in simplen Action-Filmen und zweitens ist es nun mal eine Todsünde sein Publikum zu langweilen.

Wer sich gerne über einfallslose und formelhafte Filme von der Stange ärgert, kann sich anhand des vorliegenden Beweisstücks "Enigma" davon überzeugen, dass es auch nicht besser kommt wenn man mit Gewalt versucht alles gegen den Strich zu bürsten: Ein Held, dessen herausragende Fähigkeit das Eintippen verschiedenster Buchstaben ist. Ein verhuschtes, molliges Mauerblümchen als weibliche Hauptfigur (Ja, das gibt uns tatsächlich Kate "Titanic" Winslet, der man momentan wohl nicht mehr die Rolle der Prinzessin anvertrauen mag). Dementsprechend folgt auch keine klassische Lovestory sondern eher ein emotionsloses Zweckbündnis. Und dann gibt es da noch den Showdown der Flotten im Atlantik, den der Zuschauer hauptsächlich im Arbeitsraum der Dechiffrierer verfolgen darf (Größtes Spannungsmoment: das ständige Auftippen der Bleistifte). Hierbei wird dann auch deutlich, dass man offensichtlich gar nicht das Geld hatte um etwas anderes als ein Kammerspiel zu inszenieren. Womit James Bond-Regisseur Michael Apted wohl einfach zwischen den Stühlen saß und das Ergebnis dementsprechend weder Fisch noch Fleisch sein kann.

Die Existenz der Anlage im Bletchley Park war bis in die siebziger Jahre eines der letzten Kriegsgeheimnisse und die vielleicht entscheidende Arbeit der Männer und Frauen dort zu würdigen ist sicherlich ein legitimes Anliegen. Wie man diese eher unspektakulären Tätigkeiten visuell interessant aufbereitet und mit einer fesselnden Geschichte verbindet, ist für die Filmemacher aber leider ein Rätsel geblieben das sie letztendlich nicht lösen konnten.

Volker Robrahn

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