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Elser

Elser
kriegs-drama , deutschland 2015
original
regie
oliver hirschbiegel
drehbuch
fred breinersdorfer, leonie-claire breinersdorfer
cast
christian friedel,
burghart klaußner,
katharina schüttler,
johann von bülow,
rüdiger klink, u.a.
spielzeit
114 Minuten
kinostart
9. April 2015
homepage
http://www.elser-derfilm.de
bewertung

7 von 10 Augen

elser 1Am 8. November geschieht das für unmöglich Gehaltene: Im Münchener Bürgerbräukeller explodiert eine Bombe und reißt acht Menschen in den Tod. Allerdings nicht denjenigen, dem dieser Anschlag eigentlich gegolten hatte. Denn Reichskanzler Adolf Hitler hatte die Veranstaltung einige Minuten eher verlassen als ursprünglich geplant und entging so dem vermutlich sicheren Tod. Kurz darauf wird an der Schweizer Grenze der Verdächtige Georg Elser (Christian Friedel) in Haft genommen. Schnell gibt Elser zu, für das Attentat verantwortlich zu sein, behauptet jedoch es ganz alleine geplant zu haben. Damit wollen sich die verhörenden Beamten in Person von Reichskriminaldirektor Nebe (Burghart Klaußner) und Gestapo-Chef Müller (Johann von Bülow) jedoch nicht abfinden und auch deren Vorgesetzte verlangen nach den Namen der „Hintermänner“. Im Rückblick auf die vorherigen Jahre erfahren wir aber, wie aus dem unauffälligen Einzelgänger Georg Elser der zu allem entschlossene Bombenbauer wurde.
 

elser 2Es handelt sich bei „Elser“ nicht um den ersten Versuch einer filmischen Aufarbeitung des lange von der Öffentlichkeit unbeachteten und erst sehr spät rehabilitierten Schreiners aus Königsbrunn. Bereits 1989 präsentierte Klaus Maria Brandauer mit „Elser – Einer aus Deutschland“ seine Version des Stoffes. Auch aufgrund der damals noch eingeschränkten Verfügbarkeit historischer Daten konzentrierte sich Brandauer dabei aber in erster Linie auf das eigentliche Attentat. Dieses nimmt im neuen Film von Oliver Hirschbiegel jedoch nur wenige Minuten ein und auf einen „Spannungsaufbau“, ob denn der Anschlag gelingt, wird (sinnvollerweise) verzichtet. Stattdessen spielt sich das Geschehen auf zwei Ebenen ab, denn nachdem bereits zu Beginn klar ist, dass der Plan den Führer zu töten gescheitert ist und Elser nicht davonkommen wird, präsentiert man uns erst im Anschluss die Vorgeschichte, wie es dazu kam.

elser 3Parallel zu den harten und psychisch sowie physisch brutalen Verhörszenen läuft in Rückblenden Stück für Stück die „Bewusstseinswerdung“ des Georg Elser ab, der eben nicht aus einer der Metropolen, sondern aus einer einst beschaulichen Kleinstadt stammte und der zunächst eher wie ein später Vertreter der Romantik wirkt, künstlerisch und musikalisch veranlagt und im Grunde nur halbherzig zeitweise mit den Kommunisten sympathisierend. Vielmehr interessieren ihn das persönliche Glück und die Frage, wie er seine Herzensdame Elsa (Katharina Schüttler) aus der Umklammerung ihres rüpelhaften Ehemannes befreien und für sich gewinnen kann. Ein Liebesdreieck, das letztlich eher vom Kern der Geschichte ablenkt und nur wenig Relevanz besitzt. Was der Film dabei aber hervorragend einfängt, ist der schleichende Einfluss der Nationalsozialisten auf die Dorfgemeinschaft, das langsame Unterwandern der bürgerlichen Rituale, das zunächst kaum jemandem wirklich bewusst wird, in Elser aber ein stetig wachsendes Unbehagen auslöst und zu der Erkenntnis führt "Hitler ist schlecht für Deutschland". Warum diese Entwicklung dann ausgerechnet bei diesem Frauenschwarm und Lebemann zu einem Weg führte, den sonst kein anderer im Land zu beschreiten bereit war, vermag aber auch Hirschbiegels Film nicht komplett aufzuschlüsseln, denn letztlich bleibt dieser Georg Elser ein Rätsel.

elser 4Auch für seine Gegenspieler im Gefängnis, die mit ihren bewährten Methoden bei diesem Individuum nicht so recht weiter kommen. Hier bewegt sich der Regisseur dann in ähnlich klaustrophobischen Gefilden wie seinerzeit  im „Untergang“, insgesamt wählt Hirschbiegel aber doch eine andere, distanziertere Herangehensweise, was auch dem Charakter seiner oft fast stoischen, unzugänglichen Hauptfigur entspricht, die ihr Schicksal klaglos akzeptiert. Erfreulich sind die Schattierungen bei der Zeichnung der Männer im Uniform, vor allem beim vom wie immer hervorragenden Burghart Klaußner gespielten Kriminaldirektor Nebe wird deutlich, dass diesem der Sadismus und das Eifertum seiner Gestapo-Kollegen völlig fremd sind und er tatsächlich an die Richtigkeit der „Sache“ glaubt - bis Elser in ihm so etwas wie erste Zweifel nährt, die später dazu führen werden, dass beide Männer sogar ein ähnliches Schicksal ereilt. Auch Christian Friedel („Das weiße Band“) überzeugt in der Hauptrolle, gerade weil er seinen Elser nicht als Charismatiker oder Menschenfänger anlegt (was eben auch nicht der Realität entsprechen würde), sondern sich stattdessen bewusst zurücknimmt.

So beleuchtet „Elser“ ein bisher wenig beachtetes Kapitel der nationalsozialistischen Geschichte, wobei der Film dabei mit der einen Handlungsebene (den Verhörszenen) eine stärkere Wirkung erzielt als mit der anderen (der ländlichen Vorgeschichte). Insgesamt nicht völlig überzeugend, aber sehenswert.

Volker Robrahn

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