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Elizabethtown

Elizabethtown
tragikomödie , usa 2005
original
elizabethtown
regie
cameron crowe
drehbuch
cameron crowe
cast
susan sarandon,
judy greer,
orlando bloom,
kirsten dunst,
paul schneider, u.a.
spielzeit
123 Minuten
kinostart
3. November 2005
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

 

Es ist ein schwarzer Tag im Leben von Drew Baylor (Orlando Bloom, "Herr der Ringe", "Königreich der Himmel"): Der von ihm designte Spasmodica-Schuh ist dermaßen gefloppt, dass sein Chef (grandioses Cameo von Alec Baldwin) ihn mit den Worten feuert, sein Schuh hätte soeben eine ganze Generation zum Barfußlaufen inspiriert. Das Todesurteil für jeden Schuhdesigner. Dann macht auch noch seine Freundin Ellen (Jessica Biel) mit ihm Schluss, und das ist mehr, als Drew ertragen kann. Kurzerhand beschließt er, sich mit einer ebenfalls selbst designten Tötungsmaschine ins Jenseits zu befördern, doch da kommt ihm der (natürliche) Tod seines Vaters dazwischen. Der starb unerwartet auf einer Reise in seine Heimatstadt Elizabethtown, wo Drews Mutter ihn aber keinesfalls begraben wissen will. Da Hollie (Susan Sarandon) aber auf den Verlust des Ehemanns mit dem Bedürfnis reagiert, ab sofort Stepptanz zu lernen, bleibt Drew nichts anderes übrig, als selbst die Reise nach Kentucky anzutreten, um die Leiche seines Vaters von dort nach Oregon zu überführen.
Auf dem Weg trifft er die gleichermaßen aufdringliche wie kokette Stewardess Claire Colburn (Kirsten Dunst, "Wimbledon", "Spiderman"), die ihn mit guten Ratschlägen nur so überhäuft. Für Drew ist sie zunächst nur eine Vorbotin der restlichen Deppen vom Lande, die er in Elizabethtown erwartet und von denen er sich am liebsten fern halten würde. Dort angekommen stellt er allerdings fest, dass ihm ein wenig Gesellschaft ganz gut tun würde, und beginnt ein stundenlanges Telefongespräch mit Claire, bei dem beide Raum und Zeit vergessen zu scheinen.

Dies ist eine der wunderschönsten "Boy-meets-girl"-Szenen überhaupt, da glaubhaft rübergebracht wird, wie alles einfach unwichtig und banal erscheint, weil die Stimme am anderen Ende der Leitung so faszinierend und fremd und doch vertraut ist. Außerdem gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Cameron Crowe ("Almost Famous", "Vanilla Sky"), die sich langsam entfaltende Liebesgeschichte fern von Rom-Com-Klischees zu inszenieren, was diese erfrischend und originell macht. Die toll besetzten Hauptdarsteller Bloom und Dunst tun ihr Übriges. Die Begegnung mit Claire ermöglicht es Drew, sich mit seiner entfremdeten Familie, besonders auch den verpassten Momenten mit seinem Vater, auseinanderzusetzen.
Nach diesem ersten Höhepunkt verstrickt sich Crowe aber in eine Reihe von Subplots, auf die man gut und gerne hätte verzichten können, denn letztendlich lenken sie nur von Drews und Claires Geschichte ab. Stattdessen werden ein paar Klischees von den liebenswerten und herzensguten Verwandten vom Lande bedient, die extrem misstrauisch gegenüber allem und jedem sind, was von der Westküste kommt.

Wie in jedem Crowe-Film ist auch in diesem Falle der Soundtrack einer der Höhepunkte des Films. Fans des Regisseurs werden in diesem Bereich also voll auf ihre Kosten kommen, auch wenn einige Kritiker unkten, die Figur Claire hätte den Musikgeschmack eines 48-jährigen Mannes.... Da dieser 48-jährige aber seine Fähigkeit, grandiose Soundtracks zusammenzustellen, schon mehrfach unter Beweis gestellt hat, ist daran eigentlich nichts auszusetzen. Im Gegenteil, Claires Mixtape genügt bestimmt sogar den gehobenen Ansprüchen eines Rob Fleming, und wird dazu noch wunderschön von Crowe bebildert.
Schon in "Almost Famous" wurde das Flugzeug im Zuge der "No more Airplanes-Tour" links liegen gelassen und sich stattdessen auf einen romantischen Roadtrip durch die USA begeben. In "Elizabethtown" ist es ausgerechnet die Stewardess - ein Beruf, für den Crowe ein Faible zu haben scheint - die Drew überredet, das Flugzeug stehen zu lassen, um das Land richtig erleben zu können. "Zurück zu den Wurzeln" scheint eine von Crowes Lieblingsbotschaften zu sein. Auch ein Rockkonzert hat der leicht durchschaubare Regisseur sich nicht nehmen lassen, und so liefert "Elizabethtown" Lynyrd Skynyrds "Free Bird" eine Hommage, bei der kein Auge trocken bleibt.

"Elizabethtown" besteht fast zu gleichen Teilen aus fantastischen wie unnötigen Sequenzen. Obwohl die vielen liebevollen Details und solide Darsteller vieles wettmachen, gibt es immer wieder Momente, bei denen man sich im Kino eine Vorspultaste wünscht (Susan Sarandons Stand-up-Comedy-Auftritt ist so einer). Außerdem ist die Geschichte zwar gut, wurde aber leider schon vor über einem Jahr besser und origineller von Zach Braff in "Garden State" umgesetzt, in dem ebenfalls ein depressiver junger Mann von der Westküste für eine Beerdigung in die heimatliche Provinz zurückkehrt, wo seine Lebensgeister von einer leicht durchgeknallten jungen Dame wieder geweckt werden.
Trotzdem bietet "Elizabethtown" genug von Cameron Crowes Zauber, um zwar nicht durchgehend, aber dafür immer wieder für grandiose Unterhaltung zu sorgen. Für Fans des Kultregisseurs ist der Film eh ein absolutes Muss, und auch die Filmquizbücher werden wieder ein paar Einträge mehr bekommen (Stichwort: 60B).

Anna Plumeyer

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