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Elizabeth - Das goldene Königreich

Elizabeth - Das goldene Königreich
kostüm-drama , großbritannien 2007
original
elizabeth - the golden age
regie
shekhar kapur
drehbuch
michael hirst, william nicholson
cast
cate blanchett,
samantha morton,
clive owen,
jordi molla, u.a.
spielzeit
115 Minuten
kinostart
20. Dezember 2007
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

 

Es gibt Filme, die können dank einer großartigen Rolle aus einem vielversprechenden Talent mit einem Schlag einen gefeierten Star machen und den Grundstein zu einer Weltkarriere legen. Das war auch mit "Elizabeth" aus dem Jahr 1998 so. Damals brachte der indische Regisseur Shekhar Kapur seine Vision über das Leben der berühmten "jungfräulichen Königin" auf die Leinwand, und für seine Hauptdarstellerin Cate Blanchett war das der Beginn einer äußert erfolgreichen (und inzwischen Oscar-gekrönten) Karriere. Nun verkörpert sie im Sequel "Elizabeth - Das goldene Königreich" wieder die englische Monarchin. Nach ihrem unerwarteten Aufstieg zur Königin und erfolgreicher Verteidigung des Throns gegen mörderische Intriganten im ersten Teil, hat sie es nun mit einem politischen Zweifronten-Krieg zu tun:
Zum einen wäre da die Gefahr von Außen: Philip II. von Spanien (Jordi Molla) plant einen vernichtenden Schlag gegen das englische Volk und baut dazu eine Armada, die im Namen der katholischen Kirche die abtrünnigen Protestanten auf der Insel besiegen soll. Zum anderen die Gefahr aus dem Inneren durch Elizabeths größte Rivalin, die katholische Schottenkönigin Mary Stuart (Samantha Morton). Die sieht sich als eigentliche Thronfolgerin äußerst ungerecht behandelt und verlangt nach Rache.

Kapurs Sequel ist wieder ein bombastischer Kostümfilm geworden, der eigentlich eine einzige Feier des schauspielerischen Könnens einer außergewöhnlich begabten Darstellerin sein möchte. Doch leider wird mit der Zeit sehr deutlich, dass der Regisseur hier zum Teil gegen seine Akteure arbeitet. "Elizabeth - Das goldene Königreich" erdrückt durch seinen Glanz, seine Pracht und seinen Prunk jeglichen Plot. Der Film ist so beladen mit überbordender, Wichtigkeit und Spannung suggerierender Orchestermusik, dass es zum Teil schwer fällt der eigentlichen Geschichte zu folgen. Die Leinwand explodiert förmlich vor dieser Unüberschaubarkeit an üppigen Kostümen. Damit folgt der Film zwar der Tradition seines Vorgängers, legt dabei aber noch eine ordentliche Schippe drauf und übertreibt diesen Exzess an Farben, Tönen und Kleidern in einem Maß, das schon fast unappetitlich wirkt.
Gab es im ersten Teil noch lange und ausgedehnte Ruhepunkte in der Inszenierung, in denen man seinen Blick voller Genuss über die Szenerie schweifen lassen konnte, so wird diese Möglichkeit nun im Keim erstickt. Dabei könnte der Versuch, eine Liebesgeschichte zwischen Elizabeth und dem störrischen Piraten und Seefahrer Sir Walter Raleigh (Clive Owen) zu erzählen, doch wunderbar als ein solcher Ruhepunkt dienen. Aber jegliche Emotion kann unter den meterdicken Kleidern und Roben leider nicht ausreichend zur Geltung kommen.
Daran sind die Darsteller sicher nicht schuld. Blanchett ist überragend als eisige Königin, die sich zwischen Herrschaftssicherung und privater Lebensführung zeitweise nicht mehr rational entscheiden kann. Die Australierin hat es wirklich (natürlich auch mit der Hilfe der brillanten Make-Up-Künstler) geschafft, aus ihrem Gesicht jegliche betörende Weiblichkeit verschwinden zu lassen. Man sucht vergebens danach. Man findet sie nicht in den Dialogen, man findet sie nicht in ihrem Gang und selbst beim Bad muss man sich extrem anstrengen, um sich daran zu erinnern, wie aufregend diese Frau eigentlich ist. Auch Samantha Morton brilliert neben Blanchett. Der Film hat mit Abstand seine stärksten Momente, wenn ihr Staatstreich seinen tödlichen Höhepunkt erreicht.
Wie überhaupt "Elizabeth - Das goldene Königreich" ein Film der starken Frauen geworden ist. Clive Owen müht sich sichtlich, kann aber seinen Handlungshintergrund nicht immer glaubhaft auf den Punkt bringen, und Jordi Molla als Philip II. macht sich streckenweise einfach nur lächerlich, da ihn Kapur als umherirrenden Verrückten inszeniert, der scheinbar ständig sein Kruzifix umklammernd in dubiosen Selbstgesprächen Elizabeth wahlweise als Hure, Bastard oder gar als Satan persönlich beschimpft. Jedenfalls hat man am Ende keine Zweifel mehr, wer hier die "Guten" und wer hier die "Bösen" sind. Eine weitere Schwäche eines Films, dessen Vorgänger die Facetten und moralischen Grauzonen der Politik am Hof wesentlich überzeugender einfing.
Kino darf auch einfach ein Bilderrausch sein, und Kostümfilme eignen sich dank ihrer historischen Atmosphäre und des zelebrierten Prunks sehr gut, um uns in diesen Rausch zu versetzen. Doch Rausch hat auch immer etwas mit Genuss zu tun, und zu diesem kommt es hier leider nicht so recht. Der audio-visuelle Overkill, den Kapur zelebriert, verhindert es, sich richtig in die handelnden Figuren einfühlen zu können. Die Figuren drohen sogar, in der Inszenierung ganz verloren zu gehen.
Ein Beispiel: In einer Szene rast die Kamera durch einen langen Gang in einen irrsinnig hell erleuchteten Raum, in dessen Zentrum Elizabeth steht. Die Kamera rast weiter, um die Königin herum. Einmal, zweimal, dreimal. In diesem Moment ist es eigentlich nicht mehr möglich zu sagen, ob das hier noch die Schauspielerin Cate Blanchett ist, die die Luft anhält, oder schon eine Puppe. Kapur lässt hier seine Protagonistin äußerst effekthascherisch zu einer leblosen Wachsfigur verkommen, die ohne weiteres in Madame Tussaud's bekannter Ausstellung ihren Platz finden könnte. Dies mag zwar in einigen wenigen Augenblicken irgendwie gut aussehen, doch ansonsten ist diese Künstlichkeit der Todesstoß für eine gelungene, dreidimensionale Kinofigur.

So fragt man sich am Ende schon, warum es diese Fortsetzung nun unbedingt gebraucht hat. "Elizabeth - Das goldene Königreich" kann dank der ausufernden Farb- und Kostümorgie nicht mehr ernsthaft von sich behaupten, eine Geschichte zu erzählen. Selbstverliebt pinselt er eine ganze Reihe an Gemälden auf die Leinwand und lässt sie wie in einer wilden Diashow auf den Zuschauer los. Da können nach dem großen Finale dann auch ein paar Kopfschmerzen bleiben. Diese Nachwirkungen sind leider das einzige, was der Film mit einem guten Rausch gemein hat.

Patrick Wellinski

6

Ein Film wie ein Kaufhaus-Deko-Gabentisch:
Sieht toll aus, aber die Päckchen sind leer.
An keiner Stelle kann einen der Handlungsverlauf
auch nur annähernd überraschen,
daran können auch die guten schauspielerischen Leistungen
nichts ändern.
Hierbei fand ich allerdings gerade Jordi Molla
als Philip II. herausragend,
da seine Mini-Rolle zwar wirklich als
umherirrender Verrückter angelegt ist,
es ihm aber dennoch gelingt, siner Figur eine
wahrhaft tragische Tiefe zu verleihen,
dafür sechs statt nur fünf Punkte.

9

Der Film ist meiner Meinung nach einer der besten Filme des Jahres 2007 und darstellerisch und von der Bilderpracht her ein filmisches Meisterwerk. Sämtliche Hauptrollen sind hervorragend besetzt, wobei Cate Blanchett als Königin Elisabeth I die herausragendste Darstellerin ist. Sie kann mit ihrem großen darstellerischen Können die unterschiedlichsten Gefühlsregungen der Hauptperson und deren zwiespältigen Charakter glaubhaft wiedergeben. Ihr Charakter wird auch keineswegs durch den Bombast der Inszenierung erdrückt. Für mich waren das Schicksal Elisabeths, ihr Ringen mit den Gefühlen gegenüber Sir Walter Raleight und die glaubhafte und historisch korrekte Schilderung der politischen Situation und des Glaubenskampfes die Highlights des Films. Ich fühlte mich durch die Kostümpracht und die sonstige Ausstattung des Films keineswegs überwältigt und verlor niemals den Faden oder den Blick auf die eigentliche Handlung. Auch kam der Charakter Elisabeths , aber auch die von Maria Stuart, König Phillip von Spanien und Sir Walter Raleight trotz der Ausstattung sehr gut rüber. Clive Owen lieferte als Freibeuter Sir Walter Raleight nach seiner großartigen Leistung in "Children of Men" (für mich eines der filmischen Highlights in 2007)erneut eine überzeugende Leistung seines schauspielerischen Könnens ab. Gut gefallen hat mir auch die Darstellerin von Elisabeths Mündel Beth.
Meiner Meinung nach ist der Film ein Schmankerl für Freunde historischer Kostümfilme, guter schauspielerischer Leistungen und teilweise auch von Abenteuerfilmen. Er ist anspruchsvoll, unterhielt mich und die anderen Kinobesucher aber auch über die gesamte Länge gut und war vom Anfang bis zum Ende vor allem aufgrund der überragenden darstellerischen Leistungen durchgängig spannend. Es gab auch einige Kämpfe und Schlachten, die aber niemals überhand nahmen. Ich kann den Film nur empfehlen.

8

Gut gemachter Kostum-Historien-Film, mit überzeugenden Schauspielern. Etwas störend ist das "England ist gut" und "Spanien ist böse" Thema und zu sehr "England über alles"-Lastig, aber wer sich für Historien-Filme interessiert, ist hier gut aufgehoben.
Sonst solide gemacht und für einmal anschauen reichts.

4

für kinofreunde mit historischem anspruch ist dieser film, wie auch shcon der erste teil ein schlag ins gesicht. während der erste teil wenigstens noch die historischen unkorrektheiten mit einer durchgehenden handlung mit gut konstruirtem spannungsbogen wettmachen konnte verkommt das ganze hier nun zu einer inhaltlichen leeren, mit peinlich in szene gesetztem pathos kostümorgie. die ausstattung ist hervorragend, das drehbuch katastrophal - nie hab ich einen clive owen eine so schlechte rolle spielen gesehen - nie wirkte er gequälter. wer sich mit dem thema elizabeth I. wirklich historisch korrekt und authentisch auseinandersetzen möchte sollte hier zu dem BBC 4teiler "the virgin queen" greifen, der auch den schwachen zweiteiler mit helen mirren verblassen lässt !

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