Raue
Umgebung, raue Typen, raues zwischenmenschliches Klima: so sieht die
Welt das Ruhrgebiet. Der Klischee-Pottler an sich ist arbeitslos,
tummelt sich in zwielichtigen Kneipen oder Schrebergärten und
trägt speckige Kleidung aus Lederimitat. Sein bester Freund ist
Gastarbeiter oder Wirt und das Leben im Pott bietet nichts außer
zu viel Zeit, die man totschlagen muss.
Die schönsten Klischees über diesen liebenswerten Landstrich
haben wir in Heimatfilmen wie "Bang
Boom Bang" und "Was nicht passt,
wird passend gemacht" gesehen, und doch kann man die Klischeeschraube
noch um einiges enger und unangenehmer anziehen.
Hubschrauberflug über eine Hochhaussiedlung. Auf dem Dach
eines der Häuser steht ein junger Mann. Nein, er steht nicht,
er läuft. Und er boxt.
Der junge Mann heißt Marko (Daniel Brühl, Deutschlands
Nachwuchs-Star aus "Good Bye Lenin"
und "Nichts bereuen"),
ist talentierter Amateurboxer und will zusammen mit seinem besten
Freund Bülent (Erhan Emre) hoch hinaus und Profi werden. Trainer
Ali (Ali Cakir) lässt es da mit den Hoffnungen der beiden erst
mal langsam angehen. Doch dann trifft Marko nach einem Amateurkampf
einen alten Bekannten, den zwielichtigen Promoter Gerd Hermsbach
(Manfred Zapatka, "Manila"),
der ihm Hoffnungen auf eine Profikarriere in seinem Boxclub macht.
So heuert Marko nach einem heftigen Streit mit seinem Vater bei
Hermsbach an, stößt damit seinen besten
Freund
vor den Kopf und entzweit sich mit seiner Familie. Sein Vater (Jochen
Nickel), arbeitsloser Alkoholiker wohlgemerkt, ist Hermsbach gegenüber
äußerst misstrauisch, und will nicht, dass sein Sohn
in die kriminelle Halbwelt abrutscht. Auch seine Mutter ist nicht
begeistert, vor allem nicht, als ihr Mann immer gewalttätiger
wird. Doch Marko hat zunächst genug eigene Probleme, er ist
völlig in seine neue Boxschule eingespannt und steht vor seinem
ersten Profikampf.
Leider können auch die fähigen Schauspieler nicht über
die unausgegorene Story hinwegtäuschen. Daniel Brühl und
Jochen Nickel zeigen derart extreme Wut aufeinander, dass es bei
den Dreharbeiten zu echten Tränen gekommen sein soll. Und schmieriger
als der "Ruhrgebietspate" Zapatka kann man wohl nicht
wirken. Auch die Atmosphäre ist durchaus treffend und beklemmend
inszeniert. Doch trotz wirklich überzeugender Leistungen geht
an diesem Film nichts über ein Fernsehspiel der Öffentlich-Rechtlichen
hinaus. Gut, es ist das Regiedebüt des Kurzfilm- und Nachwuchsregisseurs
und Absolventen der Kölner Kunsthochschule für Medien
Aladag, aber aus der Besetzung hätte man wirklich mehr herausholen
können und müssen. Zumal vor allem einige äußerst
schwache Wendungen am Schluss erst zusätzlich eingebaut wurden,
um die Handlung plausibler zu machen.
Dazu
töten auch die langatmigen Boxszenen viel an Aufmerksamkeit.
Als Laie sieht man nun einmal nicht, ob von Kampf 1 zu Kampf 2 Fortschritte
erzielt wurden oder ob Marko eher ein KO-Schläger als ein Techniker
ist. Und dies ist vor allem nicht wichtig für die Konflikte,
die die Handlung vorantreiben sollen.
Weniger wäre hier in einigen Punkten eindeutig mehr gewesen, aber dann hätte man aus "Elefantenherz" vermutlich einen Kurzfilm machen müssen. Ansonsten bleibt nur noch die Frage übrig, warum man diesen Film zwei Jahre im Regal liegen ließ, und ihn nicht gleich ins Fernsehen abschob. Vielleicht wollte man warten, bis aus Daniel Brühl der Star geworden ist, den wir heute haben, um auch aus diesem Mittelmaß-Produkt noch ein wenig Profit zu schlagen. Wenn "Elefantenherz" für eins gut ist, dann wenigstens für den Beweis, ob die große Schauspiel-Hoffnung Brühl genug "drawing power" für einen echten Star mitbringt.

war voll geilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
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