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El Mariachi

El Mariachi
thriller-groteske , mexiko 1992
original
el mariachi
regie
robert rodriguez
drehbuch
robert rodriguez
cast
carlos gallardo,
consuelo gomez,
jaime de hoyos, u.a.
spielzeit
81 Minuten
kinostart
homepage

Im Artikel zum Buchstaben C habe ich einen Film für diesen Buchstaben angekündigt, der noch billiger war als „Clerks“. Dieser Film ist „El Mariachi“, das Erstlingswerk von Robert Rodriguez, später bekannt geworden als Regisseur von „Desperado“, „From Dusk till Dawn“ und „The Faculty“.

Ein Mariachi ist ein Musiker. In Mexiko bezeichnet man so wandernde Künstler, die mit nicht viel mehr als ihrer Gitarre durch die Gegend tingeln und in verschlafenen Nestern eine kurzzeitige Anstellung in der örtlichen Kneipe als Unterhaltungsnummer suchen. Solch ein Typ ist auch der Hauptcharakter von „El Mariachi“, der namenlos bleibt. Wie sein Vater vor ihm will er die Menschen mit seiner Musik glücklich machen. Mit dieser selbstlosen Einstellung trifft er mit seinem Gitarrenkoffer und ganz in schwarz gekleidet im nächsten Kaff ein. Dumm nur, daß der lokale Gangsterboß vor einem Killer gewarnt wurde, der ihm ans Leder will, und von dem man nur weiß, daß er sich ganz in schwarz kleidet und seine Feuerspritzen in einem Gitarrenkoffer aufbewahrt. Zahlreiche Verwechslungen sind vorprogrammiert, und der brave Mariachi findet sich schon bald in spektakulären Schießereien wieder, obwohl er überhaupt keine Ahnung hat, warum ihm sämtliche Kleingangster der Gegend ans Leben wollen. Sooo schlecht spielt er ja nun auch nicht.
Hilfe bekommt der Arme von Domino, einer Barbesitzerin, die als einzige glaubt, daß er nicht der erwartete Killer ist. Allerdings muß er seine „Identität“ als Mariachi erst einmal unter Beweis stellen, in einer Szene, wo ihn Domino buchstäblich an den Eiern hat, und er auch ein dementsprechendes Lied singt (ein echter Brüller, wenn man es versteht). Zusätzlich kompliziert wird es, als der Mariachi und Domino sich ineinander verlieben, da der Gangsterboß selber mehr als ein Auge auf die schöne Bardame geworfen hat.

Natürlich ist diese Story nicht gerade eine Offenbarung. Überraschende Wendungen hat der Plot nicht, aber das ist auch nicht das interessante an diesem Film. Das ganze lebt alleine von der wirklich fabulösen Inszenierung. Rodriguez spielt mit allen Tricks, die seine beschränkten Mittel zuließen, und so strotzt „El Mariachi“ von absolut verrückten Einstellungen, merkwürdigen Zooms und vielen Tempomanipulationen. So wird mit einfachsten Mitteln eine solche Rasanz entwickelt, daß es eine wahre Freude ist. Und wenn man dann auch noch die ganze Zeit im Hinterkopf hat, unter welchen Umständen der Film zu stande kam, dann wirkt es noch erstaunlicher. Allerdings sollte man nicht den Fehler begehen, und „El Mariachi“ nur aufgrund seines Budgets bewerten. Wie Roger Ebert treffend bemerkte: 
„EL MARIACHI, an enormously entertaining movie, stands in danger of being upstaged by its budget, which was $7,000. Yes, $7,000, or about what it costs to cater lunch for a day on a Schwarzenegger picture. A movie's budget, no matter how high or how low, is not a reason to go to see it. HUDSON HAWK was bad even though it cost tens of millions, and EL MARIACHI is good even though it was made for what Hollywood considers walking-around money.“
Das Phantastische ist: „El Mariachi“ funktioniert selbst dann noch, wenn man nicht weiß (oder vergißt) wie er entstanden ist. Rodriguez gelingt es, der dünnen Story eine ungewöhnlich authentische Atmosphäre zu geben und den Zuschauer mit seinem wilden Stil zu fesseln. Wer den wahren, unverfälschten Rodriguez erleben will (dessen Ideen nicht von den Büchern von Tarantino und Williamson „beschränkt“ werden), sollte sich „El Mariachi“ unbedingt einmal ansehen. Es ist eine Freude für sich, in solchen frühen Werken den unverwechselbaren Stil wieder zu erkennen, der aus bekannteren Filmen so vertraut ist.

„El Mariachi“ hat inzwischen eine gewisse Legendenbildung nach sich gezogen. Nicht nur, weil es eigentlich noch nie einen (von einem Major veröffentlichten) Film gab, wo der Inszenator alles, aber auch wirklich alles alleine gemacht hat (Regie, Drehbuch, Produktion, Schnitt, Tonschnitt, Kamera, Spezialeffekte etc. pp.). Das erstaunlichste ist natürlich das Nichts von einem Budget, und die Art, wie es zusammen kam. So hat sich Rodriguez unter anderem als Versuchskanninchen für neue Medikamente zur Verfügung gestellt, um das Geld zusammen zu kriegen. Bis heute sind keine Spätschäden bekannt, und nach der Verwirklichung von „El Mariachi“ konnte sich Rodriguez sicher sein, nie wieder der Wissenschaft dienen zu müssen. Sein nächstes Projekt war „Desperado“, eine für ein Vielfaches seines ersten Budgets (oder wie Ebert sagte: „it would pay for the catered lunches on an entire movie by Schwarzenegger.“) produzierte Fortsetzung von „El Mariachi“, die zu einem Quasi-Remake wurde. Zum ersten Mal spielte hier übrigens Rodriguez‘ Maskottchen Salma Hayek mit, die von da an in jedem seiner Filme (übrigens auch in seiner Sequenz in „Four rooms“) auftauchte.
„Desperado“ wirkt auch recht wild und erfrischend anders, wer jedoch Robert Rodriguez at his best erleben will, der sollte sich unbedingt einmal „El Mariachi“ gönnen. 
Und Hände weg von der geschnittenen Version!

Frank-Michael Helmke

10

ich fand den film einfach genial...

7

Gestern und heute habe ich mir nochmal El Mariachi und Desperado angeschaut und wurde mal wieder gut unterhalten. Witzig, actionreich, anders.

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