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Ein Sommersandtraum

Ein Sommersandtraum
romantik-komödie , schweiz 2011
original
der sandmann
regie
peter luisi
drehbuch
peter luisi
cast
fabian krüger,
frölein da capo,
beat schlatter,
florine deplazes, u.a.
spielzeit
88 Minuten
kinostart
21. Juli 2011
homepage
http://www.sommersandtraum.de
bewertung

7 von 10 Augen

Man ist ja bei all dem RomCom-Einheitsbrei, der uns die meiste Zeit aus Richtung Hollywood entgegen schwappt, nur allzu dankbar für jede Brise frischen Windes, die in dieses Genre geblasen wird. Ausgerechnet unseren Schweizer Nachbarn, deren Filmproduktionen ja nur selten internationale Aufmerksamkeit zu Teil wird, gelang nun ein wirklich charmanter Vertreter dieser Gattung. Das liegt vor allem an einer liebevoll ausgearbeiteten Grundidee, die gepaart mit charismatischen Darstellern und schnippischen Dialogen über weite Strecken ein breites Lächeln auf die Gesichter der Zuschauer zu zaubern vermag. Auch wenn dem Film gegen Ende ein klein wenig die Puste ausgeht - es macht schon lange Zeit sehr viel Spaß, dem armen Benno bei seinem mysteriösen Leiden über die Schulter zu schauen.

Und mysteriös ist das alles wirklich, denn das was Benno (Fabian Krüger) widerfährt, ist nichts anderes als eine ganz aggressive Form des akuten Sandverlustes. Alles beginnt damit, dass sich Benno mal wieder über seine Untermieterin Sandra (Frölein Da Capo) aufregt, die in ihrem Café im Erdgeschoss nichts Besseres zu tun hat als bis spät in die Nacht Musik zu spielen - nach seiner Meinung auf vollkommen talentfreie Art und Weise. Zur gleichen Zeit wacht Benno morgens immer wieder schweißgebadet auf, nur um festzustellen, dass sich sein Bett auf unerklärliche Weise mit Sand gefüllt hat. Schon bald dämmert ihm, dass der Sand aus seinen Ärmeln und Hosen zu kommen scheint - und er immer mehr davon zu verlieren droht. Ob dieses merkwürdige Phänomen vielleicht irgendetwas mit der so nervenden Untermieterin zu tun hat?

Hat es natürlich und in welche Richtung dieser Film dann steuert ist bereits nach wenigen Minuten klar - wofür gibt es schließlich Genrekonventionen. Aber viel entscheidender ist eben das "Wie", und hier sammelt Autor und Regisseur Peter Luisi fleißig Pluspunkte. Das ist aber auch einfach eine wunderschöne Metapher, die hier zum Einsatz kommt. Zum einen natürlich optisch, schließlich ist das ein netter Anblick wenn sich erst das Bett und später dann sogar eine ganze Wohnung mit feinstem Sand füllen. Aber auch inhaltlich, denn der Sandverlust bringt natürlich auch jede Menge humorvolles Potential für die weitere Geschichte mit.
So arbeitet Benno in einem kleinen Briefmarkenladen, dessen Besitzer ein geradezu pedantischer Sauberkeitsfanatiker ist. Doch nicht nur hier steht Benno bald vor einem gehörigen Problem, auch in vielen anderen Alltagssituationen ist der immer massiver werdende Sandausschuss natürlich hinderlich - und das weiß der Film ziemlich gut für sich zu nutzen. Schön zu sehen, dass hier nicht faul auf den Lorbeeren einer High-Concept-Idee ausgeruht wird, sondern stetig versucht wird diese Idee auf humorvolle Art auszunutzen und weiterzuspinnen. Da der Film hauptsächlich auch nur an drei Locations spielt, nämlich im Café, Bennos Wohnung und dem Briefmarkenladen, sind die vielen kreativen Einfälle des Drehbuches noch mal ein extra Lob wert.

Dass alles so gut funktioniert, liegt natürlich auch an den Darstellern. Allen voran Fabian Krüger, der eine unglaubliche Spielfreude an den Tag legt. So mies sich sein Benno gegenüber Sandra lange Zeit auch verhält - Krüger schafft es der Figur immer noch ein angenehmes Augenzwinkern zu verpassen, so das man trotz all seiner Bosheiten als Zuschauer weiter zu ihm hält. Das muss man auch, denn die Wandlung Bennos vom Saulus zum Paulus kommt wirklich erst sehr spät - und vielleicht auch ein klein bisschen zu plötzlich. Das alles macht Krüger aber dank jeder Menge Charme und launiger Sprüche locker wett.
Was unser Fräulein da Capo angeht, diese absolviert ihre Aufgabe zwar ganz gut, doch ihre Rolle ist deutlich passiver angelegt und so gibt es für sie deutlich weniger Möglichkeiten zu glänzen. Ihre eher geringe Leinwandzeit nutzen die beiden Nebendarsteller Beat Schlatter und Kasper Weiss dagegen voll aus - ihre ziemlich eigenwilligen Figuren im Briefmarkengeschäft zählen zu den Highlights des Films.

Nur am Ende, da geht unserem "Sommersandtraum" dann doch leider ein wenig die Puste aus. Insbesondere die nun einsetzenden Traumsequenzen sind ein bisschen einfallslos geraten und überhaupt sitzt der Humor im Schlussdrittel nicht mehr ganz so locker wie zuvor. Die neue Prise Ernsthaftigkeit tut dem Film hier nicht wirklich gut und es ist schon ein bisschen ärgerlich, dass den Machern ausgerechnet jetzt die kreativen Ideen ausgehen.
Das soll uns aber nicht daran hindern, unseren Nachbarn aus dem Süden abschließend anerkennend auf die Schulter zu klopfen. "Ein Sommersandtraum" ist sehr sympathisches Wohlfühlkino geworden und genau das richtige für einen verregneten Sommerabend.

Matthias Kastl

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