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Jeff Goldblum hatte seine erfolgreichste Zeit in den
80er Jahren, mit Hauptrollen wie in David Cronenbergs kommerziell
erfolgreichstem Film "Die Fliege". In den frühen
90ern hatte
der
groß gewachsene Darsteller dann das Glück in einigen
der größten Kassenhits aller Zeiten mitzuwirken, nämlich
"Independence Day" sowie den ersten beiden Teilen von
"Jurassic Park". Aber diese waren nicht in erster Linie
als "Schauspielerfilme" angelegt und Goldblum daher auch
nie ein echter Topstar. Das letzte Jahrzehnt bestand für ihn
dann hauptsächlich aus ein paar Gastauftritten, von denen jene
in der TV-Serie "Friends" und in Wes Andersons "Die
Tiefseetaucher" noch am stärksten in Erinnerung blieben.
Im Grunde aber schien Goldblums Karriere vorbei und kaum jemand
hätte wohl erwartet, dass seine größte Herausforderung
und der größte schauspielerische Triumph noch vor ihm
liegen würden. Aber die bekommen wir tatsächlich erst
jetzt zu sehen, mit der Hauptrolle in Paul Schraders Verfilmung
von "Adam Hundesohn", dem umstrittenen Roman des israelischen
Schriftstellers Yoram Kaniuk.
Wir begegnen Adam Stein (Jeff Goldblum) zunächst zu Beginn
der 60er Jahre in der scheinbar entspannten Umgebung einer Pension,
mit dessen Wirtin er heftig flirtet. Doch bald schon holt man ihn
zurück in das Sanatorium inmitten der israelischen Wüste,
aus dem er
wieder mal ausgebüchst war. Dabei ist Adam innerhalb dieser
Mauern sogar eine Art "Star", gibt er dort doch gegenüber
den anderen Bewohnern den geistreichen und charmanten Lebemann und
den behandelnden Ärzten mit seinem unkonventionellen Verhalten
immer wieder Rätsel auf. Es scheint als wolle er mit seinem
Verhalten nur die Weigerung überspielen, sich den Dämonen
der Vergangenheit zu stellen. Denn nachdem er im Berlin der 20er
Jahre noch ein gefeierter Entertainer war, wurde ihm die Ausübung
seines Berufs nach der Machtergreifung der Nazis untersagt.
Später transportiert man ihn sogar ins Konzentrationslager,
wo er dem Kommandanten Klein (Willem Dafoe) begegnet. Einem Mann,
den er vor Jahren als Gast seiner Show zwar vor einem tragischen
Schritt bewahrt, dabei aber auch öffentlich gedemütigt
hat. Klein nutzt die nun vertauschten Rollen und lässt Adam
seine Macht spüren. Er zwingt ihn fortan auf allen Vieren zu
kriechen und für ihn den Schoßhund zu geben - als Gegenleistung
verspricht Klein seinen Einfluss geltend zu machen um Adams Familie
vor dem Holocaust zu verschonen. Adam Stein überlebt den Krieg,
doch die seelischen Narben bleiben. Als schließlich im Sanatorium
ein verwilderter Junge eingeliefert wird, der sich wie ein Hund
benimmt, verliert er zunächst komplett die Beherrschung.
Diese Inhaltsangabe lässt bereits erahnen, dass es ziemlich
starker Tobak ist was dem Zuschauer hier vorgesetzt wird, und speziell
die Szenen mit den wie Tieren agierenden Menschen sind dementsprechend
schwer zu ertragen. Darstellerisch zwingen sie Jeff Goldblum an
Grenzen, die ansonsten eher im Theater als in einem Kinofilm ausgelotet
werden. Bestünde das Werk ausschließlich oder auch nur
hauptsächlich aus solchen Momenten, es wäre nicht nur
schwer verdaulich sondern schlicht unansehbar. Da Jeff Goldblum
seiner Figur aber so viele unterschiedliche Facetten verleiht und
diese innerhalb kürzester Zeit und meist völlig
unvorhersehbar
wechselt, ist es kaum möglich sich der Faszination dieser rätselhaften
und vielschichtigen Figur zu entziehen.
Wobei Goldblum noch zusätzlich gefordert ist durch sein intensives
Spiel auch davon abzulenken, dass eine wirkliche Handlung (jedenfalls
was die Gegenwartsebene im Sanatorium angeht) eigentlich nicht vorhanden
ist, den übrigen Bewohnern nur wenig Raum zur Entfaltung gegeben
wird und zudem eine reichlich abstruse und unglaubwürdige Affäre
mit der schönen jungen Stationsschwester Gina (Ayelet Zurer)
eingeflochten wird. Die in schwarzweiß gehaltenen Rückblenden
besitzen dagegen eine andere Qualität und der zuletzt in viel
zu vielen Schundfilmen chargierende Willem Dafoe ist dann auch der
einzige Darsteller der neben Goldblum bleibenden Eindruck hinterlassen
kann.
Reines Namedropping sind dagegen die sogar im Trailer genannten
Veronica Ferres und Moritz Bleibtreu, deren Mitwirkung sich auf
ein paar wenige Sätze beschränkt. Allerdings weist deren
Beteiligung auch noch auf einen anderen Aspekt der Produktion hin,
und der ist durchaus erwähnenswert. Es handelt sich bei diesem
Film um die erste deutsch-israelische Gemeinschaftsproduktion eines
Holocaust-Stoffes, angetrieben durch den deutschen Produzenten Werner
Wirsing und seinen israelischen Geschäftspartner Ehud Bleiberg.
Eine zweifellos erfreuliche Entwicklung, die aber vielleicht irgendwann
auch so selbstverständlich sein wird, dass eine englische Tageszeitung
sich nicht mehr zu einer Schlagzeile wie "Germany and Israel
unite for Adam Resurrected " genötigt sehen wird.
Denn das Werk spricht schließlich für sich und ist die
nicht hundertprozentig gelungene, aber wahrscheinlich doch bestmögliche
Adaption einer schwierigen Vorlage. Und lebt natürlich vom
genauso großartigen wie unerwarteten Comeback des Jeff Goldblum
in der Rolle seines Lebens.

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