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Ein Jahr vogelfrei

Ein Jahr vogelfrei
komödie , usa 2011
original
the big year
regie
david frankel
drehbuch
howard franklin
cast
jack black,
steve martin,
owen wilson,
rosamund pike, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
14. Juni 2012
homepage
bewertung

7 von 10 Augen
Ein Jahr vogelfrei - Poster

„Ein Jahr vogelfrei“ ist in mehrfacher Hinsicht ein sehr gutes Beispiel für einen Film, der einfach keinen Erfolg haben kann – was absolut nichts darüber aussagt, ob der Film eigentlich gut oder schlecht ist. Das aus deutscher Perspektive offensichtlichste Merkmal ist der peinliche Versuch des Verleihers, diesem Streifen einen Möchtegern-komischen deutschen Titel zu verpassen, der aus dem Thema des Films ein flaches Wortspiel zu quetschen versucht – und dabei leider überhaupt keinen Sinn macht. 

Ein Jahr vogelfreiDenn in „Ein Jahr vogelfrei“ geht es quasi um das genaue Gegenteil dessen, was der deutsche Titel suggeriert, nämlich: In einem Jahr so viele verschiedene Vögel wie nur möglich zu sehen. Unter amerikanischen Vogel-Enthusiasten gibt es eben dafür einen real existierenden Wettbewerb, der diesem Film seinen Originaltitel gab: „The Big Year“.

Was uns sogleich zum zweiten Merkmal für garantierte Erfolglosigkeit führt: Dies ist ein Film übers Vögel beobachten. Alle schlüpfrigen und pubertären Zweideutigkeiten, die einem dabei in den Sinn kommen mögen, mal beiseite gelassen, ist diese Beschäftigung ein solch dermaßenes Nischen-Phänomen von einem Hobby, dass man bei seinen Anhängern nicht einmal mehr von Nerds sprechen möchte auf die Gefahr hin, dass sich „echte“ Nerds davon beleidigt fühlen könnten. Wie also zum Henker ist jemand in Hollywood auf die Idee gekommen, über so etwas einen Film zu machen und dann auch noch zu glauben, damit Geld verdienen zu können?

Ein Jahr vogelfreiWie unmöglich es tatsächlich ist (oder zumindest: für wie unmöglich es von Hollywoods Marketing-Fritzen gehalten wird), solch einen Film ans Publikum zu bringen, zeigt schließlich das dritte Merkmal – ein Trailer, der auf Biegen und Brechen versucht, „Ein Jahr vogelfrei“ als Slapstick-Komödie zu verkaufen, indem er das bescheidene halbe Dutzend an Szenen dieser Art aus dem Film zusammen schneidet und sich tunlichst darum bemüht, das Wort „Vogel“ nicht einmal zu erwähnen. Resultat ist ein Trailer, der ein gänzlich falsches Bild von dem vermittelt, was das Publikum hier wirklich erwartet. Denn wie weit „Ein Jahr vogelfrei“ von einer Slapstick-Komödie entfernt ist, lässt schon allein die Tatsache erahnen, dass man Jack Black selten in einer derart normalen, zurückhaltenden und nuancierten Vorstellung gesehen hat.

Wäre die Werbekampagne einfach mal ehrlich gewesen, man hätte vielleicht zumindest ein bescheidenes, aber dankbares Publikum anlocken können. Stattdessen ging „Ein Jahr vogelfrei“ mit seinen 40 Millionen Dollar Produktionskosten in den USA fast komplett unter und spielte gerade einmal sieben Millionen ein – und das obwohl er mit Jack Black, Owen Wilson und Steve Martin nicht nur drei veritable Stars in den Hauptrollen aufbietet, sondern auch in den Nebenparts exzellent und namhaft besetzt ist mit Leuten wie Rosamund Pike, Anjelica Huston, Dianne Wiest, Brian Dennehy, Kevin Pollak, Tim Blake Nelson und Jim Parsons (Sheldon Cooper aus „Big Bang Theory“).
 

Ein Jahr vogelfreiUnd ganz ehrlich: Dieser Film hätte mehr verdient, gerade weil er nicht mehr zu sein versucht, als er ist. Lose basierend auf einem Sachbuch folgt der Film drei sehr unterschiedlichen Männern – dem erfolg- und mittellosen Mitdreißiger Brad (Jack Black), dem wohlhabenden Noch-nicht-so-richtig-im-Ruhestand-Unternehmer Stu (Steve Martin) und dem „Big Year“-Rekordhalter Kenny (Owen Wilson) – über ein Jahr, in dem sie wirklich (fast) nichts anderes tun, als quer durch die USA zu reisen, um zahllose Vogelarten zu sehen (oder wenigstens zu hören), und zwar mehr als die anderen. Das ist nicht wirklich spannend oder aufregend, aber es ist auf eine sehr angenehme und charmante Weise herzerwärmend und entspannend. Wie eine schöne Tasse heiße Schokolade an einem verschneiten Winterabend.

Der sanfte, ruhige aber dabei nie langweilige Fluss des Films funktioniert auch deshalb so erstaunlich gut, weil Drehbuchautor Howard Franklin nicht den Fehler gemacht hat, der naturgemäß losen und episodenhaften Erzählung solch einer Geschichte ein allzu starres und konstruiertes Plotgerüst überzustülpen. Zwar hat jeder der drei Protagonisten seinen eigenen kleinen emotionalen Subplot, doch dieser bettet sich jeweils so harmonisch in den von ständiger Herumreiserei bestimmten Ablauf ihres Jahres ein, dass es niemals aufgezwungen oder unnatürlich wirkt.

Ein Jahr vogelfreiAuf seine so angenehm zurückhaltende Art schafft es „Ein Jahr vogelfrei“ dabei dann auch noch, ein paar ziemlich weise Dinge rüber zu bringen. Denn natürlich ist die Vogelbeobachtung und der Wettkampf von Brad, Stu und Kenny nicht das wahre Zentrum dieses Films, sondern eine große Metapher für das, was hier eigentlich verhandelt wird. Wie eine große Leidenschaft und ein großes Ziel einem ansonsten ziellosen Leben Richtung und Bedeutung geben kann; wie wichtig es ist, sich der eigenen wahren Leidenschaft zu besinnen, bevor es womöglich zu spät dafür ist; wie es anders herum aber auch passieren kann, dass man sich so obsessiv in eine Leidenschaft stürzt, dass man darüber die Dinge vernachlässigt, die dann letztlich doch wichtiger sind.
 

„Ein Jahr vogelfrei“ ist sicher kein Film, den man sich im Kino ansehen muss (und dass auch ganz sicher kaum jemand aus Versehen in diesem Film landet, hat der Verleiher dann noch damit sichergestellt, den Film in der Kinoprogramm-Todeszone während der Fußball-EM starten zu lassen). Aber wer sich in gut einem halben Jahr einfach mal einen schönen, wohligen Abend mit einer DVD machen will oder vielleicht irgendwann mal Sonntag nachmittags im Fernsehen über dieses kleine Goldstück stolpert, der sollte dran bleiben. Denn „Ein Jahr vogelfrei“ ist ein einfacher und ein einfach schöner Film. Und am Ende ist man sich ziemlich sicher, dass es eigentlich überhaupt nicht darauf ankommt, wie gut sich eine Sache verkaufen lässt. 

Frank-Michael Helmke

7/10 ? eher 3/10 oder

1

7/10 ? eher 3/10 oder so......

Hab den Film leider aus

3

Hab den Film leider aus Versehen in der Sneak gesehen. Die Kritik ist sehr sehr ... sehr gütig. Ich mochte die schönen Landschaftsaufnahmen, aber ansonsten: ich konnte nicht lachen, nicht trauern, ich konnte beinahe nicht wach bleiben. Der Film ist belanglos, langweilig, langatmig und nochmals belanglos. Wirklich keine Ahnung, warum man so einen Film drehen und vermarkten möchte.
Die Hauptaussage des Films ist also, man sollte sich seinen Hobbys widmen. Nun dann kann ich jedem, der Filme unter seine liebsten Freizeitaktivitäten zählt, davon abraten, zeit für diesen Film zu verschwenden.

Ich kann die Kritik voll und

8

Ich kann die Kritik voll und ganz nachvollziehen. Ich habe ihn auch in der Sneak gesehn und kann nur bestätigen, dasss ein richtig charmanter Film ist.

Ich habe ihn noch nicht

Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber eine 7-Augen-Bewertung vergeben und dann schreiben, dass man ihn sich nicht unbedingt im Kino ansehen muss? Bitte was?

Alle 3 Hauptdarsteller haben

2

Alle 3 Hauptdarsteller haben sicherlich schon lustige Filme gemacht, dieser gehört garantiert nicht dazu und ist auch ansonsten absolut uninteressant. Vögel zählen. Wirklich ein tolles Hobby. Nicht nur im Kino muss man den nicht sehen, auch sonst nicht.

Trailer gesehen. Reicht um

9

Trailer gesehen. Reicht um den Film sofort sehen zu müssen. Danke an Filmszene.

So.Film in Videothek entdeckt

10

So.Film in Videothek entdeckt und sofort zugegriffen und angeschaut.

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