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Ein Geschenk der Götter

Ein Geschenk der Götter
komödie , deutschland 2014
original
regie
oliver haffner
drehbuch
oliver haffner
cast
katharina marie schubert,
adam bousdoukos,
paul faßnacht,
rainer furch, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
9. Oktober 2014
homepage
http://www.geschenkdergoetter.de
bewertung

6 von 10 Augen
Ein Geschenk der Götter - Filmplakat

Als „Mutmacher-Komödie“ bezeichnet der Verleiher “Ein Geschenk der Götter“. Auch wenn das nicht ganz verkehrt ist, man könnte auch ohne Zögern die Bezeichnung „Haben-wir-alles-schon-einmal-gesehen-Komödie“ aus der Westentasche zücken. Ein Team von Verlierertypen, das sich allen Hindernissen zum Trotz zusammenrauft um etwas Besonderes auf die Beine zu stellen – in gewisser Hinsicht ist “Ein Geschenk der Götter“ eine Art schwäbische Antwort auf den 90er-Jahre-Publikumserfolg “Ganz oder gar nicht“. Doch auch wenn der Film einen etwas ungelenken Beginn hinlegt, ihm etwas die Tiefe fehlt und er manchmal ein bisschen in seinen Nebengeschichten zu straucheln droht, sorgen letztendlich ein charmantes Ensemble und gut geschriebene Dialoge für einen immer noch relativ unterhaltsamen Kinoabend.
 

Anna am TheaterEinen äußerst schlechten Start erwischt ebenfalls die zentrale Protagonistin des Films, denn von einem auf den anderen Moment ist Anna (Katharina Marie Schubert, “Anleitung zum Unglücklichsein“) ihren Job als Schauspielerin am Ulmer Theater los. Da weder in Ulm, um Ulm oder um Ulm herum Schauspieler mit Kusshand gesucht werden, begibt sie sich direkt zum örtlichen Jobcenter. Die wiederum ernennen sie kurzerhand zur Leiterin eines Kurses für schwer vermittelbare Arbeitslose – ein bisschen Schauspielkunst kann ja bei der Jobsuche nicht schaden. Doch Annas Idee, mit der bunt zusammengewürfelten und eher unmotivierten Gruppe ausgerechnet Sophokles' "Antigone" einzustudieren, stößt erst einmal auf wenig Gegenliebe. Der Grieche Dimitri (Adam Bousdoukos, „Soul Kitchen) scheint mehr an ihr als ihrer Arbeit interessiert zu sein, wenn er sich nicht gerade mit dem stets frustrierten Hubert (Rainer Furch) streitet. Als bodenständiger Schwabe ist Franz (Paul Faßnacht) mindestens ebenso skeptisch über das Unterfangen, wie der schüchterne Max (Rick Okon) oder die stille Friederike (Katharina Hauter). Doch schon bald merkt die Gruppe, dass hier etwas Besonderes am Entstehen ist.


Wirklich nach etwas Besonderem klingt die Geschichte nicht – zu vertraut sind die Versatzstücke, aus denen sie besteht. Doch dies muss ja nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein und so kommt es natürlich darauf an, was das Drehbuch und die Darsteller mit dieser Ausgangssituation anstellen. Vielversprechend ist der Beginn allerdings nicht. Wie Anna da vom Arbeitsamt ihre neue Aufgabe aufgezwungen bekommt ist derart übereilt und unglaubwürdig gelöst, dass man erst einmal ein paar Minuten Schwierigkeiten hat dieses neue Szenario zu schlucken. Dass die arbeitslosen Kursbesucher dann auch noch derart offensichtlich jeweils für bestimmte Persönlichkeitstypen stehen, wie den Impulsiven, die Schüchterne oder den Grantler, lässt dazu auch noch befürchten, dass es mit der Vielschichtigkeit der Figuren auch nicht allzu weit her ist. Wirklich mehr als ein vorsichtiges Kratzen an der Oberfläche unsere Protagonisten ist dann zwar im ganzen Film auch nicht drin, aber glücklicherweise zeigen sich schon bald zwei entscheidende Stärken des Films.

Übungsstunde der ArbeitssuchendenAuf der einen Seite wäre da das Drehbuch, das zumindest innerhalb des selbst aufgezwungenen Klischeekorsetts ein paar richtig schöne Dialoge und Szenen kreiert. Die humorvollen Wortgefechte zwischen dem impulsiven Dimitri und dem vom Leben gezeichneten Hubert oder die trockenen Anmerkungen des schwäbelnden Franz wandeln zwar oft eng an der Grenze zur Karikatur der jeweiligen Figur, schaffen den Spagat aber meist souverän. Womit wir gleich bei der zweiten Stärke wären, denn ein Großteil der Darsteller strahlt eine Leichtigkeit und ein Charisma aus, dass es einfach Spaß macht der Truppe bei ihren Schauspielübungen zuzuschauen. Vorneweg stehen die überzeugenden Darstellungen von Katharina Marie Schubert und Adam Bousdoukos, doch wie so oft in Komödien ist es eine Nebenrolle, die für die meisten Lacher sorgt. Paul Faßnacht alias Franz, die gute schwäbische Seele der Truppe, stiehlt eigentlich fast jede Szene in der er sich befindet.

Doch so charmant ein Großteil des Ensembles auch sein mag, manch andere Fehltritte können auch sie nicht überspielen. Da wäre zum Beispiel die Idee, fast jeder Figur eine kleine Nebengeschichte zu gönnen. Das mag auf dem Papier charmant geklungen haben, funktioniert hier aber nicht immer. Der Strang rund um Anna und einen in sie verknallten Regisseur mündet zum Beispiel in einer sowohl wundervoll geschriebenen als auch richtig toll gespielten Szene auf Annas WG-Toilette. Dagegen kommt der Plot rund um den psychisch labilen Freund von Friederike aber viel zu überkonstruiert und deplatziert daher. Noch unglaubwürdiger wirkt aber die Entscheidung, Anna noch eine weitere, diesmal aber richtige Liebesgeschichte mit einem ihrer Schützlinge anzudichten, denn das will so gar nicht zu dieser Figur und deren bisherigem Auftreten passen.

Der große Auftritt der GruppeDas ist alles ein bisschen ärgerlich, kann aber glücklicherweise den Film nicht komplett aus der Bahn werfen. Denn der Hauptstrang rund um das Theaterstück ist dank der Charmeoffensive des Ensembles auch gegen Ende immer noch auf Kurs. Auch dank der Inszenierung von Regisseur und Autor Oliver Haffner, die insbesondere zu Beginn bei der Bilderwahl clever den Kontrast von großer Bühne zu schwäbischer Provinz ausnutzt.

Interessanterweise ist es dann aber ausgerechnet das große Finale, bei dem der Film das erste Mal aus seiner so vorhersehbaren Spur ausbricht und einen der Hauptakteure einfach mal außen vor lässt. Der emotionale Punch gelingt natürlich trotzdem, zu arg hat man die anderen Figuren schließlich liebgewonnen. Doch es wirkt eher befremdlich als positiv überraschend, dass ausgerechnet zum emotionalen Höhepunkt man nicht ganz das bekommt, womit man eigentlich bei dieser stets vorhersehbar gebliebenen Geschichte gerechnet hatte. Am Ende garantiert das sympathische Ensemble zwar immer noch, dass man diesen Kinobesuch nicht bereut, doch insgesamt ist “Ein Geschenk der Götter“ dann einfach doch auch zu harmlos geraten, um noch länger in Erinnerung bleiben zu können.

Matthias Kastl

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