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Ein ganz gewöhnlicher Dieb

Ein ganz gewöhnlicher Dieb
krimi-komödie , großbritannien 2000
original
ordinary decent criminal
regie
thaddeus o´sullivan
drehbuch
gerard stembridge
cast
kevin spacey,
linda fiorentino,
peter mullan,
stephen dillane,
helen baxendale, u.a.
spielzeit
93 Minuten
kinostart
4. Mai 2000
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Er ist ein ganz normaler Mensch. Lebt mit fünf Kindern und zwei Frauen (Linda Fiorentino und Helen Baxendale) in einem Reihenhaus in Dublin, holt sich regelmäßig auf dem Sozialamt seine Pfundnoten ab und geht dann seinem Nebenjob nach, und das gewissenhaft und ordentlich wie ein Beamter. Da ist nur ein Haken: Sein Handwerk ist die Kriminalität. Polizei und IRA trickst der "ganz gewöhnliche Dieb" Michael Lynch (Kevin Spacey) auf seinem kleinen Moped mit links aus und läßt sie ganz schön dumm dastehen. Und wer ehrlich ist, den freut es, dass die Polizisten ganz unheldenhaft mit leerem Tank bei der Verfolgungsjagd den kürzeren ziehen.

Immer schön höflich ("Sag niemals Bulle"), mit spitzbübischem Lächeln und in Gentleman-Manier überfällt Lynch dreist und mühelos am hellichten Tag mit seiner Bande Banken, Golddepots und Kunstsammlungen. Sozusagen ein James Bond auf der falschen Seite des Gesetzes. Zuhause im Kreis seiner Familie sieht er sich dann auf Video die neuesten Berichte über seine Schandtaten an und freut sich, endlich berühmt zu sein. Keine Frage: Erfolg kann auch Ganoven zu Kopf steigen.

90 Minuten lang ist der Meisterdieb jedenfalls schlauer als die Polizei erlaubt, und die bekommt von dem vermummten Gauner höchstens dessen nackten Hintern zu sehen. Das ständige Katz-und-Maus-Spiel mit den Uniformierten macht der Knast-resistente Bandenboß mit Vergnügen immer wieder zur für die Beamten peinlichen Farce. 

Und wie lieben wir diese Helden im Kino: Unbestechlich, gütig, smart, humorvoll, sexy, kreativ und natürlich ein klein wenig brutal sollen sie sein. Oder noch besser: Die Helden lassen andere brutal sein und machen sich selbst nicht die Hände schmutzig. So wie dieser Michael Lynch eben. Wer würde da nicht am liebsten gleich Morgen selbst eine Bank überfallen, wenn das alles gar so einfach ist?

Eigentlich hätte man derartige Gaunereien dem lieben Kevin Spacey von nebenan gar nicht zugetraut. Der zweifache amerikanische Oscar-Preisträger mimt den irischen Kriminellen liebenswert und so überzeugend, dass man sich ernsthaft Gedanken machen muss, was der Hollywoodstar so in seiner Freizeit macht. Dass er im Original wie auch US-Kollegin Linda Fiorentino nicht ganz so glorreich mit dem irischen Akzent kämpft, bleibt in der deutschen Synchronisation glücklicherweise erspart. 

Die Geschichte des ganz gewöhnlichen Diebs soll übrigens mehr oder weniger wahr sein: In den 80er-Jahren wurde die Unterweltgröße Martin Cahill (genannt "Der General") in Dublin zu einem Volkshelden, einer Art irischem Dagobert. 
Dem Original blieb ein Happy End des Räubermärchens übrigens versagt: 1994 kam Cahill bei einem Attentat ums Leben. 

Alles in allem ist die 1998 in Irland gedrehte originelle Ganovenkomödie leider ein wenig zu vorhersehbar und hätte ein bißchen mehr Tempo vertragen können. Ansonsten ist sie mal wieder der Beweis dafür, dass manchmal die Bösen doch die Guten sind. 

 
Gern auch schon mal mit erhobenem 
Zeigefinger: Michael Lynch

 

 
Lynch bei der Arbeit...
 
 

 
...als Sandkastenrocker...
 
 

 
...und als Familienmensch.

Larissa Vassilian

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