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Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau

Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau
gesellschafts-komödie , großbritannien 2009
original
easy virtue
regie
stephan elliott
drehbuch
stephan elliott, sheridan jobbins
cast
jessica biel,
colin firth,
kristin scott thomas,
ben barnes, u.a.
spielzeit
97 Minuten
kinostart
24. Juni 2010
homepage
http://www.easy-virtue.de
bewertung

8 von 10 Augen

 

Schon fast am Ende der "Goldenen Zwanziger", aber noch vor der großen Weltwirtschaftskrise und den düsteren Entwicklungen der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts versucht die britische Whittaker-Familie ihr Ansehen und ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Vor allem für die Dame des Hauses, Mrs. Whittaker (Kristin Scott Thomas) ist dies jedoch mit einigen Anstrengungen verbunden, denn die wirtschaftliche Lage ist kritisch und Ihr antriebsloser Gemahl (Colin Firth) ist ihr dabei keine nennenswerte Hilfe. Die Rückkehr des Sohnes John (Ben Barnes) an den Hof der Familie ist daher mit einigen Hoffnungen verbunden, doch kommt John nicht allein und seine frisch angetraute, attraktive Frau Larita (Jessica Biel) sorgt prompt für einige Aufregung. Bei Johns gestrenger Mutter stößt die lebensfrohe Amerikanerin allerdings von Vornherein auf nichts anderes als Ablehnung und Verdruss.

Der in seinem Metier "britische Gesellschaftskomödie" immer etwas im Schatten des allgegenwärtigen Oscar Wilde stehende Autor Noel Coward schrieb sein Stück "Easy Virtue" im Jahre 1924 und nur wenig später erfuhr es auch bereits eine erste Verfilmung durch niemand geringeren als den großen Alfred Hitchcock. Allerdings fiel diese Adaption in die ganz frühe Phase des Meisters, als er noch von wenig eigenem Stil geprägte Auftragsarbeiten zu erledigen hatte und Hitchcock selbst hielt später die "wohl schlechtesten Zwischentitel meiner Karriere" noch für das Bemerkenswerteste an seiner Stummfilmversion des Stoffes.
Es ist auch nur schwer vorstellbar, wie diese Geschichte so gänzlich ohne Ton funktionieren soll, lebt sie doch zuallererst von den höchst amüsanten Dialogen zwischen den Hauptfiguren. Was die betrifft, kann Regisseur Stephan Elliott ("Priscilla - Königin der Wüste") hier jetzt natürlich voll hinein greifen in das, was die Vorlage ihm bietet, und klugerweise tut er das dann auch. Was sich insbesondere die ältere und die ganz frische Mrs. Whittaker hier an gar nicht mal so kleinen Bosheiten an den Kopf werfen, ist vom Allerfeinsten und liefert im Zusammenspiel mit den restlichen Charakteren eine solche Fülle an geistreichem Witz, dass es für die Drehbuchautoren eigentlich nicht mehr allzu viel Arbeit gegeben haben dürfte. Für den Kinofilm galt es lediglich, die immer noch als klassisches Theaterstück zu erkennende Handlung um ein paar außerhalb des Landsitzes spielende Szenen zu erweitern und darin ein wenig Zeitkolorit in Form von schicken Autos oder knatternden Motorrädern einzufügen.

Das sieht dann in der Tat auch alles sehr schick und vor allem sehr britisch aus und wohl niemand wird bezweifeln, dass man das letztgenannte Attribut auch den Darstellern Colin Firth und Kristin Scott Thomas bedenkenlos anheften darf. Die beiden Routiniers agieren dabei aber an ziemlich entgegen gesetzten Enden der Sympathieskala, denn während Firths lakonisch-gleichgültiger Kriegsveteran nur noch dem Namen nach das Oberhaupt der Familie darstellt, dabei aber mit trockenem Witz und gelebter Toleranz hinreißend liebenswürdig bleibt, erweist sich Thomas um äußeren Schein bemühte Mrs. Whittaker als herrische Schreckschraube, die ein reichlich perfides Spiel mit dem neuen und von ihr unerwünschten Familienmitglied treibt.
Ben Barnes (der "Prinz Kaspian" aus dem zweiten "Narnia"-Film) bleibt dabei als netter Sohn zwar irgendwas zwischen blass und vollkommen farblos, seine Begleitung entpuppt sich jedoch als die eigentliche Überraschung des Films. Denn die bisher eher in amerikanischen Mainstream-Produktionen wie "Texas Chainsaw Massacre" oder "Stealth" zu bewundernde Jessica Biel (die uns dann in wenigen Wochen auch mit dem neuen "A-Team" beehren wird) zeigt sich von einer bisher nicht gekannten Seite als unkonventionelle und den Herausforderungen der ihr größtenteils skeptisch bis feindlich gesonnenen neuen Umgebung überraschend gut gewachsene "unmoralische Ehefrau". So frisch, schnippisch und selbstbewusst durften wir die Dame bisher noch nicht erleben und die aus dieser Gelegenheit erwachsende Spielfreude ist ihr durchgehend anzumerken.

"Easy Virtue" ist sicher nicht tiefgehend genug, um als ernsthafte Sozialkritik oder als seriöses Abbild einer schwierigen Epoche inmitten gewaltiger politischer Umwälzungen durch zu gehen, auch wenn das mit den Nebensträngen um die wirtschaftliche Situation der Whittakers und die traumatischen Kriegserlebnisse von Colin Firths Figur gelegentlich angedeutet und versucht wird. Die Geschichte erweist sich aber schon als ein Stückchen böser und weniger harmlos als es zunächst den Anschein hat, und dementsprechend darf man auch nicht damit rechnen, dass sich im Stil einer Boulevardkomödie am Ende alle Probleme und Differenzen einfach in Wohlgefallen auflösen. Stattdessen hält dieser höchst unterhaltsame Film noch die eine oder andere überraschende Wendung bereit und kann damit auch bis zum bemerkenswert konsequenten Schluss weiter fleißig punkten.

Volker Robrahn

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