kleine Werbepause
Anzeige

Duell - Enemy at the Gates

Duell - Enemy at the Gates
kriegsfilm , d/usa/gb 2001
original
duell - enemy at the gates
regie
jean-jacques annaud
drehbuch
jean-jacques annaud, alain godard
cast
jude law,
ed harris,
joseph fiennes,
rachel weisz,
bob hoskins,
ron perlman, u.a.
spielzeit
131 Minuten
kinostart
15. März 2001
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Law

Geduld ist die größte Tugend des Scharfschützen:
Jude Law lauert auf Beute

Stalingrad, Winter 1942: während um ihn herum die erbittertste und verlustreichste Schlacht des Zweiten Weltkrieges tobt, schaltet der junge sowjetische Scharfschütze Vassili Zaitsev (Jude Law) mit seinem Gewehr einen deutschen Befehlshaber nach dem anderen aus, so daß er schon bald unter Kameraden wie Gegnern zur Legende wird. Schnell erkennt der aufstrebende Polit-Offizier Danilov (Joseph Fiennes) das Propagandapotential des bescheidenen Soldaten und baut ihm zum Nationalhelden auf. Tatsächlich gelingt es ihm, mit Vassilis Heldentaten den Kampfgeist der angeschlagenen Roten Armee neu zu mobilisieren. Als Reaktion darauf schickt das deutsche Oberkommando mit dem adeligen Major König (Ed Harris) seinen besten Scharfschützen an die Front, um Vassili auszuschalten. Dieses Duell zwischen Vassili und König wird von der Propagandamaschinerie beider Staaten zur kriegsentscheidenden Konfrontation zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus hochstilisiert, wobei sich der Film nicht unbedingt von dieser symbolischen Dimension des angeblich auf historischen Fakten beruhenden Zweikampfs distanziert.

 

law
Fast so schön wie das Original:
Bob Hoskins als Nikita Chruschtschow
herzt Jude Law.

Als die mit rund 180 Millionen Mark teuerste europäisch-amerikanische Koproduktion aller Zeiten durfte "Enemy at the Gates" die diesjährige Berlinale eröffnen, wo der Film allerdings mit eher verhaltenen Publikumsreaktionen empfangen wurde. Der Grund dafür dürfte in der Ambiguität des Streifens liegen, der eine Gratwanderung zwischen kommerziellem Actionkino und ernsthafter Auseinandersetzung mit den Schrecken des Krieges versucht und letztendlich daran scheitert.
Den namhaften (überwiegend britischen und amerikanischen) Darstellern kann man dabei keinen Vorwurf machen. Sie leisten allesamt gute Arbeit, aber ihre Figuren sind vom Skript so eindimensional angelegt, daß ohnehin nicht viel herausgeholt werden kann. Jude Law muß als zurückhaltender Bauernsohn, Volksheld und Präzisionsschütze nur sympathisch aussehen, wenn er seinen Gegnern die Gehirne raus pustet, Joseph Fiennes darf als intellektueller Kommunist mit Liebeskummer die eine oder andere leidenschaftliche Rede halten, Ed Harris hat blaue Augen, drückt sich gewählt aus und ist deshalb natürlich eine emotionslose teutonische Killermaschine, Ron Perlman läßt ein paar zynische Sprüche ab, Rachel Weisz ist hübsch, und auch wenn Bob Hoskins in einer Minirolle als General Chruschtschow eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Original aufweist: mehr als Wodka saufen und fluchen räumt ihm das Drehbuch leider nicht ein.
 

Harris
Ed Harris als Scharfschütze mit Stil,
Major König.

 

Die Figurenkonstellation fällt dementsprechend banal aus, ob es nun die bröckelnde Freundschaft von Vassili und Davilov, oder die Liebesbeziehung zwischen dem Scharfschützen und der gebildeten Soldatin Tania ist, sämtliche Nebenhandlungen folgen strikt den von Hollywood gesetzten Konventionen. Die Dialoge lassen sich ebenfalls in die Kategorien "belanglos" oder "abgenutzt" einordnen.

Wie der Plot bereits vermuten läßt, ist "Enemy at the Gates" kein Anti-Kriegsfilm, sondern vielmehr ein Schlachtenepos, das mit einem schlechten Gewissen inszeniert wurde: obwohl das Sterben und Leiden der Soldaten und Zivilisten immer wieder in extremen Bildern thematisiert wird, wirken diese Szenen gezwungen und aufgesetzt, ganz so als hätte der Regisseur sich dazu verpflichtet gefühlt, gelegentlich ein paar abgetrennte Extremitäten oder aufgeplatzte Schädel zu zeigen, um dem Film eine gewisse Authentizität zu verleihen. Scheinbar hat Jean-Jacques Annaud ebenfalls nicht so recht auf die Intensität seiner Bilder vertrauen wollen, da er den Zuschauer nicht mit ihnen alleine läßt, sondern sie durch James Horners pathetischen und aufdringlichen Score kommentiert. Diese Emotionalisierung mit dem Preßlufthammer verkehrt sich schließlich ins Gegenteil: anstatt zu verstören und zu schockieren bleibt die Darstellung des Krieges trotz ihrer Brutalität seltsam steril, zumal der Film die Toten zur bloßen Kulisse für das Duell zwischen Vassili und König entwürdigt. Das kann entweder als schonungslos realistisch oder einfach nur als geschmacklos bewertet werden, doch wenn sich nach der x-ten Nahaufnahme eines Kopfschusses selbst bei empfindlicheren Gemütern ein Prozeß der Desensibilisierung einstellt, dann lautet das Urteil schlicht und einfach: Klassenziel verfehlt.

Obwohl es wahrscheinlich nicht die Intention des Regisseurs war, verkommt die grausamste Schlacht des Zweiten Weltkriegs in "Enemy at the Gates" zu einem pyrotechnischen Spektakel und spannenden Gotcha-Spiel, beim dem zwar unzählige Statisten von Kugeln zerrissen werden, wahre Helden aber dennoch überleben. Eine Demontage des Heldenmythos findet trotz einiger gut gemeinter Ansätze nicht statt. Im Gegenteil: allzu oft bedient sich Annaud der glorifizierenden Bildersprache von Propagandafilmen, und wenn Vassili den noblen Wunsch äußert, dem Feind nicht als Held, sondern als einfacher Soldat auf dem Schlachtfeld zu begegnen, dann hätte das sogar Joseph Goebbels zu Tränen gerührt.

 

Sperrfeuer
Die Front muss stehen, um jeden Preis: Die
Grabenkämpfe von Stalingrad kosteten
Hundertausenden das Leben

Ähnlich ungeschickt wird mit den anderen Themen, die der Film anschneidet, umgegangen. Wobei die Betonung auf anschneiden liegt. Bestes Beispiel hierfür ist die 15-Minuten Rolle von Charaktergesicht Ron Perlman als erfahrener Scharfschütze Koulikov: er taucht irgendwann im Laufe des Films auf, stänkert gegen das sozialistische System und bekommt anschließend eine Kugel in den Kopf. Kritik an der sowjetischen Ideologie: Abgehakt. Dann erzählt Tania noch kurz, wie ihre Eltern von deutschen Soldaten auf brutalste Weise hingerichtet wurden. Kriegsverbrechen der Wehrmacht: Abgehakt. Am Ende eines jeden Tages besaufen sich die sowjetischen Streitkräfte und tanzen Polka. Die Situation der Fußsoldaten im Krieg: Abgehakt. Wahrscheinlich hatten die Autoren Jean-Jacques Annaud und Alain Godard beim Schreiben des Drehbuches eine Liste mit Themen, die in einem Film über den Zweiten Weltkrieg unbedingt abgehandelt werden müssen, vor sich liegen und sind sie dann Punkt für Punkt durchgegangen.

Aller Kritik zum Trotz: wenn Vassili und König sich in zerstörten Fabrikhallen und ausgebombten Ruinen durch ihre Zielfernrohre anstarren, dann entwickelt "Enemy at the Gates" eine intensive Spannung, der man sich nur schwer entziehen kann. Zudem ist die Materialschlacht perfekt inszeniert und überzeugt durch eine sehr dichte Atmosphäre, so daß unterm Strich ein packender Neo-Western vor einer apokalyptischen Kulisse heraus gekommen ist. Ob dieser Unterhaltungswert bei der Thematik allerdings angebracht ist, bleibt fraglich. Annauds Versuch, großes Kino zu machen, das sowohl ambitioniert ist, als auch zu unterhalten vermag, scheitert letztendlich an der Identitätslosigkeit des Films, und so bleibt es dem Zuschauer überlassen, ob er in "Enemy at the Gates" einen relativ gelungenen Actionstreifen mit ernstem Kontext oder einen mißglückten Film über das Grauen des Krieges sehen will.

Jan Kucharzewski

7

da film wa sau spannend. Guad de love-storry gherd echt ned nei und an de 1. zwoa : wemma si ned auskennt soll ma ned midren. Und an soldat james rayen hoit i eigendlich ned für den bestn kriegsfilm aba naja.

10

Top Film!
Spannend insziniert.

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
6 + 3 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.