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Disney's Eine Weihnachtsgeschichte

Disney's Eine Weihnachtsgeschichte
animation , usa 2009
original
a christmas carol
regie
robert zemeckis
drehbuch
robert zemeckis
cast
jim carrey,
colin firth,
robin wright penn,
gary oldman,
bob hoskins, u.a.
spielzeit
96 Minuten
kinostart
5. November 2009
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Charles Dickens' "Weihnachtsgeschichte", in der sich der geizige, alte Griesgram Ebenezer Scrooge durch den Besuch von drei Geistern vom Menschenhasser zu einem großzügigen und liebenswerten Zeitgenossen wandelt, zählt auch hierzulande zu den bekanntesten Werken und Klassikern der Weihnachtsliteratur. Dies dürfte nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken sein, dass der Stoff bereits viele Male verfilmt wurde. Dabei zählen der Disney-Trickfilm "Mickys Weihnachtserzählung" (mit Dagobert Duck konsequenterweise als Ebenezer, da der steinreiche Enterich im englischen Original schließlich "Uncle Scrooge" heißt) und der alljährlich in der Vorweihnachtszeit erneut im Fernsehen ausgestrahlte "Die Geister, die ich rief" (mit Bill Murray) sicherlich zu den bekanntesten Adaptionen. In "Der Womanizer" diente Dickens' Erzählung zuletzt nur noch lose als Inspiration und wurde auf diese Weise gar ihres weihnachtlichen Kontextes beraubt.

Soweit lässt es Robert Zemeckis in der ziemlich werkgetreuen Version, die er nun vorlegt, natürlich nicht kommen. Die Handlung ist im Großen und Ganzen noch die gleiche wie bei Dickens, wenn es auch zu einigen fragwürdigen Ergänzungen kommt (dazu später mehr). Der alte Ebenezer Scrooge (Jim Carrey), der es im viktorianischen London zu Reichtum gebracht hat, hasst nichts so sehr wie das Weihnachtsfest. Glückwünsche zu den Feiertagen schmettert der Geizhals mit einem "Humbug!" ab, für die fröhlichen Gesichter seiner Mitmenschen hat er nur Verachtung und Unverständnis übrig und nicht einmal sein herzlicher und aufgeschlossener Neffe Fred (Colin Firth) kann in ihm auch nur einen Funken von Weihnachtsstimmung entfachen. All das ändert sich jedoch in der Nacht vor dem Weihnachtstag, als Scrooge von drei Geistern heimgesucht wird, die ihn mit auf eine Reise durch Raum und Zeit nehmen und ihm sein eigenes kaltes und herzloses Wesen vor Augen führen.

Bereits zum dritten Mal nach "Der Polarexpress" und "Die Legende von Beowulf" hat Robert Zemeckis - immerhin der Mann, der uns mit "Zurück in die Zukunft" und "Forrest Gump" mindestens zwei veritable Klassiker geschenkt hat - nun einen Film vollständig mit Hilfe der "Performance-Capture"-Technologie gedreht, bei der die Aufnahmen mit echten Schauspielern so bearbeitet und verfremdet werden, dass praktisch jedes gewünschte Aussehen möglich ist. Zemeckis scheint sein Herz an diese Technik verloren zu haben, steht mit dieser Liebe aber immer noch recht alleine dar, denn nicht nur gehen alle drei größeren Produktionen dieses Typs auf sein Konto, auch das Kinopublikum scheint ihm nicht so recht folgen zu wollen, denn sein "Polarexpress" war nur ein mittlerer Erfolg und der folgende "Beowulf" überhaupt gar keiner.
Trotzdem nun also die "Weihnachtsgeschichte" als Hybrid aus Animations- und Realfilm, bei dem Bewegungen und Gesichtsausdrücke realer Schauspieler auf computergenerierte Figuren übertragen wurden. Das führt dann zum einen dazu, dass Jim Carrey als hakennasiger Scrooge kaum noch wieder zu erkennen ist, und zum anderen, dass fast alle Schauspieler hier mehrere verschiedene Rollen spielen, wie schon Tom Hanks im "Polarexpress". So stellt Carrey nicht nur Scrooge in mehreren unterschiedlichen Altersstufen, sondern auch gleich alle drei Geister der Weihnacht dar, und auch Gary Oldman, Bob Hoskins und Robin Wright Penn dürfen sich jeweils in mehreren Rollen austoben, in denen man sie mal mehr, mal weniger gut erkennen kann (wozu das gut sein soll, bleibt fraglich; es wirkt, als ginge es Zemeckis einzig und allein darum weiterhin zu beweisen was man denn alles machen kann, auch wenn es dramaturgisch eigentlich keinen Sinn ergibt).
Nachdem "Performance Capturing" den Bonus des Novums inzwischen nicht mehr besitzt, hält sich der Aha-Effekt beim Anschauen indes in Grenzen, wenn die Bilder auch immer wieder beeindruckend sind. Wie zu erwarten nutzt Zemeckis erneut die Möglichkeiten der Computeranimation voll aus und lässt seine virtuelle Kamera in rasender Geschwindigkeit durch die engen Gassen und über die Hausdächer Londons fliegen, wobei man sogar eine täuschend echt wirkende CGI-Nachbildung der Saint Paul's Cathedral bestaunen darf. Überhaupt scheint hundertprozentiger optischer Realismus hier das oberste Ziel der Filmemacher gewesen zu sein, welches zum Großteil auch erreicht wurde; in der 3D-Fassung, die in entsprechend ausgestatteten Kinos gezeigt wird, wirkt zum Beispiel die Schlafmütze des alten Scrooge so weich und flauschig, dass man tatsächlich glaubt, sie ihm mit einem Handgriff vom Kopf ziehen zu können.

Robert Zemeckis' neuer Film ist also ein (Weihnachts-)Fest für die Augen, muss sich aber ebenso wie die beiden vorigen Filme des Regisseurs die Frage nach dem Warum gefallen lassen - warum Performance-Capturing, warum Computeranimation und welchen zusätzlichen Mehrwert bringt die 3D-Optik? Hier fallen die Antworten ernüchternd aus. Zwar nutzt Zemeckis die technischen Verfahren zum Teil für Szenen, die auch in einem Realfilm nur mithilfe ausgiebiger Computertricks möglich wären - da wird Jim Carrey schon mal auf Mäusegröße geschrumpft und in Windeseile zwischen Pflastersteinen und durch Abwasserrohre gejagt. Doch bei all diesen der Ursprungsgeschichte hinzugefügten Actionszenen kommt man sich als Zuschauer mitunter vor, als säße man in einer Disneyland-Attraktion wie "Honey, I shrunk the audience". Die weihnachtliche Besinnlichkeit von Dickens' ursprünglicher Geschichte geht da leider immer wieder flöten und der Film wirkt stellenweise wie künstlich mit Adrenalin aufgeputscht.
Zemeckis' im Presseheft zu lesende Aussage, es sei nur konsequent, neben Ebenezer Scrooge auch alle drei Geister von Jim Carrey spielen zu lassen, da diese schließlich ein Stück von Scrooge in sich tragen, vermag diese Casting-Entscheidung dennoch nicht zu rechtfertigen - schließlich sollten gute Schauspieler doch in der Lage sein, ebendies zu vermitteln. Aber so bekommen wir nun eben Carrey hoch sieben, mal als riesigen, bärtigen und mit ständigem, übertrieben wirkendem Lachen nervenden Geist der gegenwärtigen Weihnacht oder auch mal nur in Form des als schwarzer Schatten auftretenden Geistes der zukünftigen Weihnacht.
Letzterer ist übrigens eines von mehreren Elementen, deretwegen diesem Film das Gütesiegel "familienfreundlicher Vorweihnachtsfilm" definitiv verwehrt bleibt. Hier geht es von Zeit zu Zeit nämlich ganz schön gruselig zu und die immer wieder eingebauten kleinen und größeren Schreckensmomente kommen in einem Weihnachtsfilm, der den Namen Disney im Titel trägt, in diesem Ausmaß dann doch überraschend. Und was die von Carrey und Kollegen gespielten, dann aber doch computeranimierten Figuren betrifft, so wird zwar hier ein weiteres Mal die Messlatte des technisch Machbaren ein Stück nach oben verschoben, vollkommen glaubwürdig erscheinen die menschlichen Figuren aber doch nicht immer - vor allem an den manchmal seltsam puppenartig wirkenden Augen der Charaktere lässt sich dies festmachen.

Insgesamt bleibt der Eindruck, den diese "Weihnachtsgeschichte" hinterlässt, damit ein äußerst zwiespältiger: Einerseits versucht der Film, weihnachtliche Behaglichkeit zu vermitteln, bietet dann aber andererseits überwiegend doch nur typisches Hollywood-Eventkino. Die einfache, jedermann ansprechende und eigentlich auch kindgerechte Geschichte wurde mit Action, Grusel- und 3D-Effekten aufgepeppt, was den Film immer wieder hektisch wirken und leider auch die eigentliche Botschaft der Weihnachtsgeschichte ein wenig in den Hintergrund treten lässt. Weder das Animations- noch das 3D-Verfahren wären hier zwingend nötig gewesen.
"Disney's Eine Weihnachtsgeschichte" hat einige schöne und zum Teil wirklich berührende Momente, hätte aber ein so viel besserer Film werden können, wenn Robert Zemeckis es bei der Inszenierung etwas ruhiger hätte angehen lassen und die besinnliche Handlung nicht immer wieder dem visuellen Overkill geopfert hätte. Für eine solche Adaption ist Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte nämlich viel zu schade. Und nachdem es sich hierbei inzwischen um den dritten Mischling aus Animations- und Realfilm in Folge handelt, darf man sich nach dem Kinobesuch ruhig denken: Das sieht ja alles irgendwie toll aus, aber wann macht Robert Zemeckis denn bitte mal wieder einen richtigen, "echten" Film?

Maximilian Schröter

10

cooler film

8

Ist wesentlich besser, als die Rezension es erahnen lässt.

2

Schrecklich lieblos inszenierte Weihnachtsgeschichte.

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