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Die Tür

Die Tür
fantasy-thriller , d 2009
original
regie
anno saul
drehbuch
jan berger
cast
mads mikkelsen,
jessica schwarz,
heike makatsch,
thomas thieme, u.a.
spielzeit
103 Minuten
kinostart
26. November 2009
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Mit ihrem Filmtitel haben sich die Produzenten dieses Streifens sicher keinen Gefallen getan, denn noch unspezifischer und aussagekraftloser als "Die Tür" kann ein Titel wohl kaum ausfallen. Da darf man sich schon kurz wundern, warum man nicht den Titel der literarischen Vorlage beibehalten hat, namentlich "Die Damalstür" von Akif Pirincci (vor allem bekannt als Autor der "Felidae"-Katzenkrimis). Denn das vermittelt immerhin schon mal einen Eindruck davon, was an dieser Tür so besonders ist, dass man einen ganzen Film über sie machen kann.

David Andernach (Mads Mikkelsen) ist ein erfolgreicher Maler, wohnt mit Frau Maja (Jessica Schwarz) und Tochter in einem ansehnlichen Haus in bester Wohngegend und hat ergo keinen Grund zur Klage. Da Mann aber auch nie genug haben kann, gönnt sich David nebenher eine kleine Affäre mit einer Nachbarin (Heike Makatsch), und während er gerade bei der guten Dame weilt für ein kleines Nümmerchen, schlägt das Schicksal zu und tötet durch einen tragischen Unfall Davids kleine Tochter, die er unbeaufsichtigt gelassen hat. Cut to: Fünf Jahre später. Davids Frau Maja hat sich von ihm getrennt, weil sie ihm nicht vergeben kann, und lebt mit einem anderen Mann zusammen; David ist von seinen anhaltenden Schuldgefühlen so fertig, dass er kurz vor dem Selbstmord steht. Doch da entdeckt er eine hinter Büschen und Bäumen verborgene Tür, und als er durch diese hindurch tritt, findet er sich plötzlich fünf Jahre in der Vergangenheit wieder - just an jenem Nachmittag, an dem seine Tochter starb, und nur wenige Minuten vor dem tragischen Unfall. Plötzlich hat David die Chance, die Katastrophe zu verhindern und in sein altes, glückliches Leben zurückzukehren….

Das klingt im ersten Moment nach einer recht faszinierenden Geschichte, und auch die Namen auf der Stabs- und Besetzungsliste von "Die Tür" lassen den Filmfreund erst einmal aufmerken: Anno Saul ist einer von Deutschlands talentiertesten Kino-Regisseuren ("Wo ist Fred?", "Kebab Connection"), Jan Berger einer der profiliertesten Drehbuchautoren im Land (u.a. Grimme-Preis für den herausragenden Fernsehfilm "Eine andere Liga"), und die mit hervorragenden Charakterdarstellern wie Jessica Schwarz und Thomas Thieme gespickte Besetzung wird auch noch angeführt von Mads Mikkelsen, der sich seit seiner Bösewicht-Rolle in "Casino Royale" als weltweite Bekanntheit betrachten darf, gemeinhin einer der besten Schauspieler Europas ist und dennoch überzeugt werden konnte, in dieser an sich rein deutschen Produktion die Hauptrolle zu übernehmen.
Auf dem Papier sieht "Die Tür" also sehr gut aus, die Realität ist leider ein bisschen anders. Wobei das niemandem der oben Genannten angekreidet werden kann, denn die leisten durch die Bank hervorragende Arbeit. Nein, die Probleme von "Die Tür" sind eindeutig auf die Buchvorlage zurückzuführen, denn trotz sehr gelungenem Spannungsaufbau und zum Teil großartiger Inszenierung gelingt es den Filmschaffenden letztlich nicht, die inhärenten Logiklöcher und mannigfaltigen Fragezeichen der zugrunde liegenden Geschichte zu kaschieren.

Dabei hat die Grundkonstruktion definitiv ihren Reiz: Es ist ein typisches "Der Traum verwandelt sich in einen Alptraum"-Muster, denn nur für sehr kurze Zeit kann David sich unbelastet darüber freuen, seine Tochter retten und so eine zweite Chance auf ein besseres Leben bekommen zu können. Schon sehr bald beginnt die Vertuschungsarbeit, damit niemand merkt, dass David gar nicht der David ist, der er vorgibt zu sein (erstes Problem natürlich: auf einmal laufen zwei Davids in der Gegend rum), und aus seiner Angst, durchschaut und erwischt zu werden, entwickelt sich ein paranoides Szenario mit durchaus viel Potential für psychologische Spannung.
Auf dieser Ebene funktioniert der Film auch am Besten und es zeigt sich, dass der Gewinn von Mads Mikkelsen für die Hauptrolle ein echter Glücksfall war: Das psychisch verwirrende und seelisch belastende Szenario, dem seine Figur hier ausgesetzt ist, hätte viele andere Schauspieler vermutlich überfordert, Mikkelsen jedoch glänzt und leistet formidable Arbeit als Zentrum des Films, schafft es über weite Strecken sogar, ein Gefühl von Authentizität zu vermitteln in einer Geschichte, die eigentlich viel zu abstrus ist, um irgendwie authentisch wirken zu können.
Genau gegen diese Ungereimtheiten kann dann auch Mikkelsen nicht mehr anspielen, wenn der Film in der zweiten Hälfte an Tempo zulegt und ein paar Handlungs-Haken schlägt, die das bedrohliche Paranoia-Szenario zwar konsequent zuspitzen, gleichzeitig aber auch die offenen Fragezeichen in Verbindung mit der Damalstür immer größer und zahlreicher werden lassen. Auch wenn Autor Jan Berger sein Allerbestes getan hat, um durch starke Figurenzeichnung und großartig aufgebaute Dialoge die akute Spannung so hoch wie möglich zu halten und dadurch von der Konstruktion der Geschichte abzulenken - schlussendlich klappt das leider nicht ganz. Dafür ist das von Romanautor Pirincci erdachte Konzept um die "Damalstür" einfach zu löchrig. Das bringt dann letztlich auch den ganzen Film ein wenig zum Einsturz, denn ein wenigstens in sich schlüssiges und glaubwürdiges Ganzes, eine Welt, die man so "kaufen" kann und beim Zuschauen nicht permanent hinterfragt, kommt hier leider nicht zustande.

So scheitert "Die Tür" auf ziemlich hohem, um nicht zu sagen tragischem Niveau. Denn mit dem hier versammelten Talent vor und hinter der Kamera hätte man einen wahrlich großartigen Film machen können. Dass man sich indes daran versucht hat, eine Geschichte zu retten, die für einen wirklich überzeugenden Film von Anfang an zu schwach war, ist zwar ein hehres Ziel, entpuppt sich aber leider ein Stück weit als verlorene Liebesmüh'.

Frank-Michael Helmke

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