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Die Reifeprüfung

Die Reifeprüfung
coming-of-age-drama , usa 1967
original
the graduate
regie
mike nichols
drehbuch
calder willingham, buck henry
cast
dustin hoffman,
anne bancroft,
katharine ross,
william daniels, u.a.
spielzeit
105 Minuten
kinostart
homepage

Mitte der 60er Jahre fand auch in Hollywood die konservativ-prüde Scheinheiligkeit der 50er ein Ende. Menschen hatten Sex, sogar in tabuisierten Beziehungen, und ja, die jungen Leute hatten tatsächlich keine Perspektive. In eine durch verstockte Rollenvorstellungen und realitätsferne Benimmklischees definierte heile Welt, in der Kinder mit Freuden in Vorortparadiesen aufwachsen, um genau so zu werden wie ihre Eltern, platzte 1967 Mike Nichols' Coming-of-age-Komödie "Die Reifeprüfung", und gilt seither als die Mutter aller verwirrten Film-Teenager. Obwohl der Protagonist genau genommen gar kein Teenager mehr war.
Benjamin Braddock (Dustin Hoffman in perfekter Tolpatsch-Manier in der Rolle, die ihn berühmt machte) ist soeben mit dem College fertig geworden, fast 21 Jahre alt, und hat keinen Plan, was er jetzt anstellen soll. Ein Leben lang den "Ratschlägen" seiner Eltern gefolgt und sich immer brav engagierend, muss Benjamin nun erstmals selbst entscheiden, wie's für ihn weiter gehen soll - und ist komplett ratlos. Mitten in diese Sinnkrise platzt Mrs. Robinson (Anne Bancroft, genial unterkühlt und niederschmetternd sachlich), eine Freundin von Benjamins Eltern, die ihm ein unmißverständliches Angebot macht: Ich will dich, ruf mich einfach an und sag mir wann und wo. Nach anfänglichem Zögern nimmt Ben diese offene Einladung zu einer Affäre an und lebt zwischen Swimmingpool und Hotelzimmer ziellos in den Tag hinein. Bis Elaine, Tochter der Familie Robinson, heimkehrt, und sich die beiden jungen Leute gegen den ausgesprochenen Willen von Mrs. Robinson ineinander verlieben.

"Die Reifeprüfung" verfügt über einen relativ knappen und wenig überraschenden Plot, doch dafür ist dieser Film auch nicht berühmt geworden. Das Genie des Films ist fast vollständig in der ersten halben Stunde gebündelt, in der Vorstellung von Benjamin und der Welt, in der er sich bewegt. Schon die ersten Szenen des Films, in denen Ben zunächst verloren in einem Flugzeug sitzt und dann bewegungslos über eine Flughafen-Rollbahn vorwärts gleitet - an den rechten Bildrand gedrückt, während links die Opening Credits eingeblendet werden - veranschaulichen seine passive Willen- und Ziellosigkeit (Aufnahmen, die übrigens wie zahllose andere Szenen des Films nur in der originalen Widescreen-Fassung funktionieren. Die zurechtgestutzte TV-Version ist hier - wie eigentlich immer - ein minderwertiger Ersatz). Auf seiner Willkommensparty tummeln sich ausschließlich Freunde seiner Eltern, die irgendwie wohl auch seine Freunde sind - ein eigenständiges Leben scheint Ben nie gehabt zu haben. Mit minimalem Widerstand lässt er sich herum kommandieren: Auch nach zahllosen gemeinsamen Nächten im Hotelbett spricht er seine Liebhaberin immer noch höflich mit "Mrs. Robinson" an. Genial und legendär die Szene, in der er im heimischen Swimmingpool sein Geburtstagsgeschenk, einen Tauchanzug, vorführen soll. Von seinen Eltern wortwörtlich ins kalte Wasser gestoßen, steht er isoliert und ohne jeglichen Kontakt zu seiner Umwelt im Pool und weiß nicht, was er tun soll. Ein Film, der mit solch kraftvoller und brillanter Metaphorik arbeitet, hat keine langen Dialoge nötig.
Auch Mrs. Robinson macht sich bei der wohl berühmtesten (und besten) Verführungsszene des Kinos Benjamins Wehrlosigkeit und mangelnde Erfahrung (er ist ganz offensichtlich noch Jungfrau) zu nutze. Dass sie ihn lediglich als sexuellen Spielball gegen ihre eigene Langeweile mißbrauchen will, geht schließlich jedoch ordentlich nach hinten los, denn erst durch ihre Affäre entwickelt Ben genug Eigeninitiative um seine Liebe zu Elaine überhaupt zu verfolgen.
"I want my future to be ... different" ist alles, was der deprimierte Ben zu Beginn stammeln kann als ihn sein Vater fragt, was denn los sei. Gefangen in einer Welt, die ihm falsch und heuchlerisch erscheint, aber ohne zu wissen, wie es hinaus geht, steht er Pate für alle enttäuschten Teenager zuvor und seither, die fühlen, dass ihrem Glück etwas im Wege steht, aber nicht genau wissen, was eigentlich. Benjamins sexuelle Unsicherheit und Tolpatschigkeit findet sich auch heute noch in aufs rein komödiantische beschränkten Teenie-Filmen wie "American Pie" wieder. Dass dessen Hauptdarsteller Jason Biggs in einer Broadway-Adaption von "Die Reifeprüfung" die Rolle des Benjamin spielt (an der Seite von Kathleen Turner und Alicia Silverstone) schließt dann den Kreis.
"Die Reifeprüfung" ragt auch deshalb zwischen vergleichbaren Filmen empor, weil die Macher es verstehen, signifikante Dinge in wenigen Sekunden zu sagen, für die geringere Werke Minuten brauchen - und es trotzdem nicht auf den Punkt bringen. Wenn Ben von Mrs. Robinson verlangt, dass sie sich einmal ein bißchen unterhalten, bevor sie ins Bett springen, und dann mit seinen oberflächlichen Smalltalk-Versuchen plötzlich ihre alten Wunden aufkratzt, wird mit wenigen Dialogzeilen auf subtile und schlichtweg geniale Weise der komplette Hintergrund von Mrs. Robinson offen gelegt: Ihr Schicksal, ihre Motivationen, ihre Lebenslügen. In kaum mehr als zwanzig Zeilen.
Wo andere Filme gnadenlos verklären würden, bleibt "Die Reifeprüfung" eisenhart realistisch: Bei aller plötzlichen Willensstärke, mit der Benjamin seine Liebe zu Elaine durchzusetzen versucht, es wirkt doch immer ein bißchen so, als hätte er sich in diese Sache verrannt, weil sie ihm den Halt und die Perspektive gibt, die er so sehr sucht und braucht. Und wenn Ben und Elaine in der berühmten letzten Szene des Films - nach der mutigsten und spontansten Aktion ihres Lebens - im Bus Richtung Zukunft sitzen, hält Regisseur Nichols zwanzig Sekunden länger auf ihre Gesichter, als es ein gewöhnlicher Kollege tun würde - und fängt so ein, wie die Begeisterung des Augenblicks aus ihren Zügen weicht und die Erkenntnis über das Geschehene und das große vor ihnen liegende Ungewisse sich in ihr Bewußtsein schleicht.
Unterstützt durch den viel gelobten Soundtrack (der eigentlich nur aus vier Songs besteht) des damals ultra-angesagten Duos Simon & Garfunkel avancierte "Die Reifeprüfung" sofort zum Kultfilm. Dass er sich bis zum heutigen Tage als einer der wichtigsten, einflussreichsten und besten Streifen seines Genres gehalten hat, ist Beweis genug für die enorme Klasse, mit der hier gearbeitet wurde. Die große "Wohin soll's gehen?"-Frage, die sich jeder denkende Teenager mehr als einmal stellt, wurde nie so treffend und markant eingefangen wie hier.

Frank-Michael Helmke

10

Für mich ist er der beste growing up Film aller Zeiten und nebenbei der beste Liebesfilm aller Zeiten und nebenbei mit der besten Filmmusik aller Zeiten und nebenbei einer der Filme mit der besten Schnitt und Kameraführung aller Zeiten. Ich bin 30, habe den Film mit 6 das erste mal gesehen, nicht verstanden und er hat mich trotzdem mein Leben lang bis vor 2 Jahren nicht losgelassen. Er lief auf dem WDR und ich musste mir gleich die DVD kaufen. Must Have.

10

Toller Film! Geniale Kameraführung, klasse Regie und witzige Dialoge!
Und Dustin Hoffman und Anne Bancroft sind auch einfach nur Spitze!
Habe den Film schon superoft gesehen und könnte ihn mir immer wieder anschaun.
Der Artikel oben trifft es auf den Punkt.

wie immer, junge spunden zu langweilig ,für ältere leute eine offenbarung
dessen was sie eigentlich zu wohlstands besten zeiten der usa hier in germany alles so an wohlstand verpasst haben . auch sexuell . doch alle für sich haben ja recht wenn sie über diesen film ,ihrer meinung kund tuen.
meine meinung ,und ich hoffe das sie niemanden interessiesren mag ist.wahnsinn was zu diesen zeiten schon in amerika so los war.als john wayne noch lebte oder?und uns von seiner cowboy romantik denken lies das es dort drüben nur revolverhelden gibt.und die lebten schon in saus und braus,spekulativ kamen elvis und marylin dito james dean damit nicht klar und mussten gehen. weitere gedanken später.

5

... mit ein bisschen gutem Willen könnte man auch in eine Folge der Lindenstraße so viel hineininterpretieren. Aber im Kontext der damaligen Zeit sicherlich ein Stück Filmgeschichte ...

10

Ich wollte den Fernseher gerade ausschalten, da bin ich auf diesen Film gestoßen und konnte nicht von ihm weg. Genial gemacht, ein super soundtrack, kein überflüssiges Gerede über unwichtige Dinge, es wird gehandelt..

1

Genialer Film!
Vielleicht der beste Film des Spitzenschauspielers Dustin Hoffman. Die Musik passt genial. Übrigens gehts in dem Film um das Erwachsen werden. Wenn das Thema nicht In ist!?

Ps:WAs für eine Schlußszene!!

10

Genial. Der Schnitt, die Musik und selbstverständlich die Handlung. Traumhaft. Habe den Film schon min. 10 mal gesehen und werde es bei Gelegenheit wieder tun

10

65er Jahrgang, 20 mal gesehen, immer noch perfekt.

10

also echt, alle diese deppen, die die reifeprüfung nicht zu würdigen wissen, die sind doch echt intelektuell auf dem stand von 5 -jährigen !
wie kann man nur nicht den tieferen sinn blicken, wie kann man den film LANGWEILIG finden ???!!!
der film ist poetisch und traurig und witzig !! aber nicht langweilig !
naja, das ist jedenfalls meine meinung...
die reigeprüfung ist mein absoluter lieblingsfilm !

Zum totlachen, die Kommentare hier teilweise...
Film is jedenfalls ganz nach meinem Geschmack.
aber eben solche sind ja bekanntlich verschieden ;-)

Immer schön cool bleiben

L & L

10

einige "kommentatoren" sollten sich den film in ein paar jahren nochmal anschauen, dann nämlich, wenn sie die "reifeprüfung" selbst bestanden haben ... wer noch nicht richtig lesen kann wird auch kaum zwischen den zeilen lesen können, von den unausgesprochenen momenten lebt dieses meisterwerk aber ...

ihr seid arme opfer der gesesllschaft. schaut doch mtv.

9

Ich habe schon lange nicht mehr die Zeit um kurz nach Mitternacht sinnvoll genutzt, aber dieser Film ist einfach nur klasse. Zugegebenermaßen kann man die kurzen Dialoge gegen den Film auslegen, aber wie die Verfasserin der Rezession finde ich, dass Filme ohne viel Sprechen viel... tiefgründiger? bewegender? besser? ...sein können. Das sagt auch immer mein Darstellendes-Spiel-Lehrer.
Die Szene in der Dustin Hoffman das Kreuz von der Wand reißt und die Gesellschaft zurückdrängt hat mir gegen Ende zugegebenermaßen ein Lachen entlockt, welches jedoch spätestens in der Schlussszene - für mich keinesfalls ein Happy End - wieder verging.
Auch als zeitkritisches Dokument empfehlenswert: Patriarchalische Vaterfiguren und seltsame Frisuren (Besonders einer der ersten Herren mit der Löwenmähne der Gesellschaft, die an Benjamin vorbeiströmt, während er ihnen die Tür aufhält und tollpatschig die Zeit vor seinem ersten "Date" verbringt.)

10

Ich finde den film richtig Klasse ich kann ihn mir immer anschauen
die schauspielerische leistung von allen ist super und die musik auch ich mag die Atmosphere von dem film :D
und sorry alle die den film hier runtermachen wissen nicht was film ist haha ;D ich weiß jeder hat eine andere meinung aber diese schimpfwörter müssen wohl jetzt nicht sein
Prima gewordener film einer der besten würde ich sagen die es gibt :D

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