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Die Promoterin

Die Promoterin
sport-drama , usa 2004
original
against the ropes
regie
charles s. dutton
drehbuch
cheryl edwards
cast
meg ryan,
charles s. dutton,
omar epps,
tony shalhoub, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
24. Juni 2004
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Wenn Schauspielerinnen die 40 überschritten haben, werden attraktive Rollenangebote bekanntlich rar - da ist die Traumfabrik gnadenlos. Besonders schwer haben es jene Diven, die auf die Darstellung des ewigen Sweethearts abonniert sind. Julia Roberts wechselte - zwar noch nicht 40, aber gewissermaßen als Altersvorsorge - mit "Erin Brockovich" ins Charakterfach und erntete dafür sogar den Oscar. Meg Ryan, der niedliche Blondschopf vom Dienst, versucht nun in "Die Promoterin" (mal wieder eine gnadenlos dämliche deutsche Titel-Übersetzung) einen ähnlichen Karrieresprung als Box-Managerin - Erin Brockovich goes Rocky...
Meg Ryan gibt dabei die Sekretärin Jackie Kallen, deren Herz unter den knappen Tops für den Box-Sport schlägt - ein echtes Box(en)-Luder, für dessen Outfit die Erin-Brockovich-Kostüme nicht nur Pate standen, sondern von Kostüm-Designerin Ruth E. Carter nahezu plagiiert wurden. Kallen weiß alles über das Boxen, und das kommt in der Männer dominierten Halbwelt, in der die Geschäfte rund um den Ring-Sport abgeschlossen werden, gar nicht gut an. Als sie wieder einmal ihre große Klappe nicht halten kann, bietet Box-Promoter La Rocca (Tony Shalhoub) ihr für einen Dollar den Vertrag mit Boxer Devon Green an. Kallen schlägt ein und LaRocca lacht sich ins Fäustchen, denn die Sache hat natürlich einen Haken: Green ist Crack-abhängig und dementsprechend schlecht in Form. Als Jackie Green einen Besuch abstattet, hat der schon einen Gast: der farbige Luther Shaw (Omar Epps), ebenfalls im Crack-Geschäft, prügelt auf ihren Schützling ein. Als Kallen den Underdog beim Kämpfen sieht, wittert sie die Chance, ihn zu einem Profi-Boxer aufzubauen. Doch Luther hängt lieber im Ghetto von Cleveland mit seinen Kumpels ab - bis Jackie ihn mit Hilfe des ebenfalls farbigen Ex-Trainers Felix Reynolds (Charles S. Dutton, der auch Regie führt) für ihren großen Traum gewinnen kann. Und tatsächlich: Luther stellt sich als Rohdiamant heraus, der zum Sieger geschliffen werden kann.

Was Regisseur Charles S. Dutton in seinem Kino-Debüt abliefert, stürzt den Zuschauer in Verwirrung - und Langeweile. Für eine Boxer-Story á la "Rocky" sind Entwicklung und Kämpfe des Protagonisten zu geradlinig und unspektakulär, für eine Liebesgeschichte fehlt jegliche Romantik und für ein Drama fehlt es an Darstellern, die den großen Traum, die Zerissenheit und das Wachsen am Scheitern ihrer Figuren transportieren können. Meg Ryan fällt allein durch die schier endlose Varianz fürchterlicher Klamotten auf, die weder witzig noch unerlässlich für ihre Figur sind. Wenn halbseidene Outfits im Boxsport auch ein typisches Accessoire sind, wirkt diese Darstellung der Jackie Kallen - übrigens eine authentische Figur - hoffnungslos überzogen. Ohne ihr schmollmundiges All-American-Girl-Gehabe hat sie schauspielerisch leider nichts zu bieten - technisches K.O., Ms. Ryan.
Drehbuchautorin Cheryl Edwards, die schon das Skript für den Kinoerfolg "Save the last Dance" lieferte, erzählt in einem neuen, wenig originellen Aufguss die uralte Geschichte vom amerikanischen Traum. Dass allein kann man ihr nicht zum Vorwurf machen - dass sie jedoch den Anspruch erhebt, die Rassenunterschiede in den USA näher zu beleuchten und somit ein Stück weit zur Rassenverständigung beizutragen, ist schlichtweg ärgerlich. Die Tatsache, dass mit Charles S. Dutton ein Afro-Amerikaner Regie führt, sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass der "Promoterin" ein zutiefst rassistischer Kern zugrunde liegt - nämlich die Geschichte vom ungebildeten, Crack dealenden Schwarzen, der erst von einer weißen Frau erzogen werden muss, um sich in die Gesellschaft integrieren zu können.

Miriam Flüß

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