kleine Werbepause
Anzeige

Die Peanuts - Der Film

Die Peanuts - Der Film
animations-komödie , usa 2015
original
the peanuts movie
regie
steve martino
drehbuch
craig schulz, bryan schulz, cornelius urliano, bill melendez (stimmen)
cast
cosmo clarén,
juri winkler, u.a.
spielzeit
89 Minuten
kinostart
24. Dezember 2015
homepage
http://www.diepeanuts-derfilm.de
bewertung

8 von 10 Augen

peanuts 1Die „Peanuts“ sind eine Ikone der amerikanischen Kultur und werden auch heute immer wieder in unterschiedlicher Form aufgelegt, 15 Jahre nachdem der letzte neue Comic-Strip in den Tageszeitungen erschienen ist. Ihr Schöpfer Charles M. Schulz hatte verfügt, dass der Strip, den er fünfzig Jahre durchgehend und völlig allein verfasste, nach seinem Tod nicht fortgeführt werden soll. Gegen die Verwertung der Marke „Peanuts“ für andere Merchandise-Zwecke hat sich Schulz dagegen nie gesträubt, so dass Charlie Brown und Snoopy auch heute noch von zahlreichen Kaffeebechern oder Bettlaken grüßen. Jetzt steht auch das Comeback der Figuren auf der Kinoleinwand an und das gemäß dem Zeitgeist nun also computeranimiert und in drei Dimensionen. Eine Entscheidung, die nicht nur innerhalb der Fanszene zunächst für große Skepsis sorgte. Wie passen denn bitte der stets überschaubare und familiäre Kosmos der Peanuts und ein 3D-Spektakel zusammen, lautete für viele die Frage. Die Antwort lautet: Überraschend gut!

peanuts 2Es ist mal wieder ein hartes Schuljahr für Charlie Brown, den ewigen Verlierer, der sich auch im gerade beginnenden Winter sofort wieder in diverse peinliche Situationen bringt. Dabei wäre eine etwas bessere Außenwirkung gerade jetzt vonnöten, wo doch ein neues Mädchen in die Gegend gezogen ist. Eine liebenswerte, rothaarige kleine Dame, die bisher noch unbefleckt ist von Charlie Browns Historie der Missgeschicke. Aber es ist halt schwer sich zu behaupten oder gar Eindruck zu schinden, wenn alle gutgemeinten Ideen wieder mal komplett schiefgehen und sich die Clique um Lucy, Patty und Co. über einen lustig macht. Bleibt als letzte Hoffnung und Retter in der Not nur noch Snoopy, als Hund naturgemäß der beste Freund des Menschen – wenn der sich nicht gerade wieder in seiner Parallelidentität als „Fliegerass des ersten Weltkriegs“ austobt und mit seiner fliegenden Hundehütte Jagd auf seinen Erzfeind, den legendären „Roten Baron“ macht.

peanuts 3Es sind nahezu alle klassischen Elemente versammelt in der Adaption der Blue Sky Studios („Ice Age“, „Horton hört ein Hu“), bei dem man sich unter Leitung von Regisseur und „Peanuts“-Fan Steve Martino mehrere Jahre Zeit für die Entwicklung und die passende Umsetzung der Figuren genommen hat. Denn um den Geist der Vorlage zu treffen und ein echtes „Peanuts“-Feeling zu erreichen, bedarf es einer ausgefeilten Darstellung der nur vermeintlich so schlicht gestalteten Charaktere. Würde man diese einfach wie andere Animationsfiguren möglichst „lebensecht“ gestalten, würden sie nämlich ganz anders aussehen und wirken. Stattdessen kann man beobachten, dass etwa ein Snoopy auch hier genauso anatomisch unkorrekt mit beiden Augen auf einer Gesichtshälfte modelliert wird, wie man die Figur halt kennt und wie sie auch aussehen muss, um bei ihren Bewegungen den gewünschten Effekt zu erzielen.

Daher war es eine weise Entscheidung, der Versuchung einer allzu stark aufgepeppten Technik-Show zu widerstehen und die Peanuts-Welt fast genauso schlicht und einfach zu belassen wie sie es immer war. „Fast“, denn ein bisschen mehr an Hintergrundgestaltung hat man sich dann doch erlaubt, so dass wir jetzt etwas mehr von den Häusern und der Umgebung der typischen amerikanischen Kleinstadt sehen als in den Comics und den früheren Zeichentrick-Umsetzungen.

peanuts 4Vor allem am Spirit der frühen TV-Specials hat man sich dabei aber orientiert und erreicht auch oft deren Charme. So ist schon die große Eröffnungsszene auf dem zugefrorenen See eine klare Hommage an das vielgeliebte Weihnachtsspecial „A Charlie Brown Christmas“ von 1965. Dass es gelang, die Rechte für den berühmten Piano-Score von Vince Guaraldi zu bekommen, trägt ebenfalls dazu bei, dass man sich als alter Peanuts-Fan auch in dieser neuen CGI-Umgebung recht schnell heimisch fühlt.

Was das Ensemble angeht hat man sich bemüht, möglichst vielen der bekannten Namen Raum und eine kleine eigene Geschichte zu geben, selbst etwas obskurere und vermutlich nur Insidern bekannte Charaktere wie Shermy oder die stets von ihren Naturlocken schwärmende Frieda sind mit dabei. Der Übersichtlichkeit und Tiefe hätte vermutlich eine Konzentration auf die Hauptcharaktere gut getan, aber über die gesamte Laufzeit kommt hier tatsächlich doch fast jeder zu seinem Recht.

peanuts 5Mit dem Fokus auf die Missgeschicke des Charlie Brown sowie dessen mehr oder weniger verzweifelte Versuche auf seinen rothaarigen Schwarm Eindruck zu machen hat man sich natürlich das naheliegendste Thema gegriffen und diese Geschichte mit genau der Herzenswärme und Mischung aus Tragik und Komik umgesetzt, die man von den Peanuts erwarten darf und auch muss. Da dieser Strang allein aber dennoch nicht abendfüllend ist, lockern die Einschübe der Abenteuer von „Fliegerass“ Snoopy die Handlung dann auf interessante Weise immer wieder auf. Denn nur hier, in dieser „Traumwelt“ erlaubt man sich dann auch die Darstellung einer völlig anderen, nämlich wesentlich bunteren Umgebung, und hier gibt es dann auch die spektakulären Kamerafahrten zu sehen, mit denen man in modernen Animationsfilmen gerne mal zeigt was technisch möglich ist. Eine recht elegante Lösung, die man da für das prinzipielle Dilemma „Klassik gegen Moderne“ gefunden hat.

„Die Peanuts – Der Film“ ist zweifellos eine positive Überraschung, eine Version bei der auch der Traditionalist unbesorgt den Weg ins Kino antreten darf, denn auch der dürfte von diesem liebenswerten Werk angetan sein. Die wesentlichen Kernelemente der Marke „Peanuts“ hat man damit allerdings abgehandelt und trotz aller vorhandenen Qualität wird schon hier deutlich, dass die episodenhafte Struktur der „Peanuts“ nicht unbedingt auf Spielfilmlänge ausgelegt ist. Eine weitere weise Entscheidung wäre es daher wohl, wenn man es bei diesem einen, äußerst gelungenen Versuch belässt und nicht versucht das Konzept mit bemühten Fortsetzungen zu verwässern. Ein frommer Wunsch?

Volker Robrahn

Extrem charmant und "old

8

Extrem charmant und "old school" trotz moderner Computer-Animation. Das berühmte Peanuts-Feeling stellt sich jederzeit problemlos ein, der Übergang von Charlie Brown & Co. ins 21. Jahrhundert hat reibungslos funktioniert. Look, musikalische Untermalung, liebevolle Animation und gelungener Humor geben ein stimmiges Ganzes. Absolut sehenswert !!

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
3 + 3 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.