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Meine Damen und Herren, wir präsentieren die
Verfilmung eines der zehn meistverkauften Romane der
letzten fünfzehn
Jahre! "Meistverkauft" in Deutschland wohlgemerkt, und
deshalb haben wir es nun auch mit einer der aufwändigsten
und
teuersten deutschen Kinoproduktionen überhaupt zu tun,
auch
wenn ein paar europäische Partner das Unternehmen ein
wenig
mitfinanziert haben. Dazu gesellen sich kräftiger
Medienrummel
um
den
Austausch des Regisseurs während der Dreharbeiten und eine
Handlungsprämisse, die allein schon für ausreichend
Neugier
und erregte Diskussionen sorgt: Saß im 9. Jahrhundert
tatsächlich
einmal eine Frau auf dem heiligen Stuhl?
Wenn dem so gewesen sein sollte, dann handelte es sich dabei wohl um Johanna aus Franken (als Kind: Tigerlily Hutchinson und später Lotte Flack, als Erwachsene: Johanna Wokalek), die als unerwünschtes Mädchen einen schweren Stand hat. Obwohl bereits mit zwei Söhnen gesegnet, hat der gottesfürchtige Vater (Iain Glen) für den weiblichen Nachwuchs nichts als Verachtung übrig und nur für seine Söhne einen Besuch der Domschule vorgesehen. Doch der kluge ältere Sohn fällt einer tödlichen Fiebererkrankung zum Opfer und der jüngere erweist sich als geistig eher zurückhaltend, weshalb der Gelehrte Aesculapius stattdessen lieber die wissbegierige und hellwache Johanna unterrichtet. Auf Umwegen gelangt sie tatsächlich an die Scola und später sogar als Medicus ins Benediktinerkloster von Fulda. Da hat sie aber schon längst begonnen ihre weibliche Identität zu verbergen, die ihr Zeit ihres Lebens nur im Wege zu stehen scheint. Ihr Weg wird die nun von allen "Johannes" genannte Frau schließlich bis an den Hof des Papstes in Rom (John Goodman) führen, und am Ende sogar noch ein Stück weiter.
Diese Geschichte verkauft sich aufgrund der "Eine Frau
als
Papst"-Idee praktisch von selbst, haben sich solch gewagte
Interpretationen oder Umdeutungen der christlichen
Historie doch
in den letzten Jahren als hervorragend funktionierende
Gelddruckmaschine
erwiesen. Die Provokation gelingt immer wieder aufs Neue
und vom
Sensationspotential her spielt der von Donna Woolfolk
Cross zu Papier
gebrachte Roman "Die Päpstin" dann auch mal ganz
locker in der Dan Brown-Liga mit.
Aber
Obacht, von den zweieinhalb Stunden des Films ist die
mutige Johanna
mehr als zwei Stunden lang eben NICHT Papst, sondern eine
Frau mit
zweifellos ungewöhnlichem Lebensweg, der Stück für
Stück abgehandelt werden möchte. Dementsprechend haben
wir es dann also gleich mit drei Johanna-Darstellerinnen
zu tun,
von denen Lotte Flack als 11jährige auch eine
bemerkenswerte
Ähnlichkeit mit Johanna Wokalek aufweist, die die Bühne
erst nach rund 40 Minuten betritt. Eine ziemlich
raumgreifende Erzählung
also, die auch schon früh in jene Richtung weist, in der
diese
Produktion ihre größten Stärken hat.
Denn es ist wirklich ein echtes Epos geworden, ein
Breitwandfilm
in Sachen Ausstattung und der Abbildung einer möglichst
glaubwürdigen
mittelalterlichen Welt. Hier wurde so geklotzt wie es bei
einem
bundesdeutschen Werk bisher höchstens beim "Parfüm"
schon einmal der Fall war, zu dem dieser Film auch im
Bezug auf
den dreckigen authentischen Look einige Parallelen
aufweist. Es
ist aber sogar alles noch eine Nummer größer hier,
inklusive
gewaltiger Heerscharen und einem Dreh an genau dem
marokkanischen
Wüstenort, den schon Ridley Scott für sein "Königreich
der Himmel" genutzt hat.
Eigentlich bisher nicht die Welt des in den letzten Jahren
hauptsächlich
mit Fußballfilmen beschäftigten Sönke Wortmann,
und der war auch tatsächlich nur die zweite Wahl als
Regisseur
dieses Prestigeprojektes, bzw. sprang er als Ersatz für
den
während der Dreharbeiten geschassten Volker Schlöndorff
ein. Auch für den Altmeister des deutschen Kopf- und
Kunstfilms
wäre dies ein Ausflug in unbekannte Gefilde geworden, aber
wie er sich dabei geschlagen hätte werden wir nun nicht
mehr
erfahren.
Schlöndorff
hatte etwas zu öffentlich und deutlich sein Missfallen
über
die in Mode gekommene Unart kund getan, größere Filme
zunächst in einer "kastrierten" Kinoversion auszuwerten,
bevor dann später noch eine längere Fassung als Zweiteiler
im Fernsehen ausgestrahlt wird, wie es zuletzt etwa beim "Untergang"
oder den "Buddenbrooks" gemacht wurde. Eine angesichts
der sonst kaum zu finanzierenden Kosten derartiger
Produktionen
aber wohl auch durchaus nachvollziehbare, wenn nicht gar
notwendige
Marketing-Maßnahme.
Eine eigene Handschrift des Ersatzmannes durfte man daher
also im
Grunde von vornherein nicht erwarten, ging es doch in
erster Linie
darum, das Projekt nun vernünftig und einigermaßen
innerhalb
des vorgesehenen Zeit- und Budgetrahmens zu Ende zu
bringen. Diesen
Job hat Wortmann dann auch ordentlich erfüllt und das ist
ja
durchaus anerkennenswert.
Sein fertiger Film ist allerdings auch nicht viel mehr als
eine
wenig überraschende oder inspirierte Abhandlung der
einzelnen
Stationen des Lebenswegs von Johanna Wokaleks
Namensvetterin. Dabei
begegnet sie durchweg recht eindimensionalen Menschen, die
wie abwechselnd
aus der "Gut" oder "Böse"-Schublade gezogen
wirken, mit etwa dem fanatisch religiösen Vater oder den
hinterlistigen
römischen Intriganten auf der einen und dem gutmütigen
Papst oder dem selbstlosen Geliebten auf der anderen
Seite.
Während
John Goodman dabei nicht nur das bekannteste Gesicht in
die Kamera
hält, sondern als väterlicher Papst Sergius auch sehr
passend besetzt ist, wirkt der stets ein wenig zu hübsch
aussehende
und von David Wenham (Faramir aus den "Herr
der Ringe"-Filmen) gespielte Graf Gerold in seiner
Rolle
als Beschützer und späterer Liebhaber von Johanna nicht
zu einhundert Prozent glaubwürdig. Wokalek selbst taucht,
wie
erwähnt, erst relativ spät auf der Leinwand auf und spielt
als passiv agierende und meist um bewusst unauffälliges
Verhalten
bemühte Johanna zwangsläufig eher zurückhaltend.
Obwohl dies hier ihre große Hauptrolle ist, wurde die
wandlungsfähige
Darstellerin zuletzt als Gudrun Ensslin im "Baader
Meinhof-Komplex" doch weit mehr gefordert. Als Mann,
der
in Wahrheit eine Frau ist, wirkt sie halbwegs überzeugend,
in den späteren Szenen allerdings mehr als zu Beginn.
Eher zartbesaitete Leser und Leserinnen der Buchvorlage
seien nebenbei
noch ein wenig gewarnt, denn in Johannas Filmwelt geht es
nicht
nur ziemlich schmutzig, sondern auch hin und wieder
äußerst
brutal zu. Peitschenhiebe, Blut und abgeschlagene Köpfe
werden
beim Kauf eines Kinotickets daher zwangsweise mitgebucht.
Bei einigen
Handlungsmustern darf man sich dann dafür wieder eher im
Reich
der Fantasy wähnen, was dabei helfen könnte über
den Mangel an Realismus in der einen oder anderen leicht
absurden
Szene hinwegzusehen.
So schmieden die üblen Verschwörer in Rom ihre
Mordkomplotte
gern vor möglichst vielen Zeugen und scheinen der festen
Überzeugung
zu sein, dass Palastwachen, die sich nicht bewegen, dann
wohl auch
nichts hören und sehen können. Und bei der Komposition
des Finales, in dem sich gleich mehrere extrem dramatische
Ereignisse
wie zufällig gleichzeitig ereignen, beschleunigt die
Handlung
dann noch einmal kräftig in Richtung unwahrscheinlicher
Unwahrscheinlichkeitsdrive.
Am Ende wird wohl kaum ein bisher noch unbedarfter oder unentschiedener Zuschauer davon überzeugt sein, dass diese Geschichte in dieser Form wirklich wahr sein könnte, aber das dürfte auch nicht die primäre Zielvorgabe gewesen sein, weder auf Seiten der Produzenten noch auf der der Rezipienten. Unterhaltsames großes Kino ist "Die Päpstin" dagegen schon - wenn auch kein ganz Großes.


Gute Schauspieler und Ausstattung hin oder her, ich habe mich bei diesem Film erwartungsgemäß entsetzlich gelangweilt.
Absoluter Frauenfilm eigentlich, denen aber leider die diversen blutigen Szenen dann wieder nicht gefallen werden.
Für den netten Pärchenabend eher nicht geeignet!!
Ambitioniert und professionell aber leider auch etwas zu dröge und dialoglastig inszeniert. Definitiv nur etwas für Leute, die an der Thematik interessiert sind. Der Rest sollte die Finger davon lassen.
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