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Die neun Pforten

Die neun Pforten
mystery-thriller , frankreich/spanien 1999
original
la neuvième porte
regie
roman polanski
drehbuch
roman polanski, james brownjon
cast
johnny depp,
frank langella,
lena olin,
emanuelle seigner, u.a.
spielzeit
127 Minuten
kinostart
16. Dezember 1999
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

 

1666 fertigte der venezianische Buchdrucker Aristide Tarchio das Buch “Die neun Pforten ins Reich der Schatten”. Im Jahr darauf wurde er als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Denn “Die neun Pforten” war nicht Tarchios alleiniges Werk, sondern der Teufel persönlich arbeitete an diesem Band und seinen neun Holzschnitten mit. Derjenige, der ein Rätsel, das im Buch versteckt liegen soll, entschlüsselt, tritt dem Fürsten der Finsternis persönlich gegenüber. Drei Exemplare dieses Buches überlebten das Feuer und haben die Zeit in Privatbesitz überdauert. 
New York, 1999. Im Halbdunkel seines Zimmers sitzt ein betagter Mann an seinem Sekretär und schreibt ruhig einige Zeilen nieder, die er in einem Umschlag verschwinden lässt. Dann tritt er auf seinen Schemel, zieht sich die Schlinge um den Hals und erhängt sich. Der Tote ist Andrew Telfer und am Tag vor seinem Selbstmord hat er seine Ausgabe der “Neun Pforten” an einen bekannten Sammler von satanischem Schrifttum, Boris Balkan, verkauft. Doch nur eines der drei Exemplare soll das Original sein, und Balkan heuert den gewieften Bücherjäger Dean Corso (Johnny Depp) an, um herauszubekommen, wer die ursprünglichen “Neun Pforten” besitzt - er, der Portugiese Fargas oder Baroness Kessler in Paris. Dean Corso macht sich auf den Weg nach Europa, doch sehr bald muss er feststellen, dass er eine schwierige Aufgabe zu bewältigen hat. Er wird verfolgt und immer wieder mit Morden konfrontiert. Da gibt es die Witwe des Selbstmörders Telfer, die das Buch zurückhaben will, aber auch ein mysteriöses Mädchen, das ihm gleich einem Engelswesen in der Not zur Seite steht.

Die Geschichte ist in altmodische Hüllen gekleidet. Nach „Rosemary´s Baby“ (1965) greift Roman Polanski ein weiteres Mal die Beschwörung des Satans als Thema auf. Doch diesmal bleibt die Handlung nicht in den gläsernen Türmen der amerikanischen Metropole, sondern gelangt auf den alten Kontinent, nach Europa. Also zu den Stätten, die das Christentum ebenso hervorgebracht haben, wie seine Inquisition und dunklen Mystiken. Immer wieder zieht sich der Film aus der Moderne und den großstädtischen Bildern zurück in die Dunkelheit von verfallenen Bauwerken und alten Bibliotheken, die die Last von ganzen Zeitaltern tragen. 
DIE NEUN PFORTEN ist kein actionreicher Thriller, sondern seine Spannung und seine Faszination lebt vor allem von Aberglaube und Mystik. Die Handlung findet in der Welt alter Schriften, steinerner Chateaus und sektiererischen Zeremonien statt, taucht jedoch nicht in sie ein. Bücherbände sind frei vom Staub der Jahrhunderte und religiöse Zeremonien erstarren zu Posen. Die Hochglanzbilder wollen nicht leben. Polanski erzählt den Film mit der oberflächlichen Genrestruktur eines konventionellen Okkultismus-Thrillers, auch wenn er sie manchmal ironisch bricht und der Lächerlichkeit preisgibt, dies allerdings nicht immer effektiv. 
Am Schluss geht es mehr um Erlösung denn um die Auflösung der Kriminalgeschichte. Soviel sei verraten, ohne das unerwartete Ende des Films damit vorwegzunehmen. Der Teufel erscheint schließlich in so überraschender Figur, wie er auch schon in „Rosemary´s Baby“  als Säugling das Licht der Welt erblickte. 
„Die Neun Pforten“ ist ein plakativer Ausstattungsfilm, der seine Pointen und seine Geheimnisse, die im Detail liegen, nicht vertuscht. Er gefällt durch seine berauschende Optik und sein bemerkenswertes Schauspielerensemble. Johnny Depp zeigt als Corso  einen Intellektuellen, der eine Brille mit runden Gläsern und eine Studententasche ebenso trägt wie ein Kinnbärtchen, und mit fundiertem Fachwissen auftrumpfen kann. Dem entgegen steht seine ständige Bereitschaft, als Söldner in den Dienst von zahlkräftigen Buchsammlern zu treten. Lena Olin spielt die Witwe des toten Buchsammlers Telfer als Furie in schwarz mit fast comichaften Anstrichen. Emmanuelle Seigner wird von ihrem Ehemann Polanski beinahe einer Ikone gleich in Szene gesetzt. Ihr zurückhaltendes Spiel konferiert mit der stillen, engelshaften Begleitung, die sie Corso und dem Büchlein ist. 

 
Phillip Wallutat

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