Was wäre die Kinolandschaft ohne den alljährlichen Blockbuster
von Michael Bay ("The Rock", "Armageddon", "Pearl
Harbor", "Bad Boys")? Um ein ganzes Stück
erträglicher, würden einige Kritiker antworten, allen
voran Sean Penn, der Bay nach "Pearl Harbor" gar ein
Krebsgeschwür
für dessen Allerwertesten wünschte. Bay spaltet die
Filmgemeinde:
Während ihn die eine Seite als Stellvertreter für den
künstlerischen Bankrott Hollywoods auserkoren hat,
identifiziert
ihn die andere mit rasant-unterhaltsamem Popcorn-Kino par
excellence.
Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte, denn solange
Bay sich
rein auf seine Stärken im
Action-Bereich
konzentriert - und nicht wie im desaströsen "Pearl Harbor"
versucht, shakespearehafte Drama-Höhen zu erklimmen - ist
er
zu durchaus packender Unterhaltung fähig, was sein bisher
bester
Film "The Rock" eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Mit "Die Insel" riskiert Bay aber nun selbst seine
treuesten
Fans zu irritieren, denn auch wenn diese vielleicht den
hanebüchenen
Story-Mix, die flachen Figuren und die platten Dialoge
erfolgreich
ignorieren können, dürften das geradezu freche
Produkt-Placement
und die schwächelnden Action-Sequenzen auch bei ihnen für
Unmut sorgen. Mit "Die Insel" kreiert Bay
millionenschweren
Science-Fiction-Trash, der sich nur mit Hilfe einer
gehörigen
Portion Humor (wohlgemerkt von Seiten der Zuschauer und
nicht des
Films) in einen unterhaltsamen Kinoabend verwandeln lässt.
Zur
Story: Im Jahre 2019 leben Lincoln Six Echo (Ewan
McGregor), Jordan
Two Delta (Scarlett Johansson) und Hunderte anderer
Bewohner in
einer steril-futuristischen Einrichtung - genannt: das
Institut
- im sicheren Glauben, der Rest der Welt sei nach einer
schrecklichen
Katastrophe für immer verseucht und verloren. Lediglich
die
Reise zu einer paradiesisch anmutenden Insel bietet
Hoffnung auf
Abwechslung vom tristen Instituts-Alltag, doch nur wer in
der vom
Instituts-Chef Merrick (Sean Bean) geleiteten Lotterie
auserwählt
wird, darf die Reise ins Paradies auch tatsächlich
antreten.
So ist die Freude dann auch groß bei Jordan Two Delta, als
bei der Lotterie ausgerechnet ihr Name auf den
überdimensionalen
Bildschirmen des Instituts aufleuchtet. Der Neid ihres
Freundes
Lincoln Six Echo lässt aber schnell nach, als dieser die
schockierende
Wahrheit über das exotische Ausflugsziel erfährt. Da hilft
nur die gemeinsame Flucht, die Beiden nicht nur
erstaunliche Kenntnisse
über ihre wahre Existenz verleihen wird, sondern auch zu
einem
Rennen auf Leben und Tod avanciert. Denn Merrick hat für
die
Flüchtigen schnell den Auftragskiller Albert Laurent
(Djimon
Hounsou) zur Hand, der seiner Berufsbezeichnung alle Ehre
machen
soll.
Lincoln Six Echo vermisst seinen linken Puma-Schuh.
Vielleicht
hat er ihn ja bei seinem virtuellen X-Box-Kampf gegen
Jordan Two
Delta verloren? Am Besten er setzt sich mit einem
Budweiser Light
an sein Apple Terminal und versucht ihn via MSN Search
aufzuspüren.
Oder sollte er vielleicht doch erst einmal zu seinem Nokia
Handy
greifen und einen Freund um Rat bitten?
Zugegeben, dies ist nicht Teil der Handlung des Films,
beschreibt
aber sehr gut eines seiner größten Ärgernisse. Während
in Deutschland gerade die öffentlich-rechtlichen Sender
Filme
und Serien sperren, voller Sorge, eine am Boden liegende
Cola-Dose
könnte zusätzliches Öl in das bereits kräftig
lodernde Feuer des Schleichwerbungsskandals gießen, darf
"Die
Insel" im Kino ungeniert einen neuen Höhepunkt des
Produkt-Placements
zelebrieren. Vorbei die Zeiten, in denen Produkte subtil
im Hintergrund
platziert wurden. Da die Werbeindustrie dem Zuschauer wohl
inzwischen
jegliche Aufnahmefähigkeit für Subtilitäten abspricht,
bekommt das Publikum von "Die Insel" auch nicht einmal
den Hauch einer Chance, den ihnen zugedachten
Werbebotschaften zu
entkommen.
Beispiele?
Gerne. Lincoln Six Echo betritt eine Bar und ordert einen
Drink:
Close-Up auf die Flasche und ihr Logo. Lincoln Six Echo
benutzt
ein Internet-Terminal: Close-Up auf den Bildschirm und die
MSN-Suchmaschine.
Dutzende weiterer Markennamen werden dem Betrachter im
Verlauf des
Films an den Kopf geworfen, in dessen bizarrem
"kommerziellen
Höhepunkt" schließlich Scarlett Johansson ihren
eigenen, realen Calvin Klein-Spot betrachtet. Das dieser
traurige
Höhepunkt des Produkt-Placements ausgerechnet in einem
Michael
Bay-Film erfolgt, kommt nun allerdings nicht wirklich
überraschend,
steht Bay doch als Synonym für glattpolierte
Werbeclip-Ästhetik.
Diesem Ruf wird der Regisseur auch mit seinem neuesten
Werk wieder
gerecht: Allein die ersten 30 Sekunden lassen Zweifel
aufkommen,
ob es sich denn nun schon um den Film oder nicht
vielleicht doch
den neuesten Raffaello-Spot handelt. Entsprechend tummeln
sich in
"Die Insel" auch gleich eine ganze Heerschar von Models,
und der gute Steve Buscemi (in einer signifikanten
Nebenrolle) dürfte
sich ungläubig die Augen gerieben haben, konfrontiert mit
dem
was ihm da als Ehefrau zur Seite gestellt wird. Über
mangelndes
Eye Candy kann sich der (männliche) Zuschauer wahrlich
nicht
beklagen, und obendrauf gibt es dann auch noch - wie immer
bei Bay
- imposante Widescreen-Aufnahmen und elegante
Kamerafahrten. In
Kombination mit dem Produkt-Placement ergibt sich so ein
127 Minuten
langer Werbespot, dessen optische Leckerbissen diesmal
aber leider
das künstlerische Desaster kaum abfedern können.
Dieses beginnt mit der Story des Films, deren Schwächen
man
in Bays Werken normalerweise - im Hinblick auf ein
unterhaltsames
Action-Spektakel - mit gutem Gewissen ignorieren kann.
Leider gibt
es bei "Die Insel" diesbezüglich aber gleich mehrere
Haken. Zum einen herrscht Action-Armut zu Beginn des
Films: so dauert
er mehr als eine Dreiviertelstunde, bis es das erste Mal
wirklich
rummst und kracht. Das gibt Bay viel Zeit, sich seiner
Geschichte
und deren Figuren zu widmen - die Erfahrung lässt einen
hier
Schlimmstes befürchten.
Überraschenderweise
schlägt sich der Film aber die ersten fünfzehn Minuten
noch ganz wacker, denn das mysteriöse und durchaus
intelligente
Ausgangsszenario macht neugierig. Dann aber beginnen sich
langsam
erste Déjà-Vu-Erscheinungen einzustellen, und das
Szenario von "Die Insel" entwickelt sich zu einem kruden
Mix aus "Matrix" und "Minority
Report", der aus beiden Filmen relativ ungeniert
Story-Elemente,
teilweise sogar Kameraeinstellungen und Dialogzeilen
übernimmt.
Doch ein Film ist mehr als die Summe seiner Teile: Platte
Dialoge
und ein inkonsistentes Zukunftsszenario wecken bald
wehmütige
Erinnerungen an die um Längen besseren Vorbilder. So gibt
es
in der Bayschen Zukunft zwar futuristische High-Tech-Züge,
doch als Passagier bekommt man immer noch eine altmodische
Magnetstreifen-Karte.
Man staunt über die im Operationssaal arbeitenden Roboter,
bis einer ihrer Arme versucht, einen altmodischen Tupfer
zu bedienen.
Und man registriert verwundert, wie Lincoln Six Echo ein
modernes
Computer-Panel mit einer Art Retro-Kugelschreiber bedient.
Mag dieses Zukunftsszenario vielleicht ein wenig
unglaubwürdig
wirken, es sieht dafür zumindest optisch durchaus
ansprechend
aus. Viel schwerer wiegt dagegen leider, dass man den
Eindruck bekommt,
Bay glaube tatsächlich er würde ein Science-Fiction-Epos
mit Tiefgang kreieren. Die Indizien dafür reichen von
Diskussionen
über Organhandel bis zu Anspielungen auf die Gaskammern
des
zweiten Weltkriegs, die von Bay leider allesamt mit der
Naivität
eines sechsjährigen Kindes angegangen werden. "Schuster
bleib bei deinen Leisten" hätte jemand dem Regisseur ins
Ohr flüstern müssen, denn es ist nur allzu offensichtlich,
dass er sich mit diesen Thematiken selbst überfordert.
So rettet sich der Film noch geradeso in seine zweite
Hälfte,
in der Bay nun langsam dämmert, warum denn der Kinosaal
eigentlich
gefüllt ist. Nun beginnt er endlich das zu tun, was von
ihm
erwartet wird - er forciert das Tempo und liefert die
sehnlichst
herbeigewünschten Action-Sequenzen.
Doch die Möglichkeit, kurz vor dem Abgrund noch
erfolgreich
das Steuer herumzureißen, wird von Bay nur in begrenzter
Form
wahrgenommen, denn ausgerechnet sein Steckenpferd, die
Inszenierung
packender Action-Szenen, beginnt deutliche
Lähmungserscheinungen
zu zeigen. So spektakulär hier die mehrminütige
Highway-Verfolgung
auch geraten ist, sie entpuppt sich letztendlich doch als
beinahe
exakte Kopie von Bays Highway-Sequenz in "Bad
Boys 2". Blass bleibt Bay auch bei dem deutlich zu
konventionell
geratenen Showdown, und neben einem geradezu dilettantisch
anmutenden
Blue-Screen-Einsatz weist der Film dann auch noch über
weite
Strecken gravierende Mängel
im
Schnittbereich auf. Anschlussfehler und irritierende
Ortswechsel
lassen hier leider auf eine mehr als nur schlampige
Post-Produktion
schließen, durch die dem Film einiges an Energie verloren
geht.
So ist für "Die Insel" weit und breit kein Rettungsboot in Sicht, zumindest solange man dem Treiben auf der Leinwand nicht mit einer gehörigen Portion Humor begegnet. Denn dem Film gelingt, wenn auch unbeabsichtigt, etwas durchaus Erstaunliches: "Die Insel" schafft einen Charme zu entwickeln, der bisher nur trashigen B-Movie-Produktionen vorbehalten blieb. Sind es bei diesen Filmen meist mangelndes Budget und untalentierte Darsteller, welche den Werken ihren gewissen "Reiz" verleihen, ist es bei "Die Insel" das stark limitierte dramaturgische Potential der Macher, in Kombination mit einem Millionenbudget und Top-Darstellern, welches im Publikum eine Mischung aus Mitleid und Humor weckt. Wenn Scarlett Johansson, frisch blondiert und durchtrainiert, mit ungläubigem Dackelblick auf die Enthüllung ihrer wahren Existenz reagiert, möchte man sie am Liebsten mit einem dicken Grinsen in die Arme schließen. Und spätestens wenn die Begegnung zwischen Lincoln und einer weiteren Person, die in jedem anderen Film Ausgangspunkt für die Diskussion tiefschürfender Fragen gewesen wäre, in ein paar Sprüchen über Jungfräulichkeit mündet, ist das schon wieder so viel Humbug auf der Leinwand, dass man dem Film nicht wirklich böse sein kann.
Zusätzlich scheinen sich, im Gegensatz zu Bay, die meisten Darsteller auch dieses leeren Spektakels deutlich bewusst zu sein. Scarlett Johansson genießt es geradezu, das Feindbild aller Feministen zu verkörpern, und McGregor nimmt es mit einer gehörigen Portion Ironie, nach "Star Wars" schon wieder schreckliche Dialogzeilen aufsagen zu müssen. Djimon Hounsou kann sich bei der "hochmoralischen" Schlusswendung seines Charakters auch ein Grinsen kaum verkneifen, und Steve Buscemi ist dank dem Model an seiner Seite sowieso alles relativ egal. Lediglich Sean Bean wirkt von Minute zu Minute mehr gelangweilt und scheint als einziger dem Treiben nicht wirklich Freude abgewinnen zu können.
Hätte Bay den gleichen Humor an den Tag gelegt und die Naivität der Geschichte mit einem Augenzwinkern akzeptiert, "Die Insel" wäre ein deutlich angenehmeres Ausflugsziel geworden. So bleibt ein unfreiwillig komisches Sommer-Spektakel, dessen Naivität und Leere man vielleicht noch verzeihen mag, welches aber durch die für Bay untypischen Schwächen im Action-Bereich und ein exzessives Produkt-Placement deutlich in die Richtung Ärgernis tendiert. Wer jemals daran gedacht hat, für einen überlangen Werbeclip auch noch Eintrittsgeld auszugeben - hier ist die Gelegenheit.

Also um ehrlich zu sein gabe ich mich von der Musik ziemlich beeinflussen lassen. Ich fand den Score so klasse, dass ich dem ganzen Film trotz seiner flachen Konstruktion nicht wirklich böse sein kann. Ich fand die Story interessant, wenn auch platt umgesetzt und darum finde ich den Film gar nicht so schlecht. Doch leider gerade die Actionszenen (eigentlich Bays Stärke, wie schon öfters erwähnt), beginnen schnell zu langweilen.
Grüße
Gurki
Ein Super Film.
Interessante Story, gute Effekte.
Also ich bin zufrieden.
Ich finde ihn wesentlich besser als "Transformers"
Ich finde die Kritik trifft doch ziemlich ins Schwarze!
Perfekt inszenierter, überbudgetierter Dauerwerbeslogan.
Die Handlung ist dermaßen holprig, dass tatsächlich unfreiwillige Komik entsteht und wer sich auf einen gut durchdachten Sciencefiction freut wird sich über zahlreiche Logikfehler und Unzulänglichkeiten nur ärgern oder amüsieren können.
Wer allerdings ein Actionspektakel erwartet, wird weit weniger enttäuscht sein...
Kommt eben ganz drauf an, was man von dem Film erwartet.
PS: Das Product-placement ist WIRKLICH herausragend mies.
So wird zB das Logo der Microsoft Suchmaschine MSN Sekundenlang leinwandfüllend eingeblendet,etc.
unverständliche kritik denn dieser film ist einfach nur genial!!!
Kommentar hinzufügen