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Die Insel

Die Insel
scifi-action , usa 2005
original
the island
regie
michael bay
drehbuch
caspian tredwell-owen, alex krutzman, roberto ocri
cast
ewan mcgregor,
scarlett johansson,
steve buscemi,
sean bean,
michael clarke duncan,
djimon hounsou, u.a.
spielzeit
127 Minuten
kinostart
4. August 2005
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Was wäre die Kinolandschaft ohne den alljährlichen Blockbuster von Michael Bay ("The Rock", "Armageddon", "Pearl Harbor", "Bad Boys")? Um ein ganzes Stück erträglicher, würden einige Kritiker antworten, allen voran Sean Penn, der Bay nach "Pearl Harbor" gar ein Krebsgeschwür für dessen Allerwertesten wünschte. Bay spaltet die Filmgemeinde: Während ihn die eine Seite als Stellvertreter für den künstlerischen Bankrott Hollywoods auserkoren hat, identifiziert ihn die andere mit rasant-unterhaltsamem Popcorn-Kino par excellence. Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte, denn solange Bay sich rein auf seine Stärken im Action-Bereich konzentriert - und nicht wie im desaströsen "Pearl Harbor" versucht, shakespearehafte Drama-Höhen zu erklimmen - ist er zu durchaus packender Unterhaltung fähig, was sein bisher bester Film "The Rock" eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Mit "Die Insel" riskiert Bay aber nun selbst seine treuesten Fans zu irritieren, denn auch wenn diese vielleicht den hanebüchenen Story-Mix, die flachen Figuren und die platten Dialoge erfolgreich ignorieren können, dürften das geradezu freche Produkt-Placement und die schwächelnden Action-Sequenzen auch bei ihnen für Unmut sorgen. Mit "Die Insel" kreiert Bay millionenschweren Science-Fiction-Trash, der sich nur mit Hilfe einer gehörigen Portion Humor (wohlgemerkt von Seiten der Zuschauer und nicht des Films) in einen unterhaltsamen Kinoabend verwandeln lässt.

Zur Story: Im Jahre 2019 leben Lincoln Six Echo (Ewan McGregor), Jordan Two Delta (Scarlett Johansson) und Hunderte anderer Bewohner in einer steril-futuristischen Einrichtung - genannt: das Institut - im sicheren Glauben, der Rest der Welt sei nach einer schrecklichen Katastrophe für immer verseucht und verloren. Lediglich die Reise zu einer paradiesisch anmutenden Insel bietet Hoffnung auf Abwechslung vom tristen Instituts-Alltag, doch nur wer in der vom Instituts-Chef Merrick (Sean Bean) geleiteten Lotterie auserwählt wird, darf die Reise ins Paradies auch tatsächlich antreten. So ist die Freude dann auch groß bei Jordan Two Delta, als bei der Lotterie ausgerechnet ihr Name auf den überdimensionalen Bildschirmen des Instituts aufleuchtet. Der Neid ihres Freundes Lincoln Six Echo lässt aber schnell nach, als dieser die schockierende Wahrheit über das exotische Ausflugsziel erfährt. Da hilft nur die gemeinsame Flucht, die Beiden nicht nur erstaunliche Kenntnisse über ihre wahre Existenz verleihen wird, sondern auch zu einem Rennen auf Leben und Tod avanciert. Denn Merrick hat für die Flüchtigen schnell den Auftragskiller Albert Laurent (Djimon Hounsou) zur Hand, der seiner Berufsbezeichnung alle Ehre machen soll.

Lincoln Six Echo vermisst seinen linken Puma-Schuh. Vielleicht hat er ihn ja bei seinem virtuellen X-Box-Kampf gegen Jordan Two Delta verloren? Am Besten er setzt sich mit einem Budweiser Light an sein Apple Terminal und versucht ihn via MSN Search aufzuspüren. Oder sollte er vielleicht doch erst einmal zu seinem Nokia Handy greifen und einen Freund um Rat bitten?
Zugegeben, dies ist nicht Teil der Handlung des Films, beschreibt aber sehr gut eines seiner größten Ärgernisse. Während in Deutschland gerade die öffentlich-rechtlichen Sender Filme und Serien sperren, voller Sorge, eine am Boden liegende Cola-Dose könnte zusätzliches Öl in das bereits kräftig lodernde Feuer des Schleichwerbungsskandals gießen, darf "Die Insel" im Kino ungeniert einen neuen Höhepunkt des Produkt-Placements zelebrieren. Vorbei die Zeiten, in denen Produkte subtil im Hintergrund platziert wurden. Da die Werbeindustrie dem Zuschauer wohl inzwischen jegliche Aufnahmefähigkeit für Subtilitäten abspricht, bekommt das Publikum von "Die Insel" auch nicht einmal den Hauch einer Chance, den ihnen zugedachten Werbebotschaften zu entkommen.
Beispiele? Gerne. Lincoln Six Echo betritt eine Bar und ordert einen Drink: Close-Up auf die Flasche und ihr Logo. Lincoln Six Echo benutzt ein Internet-Terminal: Close-Up auf den Bildschirm und die MSN-Suchmaschine. Dutzende weiterer Markennamen werden dem Betrachter im Verlauf des Films an den Kopf geworfen, in dessen bizarrem "kommerziellen Höhepunkt" schließlich Scarlett Johansson ihren eigenen, realen Calvin Klein-Spot betrachtet. Das dieser traurige Höhepunkt des Produkt-Placements ausgerechnet in einem Michael Bay-Film erfolgt, kommt nun allerdings nicht wirklich überraschend, steht Bay doch als Synonym für glattpolierte Werbeclip-Ästhetik.
Diesem Ruf wird der Regisseur auch mit seinem neuesten Werk wieder gerecht: Allein die ersten 30 Sekunden lassen Zweifel aufkommen, ob es sich denn nun schon um den Film oder nicht vielleicht doch den neuesten Raffaello-Spot handelt. Entsprechend tummeln sich in "Die Insel" auch gleich eine ganze Heerschar von Models, und der gute Steve Buscemi (in einer signifikanten Nebenrolle) dürfte sich ungläubig die Augen gerieben haben, konfrontiert mit dem was ihm da als Ehefrau zur Seite gestellt wird. Über mangelndes Eye Candy kann sich der (männliche) Zuschauer wahrlich nicht beklagen, und obendrauf gibt es dann auch noch - wie immer bei Bay - imposante Widescreen-Aufnahmen und elegante Kamerafahrten. In Kombination mit dem Produkt-Placement ergibt sich so ein 127 Minuten langer Werbespot, dessen optische Leckerbissen diesmal aber leider das künstlerische Desaster kaum abfedern können.

Dieses beginnt mit der Story des Films, deren Schwächen man in Bays Werken normalerweise - im Hinblick auf ein unterhaltsames Action-Spektakel - mit gutem Gewissen ignorieren kann. Leider gibt es bei "Die Insel" diesbezüglich aber gleich mehrere Haken. Zum einen herrscht Action-Armut zu Beginn des Films: so dauert er mehr als eine Dreiviertelstunde, bis es das erste Mal wirklich rummst und kracht. Das gibt Bay viel Zeit, sich seiner Geschichte und deren Figuren zu widmen - die Erfahrung lässt einen hier Schlimmstes befürchten.
Überraschenderweise schlägt sich der Film aber die ersten fünfzehn Minuten noch ganz wacker, denn das mysteriöse und durchaus intelligente Ausgangsszenario macht neugierig. Dann aber beginnen sich langsam erste Déjà-Vu-Erscheinungen einzustellen, und das Szenario von "Die Insel" entwickelt sich zu einem kruden Mix aus "Matrix" und "Minority Report", der aus beiden Filmen relativ ungeniert Story-Elemente, teilweise sogar Kameraeinstellungen und Dialogzeilen übernimmt.
Doch ein Film ist mehr als die Summe seiner Teile: Platte Dialoge und ein inkonsistentes Zukunftsszenario wecken bald wehmütige Erinnerungen an die um Längen besseren Vorbilder. So gibt es in der Bayschen Zukunft zwar futuristische High-Tech-Züge, doch als Passagier bekommt man immer noch eine altmodische Magnetstreifen-Karte. Man staunt über die im Operationssaal arbeitenden Roboter, bis einer ihrer Arme versucht, einen altmodischen Tupfer zu bedienen. Und man registriert verwundert, wie Lincoln Six Echo ein modernes Computer-Panel mit einer Art Retro-Kugelschreiber bedient.

Mag dieses Zukunftsszenario vielleicht ein wenig unglaubwürdig wirken, es sieht dafür zumindest optisch durchaus ansprechend aus. Viel schwerer wiegt dagegen leider, dass man den Eindruck bekommt, Bay glaube tatsächlich er würde ein Science-Fiction-Epos mit Tiefgang kreieren. Die Indizien dafür reichen von Diskussionen über Organhandel bis zu Anspielungen auf die Gaskammern des zweiten Weltkriegs, die von Bay leider allesamt mit der Naivität eines sechsjährigen Kindes angegangen werden. "Schuster bleib bei deinen Leisten" hätte jemand dem Regisseur ins Ohr flüstern müssen, denn es ist nur allzu offensichtlich, dass er sich mit diesen Thematiken selbst überfordert.
So rettet sich der Film noch geradeso in seine zweite Hälfte, in der Bay nun langsam dämmert, warum denn der Kinosaal eigentlich gefüllt ist. Nun beginnt er endlich das zu tun, was von ihm erwartet wird - er forciert das Tempo und liefert die sehnlichst herbeigewünschten Action-Sequenzen.

Doch die Möglichkeit, kurz vor dem Abgrund noch erfolgreich das Steuer herumzureißen, wird von Bay nur in begrenzter Form wahrgenommen, denn ausgerechnet sein Steckenpferd, die Inszenierung packender Action-Szenen, beginnt deutliche Lähmungserscheinungen zu zeigen. So spektakulär hier die mehrminütige Highway-Verfolgung auch geraten ist, sie entpuppt sich letztendlich doch als beinahe exakte Kopie von Bays Highway-Sequenz in "Bad Boys 2". Blass bleibt Bay auch bei dem deutlich zu konventionell geratenen Showdown, und neben einem geradezu dilettantisch anmutenden Blue-Screen-Einsatz weist der Film dann auch noch über weite Strecken gravierende Mängel im Schnittbereich auf. Anschlussfehler und irritierende Ortswechsel lassen hier leider auf eine mehr als nur schlampige Post-Produktion schließen, durch die dem Film einiges an Energie verloren geht.

So ist für "Die Insel" weit und breit kein Rettungsboot in Sicht, zumindest solange man dem Treiben auf der Leinwand nicht mit einer gehörigen Portion Humor begegnet. Denn dem Film gelingt, wenn auch unbeabsichtigt, etwas durchaus Erstaunliches: "Die Insel" schafft einen Charme zu entwickeln, der bisher nur trashigen B-Movie-Produktionen vorbehalten blieb. Sind es bei diesen Filmen meist mangelndes Budget und untalentierte Darsteller, welche den Werken ihren gewissen "Reiz" verleihen, ist es bei "Die Insel" das stark limitierte dramaturgische Potential der Macher, in Kombination mit einem Millionenbudget und Top-Darstellern, welches im Publikum eine Mischung aus Mitleid und Humor weckt. Wenn Scarlett Johansson, frisch blondiert und durchtrainiert, mit ungläubigem Dackelblick auf die Enthüllung ihrer wahren Existenz reagiert, möchte man sie am Liebsten mit einem dicken Grinsen in die Arme schließen. Und spätestens wenn die Begegnung zwischen Lincoln und einer weiteren Person, die in jedem anderen Film Ausgangspunkt für die Diskussion tiefschürfender Fragen gewesen wäre, in ein paar Sprüchen über Jungfräulichkeit mündet, ist das schon wieder so viel Humbug auf der Leinwand, dass man dem Film nicht wirklich böse sein kann.

Zusätzlich scheinen sich, im Gegensatz zu Bay, die meisten Darsteller auch dieses leeren Spektakels deutlich bewusst zu sein. Scarlett Johansson genießt es geradezu, das Feindbild aller Feministen zu verkörpern, und McGregor nimmt es mit einer gehörigen Portion Ironie, nach "Star Wars" schon wieder schreckliche Dialogzeilen aufsagen zu müssen. Djimon Hounsou kann sich bei der "hochmoralischen" Schlusswendung seines Charakters auch ein Grinsen kaum verkneifen, und Steve Buscemi ist dank dem Model an seiner Seite sowieso alles relativ egal. Lediglich Sean Bean wirkt von Minute zu Minute mehr gelangweilt und scheint als einziger dem Treiben nicht wirklich Freude abgewinnen zu können.

Hätte Bay den gleichen Humor an den Tag gelegt und die Naivität der Geschichte mit einem Augenzwinkern akzeptiert, "Die Insel" wäre ein deutlich angenehmeres Ausflugsziel geworden. So bleibt ein unfreiwillig komisches Sommer-Spektakel, dessen Naivität und Leere man vielleicht noch verzeihen mag, welches aber durch die für Bay untypischen Schwächen im Action-Bereich und ein exzessives Produkt-Placement deutlich in die Richtung Ärgernis tendiert. Wer jemals daran gedacht hat, für einen überlangen Werbeclip auch noch Eintrittsgeld auszugeben - hier ist die Gelegenheit.

Matthias Kastl

6

Also um ehrlich zu sein gabe ich mich von der Musik ziemlich beeinflussen lassen. Ich fand den Score so klasse, dass ich dem ganzen Film trotz seiner flachen Konstruktion nicht wirklich böse sein kann. Ich fand die Story interessant, wenn auch platt umgesetzt und darum finde ich den Film gar nicht so schlecht. Doch leider gerade die Actionszenen (eigentlich Bays Stärke, wie schon öfters erwähnt), beginnen schnell zu langweilen.
Grüße
Gurki

8

Ein Super Film.

Interessante Story, gute Effekte.

Also ich bin zufrieden.
Ich finde ihn wesentlich besser als "Transformers"

2

Ich finde die Kritik trifft doch ziemlich ins Schwarze!
Perfekt inszenierter, überbudgetierter Dauerwerbeslogan.
Die Handlung ist dermaßen holprig, dass tatsächlich unfreiwillige Komik entsteht und wer sich auf einen gut durchdachten Sciencefiction freut wird sich über zahlreiche Logikfehler und Unzulänglichkeiten nur ärgern oder amüsieren können.
Wer allerdings ein Actionspektakel erwartet, wird weit weniger enttäuscht sein...
Kommt eben ganz drauf an, was man von dem Film erwartet.

PS: Das Product-placement ist WIRKLICH herausragend mies.
So wird zB das Logo der Microsoft Suchmaschine MSN Sekundenlang leinwandfüllend eingeblendet,etc.

10

unverständliche kritik denn dieser film ist einfach nur genial!!!

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