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Die innere Sicherheit

Die innere Sicherheit
drama , deutschland 2000
original
regie
christian petzold
drehbuch
christian petzold, harun farocki
cast
julia hummer,
barbara auer,
richy müller,
bilge bingül, u.a.
spielzeit
115 Minuten
kinostart
1. Februar 2001
homepage
bewertung

9 von 10 Augen

Zuerst eine kurze Dankesminute: Danken wir Christian Petzold für diesen Film. Lasst uns aber auch der anderen kreativen Hoffnungsträger dieses Landes gedenken: Tom Tykwer („Der Krieger und die Kaiserin“), Hans-Christian Schmid („Crazy“), Esther Gronenberg („Alaska.de“) oder Fatih Akin („Im Juli“). Sie alle sorgten dafür, dass Deutschland im Jahr 2000 eine Art zweite Wende beschert wurde – eine Filmwende, sozusagen. Der Gott des Zelluloid scheint wieder heller auf die deutsche Kinowelt. Beten wir, dass es anhält ...
Die Herren Harun Farocki und Christian Petzold graben mit „Die innere Sicherheit“ in fast Vergessenem. Ganz leise und ohne pathetische Gefühlsduselei erzählen sie vom Abschied von Gestern und von ehemaligen Ikonen der bundesdeutschen Linken. 
Regisseur Christian Petzold las “Nachrichten aus dem Untergrund, die davon erzählten, dass da irgendwelche Gespenster an ihrer Menschwerdung arbeiten. Wenn Gespenster Menschen werden möchten, dann sind sie immer Protagonisten einer Tragödie.“ Die Gespenster dieser Tragödie, Hans (Richy Müller) und Clara (Barbara Auer), sind gesuchte RAF- Terroristen, die als Urlauber getarnt an der portugiesischen Atlantikküste leben. 
Vor 15 Jahren haben sie ein Tabu gebrochen: Sie haben eine Tochter gezeugt. Jeanne (Julia Hummer) hat nie eine Schule besucht, ist allein und völlig isoliert von Gleichaltrigen aufgewachsen. Als loyale Komplizin ihrer Eltern hat sie schon früh gelernt, auf der Flucht zu leben. Aber da gibt es soviel anderes, das Jeanne noch entdecken und wissen möchte über das normale Leben, über das Leben normaler Teenager. 
In ihrer „Menschwerdung“ stehen die Eltern kurz vor der lang geplanten Weiterreise nach Brasilien, wo die Familie endlich die erhoffte Ruhe finden möchte. Neue Pässe und Geld sind besorgt. Doch ein Einbruch in die Ferienwohnung macht alle Pläne zunichte. Ohne finanzielle Mittel und Papiere flüchten die drei zurück nach Deutschland, um über alte Kontakte wieder an Geld zu kommen. Währenddessen verliebt sich Jeanne in den gleichaltrigen Heinrich (Bilge Bingül). Eine Liebe, gewachsen aus einer so starken Sehnsucht nach Normalität, die ihre Familie in die Katastrophe führen wird. 
Die Helden von einst sind müde. Die „Gespenster“ dieser Geschichte vermissen Ruhe und Beständigkeit. Krampfhaft sind sie bemüht, Ordnung in ihren Alltag zu bringen. Mit dem Wunsch, Verantwortung für Jeanne zu tragen, nehmen sie immer neue Opfer auf sich, die sie doch immer weiter von ihren Zielen, Träumen und von einander entfernen. Wo auch immer sie hinflüchten, wird es kein normales Leben geben. 
Die kalten Bilder von Hans Fromm geben der Geschichte die perfekte Stimmung- wo kein Leben ist, da gibt es auch keine Wärme. Nur Jeanne umgibt manchmal der warme Ton einer Nachttischlampe; als wäre sie noch nicht verloren. Überhaupt ist sie es, der die Kamera unentwegt folgt. Der Schnitt (heimlicher Star des Films!) konzentriert sich immer wieder auf die vielen Gesichter Julia Hummers - auf die unaufdringlich eindringliche Tochter voller Melancholie und Lebenshunger, ein zu früh zerbrochenes Kind ohne Zukunft mit dem weisen Blick einer Greisin. Zufällig vom Titelblatt eines deutschen Magazins für den Film „Absolute Giganten“ entdeckt, hat Julia Hummer mit diesem Streifen einen recht sicheren Vertrag für eine erfolgreiche Zukunft unterschrieben. Richy Müller (Hans) und Barbara Auer (Clara) zeigen sich als meist leises, düster nervöses Paar voller Misstrauen gegen die Welt und ihre eigene Tochter. Auch um die Eltern charakterlich wirkungsvoll in Szene zu setzen, leisten Kamera und Schnitt hervorragende Arbeit. Durch den ausgeklügelten, oft rasanten Schnitt erklären sich ganze Sequenzen von selbst und wird ein Humor geschaffen, der keiner Worte bedarf. Bilge Bingül (Heinrich) ist eine kleine Entdeckung. Auf den ersten Blick nur der freundliche und liebenswerte Junge zum Knuddeln, beim näheren Hinsehen dabei durchaus gebrochen und voller Geheimnisse.
Zu guter letzt kann man jedem nur empfehlen, sich diesen wirklich wundervollen Film anzusehen. Speziell all denen (und ich schließe mich da nicht aus), die dachten, dass wird ja eh nix mehr mit dem ‚Deutschen Film’, sei „Die innere Sicherheit“ ans Herz gelegt.

Nadja Raweh

5

voller spannung habe ich den film angesehen und war ziemlich sauer, als er zu ende war. ich kann es nicht ausstehen, wenn nicht klar wird, was eigentlich vorgeht. hat heinrich die polizei gerufen? wer waren die leute in den bmw's? was ist mit clara und hans? oh mann, den herrn petzold hätte ich gerne gesprochen. dabei hätte es echt ein guter film werden können...

1

Ein Film, der nichts bietet. Keine sehenswerten Schauplätze, keinen verständlichen Ton, keine interessanten Kameraeinstellungen, keine brauchbaren Dialoge.

Auf eine nachvollziehbare Handlung wird ebenfalls verzichtet.

Die Schauspieler bemühen sich redlich, die Frustation der Charaktere zu vermitteln - dies gelingt. Nach dem Prinzip: Mache einen drögen Film, und der Zuschauer fühlt sich nach 90 min so mies wie die Charaktere. Angeschossen und allein gelassen.

Dieser Film ist billig und sonst nichts.

sehr gut rezension! echt gut.

oh mann klaus entschuldigung

10

oh mann klaus
entschuldigung aber wenn etwas billig ist, dann dein kommentar
findest du es nicht selber schade einen grandiosen film niederzumachen nur weil er deinen geschmack nicht trifft

Ich gebe den Kritikern recht.

Ich gebe den Kritikern recht. Das Ende erscheint völlig undurchsichtig und unmotiviert. Wer sind die Insassen der schwarzen Wagen, Polizei, Geheimdienst, eigene Leute, die sich durch das Auftauchen der "Genossen" gefährdet fühlen? Keine Antwort. Wenn sie Mordabsichten hatten, wieso machen sie halbe Sachen und lassen die Tochter, vielleicht auch die Eltern, leben? Keine Antwort.
Die RAF-Verbrecher als Ikonen der deutschen Linken zu bezeichnen ist eine unverschämte Verunglimpfung der Linken. Wer sollen die Personen übrigens sein? Sind überhaupt noch welche übrig, die nicht getötet oder gefasst worden sind?
Langweilige und inkonsistente Geschichte ohne wirklichen Realitätsbezug.
An meinen Vorredner: Wieso soll es verwerflicher sein, einen schlechten Film zu verreißen als ihn als "grandios" hochzujubeln?

23.02.12 Auch

2

23.02.12 Auch ich finde das die schauspieler in ihrer rolle das beste an dem film sind. Die fragen von heinrich haben auch mich beschäftigt.Um näheres zu erfahren bin ich jetzt hier gelandet und leiter nicht schlauer

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