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Die Frauen von Stepford

Die Frauen von Stepford
farce , usa 2004
original
the stepford wives
regie
frank oz
drehbuch
paul rudnick
cast
nicole kidman,
matthew broderick,
glenn close,
christopher walken,
bette midler, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
15. Juli 2004
homepage
bewertung

3 von 10 Augen

Nach einem unschönen Zwischenfall mit einem erregten Teilnehmer einer Realityshow steht TV-Produzentin Joanna (Nicole Kidman) vor den Trümmern ihrer Karriere und ihrer Nerven. Ausweg: Ein geruhsames Leben im Vorort mit den Kindern und Ehemann Walter (Matthew Broderick). Der Vorort: Stepford im beschaulichen Connecticut. Das Problem: Während die Männer ganz normal furchtbar sind, sind die Frauen allesamt bildhübsch und ihren Männern willige Dienerinnen. Irgendetwas stimmt nicht in Stepford, soviel weiß Joanna. Zusammen mit den zwei anderen Unangepassten des Ortes, der schrillen Bobbi (Bette Midler) und dem übertuntigen Roger (Roger Bart) versucht sie, das Geheimnis der Stepford-Frauen zu ergründen, argwöhnisch beobachtet von Mike und Claire Wellington (Christopher Walken und Glenn Close), dem Vorzeige-Ehepaar aus Stepford. Und bald erfährt Joanna, warum die Frauen hier so anders sind....

Stellen wir die bange Frage doch gleich mal an den Ausgangspunkt dieser Rezension, besonders, da uns auch in den folgenden Wochen wie jedes Jahr noch eine Reihe von Remakes bevorsteht: Was kann, darf und sollte ein Remake leisten?

Versuchen wir's mal: Es kann nicht behandelte Aspekte aufgreifen, darf frei mit der Materie umgehen, um nicht eine reine Widerholung zu sein, sollte aber nicht völlig außer Acht lassen, ob etwaige Änderungen gut oder schlecht sind. Zumindest durch Abweichung vom Original kann diese Neuversion punkten, denn mit dem alten Film von 1975 hat dieser Film außer der Grundidee so ziemlich genau null gemeinsam. Die eigentliche Frage ist aber, ist das eine gute Sache? Um es kurz zu machen: Nein, ist es nicht. Ganz und gar nicht.
Das sonnenumflutete Original sah aus wie eine Werbung für Hautcremes und verbarg darin ein paranoides, dunkles Herz. Angst und Paranoia wurden fast so genial umgesetzt wie in "Rosemary's Baby" sieben Jahre zuvor und "Die Körperfresser kommen" drei Jahre danach. Bei allem schwarzen Humor war "Die Frauen von Stepford" vor allem ein Horrorfilm, dessen Grauen langsam, aber stetig kam (ohne Monster, Mörder oder Mystik) und in einer der bösesten Pointen (und Schlusseinstellungen) der Filmgeschichte endete. Diese Neuversion sieht aus wie der Amoklauf eines übereifrigen Innenarchitekten und hat nicht nur kein dunkles, sonder einfach gar kein Herz, nur ein großes Vakuum.
Die ersten inneren Alarmglocken schrillten ja bereits, als man als Kenner des geschätzten Originals hörte, dass für diese "Re-Invention" (wie man bei recht freien Remakes ja mittlerweile zu sagen pflegt) das Team aus Drehbuchautor Paul Rudnick und Regisseur Frank Oz, bekannt für den erstaunlich unlustigen Schwulenschwank "In and Out", an Bord kam. Franz Oz, ob seiner Karriere als Puppenspieler und Stimme von Miss Piggy am Set von "The Score" von Diva Marlon Brando nur "Schweinchen" gerufen, hat es in seiner mittlerweile über zwei Jahrzehnte langen Karriere nicht ein einziges Mal geschafft, einen komplett gelungenen Film abzuliefern. Aber was er sich hier leistet, das ist wirklich erbärmlich.
Sein Helfer Rudnick macht die Sache noch wesentlich schlimmer. Dessen besondere Spezialität, nämlich möglichst schrille und tuntige Schwule zu schreiben, findet in der Figur des Roger Ausdruck. Diese und andere lahme Stereotypen (die chaotische Autorin, die gewandelte Karrierefrau) präsentiert ein Film, der gerne intelligent und sexy wäre, mit der Subtilität eines Vorschlaghammers und so unreflektiert, dass man schon von Kontraproduktivität sprechen kann. Denn ein Drehbuch, das den Kampf gegen Verlust von Identität und Zwang zu stereotypen Verhaltensweisen beschreibt und die Helden dieses Kampfes gleichzeitig lustvoll in Stereotypensuppe garen lässt - da ist etwas so faul wie im Staate Dänemark oder Vorort Stepford.
Fast genauso dämlich: Durch den Prolog wird Kidman a) als eine Art Mensch-Maschine im strengen Karrierefrauenoutfit und b) als äußerst unsympathisch charakterisiert. Was quasi von Minute eins an das Konzept des Films, in dem die Heldin (sprich: Sympathieträgerin) das Geheimnis der merkwürdig mechanisch wirkenden Frauen in Stepford ergründen will, zum Scheitern bringt. Ist aber offenbar nicht so schlimm, denn der Fokus von Rudnick und Oz liegt statt wirklichem Interesse an Themen, Motiven und Metaphern von Romanvorlage und Erstverfilmung nur darauf, die nächste ach-so-intelligente popkulturelle Anspielung und den nächsten Gag an den Start zu bringen.
Die eindeutigsten Opfer von dieser Travestie der Originalgeschichte: Das Potential einer intelligenten Grundidee, so etwas wie eine Spannungskurve und das Interesse des Zuschauers. Denn dadurch, dass bereits nach einer knappen halben Stunde das Geheimnis der Stepford-Frauen mehr oder weniger gelüftet wird, schleppt sich der Film für den Rest seiner Laufzeit dahin, nur mühsam zusammengehalten von gelegentlich amüsanten, meist jedoch auf mittlerem Sitcom-Niveau agierenden Blondinenwitzchen über, genau, Blondinen und Popkultur (AOL, Reality-TV), die auf Dauer gar zu nerven beginnen. Diese Neuauflage zeigt auch, wie Postmoderne ins Leere laufen kann. Wer sich nämlich nur an der eigenen, gar nicht mal so übermäßig vorhandenen Cleverness erfreut, ohne seine Popkulturreferenzen in so etwas wie eine Geschichte einzubauen oder mit richtigen Charakteren zu versehen, der hat nicht nur was falsch verstanden, sondern macht auch alles falsch. Und billige Witze mögen, was die Anzahl der Lacher betrifft, erfolgreich sein, am Ende des Tages bleiben sie trotzdem billige Witze.
Das Problem sind aber nicht nur diese Späßchen selbst, sondern der wild variierende Ton der Geschichte. Innerhalb dieser komplett überzeichneten Karikaturwelt hat Ernsthaftigkeit (leider) keinen Platz, und als Herr Oz in der zweiten Hälfte des Films die dunkleren Aspekte der Vorlage doch noch ein wenig versucht mit hereinzunehmen, scheitert dieser Film völlig. Kein Spannungsmoment gelingt, keine als gruselig gedachte Szene ist etwas anderes als lahm. Ganz zu schweigen von den zahlreichen anderen Dummheiten und Unzulänglichkeiten des Scripts. So konnte sich Rudnick offenbar nicht recht entscheiden, was die Stepford-Frauen sind, und präsentiert zwei alternative Möglichkeiten. Die nicht dem Original entsprechende Variante ist allerdings hauptsächlich nötig, um das vollkommen abstruse deus ex machina-Ende zu ermöglichen und die Zuschauer nicht etwa durch Konsequenz und damit auch eine gewisse Bösartigkeit zu verstören, so wie es das Original tat. Dass das Ende konfus, hochgradig albern (sogar im Kontext dieses Films) und im Vergleich zum Original geradezu grauenhaft inkonsequent ist; es ist am Ende dieser Katastrophe von Film sowieso egal.

Nicht nur, dass "Die Frauen von Stepford" anno 2004 an den titelgebenden Damen erstaunlich wenig Interesse zeigt, es wird sich auch für keine andere Figur interessiert. Sämtliche Charaktere sind wandelnde Klischees ohne Tiefe oder Motivation. Zudem verhalten sie sich weder logisch noch irgendwie kohärent, was dieser Film zwar auch gar nicht zum Ziel hat, aber trotzdem enorm stört. Und dazu gesellen sich auch nur sehr mäßige Leistungen des Ensembles. Nicole Kidman beherrscht zwar die Szenerie mit ihrem Superstarcharme, kann aber in der konfus und kontraproduktiv konzipierten Rolle der Joanna nur verloren wirken. Bette Midler und Paul Bart kommen in dieser Cartoonwelt als laute Stereotypen am besten zurecht, was angesichts der Konkurrenz nicht sehr schwer ist. Die Altstars Glenn Close und Christopher Walken haben ihre Darstellungen dagegen auf Autopilot gestellt und Matthew "Ferris wird alt" Broderick ist schlicht gesagt langweilig und farblos. Traurig: Noch vor Ansicht dieses Films schwor der Rezensent, dass Redaktionsheld Christopher Walken auch den größten Mist noch ansehbar macht. Aber hier geht er mit dem gesamten Ensemble mit fliegenden Fahnen unter.
Übrigens: Besonders lachhaft, was Regisseur Frank Oz zu geplanten Cameos der Stars des Originalfilms zu sagen hatte. Dies sei ja keine strikte Komödie, da könne man so was nicht machen, das würde das emotionale Zentrum des Films verletzen und die Ehrlichkeit der Beziehungen darin. Prust. Lach. Entschuldigung, geht's noch? Wenn dies keine Komödie ist (oder zumindest eine sein soll), dann ist "Rio Bravo" kein Western und "Shrek" kein Animationsfilm. Oh, und emotionale Zentren oder ehrliche Beziehungen sucht man hier auch komplett vergebens. Denn der ganze Film ist ein Produkt wie aus Stepford, seelen- und leblos.
Fraglich auch, was die Zielsetzung dieses Films war und welche Zielgruppe hier bedient werden soll. Für eine leichte und beschwingte Komödie ist die Grundidee eigentlich zu ernst und erschreckend, was die Herren Oz und Rudnick aber nicht aufhält. Mit den in der ersten Hälfte stattfindenden Dialogen zwischen Kidman, Midler und Bart will man wohl "Sex and the City"-Zuschauer als Zielgruppe identifizieren, die sich aber mit den alberneren und wüsteren Aspekten dieses Cartoon-artigen Films kaum werden anfreunden können. Und dem Filmkenner werden angesichts dieser Drag Queen von Stepford-Frau sowieso die Haare zu Berge stehen.

Statt richtiger Satire, Horror- und Sciencefiction-Elementen, die das Original allesamt gelungen miteinander verband, wird hier nur eines geboten: eine knallbunte Farce ohne Sinn und Verstand. Das könnte man im Fernsehen als die überlange Sitcom-Folge, die dieser Film eigentlich ist, fast noch durchgehen lassen, aber eben nicht auf der großen Leinwand, unter diesen Voraussetzungen und vor allem unter diesem guten Namen.
Und da kommt zum Schluss nicht nur die Frage "Kann, darf und sollte man einen Film so ‚neu-erfinden'?" wieder, sondern auch nochmals die Antwort dazu. Kann man nicht, darf man nicht, sollte man nicht. Dagegen war Tim Burtons affiges "Planet der Affen"-Remake ja fast noch zwingend. Milde amüsant mag dieser Film ja sein, aber in etwa so unterhaltsam wie Fußkrätze und so erinnerungswürdig wie ein Fernsehspot für Damenbinden.

Simon Staake

3

Wenn man das Original nicht kennt, ist der Film akzeptabel (mehr auch nicht), aber als Verfilmung des Buches bzw. Remake des Originalfilms einfach nur schlecht, sozusagen unterirdisch ...

Allerspätestens durch diesen letzten Satz Staakes bei dieser Kritik hat Staake sich als Kritiker disqualifiziert. Ich werde seine Kritiken nicht mehr lesen.

3

Der Film hat einen sehr großen Logikfehler: (SPOILER!)
-zuerst wird dem Zuschauer vermittelt, die Frauen seien Roboter (z.B. die durchgedrehte Frau beim Tanzfest)
-dann heißt es, den Frauen würden Mikrochips ins Gehirn verpflanzt, denn am Ende sind alle wieder sie selbst (würde bei Robotern nicht gehen)
Fazit: Schwachsinn

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